Hilfsmittel für Menschen mit rheumatoider Arthritis

Foto von Rezept (PantherMedia / Florian K ttler) Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. In vielen Fällen können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen, schmerzen und mit der Zeit Fehlstellungen entwickeln oder versteifen. Mit der Zeit lässt dadurch auch die Muskelkraft nach. Dies äußert sich zum Beispiel dadurch, dass die Finger schwächer werden und sich die Faust nicht mehr richtig schließen lässt. Dann ist es unter Umständen nicht mehr möglich, Gegenstände in der Hand zu halten. Die entzündeten Gelenke können sich zudem allmählich verformen, was die Beweglichkeit weiter einschränkt oder sogar unmöglich macht. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können beschwerlich werden.

Um das Leben mit Rheuma zu erleichtern, wurde eine ganze Reihe von Hilfsmitteln entwickelt. Sie sollen körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Verrichtungen helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu verschiedenen Hilfsmitteln und helfen auch dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärztinnen und Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

Welche Hilfsmittel gibt es?

Hilfsmittel haben ganz verschiedene Aufgaben und können bei unterschiedlichen Tätigkeiten eingesetzt werden:

  • Gehen und Stehen: Orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen und spezielle orthopädische Schuhe sollen die Fußstellung im Schuh verändern und dadurch die Fußgelenke entlasten. Gehhilfen wie gut zu greifende Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern.
  • Essen und Trinken: Messer, Gabeln und Löffel mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff, lassen sich leichter greifen und festhalten. Abgewinkelte Messer können das Schneiden erleichtern, speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner das Öffnen. Es werden auch spezielle Trinkgefäße sowie Halter für Becher und Gläser angeboten.
  • Anziehen: Verschiedene Arten von Anziehhilfen sollen dabei helfen, Socken, Strümpfe und Hosen anzuziehen. Es gibt auch Knöpfhilfen und an der Wand zu montierende Gestelle, um Oberteile leichter anziehen zu können.
  • Körperpflege: Duschhocker oder Badewannenlifter können die Körperpflege vereinfachen. Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gibt es auch Kämme, Bürsten und Badeschwämme mit langen Griffen.
  • Arbeiten: Ein Keilkissen für den Schreibtischstuhl soll die Wirbelsäule entlasten. Auch spezielle Tastaturen und Schreibhilfen sollen Menschen mit Bewegungseinschränkungen die Büroarbeit erleichtern.

Griffaufsätze und -verlängerungen gibt es für viele verschiedene Dinge, etwa für Besteck, Schlüssel, Türklinken, Kugelschreiber und Wasserhähne. Sie werden auf Gegenstände gesteckt, um das Greifen, Halten oder Bedienen zu erleichtern. Außerdem sind spezielle Greifhilfen erhältlich. Rutschfeste Unterlagen verhindern zum Beispiel das Wegrutschen von Tellern oder Schneidbrettern in der Küche, Matten das Ausrutschen in Küche und Bad. 

Wer übernimmt die Kosten für Hilfsmittel?

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen begrenzten Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass das Hilfsmittel von einer Ärztin oder einem Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde. Die Krankenkasse prüft zum Beispiel, ob das Hilfsmittel geeignet ist, eine Beeinträchtigung auszugleichen. Genehmigte Hilfsmittel kann man in der Regel über Sanitätshäuser und Apotheken beziehen, die einen Hilfsmittel-Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse haben. Über Bezugsadressen informiert die Krankenkasse.

Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis kann einen ersten Überblick liefern. Es enthält Hilfsmittel, die grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden können. Auf der Internetseite des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen lässt sich das Hilfsmittelverzeichnis durchsuchen.

Wenn jemand pflegebedürftig ist und in eine Pflegestufe eingestuft wurde, kann auch die Pflegeversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Hilfsmittel dazu dient, die Sicherheit in der Wohnung oder im Wohnumfeld zu verbessern, wie zum Beispiel die Montage von Handläufen im Flur. Der Einbau eines Treppenlifts kann einen Umzug vermeiden helfen.

Hilfsmittel, die die Teilhabe am Arbeitsleben erhalten sollen, können unter anderem von der Rentenversicherung bezahlt werden – etwa eine spezielle Computer-Tastatur. Auch für solche Hilfsmittel muss ein Antrag gestellt werden, zum Beispiel über eine Reha-Servicestelle. Eine Liste dieser Servicestellen stellt die Deutsche Rentenversicherung bereit.

Unter bestimmten Voraussetzungen können auch andere Träger wie das Sozialamt oder die Unfallversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen.

Ärztinnen und Ärzte, Kranken- und Pflegekassen beraten und informieren darüber, welcher Kostenträger im Einzelfall zuständig ist.