Welche Medikamente schützen Nieren, Herz und Blutgefäße?

Foto von Medikamenten-Einnahme
PantherMedia / Ramona Heim

Bei chronischer Nierenerkrankung kann eine medikamentöse Behandlung davor schützen, dass die Erkrankung weiter fortschreitet. Wichtig sind vor allem blutdrucksenkende Medikamente.

Medikamente können helfen, das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung aufzuhalten oder zu verlangsamen und vor Folgen wie zu schützen. Welche Mittel für einen Menschen mit einer chronischen Nierenerkrankung infrage kommen, richtet sich zum Beispiel nach vorhandenen Begleiterkrankungen und dem individuellen Risiko für Komplikationen.

Blutdrucksenkende Medikamente

Ob bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung eine Blutdrucksenkung sinnvoll ist, hängt davon ab,

  • wie hoch der Blutdruck ist (ohne Behandlung),
  • ob ein Diabetes mellitus besteht,
  • wie viel Eiweiß der Urin enthält (Albumin-Wert).

Wer zum Beispiel einen normalen Blutdruck hat, nicht an Diabetes mellitus erkrankt ist und kaum Albumin im Urin ausscheidet, kann ohne blutdrucksenkende Medikamente auskommen. Bei Bluthochdruck, Diabetes oder viel Albumin im Urin wird dagegen eine mit sogenannten ACE-Hemmern (Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer) oder Sartanen (Angiotensin-Antagonisten) empfohlen. Für Menschen mit Diabetes ist zudem eine blutzuckersenkende wichtig.

Eine Auswertung von 119 Studien mit insgesamt über 64.000 Teilnehmenden mit fortgeschrittener Nierenerkrankung hat gezeigt, dass und Sartane mehrere Vorteile haben: Verglichen mit anderen Blutdruckmitteln (etwa Betablockern) konnten oder Sartane das Risiko für ein vollständiges Nierenversagen senken. Außerdem verringerte die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Ob es bei chronischer Nierenerkrankung hilft, einen zusammen mit einem Sartan einzunehmen, ist nicht nachgewiesen. Möglicherweise schadet die Kombination eher.

Cholesterinsenker (Statine)

Statine sind Medikamente, die den im Blut senken. Sie werden zum Beispiel nach einem verschrieben, weil sie dann vor weiteren Herz- und Gefäßproblemen schützen und das Leben verlängern können. Studien deuten darauf hin, dass dies auch für Menschen mit chronischer Nierenerkrankung gilt, die noch keine benötigen. Ihnen wird deshalb meist empfohlen, eine Statintherapie zu beginnen. In der Regel wird die begonnene fortgesetzt, wenn im Verlauf eine nötig wird.

Ob auch das Fortschreiten der Nierenerkrankung bremsen, ist derzeit noch unklar. Ebenfalls nicht eindeutig erwiesen ist, ob es nützt, mit der Einnahme der Mittel zu beginnen, wenn eine Dialyse bereits begonnen wurde.

Gerinnungshemmer wie ASS

Medikamente, die die Gerinnungsfähigkeit des Blutes herabsetzen, werden Gerinnungshemmer oder Blutverdünner genannt. Zu ihnen gehört die (). Gerinnungshemmer können einem oder vorbeugen, allerdings auch Blutungen auslösen.

Nutzen und Schaden von Gerinnungshemmern müssen also immer sorgfältig gegeneinander abgewogen werden. So kann die Einnahme von Gerinnungshemmern manchen Menschen mit einer leichten mehr schaden als nutzen. Die Medikamente können aber bei erhöhtem Herzinfarkt-Risiko sinnvoll sein, zum Beispiel, wenn zusätzlich eine koronare Herzkrankheit besteht.

Harnsäuresenkende Therapie

Durch die geschwächte Nierenfunktion können sich Harnsäuresalze (Urat) im Blut ansammeln. Das kann zu Gichtanfällen führen. Medikamente wie Allopurinol senken den Harnsäurespiegel und können Gichtanfälle vermeiden helfen, aber auch Nebenwirkungen wie Hautausschlag oder Übelkeit auslösen. Erste Studien geben Hinweise, dass Allopurinol das Fortschreiten einer chronischen Nierenerkrankung verlangsamen und Herz-Kreislauf-Komplikationen vorbeugen kann. Weitere Studien sind jedoch nötig, um diesen Nutzen zu belegen.

Was bringen Nahrungsergänzungsmittel?

Ob frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel bei einer chronischen Nierenerkrankung helfen können, ist mehr als fraglich: Nachgewiesen ist zum Beispiel, dass wie etwa Vitamin-E-Präparate weder das Leben von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung verlängern noch Komplikationen wie oder verhindern. Bislang gibt es auch keine Belege, dass die Mittel das Voranschreiten der Erkrankung verlangsamen oder bestimmten Menschen (etwa Dialyse-Patienten) nützen. Das gilt auch für Fischöl- und Omega-3-Fettsäure-Präparate.

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Erstellt am 21. März 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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