Welche Vor- und Nachteile hat eine langfristige Hormonbehandlung?

Foto von einer Frau (PantherMedia / andersonrise) Eine Hormonbehandlung kann bei Wechseljahrsbeschwerden helfen. Eine Behandlung über längere Zeit hat aber viele ernsthafte Risiken. Sie kann zwar das Risiko für Knochenbrüche senken, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Brustkrebs.

In den Wechseljahren verändert sich der Hormonhaushalt. Das kann zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder Stimmungsschwankungen führen. Manche Frauen haben so starke Beschwerden, dass sie nach einer Behandlung suchen. Eine Möglichkeit sind Hormonpräparate aus Östrogenen oder einer Östrogen-Gestagen-Kombination. Meist werden Kombipräparate eingesetzt, da Östrogene allein zu Wucherungen der Gebärmutterschleimhaut führen können. Deshalb eignen sich reine Östrogenpräparate nur für Frauen, deren Gebärmutter entfernt wurde.

Früher wurde vermutet, dass eine lange Hormonbehandlung nach den Wechseljahren vor ernsthaften Erkrankungen schützen kann. Diese Annahme hat sich jedoch nicht bewahrheitet, im Gegenteil: Inzwischen ist sicher, dass sie das Risiko für einige schwere Erkrankungen sogar erhöht. Dazu gehören:

Vor- und Nachteile der Hormonbehandlung

Eine Zusammenfassung von Studien hat gezeigt, dass Östrogene und Östrogen-Gestagen-Kombinationen viele Nachteile haben – je länger die Behandlung dauert, umso mehr.

Die folgenden Tabellen beschreiben, wie häufig bestimmte Erkrankungen bei Frauen auftreten, die nach den Wechseljahren über längere Zeit Hormone anwenden. Die Daten sind zum größten Teil Ergebnisse einer großen US-amerikanischen Studie, der „Women’s Health Initiative Study“ (siehe unten).

Vorteile einer Hormonbehandlung

Die Studienergebnisse weisen darauf hin, dass eine längere Hormonbehandlung vor Knochenbrüchen schützen kann. Einzelne Auswertungen der Studien deuten zudem darauf hin, dass eine Hormontherapie das Risiko für Darmkrebs etwas senken könnte.

Bezogen auf Knochenbrüche zeigte sich nach 8 Jahren folgender Vorteil:

  • 126 von 1000 Frauen, die mit Östrogen-Gestagen behandelt wurden, hatten Knochenbrüche,
  • 154 von 1000 Frauen ohne Hormonbehandlung (Placebo) hatten Knochenbrüche.

Die Behandlung schützte also zusätzlich 28 von 1000 Frauen vor Knochenbrüchen.

Nachteile einer Hormonbehandlung

Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko zeigte sich bereits nach einem Jahr und nahm dann mit der Zeit zu. Bei der Östrogen-Gestagen-Behandlung zeigten sich folgende Nachteile:

Tabelle: Häufigkeit Thromboembolie, Schlaganfall und Brustkrebs mit und ohne Östrogen-Gestagen-Behandlung
Erkrankung und Behandlungsdauer Häufigkeit bei Östrogen-Gestagen-Behandlung Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo) Einen Nachteil hatten

Thromboembolie

8 Jahre

25 von 1000 Frauen 15 von 1000 Frauen 10 von 1000 Frauen

Schlaganfall

8 Jahre

19 von 1000 Frauen 14 von 1000 Frauen 5 von 1000 Frauen

Brustkrebs

8 Jahre

33 von 1000 Frauen 26 von 1000 Frauen 7 von 1000 Frauen

Möglicherweise steigt auch das Risiko für einen Herzinfarkt ein wenig. Das Risiko für Brustkrebs bleibt wahrscheinlich auch nach Beenden der Behandlung erhöht, wenn Frauen länger als fünf Jahre Östrogen-Gestagen-Präparate eingenommen haben. Zudem zeigte eine Auswertung, dass Frauen nach einer langfristigen Hormontherapie häufiger an Demenz erkranken.

Bei Frauen, die nur Östrogen anwendeten, war das Risiko für Brustkrebs und Herzinfarkte nicht erhöht. Für Schlaganfall und Thromboembolie zeigten sich ähnliche Nachteile wie bei der Östrogen-Gestagen-Behandlung:

Tabelle: Häufigkeit von Schlaganfall und Thromboembolie mit und ohne Östrogen-Behandlung
Erkrankung und Behandlungsdauer Häufigkeit bei Östrogen-Behandlung Häufigkeit ohne Hormonbehandlung (Placebo) Einen Nachteil hatten

Schlaganfall

7 Jahre

32 von 1000 Frauen 24 von 1000 Frauen 8 von 1000 Frauen

Thromboembolie

7 Jahre

21 von 1000 Frauen 16 von 1000 Frauen 5 von 1000 Frauen

Vor- und Nachteile abwägen

  • Die bisherigen Forschungsergebnisse sprechen dagegen, Hormonpräparate vorbeugend oder über einen langen Zeitraum einzunehmen.
  • Bei starken Wechseljahrsbeschwerden ist es sinnvoll, die möglichen Vor- und Nachteile einer Hormontherapie zusammen mit der Ärztin oder dem Arzt gründlich abzuwägen.
  • Wenn man sich für eine Hormontherapie entscheidet, sollte sie so kurz wie möglich sein und möglichst niedrig dosiert werden.

Zum Hintergrund der Studien

Um das Wissen zur Hormonbehandlung zusammenzufassen, haben Wissenschaftlerinnen der Cochrane Collaboration alle Studien gesucht und ausgewertet, in denen Frauen mindestens ein Jahr lang täglich Hormone oder ein Scheinmedikament (Placebo) nahmen. Sie fanden insgesamt 22 Studien mit zusammen über 43.000 Teilnehmerinnen. Diese waren im Durchschnitt etwa 60 Jahre alt; die meisten hatten die Wechseljahre also schon hinter sich.

Die größte der Studien war mit etwa 27.000 Teilnehmerinnen die „Women’s Health Initiative Study (WHI)“. In dieser Studie erhielt eine Gruppe von Frauen entweder Östrogen allein oder eine Östrogen-Gestagen-Kombination. Die andere Gruppe erhielt ein Scheinmedikament (Placebo).

Die Behandlung in der Studie wurde nach etwa 5 bis 7 Jahren noch vor dem Ende der geplanten Studiendauer abgebrochen, als deutlich wurde, dass die Nachteile der Behandlung ihren Nutzen überwogen. Die Studienteilnehmerinnen wurden danach aber noch mehrere Jahre begleitet, um herauszufinden, ob die mehrjährige Therapie weitere Nachwirkungen hatte.