Aneurysma behandeln lassen oder nicht?

Foto von Mutter und Tochter im Gespräch
PantherMedia / Martin Novak

Nicht alle zufällig entdeckten Hirnaneurysmen reißen. Es gibt aber einige Faktoren, die das Risiko für einen Riss (Ruptur) mit anschließender Blutung ins Gehirn erhöhen.

Wenn ein Hirnaneurysma festgestellt wird, versuchen Ärztinnen und Ärzte das Risiko für Komplikationen einzuschätzen. Das heißt vor allem: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Aneurysma irgendwann plötzlich reißt und eine lebensbedrohliche Hirnblutung auslöst?

Es gibt Eigenschaften des Aneurysmas und Erkrankungen, die das Risiko für einen Riss erhöhen. Aber auch Gewohnheiten wie das Rauchen können Komplikationen wahrscheinlicher machen.

Was macht ein Reißen wahrscheinlicher?

Je größer ein Aneurysma ist, desto höher ist das Komplikationsrisiko. Es gibt zwar keine feste Grenze zwischen „harmlosen“ und „gefährlichen“ Aneurysmen. Fachleute gehen aber davon aus, dass Aneurysmen mit einem Durchmesser unter sieben Millimetern nicht sofort behandelt werden müssen, sondern beobachtet werden können.

Aber es lässt sich nicht ganz ausschließen, dass auch solche kleinen Aneurysmen reißen. Daher spielen bei der Entscheidung für oder gegen eine Behandlung auch andere Risikofaktoren eine Rolle. So gilt das Risiko für einen Riss als erhöht, wenn ein Aneurysma

  • im Laufe der Zeit größer wird,
  • an den Hirnarterien sitzt, die den hinteren Bereich des Gehirns versorgen oder
  • unregelmäßig geformt ist.

Bei mehreren Hirnaneurysmen besteht ebenfalls ein erhöhtes Risiko – vor allem, wenn eins davon schon einmal geblutet hat.

Abgesehen von den Eigenschaften des Aneurysmas sind Komplikationen häufiger

  • bei Menschen, die haben,
  • bei Personen, die rauchen oder viel Alkohol trinken,
  • bei Frauen,
  • bei älteren Menschen und
  • bei einer familiären Vorbelastung – das heißt, wenn ein naher Verwandter wie Geschwister oder Eltern bereits eine Blutung aufgrund eines Aneurysmas hatte.

Was kann ich selbst tun, um das Risiko gering zu halten?

Wichtige Risikofaktoren, die sich vermeiden oder zumindest beeinflussen lassen, sind:

  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholkonsum

Gegen einen erhöhten Blutdruck lässt sich einiges tun. Schon eine Ernährungsumstellung mit Gewichtsabnahme und mehr Bewegung können dazu beitragen, ihn zu senken. Außerdem gibt es wirksame Medikamente gegen Bluthochdruck.

Wer raucht, wenn ein Aneurysma festgestellt wird, kann sein Risiko für einen Riss verringern, wenn er damit aufhört. Das fällt vielen schwer. Es gibt aber verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten, die einen Rauchstopp erleichtern können.

Ähnliches gilt für Alkohol. Je nachdem, wie viel man trinkt, kann professionelle Unterstützung dabei nötig sein. Wer seinen Alkoholkonsum verringern, aber nicht ganz verzichten will, kann versuchen, nur gelegentlich oder bei besonderen Anlässen ein Glas zu trinken.

Spricht das Risiko für oder gegen eine Behandlung?

Nach der „Hirnaneurysma“ stellt sich meist die Frage: Muss das Aneurysma behandelt werden oder nicht? Für diese Entscheidung ist es wichtig, wie wahrscheinlich es ist, dass das Aneurysma eines Tages reißt.

Bei einem sehr geringen Risiko für eine Hirnblutung könnte eine Behandlung wegen ihrer möglichen Risiken und Nebenwirkungen womöglich mehr schaden als nutzen. Menschen mit sehr hohem Risiko könnte die Behandlung dagegen vor einer lebensbedrohlichen Hirnblutung schützen. Für sie überwiegt trotz möglicher Nebenwirkungen der Nutzen.

Ob ein Aneurysma irgendwann reißt oder nicht, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Außerdem muss das Risiko für eine Hirnblutung mit dem für die Nebenwirkungen und Risiken einer Behandlung abgewogen werden. Auch das Behandlungsrisiko ist nicht für jeden gleich. Aus all diesen Gründen ist die Entscheidung für oder gegen eine Behandlung manchmal schwierig und eine Beratung mit Ärztinnen und Ärzten wichtig, die sich auf die von Hirnaneurysmen spezialisiert haben.

Eine Entscheidungshilfe kann dabei unterstützen, sich auf dieses Beratungsgespräch vorzubereiten. Sie kann zum Beispiel dabei helfen, herauszufinden, was einem wichtig ist und zu welchen Fragen noch Informationen fehlen.

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Erstellt am 31. Oktober 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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