Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes

Foto von einem älteren Mann im Park (Comstock / Stockbyte / Thinkstock) Wenn der Blutzuckerspiegel zu hoch ist, kommt es zu einer Überzuckerung. Sie ist die Folge eines unzureichend behandelten Diabetes mellitus. Ist der Blutzucker zu niedrig, kommt es zu einer Unterzuckerung. Sie ist meist eine Nebenwirkung der Behandlung mit blutzuckersenkenden Medikamenten.

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung mit vielen Folgen für die Gesundheit. Bei Diabetes ist die Wirkung des Hormons Insulin gestört. Bei einem Typ-2-Diabetes reicht die in das Blut abgegebene Insulinmenge nicht aus oder kann nicht ausreichend genutzt werden. Bei einem Typ-1-Diabetes produziert der Körper nur sehr wenig oder gar kein Insulin.

Wann spricht man von Über- und Unterzuckerung?

Leichte Schwankungen des Blutzuckerspiegels sind völlig normal und kommen auch bei Gesunden täglich vor. Bei ihnen liegt der Blutzuckerspiegel, abhängig von der Nahrungsaufnahme, zwischen etwa 60 und 140 Milligramm Zucker pro Deziliter (mg/dl) Blut. Dies entspricht 3,3 bis 7,8 mmol/l. Die Maßeinheit Millimol pro Liter (mmol/l) ist die gebräuchliche Einheit zur Blutzuckermessung. Sie gibt die Menge eines Stoffes als Teilchen pro Liter an.

Bei einer Überzuckerung liegt der Wert über 7,8 mmol/l (140 mg/dl). Der Grund ist meist, dass Insulin fehlt oder nicht ausreichend wirkt. Ohne die Wirkung von Insulin können die Organe den Zucker im Blut nicht verwerten, er sammelt sich an. Bei einem unbehandelten Typ-1-Diabetes können Blutzuckerwerte auf über 27,8 mmol/l (500 mg/dl) ansteigen. So hohe Werte sind bei einem Typ-2-Diabetes eher selten.

Bei einer Unterzuckerung liegt der Blutzuckerspiegel unter 3,3 mmol/l (60 mg/dl). Wie die folgende Grafik zeigt, sind die Übergänge zwischen einem normalen und einem zu hohen oder zu niedrigen Blutzucker aber fließend.

 Grafik: Blutzucker - Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung, wie im Text beschriebenBlutzucker: Normbereich zwischen Über- und Unterzuckerung

Anzeichen für eine Überzuckerung

Eine Überzuckerung macht sich nicht immer gleich bemerkbar. Sie kann jahrelang bestehen, ohne dass körperliche Beschwerden auftreten. Ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel kann aber folgende Symptome verursachen:

  • starkes Durstgefühl
  • häufiges Wasserlassen
  • Müdigkeit
  • Antriebsschwäche
  • Übelkeit
  • Schwindel

Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

Was tun bei Überzuckerung?

Treten die oben genannten Beschwerden längere Zeit oder immer wieder auf, ist es wichtig, zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen. Das kann ein Hinweis auf einen Diabetes sein.

Bei Menschen, die schon eine Diabetes-Diagnose haben, können die Beschwerden ein Hinweis sein, dass die Behandlung angepasst werden muss. Dann können Medikamente verschrieben oder angepasst werden, damit der Blutzucker absinkt. Möglicherweise ist ein Krankenhausaufenthalt sinnvoll, um den Blutzucker einzustellen. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sollte unter der Nummer 112 der Rettungsdienst gerufen werden.

Anzeichen für eine Unterzuckerung

Zu einer Unterzuckerung kann es vor allem bei Menschen kommen, die sich mit Insulin oder bestimmten blutzuckersenkenden Tabletten behandeln. So können zum Beispiel unerwartete körperliche Anstrengung, eine zu kleine Mahlzeit oder zu viel Alkohol dazu führen, dass die gespritzte Insulinmenge zu hoch ist und der Blutzucker deshalb zu stark absinkt.

Folgende Anzeichen können auf eine Unterzuckerung hindeuten:

  • schneller Puls
  • kalter Schweiß
  • blasse Gesichtsfarbe
  • Kopfschmerzen
  • Heißhunger
  • Zittern, weiche Knie
  • Unruhe und Nervosität, Angstgefühle
  • Konzentrationsstörungen bis zu Verwirrtheit

Wie stark diese Symptome auftreten, hängt vom Blutzucker ab und kann sich von Person zu Person unterscheiden. Die Beschwerden treten auch nicht alle gleichzeitig auf. Wer unsicher ist, ob es sich um eine Unterzuckerung handelt, kann den Blutzucker messen, um sicherzugehen.

Eine Unterzuckerung kann auch nachts auftreten. Dann fühlt man sich morgens unausgeschlafen und schlapp.

Eine leichte Unterzuckerung hat in der Regel keine schädlichen Folgen. Allerdings kann eine schwere Unterzuckerung zu Bewusstlosigkeit führen und lebensgefährlich werden.

Was tun bei Unterzuckerung?

Es ist wichtig, sofort auf eine Hypoglykämie zu reagieren und schnell etwas zu sich zu nehmen, etwa Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade (keine „Light“- oder „Zero“ Limonade mit Süßstoff!).

Eine starke Unterzuckerung kann zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit führen. Menschen mit Typ-1-Diabetes haben für solche Notfälle oft eine Fertigspritze mit dem Hormon Glukagon dabei. Das Hormon sorgt dafür, dass die Leber Zucker ins Blut abgibt. Angehörige können dann das Hormon spritzen. Ist dies nicht möglich, ist es wichtig, sofort unter der Notfallnummer 112 ärztliche Hilfe zu rufen.

Kommt es immer wieder zu Unterzuckerungen, ist es wichtig, zu seiner Ärztin oder seinem Arzt zu gehen. Es kann dann sinnvoll sein, den Lebensstil oder die Medikamente anzupassen.