Narbenbruch-Operationen

Foto von Frau (PantherMedia / imagepointfr)

Ein Narbenbruch kann sich im Bereich einer Operationsnarbe bilden. Ein solcher Bruch hat meist keine ernsthaften Folgen, kann aber unangenehm sein. Behandelt wird ein Narbenbruch entweder mit einer offenen oder einer minimal-invasiven (laparoskopischen) Operation.

Ein Narbenbruch (Narbenhernie) kann Monate oder Jahre nach einer Bauchoperation entstehen. Meist ist zunächst nur eine leichte Vorwölbung im Bereich der Narbe sichtbar. Sie tritt bei Anstrengung oder Husten hervor und verschwindet in Ruhe wieder. Mit der Zeit kann die Vorwölbung aber größer werden und auch schmerzen.

Die meisten Narbenhernien verursachen keine ernsthaften Probleme. Selten kann es zu einem Darmverschluss oder zum Absterben von Gewebe kommen, wenn sich Teile des Darms in der entstandenen Lücke einklemmen. Große Narbenhernien können auch die Atmung oder Beweglichkeit beeinträchtigen.

Wodurch entstehen Narbenhernien?

Die meisten Operationsnarben verheilen gut und die Bauchwand ist nach der OP genauso stabil wie vorher. Wenn der Schnitt durch die Bauchdecke aber nicht fest genug zusammenwächst, kann eine Schwachstelle entstehen. Hält die Narbe dem Druck im Bauchraum dann nicht mehr stand, können Gewebe oder Organteile durch die entstandene Lücke drücken und sich nach außen wölben.

Das Risiko dafür hängt vor allem von der Art der Narbe und der Nahttechnik ab. Die meisten Narbenhernien treten nach einer offenen Bauchoperation auf, bei der ein großer Längsschnitt in der Bauchmitte gesetzt wurde. Höheres Alter, Begleiterkrankungen und Wundheilungsstörungen können das Risiko zusätzlich erhöhen. Auch bei übergewichtigen Menschen kommt es eher zu Narbenbrüchen, weil der Bauchinnendruck und die Belastung der Narbe bei ihnen stärker sind.

Je nach Eingriff bekommen bis zu 15 von 100 Menschen nach einer Bauchwand-OP eine Narbenhernie. Die meisten entstehen im ersten Jahr nach einer Operation.

Wie kann man vorbeugen?

Um das Risiko für eine Narbenhernie zu senken, wird empfohlen, die Bauchmuskulatur in den ersten Monaten nach einem Eingriff nicht zu stark zu belasten. Welche Belastungen genau ungünstig sind und welche nicht, ist allerdings kaum untersucht.

Gewicht abzunehmen kann helfen, wenn dadurch der Bauchinnendruck sinkt. Wenn man das Rauchen aufgibt oder Erkrankungen wie Diabetes gut behandelt, kann das Risiko für Wundheilungsstörungen und damit auch für Narbenhernien sinken.

Nach größeren Bauchoperationen oder nach einer Narbenbruch-OP tragen manche Menschen vorübergehend eine Bauchbinde (Bauchmieder), welche die Bauchwand stabilisieren soll. Ob eine Bauchbinde hilft, Narbenbrüchen vorzubeugen, ist aber unklar.

Wie werden Narbenhernien behandelt?

Früher wurde die Bruchpforte nur verschlossen und dann zugenäht. Dies führte aber häufig zu erneuten Narbenbrüchen an derselben Stelle. Heute wird die Bruchpforte meist zusätzlich mit einem Kunststoffnetz abgedeckt. Dies stabilisiert die Bauchwand deutlich besser.

Es kann offen oder minimal-invasiv (laparoskopisch) operiert werden. Bei der offenen Operation wird der Bruch von außen über einen größeren Hautschnitt verschlossen und zusätzlich ein Netz zur Verstärkung eingesetzt. Bei der laparoskopischen Operation führt die Ärztin oder der Arzt ein feines Rohr mit einer Kamera (Laparoskop) und die chirurgischen Instrumente durch mehrere, etwa 5 bis 10 mm kleine Hautschnitte ein. Das Netz wird von innen an der Bauchdecke befestigt.

Kommt es in den ersten Wochen nach einer Bauchoperation zu einem Narbenbruch, wird dieser nicht sofort operiert, damit die Bauchdecke Zeit hat, sich zu erholen. In der Regel wird ein Narbenbruch erst mehrere Monate nach der Operation behandelt, die zur Narbenhernie geführt hat.

Ist eine offene oder eine laparoskopische Operation besser?

Beide Verfahren sind ähnlich gut geeignet, die Bauchwand zu stabilisieren. Auch das Risiko einer erneuten Narbenhernie unterscheidet sich nicht, sofern ein Kunststoffnetz eingesetzt wird.

Für die laparoskopische Operation spricht, dass es danach seltener zu Wundinfektionen kommt. Zudem kann man das Krankenhaus eher wieder verlassen.

Allerdings kann das Risiko für Komplikationen bei der Laparoskopie etwas höher sein, wenn sie von wenig erfahrenen Ärztinnen oder Ärzten durchgeführt wird, da die Laparoskopie schwerer zu erlernen ist als die offene Operation. Die Erfahrung des Operierenden spielt also vermutlich eine größere Rolle als die Art der Operation selbst.

Welche Risiken hat eine Operation?

Während des Eingriffs kann es zu Verletzungen im Bauchraum kommen. Zudem kann sich in den Tagen nach einer Operation die Wunde entzünden. Etwa 15 von 100 Menschen haben Schmerzen, die aber oft nach einigen Tagen oder Wochen wieder verschwinden. Manchmal bleiben die Schmerzen jedoch dauerhaft bestehen. Sie können durch die Schädigung von Nerven verursacht sein, durch Verwachsungen oder dadurch, dass das Netz spannt und schmerzt.

Im Bereich des Netzes kann sich nach dem Eingriff Wundflüssigkeit ansammeln, die unter Umständen mit einer Hohlnadel entfernt werden muss (Punktion). Bei etwa 5 von 100 Menschen tritt in den ersten Jahren nach dem Eingriff ein erneuter Narbenbruch auf.

Müssen Narbenhernien immer operiert werden?

Wenn Narbenhernien keine Beschwerden verursachen und keine Komplikationen nach sich ziehen, müssen sie nicht unbedingt operiert werden. Allerdings werden Narbenhernien mit der Zeit oft größer, und es bleibt ein geringes Risiko für ein Einklemmen des Darms.

Bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation spielen auch das Alter oder Begleiterkrankungen eine Rolle. Die Vor- und Nachteile eines Eingriffs bespricht man am besten gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt.

Wann sind Narbenbrüche schwerer zu behandeln?

Sehr große Narbenbrüche verursachen oft einen hohen Leidensdruck, weshalb sich viele Betroffene eine Behandlung wünschen. Allerdings sind große Hernien deutlich schwerer zu operieren als kleine.

Viele Menschen mit großen Narbenbrüchen sind stark übergewichtig, haben eine schwache Bauchmuskulatur und Begleiterkrankungen. Dies erhöht auch das Risiko für OP-Komplikationen. Welche Art der Operation dann am besten geeignet ist, hängt von vielen persönlichen Faktoren ab. Hier ist es sinnvoll, sich in einem spezialisierten Hernien-Zentrum beraten zu lassen.

Auch Frauen mit Kinderwunsch sind in einer besonderen Situation. Ihre Bauchwand muss während einer Schwangerschaft elastisch genug bleiben, da sie sich bis zur Geburt stark dehnt. Da ein Kunststoffnetz weniger elastisch ist als das natürliche Gewebe, befürchten Fachleute ein erhöhtes Risiko für Komplikationen, wenn eine Frau schwanger wird. Leider gibt es dazu bislang kaum wissenschaftliche Untersuchungen. Bei den meisten Narbenbrüchen kann wahrscheinlich gewartet werden, bis der Kinderwunsch abgeschlossen ist. Wenn operiert werden soll, wird eher eine Operation ohne Netz empfohlen. Allerdings ist das Risiko für einen Rückfall nach einer OP ohne Netz besonders während einer Schwangerschaft sehr hoch.