Einleitung

Foto von Mutter mit Sohn (PantherMedia / Monkeybusiness Images) Viele Frauen haben während ihrer Regel Beschwerden wie Schmerzen, Krämpfe, unregelmäßige oder sehr starke Blutungen. Wenn Tampons oder Binden häufiger als alle paar Stunden gewechselt werden müssen, ist die Blutung wahrscheinlich stärker als normal. Sie ist eindeutig zu stark, wenn sie den Alltag beeinträchtigt und der Blutverlust den Körper schwächt.

Etwa 9 bis 14 von 100 Frauen haben eine zu starke Regelblutung (Hypermenorrhoe). Dauert die Regelblutung länger als 5 bis 7 Tage an, gilt sie als verlängerte Blutung (Menorrhagie). Beides kommt häufig zusammen vor, da oft dieselbe Ursache dahinter steckt.

Manche Frauen haben gute Strategien entwickelt, um mit ihren starken Blutungen zurechtzukommen. Werden die Blutungen aber zu störend oder führen zu einem Eisenmangel, kommen Medikamente infrage, die die Blutung abschwächen. Eine andere Möglichkeit ist, sich operieren zu lassen.

Symptome

Auch wenn sich die Blutmenge, die während der Menstruation abfließt, zeitweise größer anfühlen kann: Normalerweise verlieren Frauen während der Regelblutung insgesamt etwa 60 Milliliter Blut. Das entspricht ungefähr eineinhalb Schnapsgläsern. Bei dieser Blutungsstärke dauert es etwa vier Stunden, bis ein Tampon oder eine Binde normaler Größe voll ist. Das ist aber nur ein Durchschnittswert, denn die Blutung ist an einigen Tagen stärker und an anderen schwächer.

In der Frauenheilkunde wird von einer zu starken Regelblutung ausgegangen, wenn eine Frau während ihrer Menstruation regelmäßig insgesamt mehr als 80 Milliliter Blut verliert. Ob ein solcher Blutverlust als belastend empfunden wird, hängt auch von der allgemeinen körperlichen Verfassung und anderen persönlichen Faktoren ab.

Es kann auf eine zu starke Regelblutung hinweisen, wenn

  • eine Frau ihre Binden oder Tampons regelmäßig schon nach ein bis 2 Stunden wechseln muss,
  • sie sich während ihrer Periode schnell schwach, müde und antriebslos fühlt und
  • ihr Menstruationsblut viele dicke Blutklumpen enthält.

Ursachen

Einige Mädchen haben von Anfang an eine sehr starke Regelblutung. Bei den meisten Frauen wird die Blutung jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt stärker, zum Beispiel nach einer Geburt oder nach dem Einsetzen einer Spirale zur Empfängnisverhütung. Auch hormonelle Veränderungen, etwa in den Wechseljahren, können dazu beitragen.

Die häufigste Ursache einer zu starken Regelblutung ist, dass sich die Gebärmutter nicht richtig zusammenziehen kann. Das Zusammenziehen hilft normalerweise dabei, die Schleimhaut im Inneren der Gebärmutter zu lockern, sodass sie mit etwas Blut ausgeschwemmt werden kann. Außerdem sorgt es dafür, dass die Blutung nicht zu lange anhält.

Das Zusammenziehen der Gebärmuttermuskulatur wird behindert, wenn größere gutartige Geschwulste wie Myome und Schleimhautpolypen stören. Polypen wachsen in der Gebärmutterschleimhaut, Myome in der Muskelschicht der Gebärmutter. Auch eine Spirale kann die Gebärmuttermuskulatur stören.

Verwachsungen an der Gebärmutter sind ebenfalls eine häufige Ursache für starke Blutungen, genauso wie eine Entzündung der Gebärmutter oder der Eileiter. Verwachsungen können angeboren sein, aber auch nach Operationen oder als Folge einer ausgeprägten Endometriose entstehen. Bösartige Wucherungen wie Gebärmutter- oder Gebärmutterhalskrebs verursachen nur sehr selten eine zu starke Regelblutung.

Selten können auch andere medizinische Probleme wie Hormonstörungen, Blutgerinnungsstörungen, Herz-, Nieren-, Schilddrüsen- oder Leberkrankheiten eine verstärkte Regelblutung auslösen. Manchmal lässt sich aber auch keine eindeutige Ursache finden.

Folgen

Wenn eine Frau während ihrer Periode zu viel Blut und damit Eisen verliert, kann dies zu einem Eisenmangel führen. Eisen ist für den Aufbau roter Blutkörperchen sehr wichtig. Ist zu wenig Eisen im Körper, können nicht ausreichend rote Blutkörperchen produziert werden und es kommt zu einer Blutarmut (Anämie).

Rote Blutkörperchen transportieren im Blut Sauerstoff zu den Organen. Wenn nicht genug rote Blutkörperchen vorhanden sind, wird der Körper weniger gut mit Sauerstoff versorgt – die Folge sind Schwäche und Abgeschlagenheit. Weitere mögliche Anzeichen einer Anämie können Blässe sowie kalte Hände und Füße sein. Bei einer stärkeren Blutarmut können sich auch andere Symptome wie Atemnot und Herzrasen zeigen, vor allem nach körperlicher Belastung.

Diagnose

Zunächst ist es wichtig herauszufinden, wie stark der Blutverlust während der Regel ist. Die Blutmenge lässt sich zwar nicht genau bestimmen, aber zumindest einschätzen. Einen Anhaltspunkt gibt die Anzahl an Binden oder Tampons, die während einer Monatsblutung an den verschiedenen Tagen benötigt werden. Es kann hilfreich sein, dies über ein oder zwei Monate schriftlich festzuhalten – zum Beispiel in einem Tagebuch.

Um die Ursache für die starke Regelblutung herauszufinden, wird normalerweise zuerst die Gebärmutter untersucht. Die Ärztin oder der Arzt tastet sie ab und macht eine Ultraschalluntersuchung. Manchmal wird zusätzlich eine Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) empfohlen, bei der eine kleine Kamera in die Gebärmutter eingeführt wird.

Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob die starke Regelblutung zu einer Blutarmut geführt hat. Dabei lässt sich auch die Menge bestimmter Hormone im Blut bestimmen, die die Gebärmutterschleimhaut und den Menstruationszyklus beeinflussen.

Die persönliche Situation und die Art der Beschwerden können weitere wichtige Hinweise auf mögliche Ursachen geben. Daher ist es wichtig, mit der Ärztin oder dem Arzt auch über bestehende Erkrankungen, Krankheiten in der Familie, die Einnahme von Medikamenten, Gewichtsprobleme sowie psychische Belastungen zu sprechen.

Behandlung

Die Behandlungsmöglichkeiten bei einer sehr starken Regelblutung richten sich nach ihrer Ursache. So können Myome, Polypen oder andere gutartige Gewebewucherungen in der Gebärmutter durch eine Operation entfernt werden. Viele Frauen probieren es aber erst einmal mit Medikamenten, die die Blutungsneigung verringern, oder bestimmten Schmerzmitteln, die gleichzeitig die Blutung ein wenig schwächen.

Eine andere Möglichkeit ist die Anwendung von hormonellen Verhütungsmitteln wie der Antibabypille oder der Hormonspirale. Beide schwächen die Regelblutung ab, indem sie das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut hemmen.

Bei starken Beschwerden und wenn kein Kinderwunsch mehr besteht, kann die Schleimhaut der Gebärmutter entfernt oder verödet werden (Endometriumresektion oder -ablation). Eine größere Operation ist die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie). Sie kommt nur bei sehr starken und belastenden Beschwerden infrage.

Solange eine starke Regelblutung nicht zu einer Blutarmut (Anämie) führt, kann eine Frau sich aber auch dafür entscheiden, auf eine Behandlung zu verzichten.

Für Frauen, die überlegen, eine Behandlung zu beginnen, ist es wichtig, die Vor- und Nachteile von Medikamenten oder Operationsverfahren zu kennen und gegeneinander abzuwägen. Welche Therapie für eine Frau infrage kommt, hängt auch davon ab, ob sie sich (noch) ein Kind wünscht oder nicht. Denn die wirksamsten Behandlungen schränken die Möglichkeit ein, schwanger zu werden – entweder zeitweise wie etwa die Pille oder dauerhaft wie die Entfernung der Gebärmutter.

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Leben und Alltag

Viele Frauen mit starker Regelblutung fühlen sich während und kurz nach ihrer Periode schlapp und müde. Wenn die Müdigkeit sehr groß ist, kann es schwerfallen, den Anforderungen des Tages gerecht zu werden – ob zu Hause oder bei der Arbeit. Selbst soziale Aktivitäten und Hobbys, die normalerweise Freude bereiten, können dann zur Last werden. Wenn Binden oder Tampons auch nachts oft gewechselt werden müssen, ist der Schlaf gestört. Zudem können Unterleibsschmerzen eine starke Regelblutung begleiten.

Es sind aber nicht nur die körperlichen Beschwerden durch den hohen Blutverlust, die vielen Frauen zu schaffen machen: Eine starke Regelblutung kann peinlich, störend (auch beim Sex) und manchmal Angst einflößend sein. Manche Frauen haben das Gefühl, regelrecht „auszulaufen“ oder es ist ihnen unangenehm, zu spüren, wie das Blut aus ihnen herausfließt.

Manche Frauen fühlen sich an Tagen mit besonders starker Blutung zu Hause am sichersten. Für die meisten Frauen reicht es aber aus, sich unterwegs zu vergewissern, dass eine Toilette in der Nähe ist und sie aufzusuchen, bevor der Tampon- oder Bindenwechsel dringend wird. Eine Möglichkeit ist auch, an den Tagen mit besonders starker Blutung Binden und Tampons zu kombinieren. Immer einige Hygieneartikel am Arbeitsplatz oder in der Handtasche aufzubewahren, kann Sicherheit geben für den Fall, dass man vergisst, sie mitzunehmen.

Dunkle Hosen und Röcke zu tragen, hilft dabei, sich weniger um auffällige Blutflecken auf der Kleidung zu sorgen. Frauen, denen es unangenehm ist, wenn in der Nacht manchmal etwas Blut auf die Bettwäsche oder Matratze gelangt, verwenden oft eine zusätzliche Unterlage – etwa ein Handtuch oder eine wasserdichte Vorlage.

Manchmal nehmen der Partner oder die Partnerin, Freunde, Angehörige, Kolleginnen und Kollegen, aber auch Ärztinnen und Ärzte Menstruationsbeschwerden nicht ernst. Doch erhebliche Beschwerden und Blutverlust sind nichts, was man als „natürlich“ hinnehmen muss. Wer sich nicht ernstgenommen fühlt, tut sich vielleicht schwer, sich ausreichend Ruhe zu gönnen, ärztlichen Rat einzuholen oder nach einer passenden Behandlung zu suchen. Auch wenn die Menstruation zum Leben einer Frau dazugehört: Wenn eine starke Regelblutung das Wohlbefinden beeinträchtigt, gibt es Möglichkeiten, die Linderung verschaffen und helfen können, damit besser umzugehen.

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