Fragen und Antworten rund ums Korsett

Foto von Paar im Freien (PantherMedia / Chris DeSilver) Ein orthopädisches Korsett kann das Fortschreiten einer Skoliose aufhalten. Auch wenn man sich erst an das Korsett gewöhnen muss: Es gibt einige Möglichkeiten, den Umgang damit zu erleichtern.

Der Gedanke, ein Korsett zu tragen, kann erstmal ziemlich abschreckend sein. Es dauert meist auch eine Weile, bis Kopf und Körper sich darauf eingestellt haben. Das ist ganz normal. Mit etwas Übung lernt man aber schnell, das Korsett richtig an- und auszuziehen, entwickelt Routine im Umgang damit und gewöhnt sich auch daran, es den ganzen Tag zu tragen.

Worauf sollte ich achten, wenn mir ein Korsett verschrieben wird?

Ein Korsett muss individuell an die Form der Wirbelsäule angepasst werden, damit es gut sitzt und an den richtigen Stellen Druck auf die Wirbelsäule ausübt. Dazu ist es wichtig, dass sich die Orthopädin oder der Orthopäde gut mit der Behandlung von Skoliose auskennt und der Orthopädietechniker Erfahrung im Bau von orthopädischen Korsetts hat. In der Praxis oder Werkstatt wird einem auch gezeigt, wie man das Korsett richtig anzieht. Bei der Suche nach einer Arztpraxis oder einem Korsettbauer helfen zum Beispiel auch Selbsthilfegruppen.

Grafik: Ein orthopädisches Korsett wird individuell angepasstEin orthopädisches Korsett wird individuell angepasst

Wie viele Stunden täglich wird ein Korsett getragen?

Die ärztliche Empfehlung für die Tragedauer ist individuell: Sie richtet sich nach der Ausprägung der Skoliose und danach, wie lange die Knochen noch wachsen.

Viele Ärztinnen und Ärzte empfehlen eine Tragedauer von rund 18 Stunden pro Tag. Das heißt, dass das Korsett in der Regel auch nachts getragen wird. Studien deuten darauf hin, dass die Tragedauer auf keinen Fall kürzer sein sollte als 13 Stunden.

Wie lange dauert eine Korsett-Behandlung?

Ein Korsett wird getragen, bis das Knochenwachstum abgeschlossen ist. Bei Mädchen sind die Knochen in der Regel zwei Jahre nach Einsetzen der Regelblutung ausgereift. Mithilfe eines Röntgenbilds vom Beckenknochen oder der linken Hand kann die Skelettreife (die aktuelle Phase des Knochenwachstums) genau bestimmt werden.

Wie lange man ein Korsett benötigt, hängt also unter anderem davon ab, in welchem Alter die Skoliose beginnt. Die meisten Jugendlichen tragen es ungefähr zwei bis mehrere Jahre.

Was hilft gegen Druck- und Scheuerstellen?

Orthopädische Korsetts müssen eng anliegen und auf bestimmte Stellen Druck ausüben, um die Krümmung der Wirbelsäule beeinflussen zu können. Dies führt manchmal zu Hautreizungen, Scheuer- oder Druckstellen. Zur Vorbeugung trägt man unter dem Korsett am besten ein spezielles nahtfreies Shirt („Korsetthemd“). Allgemein sollte man darauf achten, dass es keine Falten bildet, wo das Korsett aufliegt.

Um Scheuerstellen zu vermeiden, kann man die betreffenden Hautstellen auch mit Pflegecremes oder Lotionen behandeln. Manche Jugendliche kommen gut mit Produkten zurecht, die auch zur Vermeidung von Druckgeschwüren (Dekubitus) eingesetzt werden. Falls größere Hautprobleme wie etwa ein Ausschlag auftreten, kann man die Hausärztin, den Hausarzt oder in einer dermatologischen Praxis um Rat fragen.

Wenn man ein Korsett bekommt, kann eine Eingewöhnungsphase helfen: In dieser Zeit trägt man das Korsett nur für einige Stunden täglich und steigert die Tragedauer dann über mehrere Tage.

Was zieht man am besten an?

Auch wenn man sich für das Tragen eines Korsetts überhaupt nicht schämen muss, fühlen sich viele Jugendliche wohler, wenn sie es unter der Kleidung verbergen können. Durch längere und locker sitzende Oberteile lässt sich das Korsett oft gut abdecken.

Im Sommer kann es unter dem Korsett aus Kunststoff sehr warm werden, da es keine Luft an die Haut lässt. Dann ist es praktisch, unterwegs ein oder zwei Korsetthemden zum Wechseln dabei zu haben, falls man viel schwitzt.

Kann ich Sport treiben?

Ja! Das ist sogar sehr sinnvoll, denn Sport verbessert die allgemeine Fitness und das Wohlbefinden – und nicht zuletzt stärkt ein regelmäßiges Training die Rückenmuskulatur.

Manche Sportarten sind auch mit einem Korsett möglich. Oft ist es aber einfacher, das Korsett zum Sport auszuziehen.

Normalerweise gibt es keine Einschränkungen beim Sport, solange dabei keine Schmerzen oder Beschwerden auftreten. Im Zweifel ist es sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt zu fragen, ob es Gründe gibt, die gegen eine bestimmte Sportart sprechen.

Wie reinigt man ein Korsett?

Da man das Korsett andauernd trägt und darunter schwitzt, ist es sinnvoll, es mindestens einmal in der Woche zu reinigen. Vor allem an den Innenseiten, wo sich die Druckpolster befinden, kann sich etwas Schmutz ansammeln.

Orthopädische Korsetts sind aus unempfindlichem Kunststoff gefertigt. Sie lassen sich einfach mit einem in Reinigungsalkohol (Isopropanol) getunkten Wattebausch oder Tuch abwischen. Viele Jugendliche reinigen ihr Korsett samt Polstern unter der Dusche mit Waschlotion und lassen es hinterher an der Luft trocknen.

Was hilft mir, wenn das Korsett mal lästig ist?

Ein Korsett kann sehr lästig sein: Weil es so eng sitzt, kann es den Schlaf stören, nach dem Essen zu Bauchschmerzen führen und einfache Dinge wie das Schuhe schnüren zu einer Herausforderung machen. Oft fühlt man sich darin auch einfach eingezwängt. Es ist ganz normal, dass man es manchmal leid ist, ein Korsett tragen zu müssen.

Vielen hilft es dann,

  • sich mit anderen auszutauschen: Andere Jugendliche, die auch ein Korsett tragen müssen, verstehen die Probleme damit oft besser. Nicht zuletzt kann man sich auch gegenseitig darin bestärken, durchzuhalten.
  • sich zu belohnen: Es kann motivierend sein, sich für das Korsett-Tragen gelegentlich mit Kleinigkeiten zu belohnen. Dabei kann es helfen, sich aufzuschreiben, wann und wie lange man das Korsett getragen hat, um den Erfolg zu überprüfen.
  • sich eine positive Einstellung zu bewahren: Dies ist gerade in schwierigen Phasen wichtig. Hilfreich ist auch, sich daran zu erinnern, warum man das Korsett trägt und dass diese Zeit auch irgendwann vorüber ist.

Eine Möglichkeit, mit gleichaltrigen Betroffenen in Kontakt zu kommen, sind zum Beispiel Selbsthilfegruppen vor Ort oder im Internet.

Soll ich anderen sagen, dass ich ein Korsett trage – und wenn ja, wie?

Manche versuchen, möglichst wenig über das Korsett nachzudenken, kein Thema daraus zu machen und es eher zu verdecken. Andere gehen lieber offen damit um. Für einen offenen Umgang spricht,

  • dass es auf Dauer anstrengend ist und ohnehin nicht funktioniert, das Korsett vor anderen zu verbergen.
  • dass es erleichternd sein kann, wenn man es einmal erklärt hat und das Thema dann abhaken kann.
  • dass man andere um Hilfe bitten und Verständnis erwarten kann, wenn sie Bescheid wissen.
  • dass es dann möglich ist, falschen Vorstellungen und Mythen bei anderen vorzugreifen.

Oft reicht schon eine einfache Erklärung, zum Beispiel „Das ist ein orthopädisches Korsett. Ich muss das tragen, weil meine Wirbelsäule etwas schief steht.“ oder „Das hilft mir, meine Wirbelsäule zu korrigieren. So wie eine Zahnspange, nur für den Rücken.“

Eine Möglichkeit ist auch, im Schulunterricht ein Referat über das Thema zu halten, in dem man erklärt, was eine Skoliose ist und wie sie behandelt wird.

Wichtig ist, sich nicht zu viele Gedanken über andere zu machen. So wie man sich mit der Zeit selbst an das Korsett gewöhnt, tun dies die meisten Menschen um einen herum auch. Irgendwann ist es normal und gehört dazu.