Operation

Foto von Mädchen im Aufklärungsgespräch vor einer OP (PantherMedia / HighwayStarz) Bei einer sehr stark gekrümmten Wirbelsäule kann eine Operation infrage kommen. Dabei werden mehrere Wirbelkörper entlang der Krümmung miteinander verbunden, um die Wirbelsäule zu begradigen.

Normalerweise nimmt eine Skoliose nach Abschluss des Knochenwachstums (der Skelettreife) nicht mehr zu. Dies gilt jedoch nicht für sehr starke Krümmungen: Studien zeigen, dass Skoliosen mit einem Cobb-Winkel über 50 Grad im Laufe des Lebens häufig fortschreiten. So starke Krümmungen werden daher üblicherweise operiert. Durch die Operation wird die Wirbelsäule versteift. Dadurch kann die Krümmung der Wirbelsäule weitgehend korrigiert und das Fortschreiten der Skoliose aufgehalten werden.

Manchmal wird auch bei Winkeln zwischen 45 und 50 Grad eine Operation erwogen – zum Beispiel, wenn die Knochen noch sehr unausgereift sind.

Bei der Entscheidung für eine Operation spielen verschiedene Aspekte eine Rolle:

  • die genaue Ausprägung der Skoliose
  • die Abwägung der Vor- und Nachteile
  • der Einfluss der Skoliose auf die Lebensqualität
  • mögliche Begleiterkrankungen

Es gibt keine Studien, die zeigen, dass sich Rückenbeschwerden durch eine Operation lindern lassen. Eine Operation führt oft selbst vorübergehend zu Rückenschmerzen.

Eine Skoliose schreitet nur langsam fort. Deshalb ist es normalerweise nicht nötig, sich sofort für eine Operation zu entscheiden. Es kann auch hilfreich sein, eine zweite Meinung einzuholen.

Was wird bei einer Operation gemacht?

Eine Skoliose wird in der Regel mit einer sogenannten Wirbelkörperfusion operiert. Die Operation wird auch als Versteifungsoperation, Wirbelkörperversteifung oder Spondylodese bezeichnet.

Durch diesen Eingriff werden die Wirbel im Bereich der Krümmung begradigt und miteinander verbunden. Mit dieser Methode lässt sich die Wirbelsäule weitestgehend wiederaufrichten.

Bei der Operation wird meist von der Rückenseite aus operiert, üblicherweise durch einen längeren Schnitt entlang der Wirbelsäule. Zunächst werden spezielle Schrauben mit Halterungen in die Wirbelkörper geschraubt. Durch die Halterungen werden Metallstäbe geführt, die die Wirbelsäule aufrichten sollen.

Damit die Wirbelkörper nach der Operation besser miteinander verwachsen, werden zudem kleine Knochenstückchen (Knochentransplantate) entlang der Wirbelkörper platziert. Sie können aus dem Beckenkamm des eigenen Körpers entnommen oder als Knochenspende von einer Knochenbank bezogen werden.

 

Grafik: Röntgenbild der Wirbelsäule nach einer VersteifungsoperationRöntgenbild der Wirbelsäule nach einer Versteifungsoperation

Welche Risiken hat eine Operation?

Zu den ernsthaften Komplikationen einer Operation gehören Nervenverletzungen im Bereich des Rückenmarks. Während eine Quetschung der Nerven nur zu vorübergehender Taubheit führt, kann eine Verletzung oder Überdehnung des Rückenmarks zu einer Querschnittslähmung führen. Es kommt bei etwa 1 % der Eingriffe vor, dass das Rückenmark verletzt oder überdehnt wird. Langfristige Schäden infolge dessen sind aber seltener.

Andere Risiken einer Operation sind Infektionen und ein größerer Blutverlust, der eine Bluttransfusion erfordern kann. Außerdem besteht ein geringes Risiko, dass die Operation nicht gelingt oder sich später Schrauben lösen und ein weiterer Eingriff notwendig wird. Insgesamt kommt es bei etwa 5 % der Eingriffe zu einer Komplikation.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Operation?

Der beste Operationszeitpunkt hängt von der individuellen Situation ab. Wichtig ist, gut abzuwägen: Wird die Skoliose zu früh – also noch vor dem Wachstumsschub – operiert, besteht das Risiko, dass nachoperiert werden muss, wenn sich die Wirbelsäule weiter verkrümmt. Wird sie zu spät operiert, kann der Eingriff aufwendiger werden, wenn die Krümmung dann schon stärker ist.

In der Regel strebt man eine Operation nach dem Wachstumsschub, aber vor dem vollständigen Abschluss des Wachstums an.

Wie lange dauert die Genesung?

Wie lange es dauert, bis man sich von einer Skoliose-Operation erholt hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von der Anzahl der verbundenen Wirbelkörper. Die folgenden Angaben können deshalb nur als grobe Orientierung dienen.

In der Regel bleibt man nach der Operation für 4 bis 10 Tage im Krankenhaus. In den Tagen nach der Operation kommt es infolge der Narkose oft zu Übelkeit und Appetitlosigkeit. Der Rücken fühlt sich zunächst ungewohnt an, und das Aufstehen und Gehen ist meist anstrengend. Nach einigen Tagen fällt es aber oft schon wieder leichter, kleinere Strecken zu gehen.

Nach etwa vier Wochen sind die meisten Alltagsaktivitäten wieder möglich, und man kann in der Regel auch wieder zur Schule gehen. Schmerzen sind in den ersten Wochen nach der Operation normal. Sie können stark sein, lassen sich aber mit entsprechenden Medikamenten gut behandeln.

Nach der Operation kann es nötig sein, für kurze Zeit ein starkes Schmerzmittel einzunehmen. Eine ausreichende Schmerzbehandlung nach der Operation ist wichtig, um die Heilung zu unterstützen und schnell wieder beweglich zu werden. Sobald die Schmerzen nachlassen, werden schwächere Medikamente eingesetzt.

Nach der Operation dauert es etwa 4 bis 6 Monate, bis man wieder mit risikoarmen Sportarten wie etwa Laufen beginnen kann. Da es etwa zwölf Monate dauert, bis die Wirbelkörper vollständig zusammengewachsen sind, sollte man in dieser Zeit auf Sportarten mit viel Körperkontakt und hohem Verletzungsrisiko wie Fußball verzichten. Es kann sein, dass die Ärztin oder der Arzt auch empfiehlt, bestimmte risikoreiche Sportarten ganz zu meiden.

Welche Folgen hat die Operation?

Durch die Wirbelkörperfusion wird der Rücken steifer. Dies erschwert Sportarten, die viel Beweglichkeit erfordern, wie Tanzen oder Gymnastik. Im Alltag fühlen sich viele Menschen aber nicht sehr beeinträchtigt, da zum Beispiel beim Bücken ein Großteil der Beweglichkeit aus der Hüfte kommt.

Die Operation kann eine große Narbe auf dem Rücken hinterlassen. Ärztinnen und Ärzte beraten, was man tun kann, damit das Gewebe gut heilt und die Narbe später möglichst unauffällig bleibt. Dazu gehört zum Beispiel, die Narbe vorsichtig zu massieren und gut zu pflegen – aber auch, sie in den ersten Monaten vor Sonne zu schützen.

Gibt es Alternativen zur Wirbelsäulenversteifung?

Bei der sogenannten Dynamischen Skoliosekorrektur (englisch: Vertebral Body Tethering) werden ebenfalls Schrauben in die Wirbelkörper eingebracht. Anders als bei der Versteifungsoperation werden sie anschließend mit einem Seil aus medizinischem Kunststoff verbunden. Dies soll einerseits die Krümmung beheben, andererseits die Wirbelsäule etwas beweglicher erhalten. Als Vorteil verspricht man sich zudem eine schnellere Genesung.

Mögliche Komplikationen dieser Technik sind, dass das Seil reißen kann. Außerdem kann die Krümmung dabei auch überkorrigiert werden. In einzelnen, kleinen Studien musste etwa die Hälfte der Jugendlichen nach einer Dynamischen Skoliosekorrektur nachoperiert werden.

Insgesamt gibt es bislang kaum Erfahrung mit dieser Technik und nur sehr wenige Kliniken, die sie anbieten. Es fehlen aussagekräftige Studien zum Vergleich mit einer Wirbelkörperfusion über mehrere Jahre. Daher lässt sich noch nicht abschätzen, was Menschen mit Skoliose von diesem Verfahren erwarten können.