Behandlungen und Untersuchungen

Was ist eine Ergotherapie?

Ergotherapie soll Menschen dabei helfen, ihr Leben eigenständiger zu gestalten. Ergotherapeutinnen und -therapeuten helfen zum Beispiel, wenn durch eine Erkrankung eine Hand oder ein Arm nur eingeschränkt genutzt werden kann. Dazu setzen sie verschiedene Übungen und Aktivitäten ein, beraten und schlagen Anpassungen im Alltag vor. Eine Ergotherapie kann für Menschen jeden Alters sinnvoll sein.

Wann kommt Ergotherapie infrage?

Ergotherapie ist zum Beispiel bei folgenden Krankheiten und Beeinträchtigungen möglich:

Was beinhaltet Ergotherapie?

Ziel der Ergotherapie ist, die Fähigkeiten zu verbessern, die man für ein möglichst selbstständiges Leben braucht. Dazu gehört, für sich selbst zu sorgen und zum Beispiel zu arbeiten – aber auch, die Wohnung zu verlassen und sich mit anderen Menschen zu treffen.

Ergotherapie unterstützt dabei, mit einer (neuen) körperlichen oder geistigen Einschränkung umzugehen und den Alltag zu bewältigen. Dadurch kann sie helfen, die Lebensqualität und die Gesundheit zu verbessern. Auch Angehörige können sich umfassend beraten lassen.

Je nach Beeinträchtigung und persönlicher Situation kann eine Ergotherapie Übungen und Angebote beinhalten wie zum Beispiel:

  • Training von Alltagsfertigkeiten (anziehen, Essen zubereiten, Haushalt führen)
  • Training von Fertigkeiten für Schule, Beruf oder Freizeit
  • Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen
  • Konzentrations- und Gedächtnistraining
  • handwerkliche und kreative Übungen
  • Hilfe bei der Tagesstrukturierung
  • Anpassung der Wohnung oder des Arbeitsplatzes
  • Nutzung von Hilfsmitteln wie Rollatoren oder Prothesen
  • Beratung, bei Bedarf auch Anleitung von Angehörigen

Wie läuft die Behandlung ab?

Die Behandlungsziele werden möglichst gemeinsam mit der Ergotherapeutin oder dem Ergotherapeuten geplant und ihr Erfolg auch gemeinsam überprüft. Eine Ergotherapie kann nur erfolgreich sein, wenn man sich aktiv beteiligt und das Gelernte im Alltag so oft wie möglich einsetzt. Dazu zwei Beispiele:

Beispiel 1

Nach einem Schlaganfall war Herr K. zunächst halbseitig gelähmt, auch das Sprechen fiel ihm schwer. Durch Physiotherapie und Logopädie hat er schon große Fortschritte gemacht – doch er kann seinen rechten Arm noch nicht wieder so einsetzen wie früher, und er ist beim Gehen sehr unsicher geworden. Er braucht deshalb einen Rollator.

Seine Ergotherapeutin zeigt ihm den Umgang mit dem Gerät und übt mit ihm, sich sicher damit fortzubewegen. Damit er mit rechts wieder besser greifen kann und im Alltag zurechtkommt, übt sie mit ihm Dinge wie Zähne putzen oder schreiben. Zudem bringt sie ihm verschiedene Übungen für seinen Arm und seine Hand bei. Außerdem berät und unterstützt sie das Ehepaar K. dabei, ihre Wohnung so anzupassen, dass sich Herr K. auch mit Rollator sicher darin bewegen kann.

Beispiel 2

Frau M. hat eine Schizophrenie. Dadurch fehlt es ihr an Antrieb, und sie hat starke Konzentrationsstörungen. Es fällt ihr schwer, den Alltag zu strukturieren und zu bewältigen. Sie ist schnell überfordert und sehr unsicher im Umgang mit anderen Menschen.

Zusammen mit ihrem Ergotherapeuten macht sie Konzentrationsübungen. Mit handwerklichen und gestalterischen Übungen trainiert sie, Abläufe zu planen und einfache Tätigkeiten umzusetzen. Sie lernt, sich für jeden Tag realistische Ziele zu setzen – zum Beispiel einen Einkauf zu erledigen und zu kochen.

Wo findet Ergotherapie statt?

Anbieter sind unter anderem:

  • Krankenhäuser
  • Rehabilitationskliniken
  • ergotherapeutische Praxen
  • Tageskliniken
  • Pflegeheime
  • Frühfördereinrichtungen

Ergotherapeutische Praxen bieten auch Hausbesuche an.

Wie erhält man Ergotherapie?

In Kliniken gehört Ergotherapie oft zum Behandlungsplan und findet dann im Krankenhaus statt. Für eine ambulante Behandlung in einer Ergotherapie-Praxis oder zu Hause braucht man ein ärztliches Rezept (Verordnung). Pro Rezept muss ein Eigenanteil von 10 Euro plus 10 % der Behandlungskosten gezahlt werden. Werden für eine Behandlung zum Beispiel 35 Euro berechnet, beträgt der Eigenanteil bei zehn Behandlungen 45 Euro (10 Euro plus 10 x 3,50 Euro). Kinder sind von der Zuzahlung befreit.

Bei den oben genannten Erkrankungen wird eine verordnete Ergotherapie bis auf den Eigenanteil häufig von den Krankenkassen bezahlt. Im Rahmen einer Rehabilitation übernehmen die Unfallkassen oder die Rentenversicherung die Kosten.

Es kann aber auch vorkommen, dass Ergotherapeutinnen und -therapeuten Leistungen vorschlagen, die vollständig selbst bezahlt werden müssten. Diese werden individuelle Gesundheitsleistungen (IGe-Leistungen) genannt.

Ein erstes Rezept umfasst üblicherweise 10 Einheiten von jeweils 30 bis 60 Minuten. Die Termine werden in der Regel 1- bis 3-mal pro Woche angeboten.

Der Deutsche Verband für Ergotherapeuten bietet auf seiner Internetseite eine Suche nach Ergotherapeutinnen und Ergotherapeuten an.