Nikotinersatztherapie

Foto von Mann in der Apotheke (PantherMedia / Robert Kneschke) Nikotin ist eine Substanz, die abhängig machen kann. Die meisten Raucherinnen und Raucher spüren unangenehme Entzugserscheinungen, wenn sie plötzlich aufhören. Eine Nikotinersatztherapie kann die Beschwerden lindern und helfen, den Rauchstopp durchzuhalten.

Wer mit dem Rauchen aufhört, hat es in der ersten Woche meist besonders schwer. Dem Körper fehlt das Nikotin und es können Entzugserscheinungen auftreten: Man wird unruhig, reizbar, fühlt sich niedergeschlagen und hat ein starkes Verlangen zu rauchen. Viele Menschen können sich schlechter konzentrieren und haben mehr Appetit als sonst. Eine Nikotinersatztherapie kann diese Entzugserscheinungen lindern.

Wie funktioniert eine Nikotinersatztherapie?

Auch wenn der Begriff „Nikotinersatztherapie“ etwas anderes vermuten lässt, wird das Nikotin bei dieser Art der Behandlung nicht durch eine andere Substanz ersetzt. Dem Körper wird dabei weiterhin Nikotin zugeführt, allerdings nicht wegen der anregenden Wirkung, sondern um das Aufhören zu erleichtern.

Zur Nikotinersatztherapie sind in Deutschland nikotinhaltige Kaugummis, Pflaster, Lutschtabletten, Inhalationsgeräte und Sprays zugelassen. Diese Produkte geben das Nikotin langsamer und in einer geringeren Dosis an den Körper ab als Zigaretten. Zudem entfallen gesundheitsschädliche Stoffe aus dem Tabakrauch wie Teer oder Kohlenmonoxid.

Alle Produkte zur Nikotinersatztherapie sind apothekenpflichtig. Ein Rezept ist aber nicht erforderlich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Nikotinersatztherapie und Medikamente zur Entwöhnung nicht.

Wer sich für eine Nikotinersatztherapie entscheidet, kann sie gleichzeitig mit dem Rauchstopp beginnen oder bereits ein bis 2 Wochen davor.

Die Kosten einer Nikotinersatztherapie schrecken manche Raucherinnen und Raucher ab. Aber wer es schafft, rauchfrei zu werden, fängt trotz Kauf von Nikotinersatzprodukten bereits nach einigen Wochen bis Monaten an, Geld zu sparen.

Nikotinkaugummis

Nikotinkaugummis müssen etwa 30 Minuten lang gekaut werden, um das gesamte Nikotin aus der Kaumasse zu lösen. Es kommt vor allem darauf an, sie langsam und mit Pausen zu kauen. So kann das Nikotin nach und nach aus der Kaumasse freigesetzt und über die Mundschleimhaut vom Körper aufgenommen werden. Es gibt unterschiedliche Geschmacksvarianten wie Pfefferminz oder Frucht.

Zu Beginn der Behandlung wird empfohlen, über den Tag verteilt etwa 8 bis 12 Kaugummis zu kauen. Nach 4 bis 12 Wochen wird die Dosis dann allmählich reduziert, bis man mit ein bis 2 Kaugummis pro Tag auskommt. Schließlich kann das Kaugummi ganz abgesetzt werden. Dies sollte in der Regel in 3 bis 6 Monaten gelingen.

Nikotinkaugummis gibt es in Dosierungen mit 2 und mit 4 Milligramm (mg) Nikotin. Wer mehr als 20 Zigaretten pro Tag geraucht hat, greift am besten zur höheren Dosierung, da sie bei starkem Zigarettenkonsum bessere Erfolgschancen bietet.

Nikotinpflaster

Nikotinpflaster geben das Nikotin langsam und kontinuierlich über die Haut in den Körper ab. Sie sind in verschiedenen Dosierungen erhältlich. Ein Pflaster wird nach dem Aufstehen auf die Haut geklebt und für 16 bis 24 Stunden dort belassen. Es kann zum Beispiel auf die Innen- oder Außenseite des Oberarms, den Schulterbereich oder die Hüfte aufgebracht werden.

Wichtig: Damit es gut hält, muss das Pflaster für etwa 10 bis 20 Sekunden auf die saubere, trockene und nicht eingecremte Hautstelle gedrückt werden. Außerdem sollten die Pflaster jeden Tag auf eine andere Hautstelle geklebt werden. Zwischen Anwendungen auf derselben Hautstelle wird ein Abstand von mehreren Tagen empfohlen.

Die Behandlung dauert etwa 10 Wochen. Währenddessen wird die Dosierung schrittweise verringert. Dosierung und Behandlungsdauer richten sich danach, wie viel man zuvor geraucht hat.

Lutschtabletten

Lutschtabletten setzen das Nikotin beim Lutschen frei und geben es über die Mundschleimhaut an den Körper ab. Es wird empfohlen, in den ersten sechs Wochen nach dem Rauchstopp etwa alle ein bis 2 Stunden eine Tablette zu lutschen, üblicherweise 8 bis 12 Stück pro Tag. Danach wird die Zahl der Lutschtabletten nach und nach reduziert, bis man ohne auskommt.

Lutschtabletten sind in Dosierungen zwischen 1 und 4 mg Nikotin erhältlich. Die Anfangsdosierung richtet sich auch hier danach, wie viel man zuvor geraucht hat.

Inhalatoren und Sprays

Mit einem Nikotininhalator (Inhaler) zieht man das Nikotin durch den Mund ein, ähnlich wie bei einer Zigarette. Auf das Mundstück des Inhalators werden austauschbare Patronen oder Kapseln gesteckt. Eine Patrone enthält 15 mg Nikotin und reicht für mehrere Anwendungen. Pro Tag werden 3 bis 6 Patronen verwendet – je nachdem, wie stark man vorher geraucht hat. Um ausreichend Nikotin aus einer Patrone aufzunehmen, muss deutlich häufiger daran gezogen werden als an einer Zigarette –  und das über einen Zeitraum von etwa 10 bis 20 Minuten. Auch hier wird die Zahl der Anwendungen nach drei Monaten schrittweise reduziert, bis es ohne geht.

Nikotinspray wird etwa ein- bis zweimal pro Stunde wie ein Mundspray in den Mund gesprüht – also in ähnlichen Abständen wie beim Rauchen. Nach sechs Wochen wird die Zahl der Sprühstöße nach und nach verringert, bis man ohne Nikotin auskommt. Dies sollte in etwa 3 bis 6 Monaten gelingen.

Wie gut hilft eine Nikotinersatztherapie?

Die Wirksamkeit von Nikotinersatztherapien wurde in vielen wissenschaftlichen Studien untersucht. An den Studien nahmen Menschen teil, die zuvor mindestens 15, meist aber mehr als 20 Zigaretten am Tag geraucht hatten. Fast allen wurde neben der Nikotinersatztherapie weitere Hilfe wie zum Beispiel eine Beratung angeboten. Nach 6 bis 12 Monaten wurde überprüft, ob die Teilnehmenden noch oder wieder rauchten.

Eine Wissenschaftlergruppe der Cochrane Collaboration hat diese Studien ausgewertet und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Nikotinersatztherapie den Rauchstopp erleichtern kann:

  • Ohne Nikotinersatztherapie schafften es 10 von 100 Personen, mit dem Rauchen aufhören.
  • Mit Nikotinersatztherapie gelang es 16 von 100 Personen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Eine Nikotinersatztherapie verhalf also zusätzlich 6 von 100 Personen zum erfolgreichen Rauchstopp.

Mehrere Forschergruppen vermuten allerdings, dass einige Studien, in denen die Nikotinersatztherapie unwirksam war, nicht veröffentlicht wurden. Nach Schätzungen, die diesen sogenannten Publication Bias berücksichtigen, würde eine Nikotinersatztherapie nur etwa 3 von 100 Personen helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

Die Studien zeigen außerdem, dass Nikotinkaugummis oder -pflaster das Gewicht wenig beeinflussen. Die Teilnehmenden, die eine Nikotinersatztherapie machten, wogen danach durchschnittlich etwa ein halbes bis ein Kilogramm weniger als die in der Vergleichsgruppe. Nach einem Jahr war aber kein eindeutiger Unterschied zwischen den Gruppen mehr festzustellen. 

 

Grafik: Wie gut eine Nikotinersatztherapie bei der Raucherentwöhnung hilft - wie im Text beschrieben

 

Einige Studien deuten darauf hin, dass eine Kombination zweier Nikotinersatztherapien etwas wirksamer ist als eine einzelne Behandlung. Eine Kombination kann zum Beispiel aus Nikotinpflaster und Lutschtabletten bestehen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nikotinersatztherapien können vorübergehende Nebenwirkungen haben – welche, hängt von der Art der Anwendung ab. Werden sie zu unangenehm, kann es sich lohnen, eine andere Form auszuprobieren.

Mögliche Nebenwirkungen von Kaugummis, Lutschtabletten, Inhalern und Sprays sind Reizungen der Mundschleimhaut und Magenverstimmungen. In Studien kam es bei 11 von 100 Personen zu einer wunden Stelle in Mund oder Rachen, 4 von 100 Personen schlugen die Mittel auf den Magen, zudem lösten sie manchmal Schluckauf aus.

Nikotinpflaster können auch Hautreizungen verursachen: In Studien betraf dies 13 von 100 Personen. Andere Nebenwirkungen sind bei Pflastern selten.

Ernsthafte Nebenwirkungen sind nicht zu befürchten. In Studien führten Nikotinersatztherapien zwar bei einer von 100 Personen zu Herzklopfen. Es gibt jedoch keine Hinweise, dass sie das Risiko für Herzerkrankungen erhöhen.

Kommt eine Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft infrage?

Nur wenige Studien haben untersucht, ob eine Nikotinersatztherapie in der Schwangerschaft hilft. Sie konnten keinen Nutzen feststellen. Die gesundheitlichen Folgen für das Ungeborene sind zudem unklar. Man geht aber davon aus, dass eine Nikotinersatztherapie weniger schädlich ist als weiter zu rauchen. Eine Alternative sind Entwöhnungsprogramme. Studien zeigen, dass Schwangeren der Rauchstopp leichter fällt, wenn sie eine Beratung erhalten.

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