Welche Vor- und Nachteile hat eine langfristige Hormonbehandlung?

Foto von Frau (PantherMedia / andersonrise) Eine Hormonbehandlung kann bei starken Wechseljahrsbeschwerden kurzfristig helfen. Die Einnahme von Hormonen über längere Zeit hat aber viele ernsthafte Nebenwirkungen. Das gilt insbesondere für Präparate mit Östrogen und Gestagen. Sie senken zwar das Risiko für Knochenbrüche, steigern aber unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs.

In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt einer Frau. Das muss nicht mit Beschwerden verbunden sein. Für manche Frauen sind aber Symptome wie zum Beispiel Hitzewallungen, Schweißausbrüche oder Stimmungsschwankungen so belastend, dass sie nach einer Behandlung suchen. Eine Möglichkeit sind Hormonpräparate, die Östrogene oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination enthalten. Hormone können Wechseljahrsbeschwerden lindern.

Früher wurde vermutet, dass es sich für Frauen lohnen könnte, Hormone auch nach den Wechseljahren über Jahre hinweg einzunehmen, um sie vor ernsthaften Erkrankungen zu schützen – zum Beispiel vor koronarer Herzkrankheit (KHK), Osteoporose oder Demenz. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bewahrheitet. Im Gegenteil: Große Studien haben gezeigt, dass eine längere Hormonbehandlung das Risiko für einige schwere Erkrankungen nicht senkt, sondern sogar erhöht. Dazu gehören Schlaganfall, Herzinfarkt und Blutgerinnsel in den Beinen oder Lunge (Thromboembolie).

Studien zur langfristigen Hormonbehandlung

Um das Wissen zur langfristigen Hormonbehandlung zusammenzufassen, haben Wissenschaftlerinnen der Cochrane Collaboration alle Studien gesucht und ausgewertet, in denen Frauen mindestens ein Jahr lang täglich Hormone oder ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen. Sie fanden insgesamt 22 Studien mit zusammen über 43.000 Teilnehmerinnen. Die Teilnehmerinnen der meisten Studien waren im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt. Die überwiegende Zahl der Frauen hatte die Wechseljahre also schon hinter sich.

Die meisten Frauen – etwa 27.000 – hatten an einer großen, zweiteiligen US-amerikanischen Studie teilgenommen, der „Women’s Health Initiative Study (WHI)“. In der Studie erhielt eine Gruppe von Frauen entweder Östrogen allein oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination. Die andere Gruppe erhielt ein Scheinmedikament (Placebo).

Die Vor- und Nachteile der Hormonbehandlung

Die zusammenfassende Analyse der Studien zeigte, dass Östrogene und Östrogen-Gestagen-Kombinationen mit zunehmender Dauer der Einnahme eine Reihe von Nachteilen haben. Da Östrogene allein das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut anregen, kommt eine Behandlung nur mit Östrogenen nur für Frauen ohne Gebärmutter infrage.

Die folgenden Tabellen beschreiben, wie häufig bestimmte Erkrankungen bei Frauen auftraten, die nach den Wechseljahren Hormone angewendet hatten. Zum Vergleich enthalten sie auch Angaben, wie oft Frauen erkrankten, die keine Hormone, sondern ein Placebo genommen hatten. Da sich die Zahlen für Östrogene und Östrogen-Gestagen-Kombinationen unterscheiden, sind sie getrennt dargestellt. Die Zahlen stammen hauptsächlich aus der Women’s Health Initiative Study. Es handelt sich hier um durchschnittliche Zahlen – das heißt, das Risiko einer einzelnen Frau kann nach oben oder nach unten abweichen.

Östrogen-Gestagen-Präparate

Tabelle: Vorteile – nach fünfeinhalb Jahren Therapie
Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Knochenbrüche 87 von 1000 Frauen 111 von 1000 Frauen

Einzelne Auswertungen der Studien deuten zudem darauf hin, dass eine Hormontherapie das Risiko für Darmkrebs etwas senken könnte.

Tabelle: Nachteile – im Verlauf derTherapie
Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)

Herzinfarkt

nach einem Jahr

nach zwei Jahren

nach vier Jahren

 

 4 von 1000 Frauen

 9 von 1000 Frauen

11 von 1000 Frauen

 

2 von 1000 Frauen

6 von 1000 Frauen

8 von 1000 Frauen

Thromboembolie

nach einem Jahr

nach zwei Jahren

nach fünf Jahren

 

7 von 1000 Frauen

 9 von 1000 Frauen

20 von 1000 Frauen

 

2 von 1000 Frauen

3 von 1000 Frauen

10 von 1000 Frauen

Tabelle: Nachteile – im Verlauf der Therapie
Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Gestagen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)

 Schlaganfall                 

nach drei Jahren

nach acht Jahren

 

 8 von 1000 Frauen

19 von 1000 Frauen

 

 6 von 1000 Frauen

14 von 1000 Frauen

  Brustkrebs                  

nach fünf Jahren

nach acht Jahren

 

24 von 1000 Frauen

33 von 1000 Frauen

 

19 von 1000 Frauen

26 von 1000 Frauen

Das Risiko für Brustkrebs bleibt wahrscheinlich auch nach Absetzen der Behandlung erhöht, wenn Frauen Östrogen-Gestagen-Präparate länger als fünf Jahre eingenommen haben. Zudem zeigte eine Auswertung, dass Frauen mit einer langfristigen Hormontherapie häufiger an Demenz erkranken.

Östrogen-Präparate

Tabelle: Vorteile – nach sieben Jahren Therapie
Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)
Knochenbrüche 103 von 1000 Frauen 141 von 1000 Frauen
Tabelle: Nachteile – nach sieben Jahren Therapie
Erkrankung Häufigkeit bei Einnahme eines Östrogen-Präparats Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo)

Schlaganfall

32 von 1000 Frauen

24 von 1000 Frauen

Thromboembolie      

nach zwei Jahren

nach sieben Jahren

 

5 von 1000 Frauen

21 von 1000 Frauen

 

2 von 1000 Frauen

16 von 1000 Frauen

Das Risiko für Brustkrebs und Herzinfarkte war bei Frauen, die nur Östrogen einnahmen, nicht erhöht.

Mehr Schaden als Nutzen bei langfristiger Einnahme

Die große WHI-Studie war vor Ende der geplanten Studiendauer abgebrochen worden, als deutlich wurde, dass die Schäden durch die Behandlung größer waren als ihr Nutzen. Die Hormonbehandlung mit Östrogen-Gestagen-Präparaten wurde nach fünfeinhalb Jahren beendet, die mit Östrogen-Präparaten nach knapp sieben Jahren. Die Studienteilnehmerinnen wurden nach Ende der Therapie aber noch mehrere Jahre begleitet. Ziel der Nachbeobachtung war, herauszufinden, ob die Einnahme der Medikamente auch nach Beenden der mehrjährigen Therapie noch Nachwirkungen hat.

Die bisherigen Forschungsergebnisse sprechen dagegen, Hormonpräparate vorbeugend einzunehmen. Bei starken Wechseljahrsbeschwerden ist es sinnvoll, zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt die möglichen Vor- und Nachteile sorgfältig gegeneinander abzuwägen. Wenn man sich für Hormone entscheidet, sollten sie so kurz wie möglich und in möglichst niedriger Dosierung eingenommen werden. 

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