Abwarten, Korsett oder Physiotherapie?

Foto von Mädchen bei der Physiotherapie
PantherMedia / Manfred Rimkus

Manchmal kann man bei einer Skoliose im Jugendalter abwarten, ohne zu behandeln. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind aber wichtig, um die Entwicklung der Krümmung zu beobachten. Wenn sie zunimmt, kann eine Korsett-Behandlung nötig sein – ebenso wie bei einer stärkeren Skoliose.

Etwa 2 % aller Jugendlichen haben eine Krümmung in der Wirbelsäule (Skoliose). Die Ursachen dafür sind meist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krümmung zunimmt, hängt vom Ausmaß der Krümmung und von der Skelettreife ab: Stärkere Krümmungen nehmen eher zu. Befinden sich die Knochen noch im Wachstum, ist es wahrscheinlicher, dass die Skoliose weiter zunimmt.

Wann reichen regelmäßige Kontrollen aus?

Das Risiko, dass eine Skoliose zunimmt, ist gering, wenn

  • der Grad der Verkrümmung („Cobb-Winkel“) zwischen 10 und 20 liegt.
  • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt und das Knochenwachstum bald abgeschlossen ist: „Risser-Stadium“ 3 oder höher (die Knochenreife wird in sogenannte Risser-Stadien von 0 bis 5 eingeteilt).

Dann können regelmäßige Kontrolluntersuchungen ausreichen. Wichtig ist, die Kontrolltermine im Abstand von drei bis sechs Monaten einzuhalten.

Zur Kontrolle macht die Orthopädin oder der Orthopäde einen Vorbeugetest und hält eine spezielle Wasserwaage (Skoliometer) an die Wirbelsäule. Wenn diese Untersuchungen auf eine Zunahme der Krümmung hinweisen, wird in der Regel ein Röntgenbild gemacht und der Cobb-Winkel erneut bestimmt. Hat sich der Winkel vergrößert, kann man immer noch eine Behandlung beginnen.

Grafik: Ermittlung des Cobb-Winkels

Ermittlung des Cobb-Winkels

Wann wird ein Korsett empfohlen?

Eine Behandlung mit einem Korsett wird empfohlen, wenn

  • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt und sich zwischen zwei Kontrolluntersuchungen um mehr als 5 Grad vergrößert hat oder
  • der Cobb-Winkel zwischen 30 und 45 Grad beträgt.

Unterschiedliche Empfehlungen gibt es für Jugendliche, bei denen

  • der Cobb-Winkel zwischen 20 und 30 Grad liegt,
  • noch keine Zunahme der Skoliose beobachtet wurde und
  • deren Knochen noch unreif sind (Risser-Stadium 0 bis 2).

Dann empfehlen manche Fachleute eine Korsett-Behandlung. Andere sprechen sich für regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine Korsett-Behandlung nur bei zunehmender Krümmung aus.

Die meisten orthopädischen Korsetts werden aus Kunststoff individuell angefertigt. Ein orthopädisches Korsett kann das Fortschreiten einer Krümmung aufhalten, indem es an bestimmten Stellen Druck auf die Wirbelsäule ausübt. An diesen Stellen ist es von innen gepolstert.

Grafik: Orthopädisches Korsett zur Skoliosebehandlung

Orthopädisches Korsett zur Skoliosebehandlung

Kann eine Physiotherapie helfen?

Manchmal wird zur Behandlung eine empfohlen. Speziell für Skoliose entwickelte Behandlungen wie die sogenannte Schroth-Therapie beinhalten Übungen, die die Wirbelsäule begradigen sollen. Dazu gehören Haltungs- und Streckübungen, Übungen für bestimmte Muskelgruppen sowie spezielle Atemübungen.

Die genaue Auswahl der Übungen hängt von der Stärke und Form der Skoliose ab. Die Übungen werden unter physiotherapeutischer Anleitung erlernt und dann regelmäßig zu Hause gemacht – zur besseren Kontrolle am besten vor einem Spiegel.

Die Schroth-Therapie wird von physiotherapeutischen Praxen und spezialisierten Reha-Zentren angeboten, meist im Rahmen einer langfristigen Behandlung.

Es gibt kaum aussagekräftige Studien zur Wirkung von Physiotherapien speziell bei Skoliose. Einzelne Studien deuten an, dass die Übungen die Verkrümmung etwas beeinflussen können. Ob dies zum Beispiel ausreicht, um eine Korsett-Behandlung zu vermeiden oder Rückenschmerzen vorzubeugen, ist aber unklar.

Wenn eine Korsett-Behandlung nötig ist, können und Bewegung sie nicht ersetzen, aber unterstützen. Weil ein Korsett eine passive Behandlung ist und die Muskulatur durch das Tragen des Korsetts mehr gestützt als gefordert wird, ist es trotzdem sinnvoll, aktiv zu bleiben und Sport zu treiben.

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Erstellt am 14. Januar 2020
Nächste geplante Aktualisierung: 2023

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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