Können Antibiotika einer erneuten Wundrose vorbeugen?

Foto von älterem Mann bei der Antibiotika-Einnahme
PantherMedia / Kasia Bialasiewicz

Menschen, die schon einmal eine Wundrose hatten, können mit niedrig dosiertem Penicillin einer erneuten Hautinfektion vorbeugen. Dazu wird das Medikament bis zu zwölf Monate täglich eingenommen. Die vorbeugende Behandlung ist sicher und gut verträglich.

Zu einer Wundrose kommt es, wenn Bakterien durch eine Verletzung, Risse oder wunde Stellen in die Haut gelangen und sich die oberen Hautschichten entzünden. Sie kann meist erfolgreich mit behandelt werden.

Manche Menschen bekommen immer wieder eine Wundrose. Schätzungsweise bei einer von drei Personen tritt sie erneut auf. Ärztinnen und Ärzte versuchen, die mögliche Ursache für die erneute festzustellen und zu behandeln. Dies kann zum Beispiel eine andere Hauterkrankung wie ein Fußpilz oder eine Borkenflechte sein, oder auch ein schlecht eingestellter Diabetes.

Wenn sich weitere Rückfälle dadurch nicht verhindern lassen, kann eine vorbeugende Behandlung mit einem Antibiotikum helfen. Dazu werden über einen langen Zeitraum zweimal täglich Antibiotika-Tabletten verschrieben. Der Wirkstoff kann auch alle 14 Tage in den Muskel gespritzt werden.

Studienergebnisse zur Vorbeugung mit Penicillin

Verschiedene Forschungsgruppen haben untersucht, welche Vor- und Nachteile eine vorbeugende Antibiotika-Behandlung für Menschen mit einer wiederkehrenden Wundrose oder Phlegmone hat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden dazu fünf Studien mit gut 500 Personen.

Von diesen fünf Studien waren zwei besonders aussagekräftig, da sie eine größere Teilnehmerzahl und keine methodischen Schwächen hatten. Zudem wurden in beiden Studien die Teilnehmenden über drei Jahre nachuntersucht. Damit liefern die Studien auch Informationen über die langfristige Wirksamkeit der Antibiotika-Behandlung.

In der einen Studie hatten die Teilnehmenden zum ersten Mal eine Wundrose. Sie wurden per Zufall in zwei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe erhielt über sechs Monate Penicillin, die andere Gruppe genauso lange ein Scheinmedikament (). Die Dosierung für das Penicillin lag bei 500 mg pro Tag (zwei Tabletten mit je 250 mg) und war damit vergleichsweise gering. In der anderen Studie hatten die Teilnehmenden mindestens schon zweimal eine Wundrose gehabt. Die Behandlung entsprach der ersten Studie, dauerte aber zwölf Monate.

Antibiotika senken das Risiko für weitere Infektionen

Zusammengenommen zeigen die Ergebnisse der beiden Studien, dass eine längere Einnahme von Penicillin vor weiteren Infektionen schützt. Während der Nachbeobachtungszeit von drei Jahren bekamen

  • 43 von 100 Personen, die ein erhalten hatten, eine weitere bakterielle Hautinfektion,
  • 32 von 100 Personen, die Penicillin eingenommen hatten, eine weitere bakterielle Hautinfektion.

Das bedeutet, dass das Penicillin 11 von 100 Personen in diesem Zeitraum vor einer weiteren bewahrt hatte.

Niedrig dosiertes Penicillin ist gut verträglich

In den beiden Studien wurde auch geprüft, wie häufig es zu Nebenwirkungen kam. Dabei wurde besonders auf Übelkeit, Durchfall, Hautausschläge und Pilzinfektionen geachtet, weil diese Nebenwirkungen oft mit in Verbindung gebracht werden.

Die Ergebnisse zeigten, dass diese Beschwerden bei Penicillin nicht häufiger waren als bei . Wenn Menschen Penicillin einnehmen und zum Beispiel Durchfall bekommen, bedeutet das also nicht unbedingt, dass das Medikament der Auslöser dafür ist.

Die gute Verträglichkeit des Antibiotikums könnte mit der niedrigen Dosierung zusammenhängen, die in diesen Studien eingesetzt wurde. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass auch niedrig dosierte manchmal zu Nebenwirkungen führen. Auch wenn einige hundert Menschen an den Studien teilgenommen hatten, reicht die Teilnehmerzahl insgesamt nicht aus, um Aussagen über seltenere Nebenwirkungen zu treffen.

Manche Menschen können Penicillin gar nicht nehmen, weil sie gegen den Wirkstoff allergisch sind – dies ist aber sehr selten. Wenn man nimmt, ist es grundsätzlich immer sinnvoll, sich über ihre richtige Anwendung zu informieren. Dies ist wichtig, um Resistenzen zu verhindern.

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Aktualisiert am 07. März 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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