U-Untersuchungen

Foto von einer U-Untersuchung (PantherMedia / CandyBox Images) Die regelmäßigen U-Untersuchungen sollen helfen, Krankheiten und Entwicklungsprobleme frühzeitig zu erkennen. Bei Bedarf können außerdem Fördermöglichkeiten oder Behandlungen empfohlen werden.

Bei allen U-Untersuchungen wird das Kind gemessen, gewogen und gründlich körperlich untersucht. Zu verschiedenen U-Untersuchungen gehören auch Seh- und Hörtests. Außerdem werden die Eltern gefragt, ob es bestimmte Auffälligkeiten gibt oder ob die Familie besonderen Belastungen ausgesetzt ist. Es wird auch immer geschaut, welchen Eindruck die Beziehung zwischen Kind und Eltern macht.

Wo die ersten beiden U-Untersuchungen stattfinden, hängt vom Geburtsort ab. Meist ist es die Geburtsklinik. Für die weiteren müssen Termine in einer kinder- oder hausärztlichen Praxis vereinbart werden. Bei der U1 kann auch eine Hebamme das Kind untersuchen.

Je nach Alter des Kindes wird zu Themen beraten wie:

  • Stillen und Ernährung,
  • Verhütung von Unfällen und plötzlichem Kindstod,
  • Impfungen,
  • Vitamin D (zur Vorbeugung von Knochenerkrankungen),
  • Fluorid (zur Vorbeugung von Karies), Zahnpflege und zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchungen,
  • psychische Gesundheit und Sprachentwicklung sowie
  • Mediennutzung.

Nicht zuletzt bietet jede Untersuchung die Gelegenheit, sich bei Fragen und Problemen beraten zu lassen und Informationen zu regionalen Angeboten wie Eltern-Kind-Kursen, Beratungsstellen oder Familienhebammen zu erhalten.

Die Ergebnisse der U-Untersuchungen werden im sogenannten gelben Heft dokumentiert. Die meisten Krankenkassen bieten auch zwei ergänzende Untersuchungen an (U10 und U11) und stellen ihren Mitgliedern eigene Hefte dafür zur Verfügung.

Wenn das Kind vor einer U-Untersuchung ängstlich ist, kann man es vorbereiten und versuchen, ihm die Angst zu nehmen – zum Beispiel erklären, welche Tests gemacht werden oder es spielerisch vorbereiten, indem man es etwa vor einem Hörtest Kopfhörer ausprobieren lässt.

U1

unmittelbar nach der Geburt:

  • Untersucht werden Herzschlag, Hautfarbe, Reflexe, Muskelspannung und die Atmung.
  • Es wird nach äußerlichen Fehlbildungen oder Geburtsverletzungen geschaut.
  • Aus der Nabelschnur wird Blut entnommen. Um zu prüfen, ob es genug Sauerstoff enthält, wird der pH-Wert des Blutes bestimmt.
  • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern Vitamin K, um Blutungen vorzubeugen.

U2

zwischen dem 3. und 10. Lebenstag:

  • Bei der körperlichen Untersuchung sollen vor allem angeborene Erkrankungen und Fehlbildungen erkannt werden.
  • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern nochmals Vitamin K.
  • Sein Blut wird auf verschiedene Stoffwechselerkrankungen hin untersucht.
  • Es wird das sogenannte Neugeborenen-Hörscreening angeboten, um Probleme beim Hören früh zu entdecken.
  • Mithilfe der Pulsoxymetrie können bestimmte angeborene Herzfehler erkannt werden, die vorher noch nicht aufgefallen sind.

U3

in der 4. bis 5. Lebenswoche:

  • Körperliche Untersuchung.
  • Das Kind erhält nach Rücksprache mit den Eltern nochmals Vitamin K.
  • Die Grob- und Feinmotorik wird geprüft: Kann das Kind seinen Kopf in Bauchlage kurz halten? Öffnet es die Hand spontan?
  • Die Wahrnehmung wird untersucht: Folgt das Kind mit den Augen einem Gegenstand? Schaut es vertraute Personen an, wenn sie ihr Gesicht nähern?
  • Lässt sich das Kind durch Wiegen, Singen oder Ansprache beruhigen? Reagiert es angemessen auf laute Geräusche, helles Licht und Berührung?
  • Die Hüftgelenke des Kindes werden mit einem Ultraschallgerät auf Fehlstellungen untersucht.
  • Es wird erstmals zu Impfungen beraten.

U4

im 3. bis 4. Lebensmonat:

  • Körperliche Untersuchung.
  • Die Entwicklung des Babys wird beurteilt: Kann es beide Arme und Beine beugen und strecken? Hält es den Kopf im Sitzen mindestens 30 Sekunden aufrecht? Folgt es Gesichtern mit seinen Blicken? Dreht es bei einem Geräusch den Kopf, um zu sehen, woher es kommt? Kann es die Hände spontan zur Körpermitte bewegen? Freut sich das Kind über Zuwendung? Reagiert es auf Ansprache?
  • Es wird geschaut, ob das Kind ausgeglichen wirkt, es Blickkontakt mit den Eltern sucht und ob es sich durch Zuwendung beruhigen lässt. Außerdem wird auf die Mimik und Gestik der Eltern geachtet, und wie das Kind darauf reagiert.
  • Es wird nach Problemen beim Stillen oder Trinken mit der Flasche gefragt und danach, ob das Kind sehr unruhig ist oder auffällig viel schreit.

U5

im 6. bis 7. Lebensmonat:

  • Körperliche Untersuchung.
  • Beurteilung der Entwicklung: Stützt sich das Kind mit gestreckten Armen auf den Handflächen ab? Greift es nach Spielzeugen? Spricht es einfache Silbenketten und reagiert es angemessen auf Zuwendung?
  • Wirkt das Baby ausgeglichen und zugewandt? Wie reagiert es auf Ansprache: Lächelt es und sucht Blickkontakt? Lässt es sich durch Wiegen oder Sprechen beruhigen? Reagiert es angemessen auf Reize wie laute Geräusche oder Berührung?
  • Schreit das Kind besonders viel? Ist es sehr unruhig?

U6

im 10. bis 12. Lebensmonat (kurz vor dem 1. Geburtstag):

  • Körperliche Untersuchung.
  • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind sitzen und sich selbstständig von der Rücken- in die Bauchlage drehen und wieder zurück? Gibt es den Eltern nach Aufforderung einen Gegenstand? Versteht es einfache Wörter und Aufforderungen? Spricht es Doppelsilben wie „da-da“ und längere Silbenketten? Ahmt es Laute nach? Kann es selbst aus einer Flasche trinken?
  • Wirkt das Kind ausgeglichen und zugewandt? Sucht es Blick- und Körperkontakt zur Bezugsperson? Geht das Kind auf Spiele mit Mutter oder Vater ein (zum Beispiel mit Bauklötzen)? Kann es Gefühle altersgemäß regulieren (zum Beispiel mit leichten Enttäuschungen umgehen)? 

U7

im 21. bis 24. Lebensmonat (kurz vor dem 2. Geburtstag):

  • Körperliche Untersuchung.
  • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind sicher gehen? Kann es kleine Gegenstände auspacken? Kann es einzelne Worte sprechen und einfachen Aufforderungen nachkommen? Kann es im Bilderbuch auf bekannte Gegenstände zeigen? Kann das Kind kurze Zeit allein spielen?
  • Schläft es gut oder hat es Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen?

U7a

im 34. bis 36. Lebensmonat (kurz vor dem 3. Geburtstag):

  • Körperliche Untersuchung.
  • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind von der untersten Treppenstufe sicher springen und das Gleichgewicht halten? Fasst es mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger zu? Spricht es mindestens Drei-Wort-Sätze? Kennt es seinen Namen? Kann es zuhören und konzentriert spielen? Kann es sich gut für einige Stunden von den Eltern trennen? Spielt es mit anderen Kindern? Hat es Spaß beim Spielen?
  • Sucht es von sich aus den Kontakt mit anderen und stellt Blickkontakt her?

U8

im 46. bis 48. Lebensmonat (kurz vor dem 4. Geburtstag):

  • Körperliche Untersuchung.
  • Hörtest.
  • Beurteilung der Entwicklung: Kann sich das Kind sicher mit einem Laufrad bewegen? Kann es einen Stift richtig zwischen den ersten drei Fingern halten? Spricht es Sechs-Wort-Sätze? Stellt es Fragen wie „warum, wie, wo, wieso und woher“? Kann es sich selbst an- und ausziehen? Spielt es mit gleichaltrigen Kindern?
  • Es wird auch nach der emotionalen Entwicklung gefragt: Kann das Kind mit leichten Enttäuschungen umgehen? Wirkt es fröhlich, oder ist es oft traurig, weint viel oder hat Wutanfälle? Kann es mit Trennungen umgehen oder reagiert es sehr ängstlich?

U9

im 60. bis 64. Lebensmonat (meist kurz nach dem 5. Geburtstag):

  • Körperliche Untersuchung.
  • Beurteilung der Entwicklung: Kann das Kind auf einem Bein hüpfen? Kann es einen größeren Ball fangen? Malt es Kreise oder Quadrate nach? Spricht es die meisten Wörter fehlerfrei? Kann es mindestens drei Farben benennen? Wechselt es sich mit anderen Kindern im Spiel ab? Macht es Rollenspiele mit anderen Kindern?
  • Emotionale Entwicklung: Wirkt das Kind ausgeglichen oder hat es bestimmte Ängste? Ist es besonders impulsiv und hat oft Wutanfälle?

Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen

Die U1 bis U9 werden von allen Krankenkassen erstattet. Die U10- und U11-Untersuchungen dagegen sind nicht Bestandteil des gelben Heftes. Die meisten Krankenkassen bezahlen sie dennoch und stellen ihren Mitgliedern eigene Hefte zur Verfügung, die diese Untersuchungen enthalten.

Bei der U10 im Alter von 7 bis 8 Jahren geht es vor allem darum, schulische Entwicklungsstörungen zu erkennen. Es wird aber auch auf motorische Probleme, die emotionale Entwicklung und auf Verhaltensauffälligkeiten (wie zum Beispiel ADHS) geachtet.

Die U11 im Alter von 9 bis 10 Jahren soll Schulschwierigkeiten und Probleme im Sozialverhalten oder seelische Probleme erkennen. Zudem werden die Zähne des Kindes untersucht und mögliche Probleme mit der Ernährung, bei körperlicher Bewegung oder mit Medienkonsum erfragt.

Im Jugendalter wird die J1 (Jugendgesundheitsuntersuchung) von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die J1 findet im Alter von 12 bis 14 Jahren statt. Sie umfasst eine körperliche Untersuchung, Fragen zur Entwicklung sowie zu körperlichen und psychischen Beschwerden. Zudem wird geschaut, welche Impfungen das Kind bislang erhalten hat.

Einige Krankenkassen übernehmen auch die Kosten für die J2, die im Alter zwischen 16 und 17 Jahren stattfindet. Neben der körperlichen Untersuchung liegen Schwerpunkte auf Fragen zu Pubertät, Sexualität, möglichen psychischen Problemen und zum Umgang mit Nikotin, Alkohol oder Drogen. Zudem werden Themen wie Berufswahl, Freundschaften und Ernährung angesprochen. Bei Bedarf werden Auffrischimpfungen angeboten.