Einleitung

Foto von Arzt beim Abtasten des Bauchs (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Bauchschmerzen, Verstopfung und Durchfall sind typische Symptome eines Reizdarmsyndroms (RDS), auch nervöser Darm oder Reizkolon genannt. Ein Reizdarmsyndrom ist nicht gefährlich, doch die Beschwerden können sehr schmerzhaft und lästig sein. Die meisten Betroffenen haben eine milde Form, mit der sie ohne Behandlung gut zurechtkommen. Bei manchen Menschen sind die Beschwerden allerdings so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken und zu einer seelischen Belastung werden. Ein Reizdarmsyndrom lässt sich nicht heilen. Aber viele Menschen finden mit der Zeit heraus, was ihrem Darm guttut und was nicht. Zudem gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Beschwerden zu lindern.

Symptome

Zu den typischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms gehören anhaltende Bauch- oder Unterleibsschmerzen, Krämpfe sowie ein veränderter Stuhl. Dabei haben Frauen eher mit Verstopfung zu tun, Männer eher mit Durchfall. Manche Menschen haben sowohl Durchfall als auch Verstopfung. Völlegefühl, Blähungen oder schleimiger Ausfluss können weitere Anzeichen eines Reizdarmsyndroms sein. Bei vielen Menschen verläuft die Erkrankung schubweise: Beschwerdefreie Episoden wechseln sich mit Phasen stärkerer Beschwerden ab.

Ursachen

Vom Reizdarmsyndrom ist meist der Dickdarm betroffen. Hier befördert die Darmmuskulatur den anfangs noch dünnflüssigen Nahrungsbrei langsam aber stetig vorwärts. Dabei wird ihm das Wasser entzogen und die unverdaulichen Teile der Nahrung werden zu Stuhl verdickt.

Wenn die Muskulatur den Nahrungsbrei zu schnell durch den Darm befördert, bleibt zu viel Wasser im Stuhl und es kommt zu Durchfall. Wird der Nahrungsbrei zu langsam transportiert, kann eine Verstopfung die Folge sein. Wenn sich die Darmmuskulatur stark zusammenzieht, können schmerzhafte Krämpfe auftreten.

 

Grafik: Das Verdauungssystem - wie im Text beschriebenDas Verdauungssystem

 

Die Ursachen des Reizdarmsyndroms sind bislang noch nicht eindeutig geklärt – es gibt jedoch viele Theorien dazu. Unter anderem wird vermutet, dass überempfindliche Darmnerven, Störungen der Darmmuskulatur und Entzündungen der Darmwand eine Rolle spielen könnten. Außerdem hat man beobachtet, dass das Reizdarmsyndrom bei Menschen, die eine Darminfektion mit Fieber und heftigem Durchfall hatten, häufiger auftritt. Eine erbliche Veranlagung könnte ebenfalls eine Rolle spielen. Auch psychische Belastungen und Stress, Ernährungsgewohnheiten und Lebensmittelunverträglichkeiten werden als mögliche Auslöser gesehen. Bei vielen dieser Faktoren ist allerdings unklar, ob sie eher Ursache oder Folge eines Reizdarmsyndroms sind – und inwiefern sie tatsächlich zu den Beschwerden beitragen.

Häufigkeit

Ein Reizdarmsyndrom tritt meist bei Menschen zwischen 35 und 50 Jahren auf. Wenn man leichte Formen mitzählt, haben etwa 14 von 100 Frauen und 9 von 100 Männern damit zu tun.

Diagnose

Es gibt verschiedene medizinische Kriterien, um ein Reizdarmsyndrom festzustellen. Nach der aktuellen Definition der deutschen Fachgesellschaften spricht man von einem Reizdarm, wenn

  • Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Blähungen länger als drei Monate anhalten und in der Regel mit einem veränderten Stuhlgang einhergehen wie beispielsweise häufigerem oder seltenerem Stuhlgang, Durchfall oder Verstopfung.
  • die Beschwerden die Lebensqualität spürbar verschlechtern und
  • es keine Hinweise darauf gibt, dass die Beschwerden durch eine andere Erkrankung verursacht werden.

Solche Symptome können allerdings auch andere Ursachen haben, wie etwa eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktoseintoleranz) oder Gluten (Zöliakie oder Sprue). Gluten ist ein Eiweiß, das in verschiedenen Getreidesorten vorkommt und in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Durch Bluttests und andere Untersuchungen können diese Unverträglichkeiten als Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden. Sie können aber auch zusammen mit einem Reizdarmsyndrom vorkommen.

Wenn folgende Beschwerden hinzukommen, deutet das eher auf eine andere Darmerkrankung hin:

  • deutlicher Gewichtsverlust
  • Blut im Stuhl
  • Fieber
  • Blutarmut

Diese Anzeichen können zum Beispiel auf eine entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn hinweisen. Möglich ist auch eine Divertikulitis – eine Entzündung, bei der sich Kot in Taschen in der Darmwand festsetzt. Plötzliche starke Bauchschmerzen können zudem durch Gallensteine verursacht werden.

Wenn Verdauungsbeschwerden zusammen mit Anzeichen wie zum Beispiel Blut im Stuhl auftreten, kann auch Darmkrebs eine mögliche Ursache sein. Er ist aber bei Menschen unter 50 sehr selten.

Behandlung

Es gibt eine Vielzahl von Empfehlungen dazu, was gegen ein Reizdarmsyndrom helfen kann. Zu den allgemeinen Ratschlägen gehören vor allem bestimmte Ernährungstipps und Bewegung. Die meisten dieser Empfehlungen wurden bisher allerdings nicht in aussagekräftigen Studien überprüft. Wenn man verschiedene Menschen mit einem Reizdarm fragt, zeigt sich: Was der eine hilfreich findet, scheint die Beschwerden bei einem anderen eher zu verschlechtern. Am besten probiert man daher selbst aus, ob einem etwas hilft.

Wer beispielsweise das Gefühl hat, dass bestimmte Lebensmittel die Beschwerden verstärken, kann testen, ob es hilft, darauf zu verzichten. Einige Menschen haben weniger Beschwerden, wenn sie ihre Mahlzeiten in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt zu sich nehmen. Wer herausfinden möchte, ob bestimmte Maßnahmen wie das Vermeiden von Lebensmitteln oder mehr Bewegung einen Einfluss haben, kann ein Tagebuch führen. Dort wird über einen längeren Zeitraum eingetragen, was man gegessen hat, wann man körperlich aktiv war, ob man sich gestresst gefühlt hat und wie stark die Beschwerden jeweils waren. So lassen sich mit der Zeit vielleicht bestimmte Muster erkennen.

Auch Behandlungen, die die Beschwerden lindern sollen, gibt es viele. Da die Ursachen des Reizdarmsyndroms bislang kaum geklärt sind, ist es schwierig, geeignete Behandlungen zu finden. Zumindest zu einigen Mitteln und Maßnahmen liefern Studien aber Hinweise, dass sie helfen können. Zu den bei Reizdarmsyndrom eingesetzten Behandlungen gehören:

  • Ballaststoff-Präparate wie Mittel aus Flohsamen
  • Pfefferminzöl
  • Probiotika
  • krampflösende Mittel
  • Mittel gegen Durchfall oder Verstopfung
  • verschiedene Arzneimittel wie Antibiotika und Antidepressiva
  • psychologische Verfahren wie Stressbewältigung und Hypnose

Da insbesondere Arzneimittel eine Reihe von Nebenwirkungen haben können und die Beschwerden manchmal auch verstärken, lohnt es sich, die Vor- und Nachteile gut abzuwägen.

Mehr Wissen

Leben und Alltag

Mit einem leichten Reizdarmsyndrom kommen die meisten Menschen gut zurecht. Bei einigen sind die Beschwerden aber so stark, dass sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Manche wissen nie genau, wann sie eine Toilette benötigen und haben dann das Gefühl, die Kontrolle über ihren Körper zu verlieren. Dies kann den Alltag sehr erschweren, zum Beispiel weil Mahlzeiten und Termine genau aufeinander abgestimmt werden müssen. Spontan zu sein, ist dann unmöglich.

Hinzu kommen oft Schamgefühle. Niemand spricht gerne über Darmprobleme und viele Menschen schämen sich, wenn sie oft zur Toilette gehen müssen oder Blähungen haben. Zudem wird das Reizdarmsyndrom von Außenstehenden, aber auch von Ärztinnen und Ärzten nicht immer ernst genommen – vielleicht weil es keine schwere Erkrankung ist oder weil sie es für eine „Kopfsache“ halten. Für Betroffene kann dies verletzend sein.

Die meisten Menschen finden aber Mittel und Wege, mit einem Reizdarmsyndrom zu leben, ohne sich allzu sehr einzuschränken. Es können Kleinigkeiten sein, die den Alltag erleichtern und helfen, sich nicht ständig Gedanken zu machen: Zum Beispiel zu einer Party eigenes Essen mitzubringen, sich frühzeitig zu erkundigen, wo die Toiletten sind, oder sich im Kino an den Gang zu setzen.

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