Eisenmangel und Eisenmangel-Anämie

Auf einen Blick

  • Eisen ist ein lebenswichtiger Nährstoff.
  • Wer sich ausgewogen ernährt, nimmt normalerweise genug Eisen auf.
  • Zu einem Eisenmangel kann es etwa bei starken Regelblutungen, einseitiger Ernährung, in der Schwangerschaft sowie bei bestimmten Erkrankungen kommen.
  • Mögliche Symptome sind Blässe, Müdigkeit oder Erschöpfung.
  • Ein längerer Eisenmangel kann eine Blutarmut verursachen.
  • Der Mangel lässt sich unter anderem mit Eisenpräparaten behandeln.

Einleitung

Foto von erschöpfter Frau mit blasser Haut

Das Spurenelement Eisen ist ein lebenswichtiger Nährstoff. Etwa 3 bis 5 Gramm Eisen befinden sich im Körper von Erwachsenen, das meiste davon in den roten . Der Körper braucht das Eisen unter anderem, um den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu bilden. Hämoglobin ist Bestandteil der roten () und mitverantwortlich für den Transport von Sauerstoff in alle Zellen und Organe. Außerdem ist Eisen unter anderem wichtig für die Energiegewinnung und Zellteilung.

Wir nehmen Eisen mit der Nahrung zu uns. Eine ausgewogene Ernährung reicht normalerweise aus, um den Eisenbedarf zu decken. Wer jedoch zu wenig Eisen zu sich nimmt, entwickelt einen Eisenmangel. Das kann passieren, wenn der Eisenbedarf besonders hoch ist – zum Beispiel in der Schwangerschaft oder in Wachstumsphasen von Kindern. Zudem können ein Blutverlust und verschiedene Krankheiten einen Eisenmangel auslösen.

Ein anhaltender Eisenmangel kann zu einer () führen. Eisenmangel lässt sich aber mit Eisenpräparaten gut behandeln. Zudem ist es wichtig, die Ursache für den Mangel – wenn möglich – zu beheben.

Symptome

Ein leichter Eisenmangel bleibt meist unbemerkt. Bei einem stärkeren Mangel können vielfältige Symptome auftreten, darunter:

  • blasse Haut
  • Müdigkeit
  • ungewohnte Erschöpfung nach Belastung
  • Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit
  • Unruhe
  • Kopfschmerzen
  • eingerissene Haut am Mundwinkel
  • wiederkehrende Entzündungen der Mundschleimhaut (Aphthen)
  • brüchige Nägel
  • Haarausfall
  • Schluckbeschwerden

Zudem haben einige Betroffene das starke Bedürfnis, auf Eiswürfeln oder zerstoßenem Eis zu kauen (Pagophagie).

Ursachen

Die häufigsten Ursachen für Eisenmangel sind:

  • Blutverlust, zum Beispiel durch (oft unbemerkte) Blutungen im Magen-Darm-Trakt infolge von Geschwüren, Tumoren oder Entzündungen. Auch starke Regelblutungen, Blutspenden oder Verletzungen sind mögliche Ursachen.
  • geringe Eisenzufuhr, etwa bei sehr einseitiger Ernährung oder bei Essstörungen wie Magersucht. Auch bei vegetarischer oder veganer Ernährung kann es schwerer fallen, den Eisenbedarf zu decken.
  • erhöhter Eisenbedarf, vor allem in der Schwangerschaft und Stillzeit, in Wachstumsphasen von Kindern und Jugendlichen oder bei Leistungssport.
  • verminderte Eisenaufnahme des Körpers, zum Beispiel bei einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, einer Magenschleimhautentzündung oder nach einer operativen Entfernung von Teilen des Magens. Auch manche Medikamente können die Eisenaufnahme einschränken, zum Beispiel Säureblocker für den Magen sowie Schmerzmittel wie () und . Trinken Säuglinge oder Kleinkinder viel Kuhmilch, kann dies die Eisenaufnahme hemmen.
  • Schlechte Eisenverarbeitung, bei der man zwar genug Eisen aufnimmt, der Körper es aber nur eingeschränkt verwerten kann. Dieser sogenannte funktionelle Eisenmangel kann unter anderem eine Folge von Krebserkrankungen oder einer sein.

Außerdem tritt Eisenmangel häufig bei Menschen mit einer Herzschwäche auf. Selten hat ein Eisenmangel genetische Ursachen.

Häufigkeit

Eisenmangel ist die häufigste Mangelerscheinung weltweit. In Europa sind etwa 5 bis 10 % der Menschen betroffen. Bei Frauen vor den Wechseljahren tritt der Eisenmangel häufiger auf, vor allem aufgrund von Regelblutungen (Menstruation). Auch Kinder sind häufiger betroffen, weil sie in Wachstumsphasen mehr Eisen benötigen.

Schätzungen zufolge haben etwa 2 bis 5 % der Menschen in Europa eine aufgrund von Eisenmangel (Eisenmangel-Anämie).

Verlauf

Manchmal legt sich ein Eisenmangel schnell wieder: Nach einer Blutspende oder Verletzung bildet der Körper meist rasch neue rote und füllt seine Eisenspeicher mit Eisen aus der Nahrung wieder auf.

Ein Eisenmangel kann aber auch länger anhalten oder immer wieder auftreten, zum Beispiel bei starken Regelblutungen. Verliert der Körper zu häufig Blut, kann er es unter Umständen nicht mehr vollständig ersetzen.

Ein Eisenmangel verläuft in drei Stadien:

  • Stadium 1: Der Körper erhält nicht genügend Eisen. Um weiterhin ausreichend roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) zu bilden, greift er auf gespeichertes Eisen, beispielsweise aus Leber und Milz zurück. Die Eisenspeicher leeren sich, man hat aber meist keine Beschwerden.
  • Stadium 2: Die Eisenspeicher sind leer. Im Blut ist noch ausreichend roter Blutfarbstoff vorhanden, um Sauerstoff in die Zellen zu transportieren. Der Körper kann aber keinen roten Blutfarbstoff mehr herstellen. Dadurch ist auch die Bildung neuer roter gestört. Es können Symptome auftreten.
  • Stadium 3: Der Körper bildet so wenig roten Blutfarbstoff, dass es zu einer () kommt. Zellen und Organe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Bei dieser sogenannten Eisenmangel-Anämie treten häufig Beschwerden auf.

Folgen

Ein schwacher oder vorübergehender Eisenmangel verursacht meist keine Schwierigkeiten. Fehlt jedoch über längere Zeit zu viel Eisen, kommt es zu einer anhaltenden . Dann kann das Blut nicht mehr genug Sauerstoff in die Zellen und Organe transportieren. Diese arbeiten dadurch schlechter. Es treten verschiedene Beschwerden auf, bis hin zu Organschäden oder einer Herzschwäche. Man wird auch anfälliger für Infekte.

Wenn schwangere Frauen eine Eisenmangel-Anämie haben, steigt das Risiko für Komplikationen wie eine Frühgeburt oder Untergewicht des Neugeborenen. Daher werden die Eisenwerte bei Schwangeren regelmäßig kontrolliert.

Bei Kleinkindern kann ein schwerer und anhaltender Eisenmangel zu Entwicklungsstörungen führen.

Diagnose

Einen Eisenmangel stellen Ärztinnen und Ärzte mit einer Blutuntersuchung fest. Dabei werden verschiedene Werte gemessen und in ihrem Zusammenspiel beurteilt – unter anderem,

  • wie gut die Eisenspeicher gefüllt sind (Ferritin-Wert und Transferrin-Wert),
  • wie groß die roten sind (MCV-Wert) und wie viel roten Blutfarbstoff sie enthalten (MCH-Wert) und
  • wie viel roter Blutfarbstoff insgesamt im Blut ist (Hämoglobin-Wert).

Wird ein Eisenmangel oder eine Eisenmangel-Anämie festgestellt, fragt die Ärztin oder der Arzt zunächst nach möglichen Ursachen und macht eine körperliche Untersuchung. Falls nötig, folgen weitere Untersuchungen: Zum Beispiel kann mit einer Stuhlprobe, einer Magen- oder Darmspiegelung nach Blutungen gesucht werden. Für Frauen kann ein Besuch in einer frauenärztlichen Praxis sinnvoll sein, etwa bei einer starken Regelblutung.

Vorbeugung

Um genügend Eisen zu sich zu nehmen, reicht es normalerweise, sich ausgewogen zu ernähren. Eisenreiche Nahrungsmittel sind beispielsweise Fleisch, Spinat, Linsen, Kichererbsen, Thunfisch, Haferflocken und Cashewkerne. Vitamin C fördert die Eisenaufnahme.

Eisenpräparate vorbeugend einzunehmen, hat in der Regel keine Vorteile, eher im Gegenteil: Es kann auch schaden, zu viel Eisen zu sich zu nehmen. Daher ist es wichtig, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen, bevor man Eisenpräparate einnimmt.

Behandlung

Wenn möglich, wird die Ursache des Eisenmangels behandelt. Dazu gehört beispielsweise die von Magen-Darm-Erkrankungen, die Blutungen verursachen. Auch bei starker Regelblutung gibt es Behandlungsmöglichkeiten.

Ein leichter Eisenmangel (Stadium 1) ist meist unproblematisch und wird in der Regel nicht mit Medikamenten behandelt. Je nach Situation kann es aber sinnvoll sein, über die Nahrung mehr Eisen zu sich zu nehmen.

Bei einem stärkeren Eisenmangel (Stadium 2) oder einer (Stadium 3) kommen Eisenpräparate infrage – zum Beispiel in Form von Tabletten oder Tropfen. Bei einer wird empfohlen, sie noch mindestens drei Monate lang einzunehmen, nachdem sich die Blutwerte normalisiert haben. So werden auch die Eisenspeicher aufgefüllt. Manchmal kommen auch Infusionen infrage. Zusätzlich ist es wichtig, auf eine eisenreiche Ernährung zu achten. Eine Ernährungsberatung kann dabei helfen.

Eisenpräparate können Nebenwirkungen haben, etwa Bauchschmerzen, Verstopfung und Übelkeit. Sehr hohe Dosen können auch Organe schädigen. Wichtig ist, Eisenpräparate kindersicher aufzubewahren, denn besonders für Kinder kann eine Überdosis gefährlich sein.

Weitere Informationen

Die Hausarzt- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man selbst oder ein Kind krank ist oder man bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Bei einem Eisenmangel können auch Fachärztinnen oder Fachärzte – etwa für Frauenheilkunde (Gynäkologie), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiologie) oder Nierenerkrankungen (Nephrologie) – unterstützen.

In unserem Thema „Gesundheitsversorgung in Deutschland“ informieren wir darüber, wie man die richtige Praxis findet – und mithilfe unserer Frageliste möchten wir dabei helfen, sich auf den Arztbesuch vorzubereiten.

Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO). Eisenmangel und Eisenmangelanämie (Leitlinie). 2022.

Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH). Eisenmangelanämie (S1-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 025-021. 2021.

Ko CW, Siddique SM, Patel A et al. AGA Clinical Practice Guidelines on the Gastrointestinal Evaluation of Iron Deficiency Anemia. Gastroenterology 2020; 159(3): 1085-1094.

Pschyrembel Online. 2023.

Snook J, Bhala N, Beales ILP et al. British Society of Gastroenterology guidelines for the management of iron deficiency anaemia in adults. Gut 2021; 70(11): 2030-2051.

World Health Organization (WHO). WHO guideline on use of ferritin concentrations to assess iron status in individuals and populations. Geneva: WHO; 2020.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

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Über diese Seite

Erstellt am 19. April 2023

Nächste geplante Aktualisierung: 2026

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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