Auf einen Blick

  • Bei einer Amblyopie (Schwachsichtigkeit) entwickelt sich das Sehen nicht richtig.

  • Dazu kann es kommen, wenn ein Kind schielt oder auf einem Auge schlechter sieht.

  • Dann wird das schwächere Auge vom Gehirn „ausgeblendet“.

  • Mit speziellen Sehtests lässt sich eine Amblyopie auch bei kleinen Kindern feststellen.

  • Brillen, Augenpflaster oder Augentropfen helfen, das Sehen zu verbessern.

Einleitung

Foto von Jungen beim Lesen (PantherMedia / Dmitriy Shironosov) Normalerweise werden die Bilder, die beide Augen an das Gehirn senden, gleichmäßig verarbeitet. Dies ist eine der Voraussetzungen für optimales Sehen.

Im Kindesalter kommt es jedoch manchmal vor, dass das Gehirn ein Auge bevorzugt, weil es ein schärferes Bild liefert. Die Folge: Das Gehirn vernachlässigt die Bilder, die vom anderen Auge kommen. Das Sehen entwickelt sich nicht richtig, weil Informationen aus dem schwächeren Auge nicht mehr genutzt werden. Dadurch kommt zur sogenannten Schwachsichtigkeit (Amblyopie, griechisch für „stumpfes Auge“).

Symptome

Wenn ein Kind Probleme hat, Gegenstände zu erkennen oder wenn es schielt, könnte dies auf eine Schwachsichtigkeit hinweisen. Ein Anzeichen ist etwa, wenn es Spielzeug und andere Sachen sehr nah ans Auge halten muss, um sie zu erkennen, oder wenn es den Kopf dabei immer zu einer Seite dreht.

Ursachen

Eine Amblyopie entsteht, wenn das Gehirn auf Dauer so unterschiedliche Bilder aus beiden Augen erhält, dass es sie nicht zu einem Seheindruck zusammenführen kann. Die häufigste Ursache ist das Schielen (Strabismus). Wenn ein Kind schielt, schaut es mit einem Auge geradeaus, während das andere nach oben, nach unten oder zur Seite gerichtet ist – also ein ganz anderes Bild wahrnimmt. Um Doppelbilder zu vermeiden, blendet das Gehirn dann oft die Bilder des schlechter sehenden Auges aus und nutzt nur ein Auge.

Bei etwa 60 bis 70 % der schielenden Kinder entwickelt sich deshalb eine Amblyopie – aber nur bei 2 % der Kinder, die nicht schielen.

Ein weiterer häufiger Grund für eine Amblyopie sind sogenannte Brechungsfehler. Sie führen dazu, dass das Bild auf der Netzhaut eines Auges unscharf ist. Es gibt drei unterschiedliche Arten von Brechungsfehlern:

  • Kurzsichtigkeit: Die Augenlinse kann nur Gegenstände in der Nähe scharf stellen. Beim Blick in die Ferne dagegen kann die Linse das einfallende Licht nicht so brechen, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Ein Grund kann sein, dass der Augapfel etwas zu lang ist.
  • Weitsichtigkeit: Das Auge sieht nur Gegenstände in der Ferne gut. Beim Nahsehen – etwa beim Lesen – kann die Linse die Lichtstrahlen aber nicht ausreichend brechen. Zum Beispiel, weil der Augapfel zu kurz ist.
  • Stabsichtigkeit (auch: Astigmatismus; in der Grafik nicht abgebildet): Das Auge nimmt alles unscharf wahr, weil die Linse oder die Hornhaut verformt ist. Häufig spricht man daher auch von Hornhautverkrümmung.

 

Grafik: Brechungsfehler bei Kurz- und Weitsichtigkeit - wie im Text beschriebenBrechungsfehler bei Kurz- und Weitsichtigkeit

 

Zu einer Amblyopie führen Brechungsfehler häufiger, wenn beide Augen unterschiedlich betroffen sind:

Eine Schwachsichtigkeit wird eher selten durch andere Augenerkrankungen ausgelöst wie einer angeborenen Trübung der Augenlinse (Grauer Star), einem hängenden Augenlid (Ptosis) oder dem angeborenen Fehlen einer Augenlinse (Aphakie).

Häufigkeit

Amblyopie ist eine häufige Sehschwäche bei Kindern und jungen Erwachsenen. Für Europa geht man davon aus, dass insgesamt etwa 3 % der Kinder und jungen Menschen schwachsichtig sind, bei Kindern im Vorschulalter sind es bis zu 6 %.

Schwachsichtigkeit kommt bei Jungen und Mädchen gleich häufig vor. Sie entwickelt sich normalerweise vor dem achten Lebensjahr.

Diagnose

Eine körperliche Untersuchung hilft dabei, andere Probleme zu erkennen, die zu einer Sehschwäche führen könnten, wie zum Beispiel eine Linsentrübung. Um eine Amblyopie zu diagnostizieren, eignen sich die folgenden Augenuntersuchungen:

Sehtafeln: Mithilfe von Sehtafeln kann die Ärztin oder der Arzt feststellen, wie gut ein Kind sieht. Dazu muss es zum Beispiel Zahlen und Buchstaben von der Sehtafel oder einem Bildschirm ablesen.

Auf Sehtafeln für Kleinkinder können einfache Symbole – etwa ein Kreis, ein Haus oder ein Apfel – abgebildet sein, die die Kinder benennen sollen. Oder der Test verwendet C-förmige Ringe oder drei Zinken, die wie der Buchstabe E aussehen.

 

Grafik: Verschiedene Arten von Sehtafeln - wie im Text beschriebenVerschiedene Arten von Sehtafeln

 

Die Symbole sind auf den Tafeln mehrfach abgebildet und dabei in unterschiedliche Positionen gedreht. Das Kind muss dann zum Beispiel sagen, wo jeweils die offene Stelle eines C-förmigen Rings liegt. Oder es bekommt eine Art Plastikgabel in die Hand, die es so halten muss, dass ihre Zinken in dieselbe Richtung zeigen wie die des abgebildeten E.

Schattenprobe (Skiaskopie): Für noch jüngere Kinder und Säuglinge kommt die Untersuchung mit einem sogenannten Skiaskop infrage: Dabei muss das Kind nichts erkennen und benennen. Stattdessen wird ein Lichtstrahl ins Auge geleitet und beobachtet, wie das Licht von der Netzhaut zurückgeworfen wird. Indem man verschiedene Korrekturlinsen in den Lichtstrahl hält, lässt sich die Stärke der Weit- oder Kurzsichtigkeit genau bestimmen.

Abdecktest: Ein leichtes Schielen ist nicht immer mit dem bloßen Auge zu erkennen. Um festzustellen, ob ein Kind schielt, kann die Stellung seiner Augen bestimmt werden – zum Beispiel mit einem Test, bei dem die Augen nacheinander zugedeckt werden. Die Ärztin oder der Arzt schaut dann, ob sich das jeweils andere Auge bewegt.

Diese Untersuchungen sind im Allgemeinen ohne Risiko. Vor einer Skiaskopie müssen je nach Gerät Augentropfen verabreicht werden, die die Pupillen weiten. Diese Mittel führen gelegentlich zu Augenbrennen oder Hautreizungen.

Früherkennung

Fachleute gehen davon aus, dass sich die Sehfähigkeit vor allem in den ersten fünf Lebensjahren entwickelt. Sie sind der Ansicht, dass Sehschwächen möglichst früh erkannt und behandelt werden müssen, um lebenslange Fehlsichtigkeit, aber auch Probleme in der Schule und in der sozialen Entwicklung zu vermeiden.

Deshalb gibt es eine zusätzliche Früherkennungsuntersuchung für alle gesetzlich krankenversicherten Kinder im Vorschulalter (U7a) , die insbesondere Sehschwächen erkennen soll. Sie ergänzt die bereits bestehenden kinderärztlichen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) und richtet sich an knapp dreijährige Kleinkinder (34. bis 36. Lebensmonat).

Behandlung

Eine Schwachsichtigkeit lässt sich nicht auf Anhieb mit einer Brille korrigieren. Aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Sehfähigkeit des schwachen Auges zu verbessern: Etwa mit einer Brille, zeitweisem Abkleben des stärkeren Auges oder mit Augentropfen. Eine Behandlung über mehrere Wochen kann bereits ausreichen.

Manche Kinder müssen zwar recht lange behandelt werden, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Bei den meisten Kindern lässt sich eine Amblyopie aber beheben.

Wenn ein anderes Augenproblem zu Schwachsichtigkeit geführt hat, zum Beispiel ein hängendes Augenlid, wird zunächst dieses behandelt.

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