Was hilft, Kammertachykardien vorzubeugen?

Foto von Paar in einem Bus (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Menschen mit einer schweren Herzerkrankung haben ein erhöhtes Risiko für Kammertachykardien. Um lebensbedrohlichen Folgen der Attacken vorzubeugen, erhalten viele einen implantierbaren Defibrillator.

Kammertachykardien sind Herzrhythmusstörungen, bei denen das Herz zu schnell schlägt. Meist kommt es dazu, weil der Herzmuskel zum Beispiel durch einen Herzinfarkt geschwächt oder geschädigt ist. Mögliche Folgen sind Kreislaufversagen, Ohnmacht und plötzlicher Herztod. Wenn dieses Risiko erhöht ist, wird in der Regel eine vorbeugende Behandlung empfohlen.

Als Standardtherapie gilt der implantierbare Kardioverter-Defibrillator (ICD). Auch eine Katheter-Ablation und Medikamente kommen manchmal infrage: Sie werden oft mit einer ICD-Behandlung kombiniert. Welches Verfahren am ehesten geeignet ist, hängt von mehreren Faktoren ab – vor allem aber von der Ursache der Herzrhythmusstörungen.

Was bewirkt ein Defibrillator?

Ein implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) wird – ähnlich wie ein Herzschrittmacher – mit einem kleinen Eingriff im Brustbereich unter die Haut oder den Brustmuskel eingesetzt. Das Gerät ist über Elektroden mit dem Herzen verbunden.

 

Grafik: Ein ICD-Gerät gibt Stromstöße ab zur Normalisierung des HerzrhythmusEin ICD-Gerät gibt Stromstöße ab zur Normalisierung des Herzrhythmus

 

Der ICD überwacht den Herzrhythmus. Wenn eine Kammertachykardie einsetzt, gibt er einen oder mehrere Stromstöße ab. Sie können die Störung rasch beenden und das Komplikationsrisiko senken.

Welchen Nutzen hat ein ICD?

Der Nutzen der ICD-Behandlung konnte in Studien nachgewiesen werden. An ihnen hatten Menschen mit erhöhtem Risiko für lebensbedrohliche Kammertachykardien teilgenommen. Die Zusammenfassung der Studienergebnisse zeigte, dass innerhalb von 2 bis 3 Jahren

  • 8 von 100 Personen, die keinen ICD bekommen hatten, und
  • 3 von 100 Personen, denen ein ICD eingepflanzt worden war,

an einem plötzlichen Herztod starben. Der Defibrillator konnte also zusätzlich 5 von 100 Menschen vor dem plötzlichen Herztod bewahren.

ICD-Geräte können auch Daten aufzeichnen – zum Beispiel, wie das Herz arbeitet oder wann sie einen Stromstoß abgegeben haben. Diese Informationen können manche Geräte auch regelmäßig aus der Ferne an eine Arztpraxis oder Klinik übermitteln (Telemonitoring). Ob diese Zusatzfunktionen bei der Vorbeugung von Komplikationen helfen oder wie sie sich auf die Lebensqualität auswirken, ist allerdings unklar.

Welche Risiken hat die Behandlung?

Zu den Hauptrisiken der Behandlung mit einem ICD gehören Infektionen, Blutungen, Wundheilungsstörungen und Fehlfunktionen des Geräts. Diese können zum Beispiel zu unnötigen Stromstößen führen. Die Stromstöße sind unangenehm oder schmerzhaft, was ängstigen und psychisch belasten kann.

Ein ICD kann eine Kammertachykardie zwar stoppen, ihr aber nicht vorbeugen. Wenn es häufig zu den Attacken kommt, können zur Vorbeugung zusätzliche Medikamente oder eine sogenannte Ablation sinnvoll sein.

Grundsätzlich ist es möglich, einen ICD abzuschalten. Dazu ist kein erneuter Eingriff nötig. Manche Menschen entscheiden sich zum Beispiel in der letzten Lebensphase dazu, weil ihre Herzerkrankung so schwer ist, dass das Gerät sehr oft Stromstöße auslösen würde.

Was passiert bei der Katheter-Ablation?

Meist entstehen Kammertachykardien im Randbereich von Narben im Herzmuskel. Diese sind häufig Folge eines Herzinfarkts, können aber auch bei anderen Herzerkrankungen entstehen. Die vernarbten Bereiche werden bei einer Ablation verödet. Dazu führt eine Ärztin oder ein Arzt einen Katheter über ein Blutgefäß in der Leiste bis ins Herz. Über den Katheter wird das Herz zuerst untersucht, um den Ursprung der Kammertachykardien zu finden und den Bereich dann veröden zu können. Dies geschieht in der Regel unter Narkose. Studien weisen darauf hin, dass eine Katheter-Ablation Menschen, denen aufgrund eines Herzinfarkts ein ICD eingesetzt wurde, besser vor erneuten Kammertachykardien schützt als Medikamente. Zu den Risiken des Eingriffs zählen unter anderem Blutungen, Verletzungen des Herzens, Störungen des Reizleitungssystems im Herzen oder ein Schlaganfall.

Welche Medikamente können vorbeugen?

Welche Mittel geeignet sind, hängt von der Ursache der Kammertachykardie ab. Häufig eingesetzte Mittel sind Betablocker. Für diese Wirkstoffgruppe ist belegt, dass sie herzkranke Menschen vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützen können. Betablocker werden meist gut vertragen. Mögliche Nebenwirkungen sind unter anderem Schwindel und verlangsamter Puls.

Manchmal werden auch Medikamente eingesetzt, die gezielt gegen Herzrhythmusstörungen wirken – sogenannten Antiarrhythmika. Ob sie vor lebensbedrohlichen Komplikationen schützen, ist nicht durch gute Studien belegt. Lediglich für den Wirkstoff Amiodaron gibt es Hinweise, dass er vorbeugend wirkt. Da ganz verschiedene Wirkstoffe zu den Antiarrhythmika zählen und gegen Kammertachykardien eingesetzt werden, sind auch unterschiedliche Nebenwirkungen möglich. Viele der Mittel können selbst zu Herzrhythmusstörungen führen. Kopfschmerzen, Übelkeit und ein niedriger Blutdruck sind weitere typische Nebenwirkungen. Amiodaron kann auch die Schilddrüsenfunktion stören oder zu Atembeschwerden führen.

Gibt es weitere Möglichkeiten?

Manchmal ist eine Ablation per Katheter nicht möglich. Dann kann das störende Gewebe auch mit einem chirurgischen Eingriff behandelt werden.

Andere Verfahren zielen darauf ab, das vegetative Nervensystem am Herzen zu beeinflussen: Es besteht aus einem beruhigenden (Parasympathikus) und einem aktivierenden Anteil (Sympathikus). Bei manchen Menschen mit erhöhtem Risiko für Kammertachykardien kann es möglicherweise helfen, den Parasympathikus zu stimulieren oder den Sympathikus zu dämpfen. Dazu stehen ganz unterschiedliche Verfahren zur Verfügung – zum Beispiel können Nervenfasern des Sympathikus in einem operativen Eingriff verödet werden. Der Nutzen und die Risiken solcher Verfahren sind nicht ausreichend untersucht. Sie werden deshalb eher selten eingesetzt – zum Beispiel, wenn andere Vorbeugemaßnahmen nicht helfen konnten.