Einleitung

Foto von zwei Frauen beim Spaziergang (PantherMedia / Andres Rodriguez) Die Schilddrüse gehört zum endokrinen System des Körpers – also zu den Drüsen, die zahlreiche Körperfunktionen regulieren helfen. Wenn die Schilddrüse überaktiv ist, produziert sie zu viel Schilddrüsenhormone. Eine Überfunktion der Schilddrüse (Fachbegriff: Hyperthyreose) kann unterschiedliche Ursachen haben – am häufigsten die sogenannte Basedow-Krankheit.

Durch die verstärkte Hormonbildung laufen viele Körperfunktionen unnötigerweise „auf Hochtouren“. Dies kann sich durch Symptome wie Gewichtsverlust, Schwitzen, Nervosität oder Herzrasen bemerkbar machen. Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse dagegen zu wenig Hormone, und der Stoffwechsel verlangsamt sich.

Symptome

Eine Schilddrüsenüberfunktion führt oft zu einer sichtbaren Vergrößerung der Schilddrüse, die sich im vorderen Halsbereich befindet. Diese Schwellung am Hals nennt man eine Struma (umgangssprachlich: Kropf). Manchmal ist nicht die komplette Drüse angeschwollen, aber ein Knoten tast- oder sichtbar. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann aber auch ohne Struma oder Knoten bestehen – und eine Struma oder ein Schilddrüsenknoten geht auch nicht immer mit einer Schilddrüsenüberfunktion einher.

Wenn zu viele Schilddrüsenhormone im Blut sind, geraten verschiedene Stoffwechsel- und Körperfunktionen aus dem Gleichgewicht. Dann kommt es zum Beispiel zu:

  • Herzklopfen und Herzrasen, manchmal auch Herzrhythmusstörungen
  • erhöhtem Blutdruck
  • Gewichtsverlust, trotz Heißhunger
  • Durchfall
  • Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit, Schlaflosigkeit
  • Schwäche, Müdigkeit

Menschen mit einer Schilddrüsenüberfunktion schwitzen häufig und empfinden Wärme schnell als unangenehm, ihre Haut fühlt sich oft warm und feucht an, ihr Haar ist ausgedünnt.

Bei der Basedow-Krankheit verändern sich vor allem die Augen: Sie treten sichtbar hervor, und es kann zu Sehstörungen (Sehen von Doppelbildern) kommen. Selten führt die Basedow-Krankheit auch zu Schwellungen am Unterschenkel oder verdickten Finger- und Zehenspitzen.

Ursachen

Die häufigste Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion ist die Basedow-Krankheit (Morbus Basedow). Sie entsteht durch eine Fehlfunktion des eigenen Immunsystems: Es stellt dann Antikörper her, die die Schilddrüse wachsen und zu viele Hormone herstellen lassen.

Auch eine sogenannte Schilddrüsenautonomie kann zu einer Überfunktion der Schilddrüse führen: Normalerweise wird die Schilddrüse durch die Hirnanhangsdrüse gesteuert. Bei einer Schilddrüsenautonomie reagieren die Schilddrüsenzellen jedoch nicht mehr auf die Signale der Hirnanhangsdrüse. Das kann zur Folge haben, dass viel mehr Schilddrüsenhormone gebildet werden als eigentlich nötig. Manchmal kommen autonome Schilddrüsenzellen in der gesamten Drüse vor, manchmal nur im Gewebe eines oder mehrerer gutartiger Knoten. Man spricht bei so einem Knoten von einem autonomen Schilddrüsenadenom. Nur sehr selten sind bösartige Schilddrüsentumoren der Grund für eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen.

Manchmal geraten auch ohne echte Überfunktion zu viele Schilddrüsenhormone ins Blut – etwa bei einer Schilddrüsenentzündung. Sie kann dazu führen, dass Schilddrüsengewebe zerstört wird. Dann werden im Gewebe gespeicherte Schilddrüsenhormone auf einmal freigesetzt und es kommt vorübergehend zu Symptomen wie bei einer Überfunktion.

Häufigkeit

Die Schilddrüsenüberfunktion kommt bei ungefähr einer von 100 Personen und damit recht häufig vor. Ihr häufigste Ursache, die Basedow-Krankheit, betrifft etwa 2 von 1000 Männern und 20 von 1000 Frauen. In der Regel beginnt die Erkrankung zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr.

Folgen

Menschen mit einer unzureichend behandelten Schilddrüsenüberfunktion können Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel ein Vorhofflimmern entwickeln. Durch den beschleunigten Knochenumbau kann langfristig auch eine Osteoporose entstehen.

Selten kann es im Rahmen einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer lebensbedrohlichen Situation kommen, einer sogenannten thyreotoxischen Krise. Sie kann zum Beispiel durch jodhaltige Medikamente oder Röntgenkontrastmittel ausgelöst werden. Neben den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion sind dann hohes Fieber, Erbrechen, Unruhe und Angstzustände, Herzrhythmus- und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma und Kreislaufversagen möglich. Menschen mit einer thyreotoxischen Krise müssen rasch ins Krankenhaus gebracht und auf der Intensivstation behandelt werden.

Diagnose

Beim Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion ist der erste Schritt in der Regel das ausführliche Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt. Daran schließt sich meist eine Tastuntersuchung der Schilddrüse an. Die Ärztin oder der Arzt kann dabei fühlen, ob das Organ vergrößert ist oder Knoten enthält. Bei der gründlichen Untersuchung des restlichen Körpers können sich Hinweise auf bestimmte Ursachen ergeben – wie etwa hervortretende, geschwollene Augen bei der Basedow-Krankheit.

Bluttests liefern weitere wichtige Informationen: Sie zeigen, ob die Schilddrüse zu viele Hormone bildet und ob die Steuerung durch die Hirnanhangsdrüse funktioniert. Auch die für die Basedow-Krankheit typischen Antikörper können nachgewiesen werden.

Per Ultraschalluntersuchung lassen sich das Schilddrüsengewebe und möglicherweise vorhandene Knoten genauer beurteilen. Mithilfe einer sogenannten Szintigraphie lässt sich zusätzlich erkennen, ob ein Knoten verstärkt Hormone bildet (sogenannter „heißer“ Knoten).

Behandlung

Milde Schilddrüsenüberfunktionen können manchmal auch ohne Behandlung von selbst zurückgehen. Die übermäßige Hormonproduktion in der Schilddrüse wird aber zunächst meist mit Tabletten gebremst, den sogenannten Thyreostatika. Bei der Basedow-Krankheit ist es möglich, die Schilddrüsenfunktion durch eine längere Einnahme von Thyreostatika zu normalisieren. Gelingt das nicht, wird die Drüse operativ entfernt oder mit Radiojod behandelt. Bei einer Radiojodtherapie nimmt man radioaktives Jod ein, das sich in die Schilddrüse einlagert und die überaktiven Zellen zerstört.

Liegt der Schilddrüsenüberfunktion eine vergrößerte Drüse mit Schilddrüsenautonomie zugrunde, wird die mit Thyreostatika „beruhigte“ Schilddrüse meist operativ entfernt. Ist eine Operation nicht möglich oder die Drüse nicht stark vergrößert, kommt eher eine Radiojodtherapie infrage.

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