Multimodale Schmerztherapie und kognitive Verhaltenstherapie

Foto von Gruppentherapie (PantherMedia / yacobchuk1) Wenn eine Fibromyalgie die Lebensqualität und den Alltag stark beeinträchtigt und andere Behandlungen nicht ausreichen, kommt eine multimodale Schmerztherapie infrage. Eine kognitive Verhaltenstherapie hilft zu erkennen, welche Gedanken und Verhaltensweisen die Schmerzen verstärken und wie man sie verändert.

Chronische Schmerzen können verschiedene Probleme nach sich ziehen, zum Beispiel Schlafstörungen und Erschöpfung. Sie können auch die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich einschränken. Von Partnerschaft und Familie über Beruf und Haushalt bis zu Hobbys und Freizeit können alle Lebensbereiche beeinträchtigt sein.

Oft wirken sich die Schmerzen auch auf das Gemüt aus. Chronische Schmerzen können Angst auslösen – zum Beispiel vor Bewegung oder davor, dass die Beschwerden immer stärker werden und das Leben immer mehr bestimmen. Manche Menschen ziehen sich dann zurück oder verlieren die Hoffnung auf Besserung. Wenn die Sorgen die Oberhand gewinnen, entsteht leicht ein Teufelskreis aus Ängsten, Niedergeschlagenheit, Schmerzen, Schlafstörungen und Erschöpfung und zunehmenden Beschwerden.

Weil chronische Schmerzen verschiedene Ursachen haben und viele Lebensbereiche betreffen, ist oft eine Kombination von unterschiedlichen Behandlungen sinnvoll. Hier setzt die sogenannte multimodale Schmerztherapie an.

Was ist eine multimodale Schmerztherapie?

Bei der multimodalen Schmerztherapie arbeiten Fachleute aus verschiedenen Fachrichtungen wie Schmerzmedizin, Physiotherapie, Ergotherapie und Psychotherapie eng zusammen. Die Behandlung kombiniert Bewegung, Schulungen, Entspannungstechniken und die Behandlung mit Medikamenten. Psychotherapeutinnen und -therapeuten vermitteln in Gesprächsrunden oder Einzelgesprächen psychologische Strategien, die helfen, mit chronischen Schmerzen zurechtzukommen und mit Belastungen bei der Arbeit oder in der Familie umzugehen.

Eine multimodale Schmerztherapie wird vor allem von Schmerzkliniken, psychosomatischen Abteilungen in Krankenhäusern und orthopädischen, psychosomatischen oder rheumatologischen Rehabilitationszentren angeboten. Sie kann in einer Klinik (stationär) oder teils in der Klinik, teils ambulant (teilstationär) stattfinden. Sie dauert mindestens sieben Tage, üblich sind 2 bis 4 Wochen.

Das Ziel der Therapie ist die Hilfe zur Selbsthilfe – also Übungen und Methoden kennenzulernen, die sich später selbstständig anwenden lassen.

Eine multimodale Schmerztherapie kommt vor allem infrage, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend geholfen haben oder die Lebensqualität oder Leistungsfähigkeit im Alltag stark beeinträchtigt sind. Sie kann durch einen niedergelassenen Arzt verordnet werden, zum Beispiel in einer hausärztlichen, orthopädischen oder schmerzmedizinischen Praxis. Einen Behandlungsplatz bekommt man im Durchschnitt nach drei Monaten.

Was ist eine kognitive Verhaltenstherapie und wann kommt sie infrage?

Viele Menschen mit Fibromyalgie schrecken vor einer Psychotherapie zurück, weil sie glauben, dass sich damit nur psychische Erkrankungen behandeln lassen. Dies ist jedoch ein Missverständnis. Insbesondere mit der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) werden auch Tinnitus, Schlafstörungen und verschiedene chronische Schmerzerkrankungen behandelt.

Denn wie man chronische Schmerzen oder andere Beschwerden erlebt, hängt sehr von den eigenen Gedanken, Gefühlen und Verhaltensweisen ab. Daher empfinden manche Menschen Schmerzen an einem stressigen Tag bei der Arbeit zum Beispiel als viel belastender als an einem Wochenende, wenn sie einen Ausflug mit guten Freunden machen.

Bei einer kognitiven Verhaltenstherapie geht es darum, ungünstige Gedankenmuster und Verhaltensweisen zu erkennen, die die Schmerzen verstärken. In einem zweiten Schritt wird versucht, sie zu verändern – etwa, indem man die Annahmen hinter den oft automatisch auftretenden Gedanken überprüft. Außerdem werden verschiedene Techniken vermittelt, die im Umgang mit Schmerzen helfen können, zum Beispiel Entspannungsverfahren, Methoden zur Stressbewältigung, Achtsamkeitstraining oder Fantasiereisen (Imaginationsübungen).

Vor allem für Menschen, die in ständiger Sorge und Angst vor Schmerzen leben und ihre Beschwerden dadurch immer wieder ungewollt verstärken, kann eine KVT hilfreich sein. Dies gilt auch, wenn sich neben einer Fibromyalgie eine Angsterkrankung oder Depression entwickelt hat.