Einleitung

Foto von Mutter, die ihre kleine Tochter hochhebt (PantherMedia / unguryanu) Sehnenscheiden umhüllen als Schutzmantel stark beanspruchte Sehnenabschnitte. Entzünden sie sich, spricht man von einer Sehnenscheidenentzündung (Tendovaginitis).

Sehnen verbinden Knochen und Muskeln miteinander, sie übertragen die Muskelkraft und sorgen für die Beweglichkeit und Stabilität des Körpers. An manchen Stellen werden Sehnen von Bindegewebshüllen geschützt, den Sehnenscheiden – zum Beispiel wenn sie über Knochenvorsprünge gespannt sind. Weil die Sehnenscheiden mit Flüssigkeit gefüllt sind, können die Sehnen reibungsarm durch sie hindurchgleiten.

Wenn eine Sehnenscheide zu stark beansprucht wird, kann sie sich entzünden und anschwellen. Manchmal schwillt auch die Sehne selbst an. Eine Sehnenscheidenentzündung kann äußerst schmerzhaft sein und die Beweglichkeit deutlich einschränken.

Sehnenscheidenentzündungen sind vor allem an Hand, Arm und Fuß häufig. Oft schmerzt der betroffene Bereich zunächst nur bei Bewegung. Dann ist es wichtig, ihn zu schonen, um die Beschwerden nicht weiter zu verstärken.

 

Grafik: Hand mit Sehnen und Sehnenscheiden (Handinnenseite)Hand mit Sehnen und Sehnenscheiden (Handinnenseite)

Symptome

Typischerweise macht sich eine Sehnenscheidenentzündung durch Schmerzen bemerkbar, vor allem bei Bewegung. Die entzündete Stelle kann außerdem geschwollen sein und empfindlich auf Druck reagieren. Im Verlauf kann eine Sehnenscheidenentzündung auch in Ruhe wehtun, zum Beispiel nachts.

Durch die schmerzhafte Entzündung kann die Sehnenscheide manchmal auch etwas verkleben. Die Bewegungen der Sehne sind dann nicht mehr geschmeidig, sondern von spürbarem Reiben, Knirschen oder Knarren begleitet.

Vor allem am Handgelenk und an den Fingern führt eine Sehnenscheidenentzündung zu einer Einengung und damit zu Bewegungseinschränkungen. Fachleute bezeichnen die Sehnenscheidenentzündung dann als Tendovaginitis stenosans. Ist das Handgelenk oder der Daumen betroffen, wird auch der Begriff „Tendovaginitis stenosans De Quervain“ verwendet. An den Sehnen, die die Finger beugen, kann es außerdem zum charakteristischen „Schnappfinger“ (auch „schnellender Finger“, engl. = trigger finger) kommen, der sich nach dem Krümmen nur schwer wieder durchstrecken lässt.

 

Grafik: Sehnen werden von Sehnenscheiden geschütztSehnen werden von Sehnenscheiden geschützt

Normalerweise werden die Sehnen an der Fingerunterseite von ösenförmigen Bändern (Ringbändern) in Position gehalten. Beim Schnappfinger sind Sehne und / oder Sehnenscheide dort zu einem Knötchen verdickt. Beim Krümmen des Fingers rutscht dieses Knötchen durch ein Ringband hindurch nach unten. Will man den Finger wieder strecken, ist mehr Kraft nötig, um den verdickten Teil der Sehne durch das Ringband zurück nach oben zu ziehen. Meist geschieht dies dann ruckartig – der Finger schnappt (schnellt) zurück in die gestreckte Position. Nach Schätzungen haben etwa ein Drittel aller Menschen mit einem Schnappfinger gleichzeitig ein Karpaltunnelsyndrom.

Eine Sehnenscheidenentzündung kann auch in der Nähe verlaufende Nerven irritieren und zum Beispiel zu Gefühlsstörungen führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen einer Sehnenscheidenentzündung sind in der Regel ungewohnte oder häufig wiederholte Bewegungen, die die Sehne und Sehnenscheide stark beanspruchen.

An Fuß und Unterschenkel können die Sehnenscheiden durch Gehen oder Laufen über weite Strecken ohne vorheriges Training, aber auch durch ungeeignetes oder ungewohntes Schuhwerk überstrapaziert sein. Manche Berufe oder Hobbies sind mit einem erhöhten Risiko für Sehnenscheidenentzündungen verbunden. An Fingern, Handgelenk und Unterarm können zum Beispiel langes Arbeiten am Computer oder ausgedehntes Üben auf einem Musikinstrument belasten. Eine Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk wird oft dadurch verursacht, dass man den Daumen oft durchstreckt und abspreizt – zum Beispiel, wenn man häufig auf dem Smartphone tippt oder ein Kind hochhebt und herumträgt.

Außerdem begünstigen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Rheuma oder Gicht Entzündungen der Sehnen und Sehnenscheiden. Auch während Schwangerschaft und Stillzeit sind sie häufiger.

Krankheitserreger wie Bakterien spielen bei Sehnenscheidenentzündungen meist keine Rolle.

Häufigkeit und Verlauf

Sehnenscheidenentzündungen sind häufig, vor allem an der Hand und am Handgelenk: So bekommen 2 bis 3 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens zum Beispiel einen Schnappfinger. Frauen sind generell häufiger betroffen. Zudem treten Sehnenscheidenentzündungen auch bei Menschen mit Diabetes häufiger auf.

Eine Sehnenscheidenentzündung heilt in der Regel innerhalb einiger Wochen ab, wenn der betroffene Bereich geschont wird.

Diagnose

Meist reicht eine kurze ärztliche Untersuchung, um eine Sehnenscheidenentzündung festzustellen. Nach einem ausführlichen Gespräch schaut sich die Ärztin oder der Arzt die schmerzende Stelle an und tastet sie ab. Es wird dabei auch geprüft, welche Bewegungen die Schmerzen auslösen oder verstärken.

Weitere Untersuchungen sind meist nicht nötig. Wenn der Verdacht besteht, dass eine andere Erkrankung die Beschwerden verursacht, kommen ergänzend Bluttests oder bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Röntgen infrage. Mit Bluttests lässt sich vor allem herausfinden, ob eine bakterielle Entzündung besteht.

Behandlung

Bei einer Sehnenscheidenentzündung sind zunächst konservative Maßnahmen sinnvoll. Dazu gehört vor allem, den schmerzenden Bereich zu schonen. Auch nach dem Abklingen der Entzündung sollte man Überlastungen vermeiden, damit es nicht zu einer erneuten Sehnenscheidenentzündung kommt. Wenn die berufliche Tätigkeit die Sehnenscheidenentzündung verursacht hat, können auch Anpassungen am Arbeitsplatz sinnvoll sind, etwa eine ergonomisch geformte Maus für den Computer. Wer sich fragt, ob Anpassungen hilfreich sein könnten, kann sich beraten lassen – etwa von einer Ergotherapeutin oder einem Ergotherapeuten oder einer Arbeitsmedizinerin oder einem Arbeitsmediziner.

Spezielle Schienen oder Gipsverbände können bei einer Sehnenscheidenentzündung helfen, indem sie zum Beispiel das Handgelenk oder den Daumen ruhig halten. Zusätzlich können eine Physiotherapie – etwa mit leichten Dehnübungen und Massagen – und entzündungshemmende Schmerzmittel hilfreich sein.

Wenn solche Behandlungen nicht helfen, kann versucht werden, die Beschwerden durch Spritzen mit örtlichem Betäubungsmittel und Kortison zu lindern. Manchmal kommt auch eine Operation infrage. Dabei wird das einengende Gewebe entfernt oder eingeschnitten, damit die Sehne wieder mehr Platz hat, sich zu bewegen.

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