Früherkennung

Auf einen Blick

  • Manche Früherkennungsuntersuchungen helfen, Krankheiten zu verhindern.
  • Andere können die Behandlung einer Krankheit erleichtern und ihren Verlauf verbessern.
  • Für viele Untersuchungen sind jedoch keine gesundheitlichen Vorteile nachgewiesen, und einige schaden sogar mehr als sie nutzen.
  • Die Früherkennung wahrzunehmen, ist eine freie Entscheidung.
  • Wichtig ist, sich gut über die Vor- und Nachteile einer Untersuchung zu informieren.

Einleitung

Foto von Patientin und Arzt im Gespräch

Für viele Menschen ist es selbstverständlich, Untersuchungen zur Früherkennung und Vorsorge in Anspruch zu nehmen. Einige sind ein kostenloses Angebot der gesetzlichen Krankenkassen, andere müssen selbst bezahlt werden.

Welche Untersuchungen wann sinnvoll sind und welche man vielleicht gar nicht nutzen möchte, ist aber auch eine persönliche Frage. Orientierung gibt dieser Überblick.

Wichtig ist

Bei der Früherkennung gibt es keinen Zeitdruck. Wer unsicher ist, kann eine Untersuchung erst mal ablehnen. Die Teilnahme ist immer freiwillig.

Gut informieren – frei entscheiden

Bevor eine Früherkennungsuntersuchung stattfinden kann, muss man ihr ausdrücklich zugestimmt haben. Sie in Anspruch zu nehmen oder nicht, ist eine freie Entscheidung. Damit gehen Menschen ganz unterschiedlich um: Einige vertrauen eher ihrer Ärztin oder ihrem Arzt und stellen nur wenige Fragen. Andere wollen sich umfassend über die Vor- und Nachteile einer Untersuchung informieren.

Tatsächlich lohnt es sich, genau hinzuschauen: Es gibt zwar einige Früherkennungsuntersuchungen, mit denen sich Krankheiten verhindern lassen oder die zumindest die Behandlung erleichtern und den Verlauf verbessern können. Es werden aber auch eine Reihe von Untersuchungen angeboten, für die gar keine gesundheitlichen Vorteile nachgewiesen sind. Einige schaden sogar mehr als sie nutzen.

Folgende Fragen zu klären, kann helfen, zu einer guten Entscheidung zu kommen:

  1. Bin ich durch die Krankheit wirklich gefährdet?
  2. Kann die Untersuchung eine Krankheit vermeiden, ihr also vorsorgen – oder kann die Erkrankung „nur“ früher erkannt und dann besser behandelt werden?
  3. Welche Nachteile kann die Untersuchung haben?
  4. Muss ich die Untersuchung selbst zahlen?

Ärztinnen und Ärzte sind übrigens gesetzlich verpflichtet, vor einer Untersuchung ausführlich über diese Fragen aufzuklären.

Frage 1: Bin ich durch die Krankheit wirklich gefährdet?

Manche Krankheiten sind sehr häufig, manche sehr selten. Viele sind harmlos und heilen von selbst, andere können tödlich sein. Manche treten erst im Alter auf, einige schon in jungen Jahren.

Welche Krankheiten Menschen für sich als bedrohlich empfinden, ist ganz unterschiedlich. Es hängt oft auch von der persönlichen Situation und Erlebnissen in der Familie oder im Freundeskreis ab.

Selbst wenn eine Krankheit grundsätzlich häufig und gefährlich ist, muss das nicht heißen, dass sie tatsächlich jeden gefährdet. Das eigene Risiko kann zum Beispiel vom Alter und von Vorerkrankungen abhängen. Einfache Zahlen können dabei helfen, es einzuschätzen.

Wie bedrohlich man eine Krankheit empfindet, hängt vor allem von drei Aspekten ab:

  • Wie wahrscheinlich ist es, dass ich erkranke?
  • Was können dann die Folgen sein?
  • Wie bewerte ich meine Gefährdung durch die Krankheit im Vergleich zu anderen Risiken im Leben?

Frage 2: Kann die Untersuchung vor der Krankheit schützen oder sie früher erkennen?

Wenn bei der Untersuchung Vorstufen einer Krankheit entdeckt und entfernt werden können, lässt sich die Krankheit vermeiden. Strenggenommen kann man nur dann von „Vorsorge“ sprechen. Dies trifft aber nur auf bestimmte Früherkennungsuntersuchungen zu, beispielsweise die Darmspiegelung.

Ob eine Früherkennung lohnt, hängt von der Krankheit und der Untersuchungsmethode ab. Außerdem spielt es eine Rolle, ob eine Erkrankung bei einem Menschen tatsächlich besser heilbar ist, weil sie früher erkannt wurde.

Gute Früherkennungsuntersuchungen zeichnen sich dadurch aus, dass ihr Nutzen in verlässlichen Studien nachgewiesen ist. Das ist in der Realität aber oft nicht der Fall. Viele Angebote – zum Beispiel fast alle selbst zu zahlenden IGe-Leistungen () – wurden gar nicht in geeigneten Studien untersucht. Zudem gibt es einige wenige Angebote, für die gute Studien gezeigt haben, dass sie die Heilungschancen nicht verbessern können – zum Beispiel die Früherkennung von Eierstockkrebs.

Frage 3: Welche Nachteile kann die Früherkennung haben?

Diese Frage wirkt auf viele Menschen erst einmal verwirrend – denn die meisten halten es für selbstverständlich, dass es immer sinnvoll ist, zur Früherkennung zu gehen, oder es zumindest nicht schaden kann.

Doch Früherkennungsuntersuchungen können wie alles in der Medizin auch Nachteile haben. Allerdings sind die Nachteile oft nicht auf den ersten Blick erkennbar.

Ein einfaches Beispiel für solche Nachteile ist, wenn es etwa durch eine Blutentnahme oder eine Darmspiegelung zu Verletzungen und Komplikationen kommt. Etwas schwerer zu verstehen ist, dass auch die Ergebnisse einer Untersuchung Schaden anrichten können – zum Beispiel, wenn man einen Verdachtsbefund erhält, der sich nach weiterer Prüfung als Fehlalarm herausstellt.

Insgesamt lassen sich folgende Nachteile unterscheiden:

  1. Nachteile durch die Untersuchung selbst, wie Infektionen oder Verletzungen.
  2. Nachteile durch falsche Verdachtsbefunde, die dann in weiteren Untersuchungen geklärt werden müssen.
  3. Nachteile durch eine , die nicht zu besseren Heilungschancen führt (Überdiagnose).

Wie häufig diese Nachteile auftreten und welche Bedeutung sie haben, ist je nach Erkrankung und Untersuchungsmethode unterschiedlich. Manchmal sind die möglichen Nachteile harmlos, manchmal können sie ein guter Grund sein, eine Untersuchung lieber nicht zu machen.

Eine Früherkennungsuntersuchung ist dann sinnvoll, wenn ihr Nutzen den möglichen Schaden überwiegt. Aber auch bei dieser Bewertung spielen persönliche Einstellungen eine Rolle.

Frage 4: Muss ich die Untersuchung selbst zahlen?

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten eine Vielzahl von kostenlosen Früherkennungsuntersuchungen an. Seit einigen Jahren durchlaufen alle neuen Angebote eine Bewertung von Nutzen und Schaden. Sie werden grundsätzlich nur dann in den Leistungskatalog der Kassen aufgenommen, wenn ihr Nutzen überwiegt. Dies bietet einen gewissen Schutz vor nutzlosen oder sogar schädlichen Untersuchungen.

Die Krankenkassen zahlen allerdings immer noch einige Untersuchungen, die zum Beispiel in den 1970er-Jahren ohne eine sorgfältige Prüfung in den Leistungskatalog aufgenommen wurden. Dazu gehört zum Beispiel das Abtasten der Prostata oder des Darms, als Teil der allgemeinen Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung.

Arztpraxen bieten zudem viele weitere Untersuchungen als sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) an, deren Nutzen und Schaden oft nicht gut beurteilt werden kann. Sie müssen selbst gezahlt werden. Auch für gilt die ärztliche Aufklärungspflicht – das heißt, Ärztinnen und Ärzte sind verpflichtet, umfassend über die Vor- und Nachteile der Untersuchung aufzuklären. Hier lohnt es sich, genau nachzufragen.

Was kann mich bei meiner Entscheidung unterstützen?

Ärztinnen und Ärzte müssen vor einer Untersuchung immer über die Vorteile, die Nachteile und die Folgen der möglichen Befunde aufklären. Die ärztliche Aufklärung wird durch wissenschaftlich fundierte Informationen unterstützt.

In Deutschlang gibt es drei sogenannte „organisierte“ Krebsfrüherkennungsprogramme, zu denen regelmäßig per Post Einladungen zur Teilnahme verschickt werden. Das sind:

  • Brustkrebs-Früherkennung
  • Darmkrebs-Früherkennung
  • Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung

Die Briefe enthalten neben dem Einladungsschreiben auch , die die wichtigsten der oben angesprochenen Fragen beantworten. Außerdem bieten sie Informationen zu Datenschutz, zu Widerspruchsrechten, zur Durchführung der Untersuchung und zur Qualitätssicherung.

Auf gesundheitsinformation.de finden Sie Informationen zu folgenden Untersuchungen, deren Nutzen durch gute Studien belegt ist:

Bei folgenden Untersuchungen ergibt die Abwägung von Vor- und Nachteilen offene Fragen:

Andreae S, Avelini P, Berg M et al. Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Stuttgart: Thieme; 2008.

Bundesministerium für Gesundheit (BMG). Online-Ratgeber Krankenversicherung: Welche Früherkennungsuntersuchungen werden empfohlen? 2016.

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA). Früherkennung von Krankheiten. 2021.

Giersiepen K, Hense HW, Klug SJ et al. Entwicklung, Durchführung und Evaluation von Programmen zur Krebsfrüherkennung. Z Arztl Fortbild Qualitatssich 2007; 101(1): 43-49.

Kasper DL, Fauci AS, Hauser SL et al. Harrison's Principles of Internal Medicine. New York: McGraw-Hill; 2015.

Petticrew MP, Sowden AJ, Lister-Sharp D et al. False-negative results in screening programmes: systematic review of impact and implications. Health Technol Assess 2000; 4(5): 1-120.

Pschyrembel Online. 2022.

UK National Screening Committee (NHS). Criteria for appraising the viability, effectiveness and appropriateness of a screening programme. 2015.

Wilson JM, Jungner G. Principles and practice of screening for disease. (Public Health Papers; No. 34). J R Coll Gen Pract 1968; 16(4): 318.

World Health Organization (WHO). Screening programmes: a short guide. Increase effectiveness, maximize benefits and minimize harm. 2020.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Ärzten und anderen Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

Unsere Informationen beruhen auf den Ergebnissen hochwertiger Studien. Sie sind von einem Autoren-Team aus Medizin, Wissenschaft und Redaktion erstellt und von Expertinnen und Experten außerhalb des IQWiG begutachtet. Wie wir unsere Texte erarbeiten und aktuell halten, beschreiben wir ausführlich in unseren Methoden.

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Erstellt am 20. April 2022
Nächste geplante Aktualisierung: 2025

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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