Akne: Helfen Salben, Tabletten oder Lichtbehandlung?

Foto von Gruppe Jugendlicher (Paul / F1online/ Thinkstock) Es gibt zahleiche Mittel gegen Akne – zum Auftragen auf die Haut oder zum Einnehmen, frei verkäuflich oder nur auf Rezept erhältlich. Was ist für wen geeignet? Und können Verfahren wie die Phototherapie das Hautbild verbessern?

Welche Behandlungen bei Akne infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem,

  • von der Schwere der Akne,
  • vom Hauttyp (trocken, fettig oder Mischhaut),
  • von der psychischen Belastung durch die Akne,
  • von möglichen anderen gesundheitlichen Problemen,
  • vom Geschlecht,
  • davon, ob jemand zu Aknenarben neigt,
  • welche Behandlungen mit welchem Ergebnis bereits ausprobiert wurden und
  • wie die erwünschten und unerwünschten Wirkungen der verschiedenen Mittel eingeschätzt werden.

Für fast alle Behandlungen gilt: Man braucht Geduld, bis sie wirken. Diese Geduld aufzubringen, kann sich aber lohnen und ist besser, als ständig die Behandlung zu wechseln. Denn sonst kann leicht das Gefühl entstehen, dass einem gar nichts hilft.

Medikamente zum Auftragen auf die Haut

Zur äußeren Behandlung stehen Cremes, Lotionen und Gele mit verschiedenen Wirkstoffen zur Verfügung. Alle Mittel müssen einige Wochen bis Monate angewendet werden, um wirken zu können. Sie werden nicht nur auf die vorhandenen Pickel, sondern auch auf die umliegende Haut aufgetragen, um die Neubildung von Aknepickeln zu verhindern.

Manche Mittel können Hautirritationen wie Rötungen und Juckreiz auslösen. Dieses Risiko lässt sich senken, wenn man zunächst eine niedrige Dosierung wählt und diese dann schrittweise steigert. Bei Hautirritationen kann es hilfreich sein, die Dosierung zu verringern. Bleiben die Hautreizungen bestehen oder zeigt sich auch nach einiger Zeit keine Wirkung, kann man ein anderes Medikament ausprobieren.

Benzoylperoxid

Benzoylperoxid ist ein frei verkäufliches Präparat, das als Gel, Lotion und Creme angeboten wird. Benzoylperoxid fördert die Abstoßung der obersten Hornschichten der Haut. Dadurch soll der Talg besser abfließen, damit die Talgdrüsen nicht so leicht verstopfen. Außerdem wirkt das Mittel antibakteriell. Anders als bei Antibiotika besteht nicht die Gefahr, dass sich die Bakterien durch zu häufige Anwendung an die Substanz gewöhnen (Resistenzbildung).

Benzoylperoxid kann bei leichter bis mittelschwerer Akne helfen, das Hautbild innerhalb einiger Wochen zu bessern. Allerdings kann es bei der Anwendung zu Hautirritationen wie Rötungen und Juckreiz kommen. Da das Mittel die Haare und die Kleidung bleichen kann, ist eine vorsichtige Anwendung ratsam. In welcher Form Benzoylperoxid benutzt wird, spielt für die Wirksamkeit keine Rolle. Das Mittel wird in verschiedenen Konzentrationen angeboten: 2,5 %, 5 % und 10 %. Die höher konzentrierten Produkte wirken nicht besser, die 10 %-Präparate führen aber häufiger zu Nebenwirkungen.

Antibiotika

Bei der entzündlichen Akne siedeln sich Bakterien in der Haut an. Antibiotika, die auf die Haut aufgetragen werden, können entzündliche Akne bessern. Bei nicht entzündlicher Akne sind sie nicht wirksam.

Äußerlich anzuwendende Antibiotika sind rezeptpflichtig. Eine Therapie dauert mindestens drei Wochen, oft bringen aber erst Anwendungen über drei bis sechs Monate sichtbare Erfolge. Bei Antibiotika besteht immer die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden. Das bedeutet, dass die Bakterien nach häufig wiederholter Anwendung gegen den Wirkstoff unempfindlich werden. Die Mittel wirken dann nicht mehr so gut oder gar nicht mehr. Deshalb sind Antibiotika nicht für die wiederholte Langzeittherapie geeignet.

Retinoide

Retinoide sind Abkömmlinge des Vitamin A. Zu den Retinoiden, die bei Akne für eine äußere Anwendung infrage kommen, gehören die Wirkstoffe Adapalen, Isotretinoin und Tretinoin. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und werden als Creme, Gel oder Lösung angewendet. Sie können bei entzündlicher und nicht entzündlicher Akne helfen: Der Hautzustand kann sich innerhalb einiger Wochen sichtbar bessern.

Retinoide können Nebenwirkungen wie Hautrötungen, Brennen und Juckreiz haben. Für schwangere und stillende Frauen sind Retinoide nicht zugelassen.

Weitere Mittel zur äußeren Anwendung

Azelainsäure wird gegen die Verhornung der Talgdrüsen eingesetzt und kann Akne lindern. Es wirkt antibakteriell und gegen Entzündungen. Als Nebenwirkung können Hautirritationen wie Jucken und Brennen auftreten.

Salicylsäure findet sich in vielen kosmetischen Akne-Produkten wie Gesichtswassern oder Cremes. Sie soll die Hornschicht auf den verstopften Hautporen lösen. Ob Mittel mit Salicylsäure bei Akne helfen, ist unklar. Zudem kann Salicylsäure Nebenwirkungen wie Hautrötung, Austrocknen und Abschälen der Haut haben.

Medikamente zum Einnehmen

Medikamente zum Einnehmen kommen in der Regel bei mittelschwerer oder schwerer Akne in Betracht, oder wenn die äußerliche Behandlung keine ausreichende Besserung gebracht hat.

Antibiotika

Antibiotika-Tabletten können entzündliche Akne reduzieren, wenn sie über mehrere Wochen bis Monate eingenommen werden.

Antibiotika zum Einnehmen können Nebenwirkungen wie Schwindel, Verdauungsstörungen und allergische Reaktionen wie beispielsweise Hautausschläge auslösen. Antibiotika mit dem Wirkstoff Tetracyclin oder Minocyclin sind nicht für Mädchen und Frauen geeignet, die schwanger sind oder stillen. Ist eine Behandlung mit Minocyclin für mehr als drei Wochen geplant, müssen vor und dann regelmäßig während der Anwendung Blutwerte kontrolliert werden, um eine Störung der Leber- oder Nierenfunktion und der Blutbildung frühzeitig zu erkennen.

Auch bei Antibiotika zum Einnehmen besteht bei wiederholter Anwendung die Gefahr, dass sich Resistenzen bilden und die Medikamente nicht mehr wirken.

Hormone

Eine Hauptursache von Akne ist die gesteigerte Produktion des Hormons Androgen oder eine erhöhte Empfindlichkeit dafür. Bestimmte Hormonpräparate können die Bildung und Wirkung des Androgens hemmen und so den Hautzustand verbessern.

Es gibt Hormonpräparate, die speziell zur Behandlung von Akne verschrieben werden können. Diese Hormonpräparate wirken auch verhütend. In Deutschland sind für Mädchen und Frauen drei Wirkstoffkombinationen zur Behandlung von Akne zugelassen:

  • Ethinylestradiol / Cyproteronacetat
  • Ethinylestradiol / Chlormadinonacetat
  • Ethinylestradiol / Dienogest

Bei mittelschwerer und schwerer Akne werden sie häufig mit einem Mittel zum Auftragen auf die Haut kombiniert, damit die Behandlung ausreichend wirkt. Dabei gilt die Kombination Ethinylestradiol / Dienogest als Mittel der zweiten Wahl – das heißt: Solche Präparate sollten nur Mädchen und Frauen nehmen, die ohnehin mit der Antibabypille verhüten möchten und denen Cremes und Tabletten nicht genug helfen.

Hormonpräparate wie die Antibabypille sind dagegen zur Verhütung gedacht und meist nicht zur Behandlung von Akne zugelassen. Wenn Mädchen und Frauen mit Akne sowieso mit der Pille verhüten, kann sich ihre Haut aber auch dadurch bessern. Dies gilt allerdings nur, wenn sie eine Pille nehmen, die die Hormone Östrogen und Gestagen enthält.

Hormonpräparate können Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen und Übelkeit haben. Zudem erhöhen sie das Risiko für Venenthrombosen; manche Präparate mehr als andere.

Retinoide

Retinoid-Tabletten sind die wirksamsten Akne-Medikamente, aber auch die Mittel mit den meisten Nebenwirkungen. Deshalb werden sie in der Regel erst angewendet, wenn andere Mittel nicht geholfen haben. Durch Retinoid-Tabletten kann sich Akne deutlich bessern oder ganz abheilen. Bei einem Teil der Betroffenen tritt die Akne einige Zeit nach der Behandlung jedoch erneut auf.

Da Retinoide die Talgproduktion der Haut hemmen, können die Lippen und die Haut austrocknen, trockene Augen sind ebenfalls möglich. Auch Kopf-, Gelenk- und Rückenschmerzen treten auf. Je höher die Dosierung des Mittels, desto wahrscheinlicher sind solche Nebenwirkungen. Schwangere und stillende Frauen dürfen keine Retinoide einnehmen.

Für sexuell aktive Mädchen und Frauen sind Retinoide nur dann eine Behandlungsmöglichkeit, wenn sie mindestens eine, vorzugsweise zwei Verhütungsmethoden gleichzeitig anwenden, zum Beispiel die Pille einnehmen und zur Sicherheit noch Kondome anwenden. Die Verhütung muss nach Ende der Therapie mindestens vier Wochen fortgesetzt werden. Der Grund: Durch die Einnahme von Retinoiden kann es zu Fehlbildungen beim Ungeborenen kommen.

Vor einigen Jahren häuften sich Berichte, dass die Einnahme des Wirkstoffs Isotretinoin zu einer Zunahme von Selbsttötungen führt. Dieser Zusammenhang wurde in wissenschaftlichen Studien nicht nachgewiesen. Dennoch ist es wichtig, während der Anwendung von Retinoiden besonders auf ungewöhnliche Stimmungsschwankungen zu achten und die Ärztin oder den Arzt darüber zu informieren. Unabhängig davon ist ärztlicher Rat und / oder psychologische Unterstützung aber immer sinnvoll, wenn die Akne einem sehr zu schaffen macht oder sie zu psychischen Problemen führt.

Was Studien sagen

Behandlung mit Licht

Neben Salben und Medikamenten zur Einnahme werden auch verschiedene Formen der Bestrahlung als Behandlungsmöglichkeit erprobt. Generell sind diese Verfahren aber noch nicht gut untersucht.

Lasertherapie und Blitzlicht

Es gibt Hinweise darauf, dass Laser und Blitzlichtlampen eine entzündliche Akne kurzfristig bessern können. Gute Studien zum längerfristigen Nutzen dieser Verfahren fehlen. Ob sie eine Alternative zu den anderen wirksamen Therapien darstellen, ist daher unklar.

Phototherapie

Etwas besser untersucht ist die Phototherapie. Bei dieser Behandlung wird die Haut gezielt und unter ärztlicher Aufsicht mit UV-Licht bestrahlt, was ebenfalls gegen Akne-Bakterien wirken soll. Studien deuten darauf hin, dass sich die Akne dadurch zumindest kurzfristig bessern kann. Eine Phototherapie kann nicht mit einem Besuch im Sonnenstudio gleichgesetzt werden.

Andere Behandlungsmethoden

Zur Behandlung der Akne werden auch unterschiedliche sogenannte alternativ- oder komplementärmedizinische Methoden angewendet. Verschiedene pflanzliche und homöopathische Mittel, Teebaumöl oder gereinigtes Bienengift sollen helfen, das Hautbild zu verbessern. Auch Akupunktur, Schröpfen und spezielle Massagen werden angeboten. Es gibt bisher aber für keines dieser Präparate und Methoden einen überzeugenden Beweis, dass sie wirken.

Was möchten Sie uns mitteilen?

Wir freuen uns über jede Rückmeldung. Ihre Bewertungen und Kommentare werden von uns ausgewertet, aber nicht veröffentlicht. Ihre Angaben werden von uns vertraulich behandelt. Pflichtfelder sind mit einem Sternchen (*) markiert.

Bitte beachten Sie, dass wir Sie nicht persönlich beraten können. Hinweise auf Beratungsangebote finden Sie in unserem Text "Wie finde ich Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen?"

Auf der IQWiG-Plattform „ThemenCheck Medizin“ können Bürgerinnen und Bürger Forschungsfragen stellen. Fachleute werten dann das Wissen zu ausgewählten Themen aus. Die Ergebnisse sollen in künftige Entscheidungen über die Gesundheitsversorgung einfließen.

Empfehlen Sie diesen Artikel

Hier können Sie einen Button dauerhaft aktivieren. Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.