Untersuchungen bei Endometriose

Foto von Diagnose per Ultraschall (PantherMedia / Iakov Filimonov) Endometriose wird oft erst sehr spät erkannt und behandelt. Beim Verdacht auf Endometriose ist es wichtig zu überlegen, welche Untersuchungen tatsächlich nötig sind. Um über die beste Behandlung der Beschwerden entscheiden zu können, helfen eingreifende Untersuchungen wie eine Bauchspiegelung nicht unbedingt. Sie sind außerdem mit Risiken verbunden.

Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Diese sogenannten Endometriose-Herde sind gutartig und führen nicht bei allen Frauen zu spürbaren Beschwerden. Die meisten Frauen suchen erst dann ärztliche Hilfe, wenn die Endometriose erhebliche Schmerzen verursacht oder eine Schwangerschaft ausbleibt.

Zu den typischen Beschwerden, die auf eine Endometriose hinweisen können, gehören insbesondere starke Regelschmerzen, Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr sowie druckempfindliche Stellen in bestimmten Bereichen des Beckens.

Anamnese und Tastuntersuchung

Der erste Untersuchungsschritt ist ein ausführliches Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt. Damit sie oder er sich ein Bild machen kann, ist es wichtig, über alle Symptome zu berichten: Seit wann die Schmerzen bestehen, wie stark sie sind, an welcher Körperstelle sie sich bemerkbar machen, wie sie empfunden werden und unter welchen Umständen sie auftreten. Auch die Auswirkungen der Schmerzen können Aufschluss darüber geben, was gegen die Erkrankung getan werden sollte: Zum Beispiel, ob sie regelmäßig den Alltag stören und daran hindern, den normalen täglichen Aktivitäten nachzugehen, oder ob das Liebesleben darunter leidet.

Der nächste diagnostische Schritt ist eine allgemeine gynäkologische Untersuchung. Bei der gynäkologischen Tastuntersuchung prüft die Ärztin oder der Arzt, ob leichtes Bewegen der Gebärmutter, Druck auf ihre Seiten und Haltebänder sowie auf den Bereich zwischen der hinteren Gebärmutterwand und dem Mastdarm (Douglas'scher Raum) schmerzhaft sind. Auch Knoten und Verhärtungen im Bindegewebe des Beckens können ein Hinweis auf Endometriose sein. Diese kommen allerdings auch bei Verwachsungen aufgrund anderer Ursachen vor.

Für eine Tastuntersuchung streift die Ärztin oder der Arzt sterile Handschuhe über und ertastet Form und Beschaffenheit der Organe mit ein oder zwei Fingern einer Hand von innen über die Scheide und den After, von außen mit der anderen Hand über die Bauchdecke.

Eine gynäkologische Untersuchung umfasst in der Regel auch eine Sichtuntersuchung der Scheide mit einem Scheidenspiegel (Spekulum). Erst wenn Anamnese, Sicht- und Tastuntersuchung Hinweise auf eine Endometriose ergeben haben, lässt sich entscheiden, ob weitere Untersuchungen sinnvoll sind.

Ultraschall

Eine Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke kann Hinweise auf größere Endometriose-Herde und -Zysten liefern. Auch Organe wie die Blase können so untersucht werden. Eine durch die Scheide ausgeführte Ultraschalluntersuchung ist besser geeignet, um Hinweise auf eine Eierstocks-Endometriose zu erhalten. Kleine Herde und auch Verwachsungen sind im Ultraschallbild jedoch nicht zu erkennen.

Wenn auffällige Veränderungen gefunden wurden, kann nach Abschluss dieser Untersuchungen manchmal bereits eine Entscheidung über eine mögliche Therapie getroffen werden. Ob weitergehende Untersuchungen sinnvoll sind, hängt unter anderem davon ab, wie stark die Beschwerden sind.

Laparoskopie

Um eine Endometriose mit Sicherheit festzustellen, kommt eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) infrage. Eine Bauchspiegelung ist ein Eingriff unter Vollnarkose. Für eine Spiegelung sind mindestens zwei kleine Einschnitte durch die Bauchdecke nötig. Durch einen Schnitt in Höhe des Bauchnabels führt die Ärztin oder der Arzt einen Stab mit einer winzigen Videokamera und Lampe an der Spitze in die Bauchhöhle ein. Die Kamera liefert Bilder der Organe im Bauchraum und im Becken. Auf diese Weise lassen sich auch kleine Endometriose-Herde und Verwachsungen erkennen.

Ein weiterer Einschnitt erfolgt meistens oberhalb und seitlich der Schamhaarbegrenzung. Durch diesen Schnitt können Instrumente eingeführt werden, um einzelne Endometriose-Herde zu entfernen und Gewebeproben zu entnehmen.

Die Bauchspiegelung kann eine Endometriose recht zuverlässig ausschließen: Wenn keine Herde gefunden werden, ist es unwahrscheinlich, dass doch eine versteckte Endometriose vorliegt.

Wenn bei einer Bauchspiegelung Endometriose-Herde im Eierstock oder Knoten im kleinen Becken auffallen, wird meist Gewebe entnommen, um es unter dem Mikroskop zu untersuchen. Mit der Biopsie lässt sich bestätigen, dass es sich tatsächlich um Endometriose handelt und nicht um eine andere Erkrankung oder einen (seltenen) bösartigen Tumor.

Weil die Bauchspiegelung wie jede andere Operation unter Narkose mit Risiken verbunden ist, kommt sie erst dann in Betracht, wenn für die Entscheidung über eine Behandlung eine sichere Diagnose erforderlich ist. Dies ist der Fall, wenn starke Schmerzen die Lebensqualität und den Alltag massiv beeinträchtigen oder wenn die Endometriose die Funktion anderer Organe stört.

Eine Behandlung zum Beispiel mit hormonellen Wirkstoffen wie GnRH-Analoga wird wegen möglicher Nebenwirkungen normalerweise nur begonnen, nachdem eine Bauchspiegelung die Diagnose bestätigt hat.

Bei unerfülltem Kinderwunsch wird eine Bauchspiegelung üblicherweise erst eingesetzt, wenn verschiedene andere, weniger belastende Untersuchungen ergebnislos geblieben sind und ein konkreter Verdacht auf Endometriose besteht.

Andere Diagnoseverfahren

Im Blut mancher Frauen mit Endometriose kann ein bestimmter Laborwert erhöht sein, das sogenannte CA125. Die Bestimmung dieser und anderer Blutwerte hilft jedoch nicht, eine Endometriose sicher festzustellen oder auszuschließen. Solche Laborwerte sind für weitere Entscheidungen deshalb wenig hilfreich und spielen in der Endometriose-Diagnostik heute normalerweise keine Rolle mehr.

Je nach Ausmaß der Beschwerden und Ergebnis der gynäkologischen Untersuchung kann es sinnvoll sein, die Nieren per Ultraschall oder die Blase und / oder den Darm per Spiegelung zu untersuchen. Selten kommen auch bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie (Kernspintomografie) zum Einsatz.

Stadien der Endometriose

Um das Ausmaß der Erkrankung einzuschätzen, orientieren sich viele Ärztinnen und Ärzte an einer Stadieneinteilung nach der Größe und Verbreitung der Endometriose-Herde:

  • „minimale“ (Stadium I)
  • „leichte“ (Stadium II)
  • „mäßige“ (Stadium III) und
  • „schwere“ Endometriose (Stadium IV).

Es gibt jedoch bisher keine Einteilung, die die Beschwerden der Endometriose gut erfasst. Eine Einteilung nach Zahl und Größe der Endometriose-Herde hilft Frauen nur wenig, da die Ausprägung der Endometriose wenig über das Ausmaß der Schmerzen sagt. Denn Frauen mit ähnlich ausgeprägter Endometriose können sehr unterschiedlich beeinträchtigt sein.