Einleitung

Foto von zwei Frauen (Sandor Kacso / Hemera / Thinkstock)

Viel sitzen, viel liegen – das ist für manche Menschen kaum zu vermeiden. Die meisten bewegen sich dabei aber ständig bewusst oder unbewusst. Sehr schwache, gelähmte oder bewusstlose Menschen bleiben aber teilweise sehr lange unbeweglich in einer Position liegen oder sitzen. Dadurch erhöht sich ihr Risiko für ein Druckgeschwür (Dekubitus). Druckgeschwüre sind offene Wunden, die durch anhaltenden äußeren Druck auf die Haut entstehen. Sie können sehr schmerzhaft sein und heilen meist nur langsam wieder ab.

Ursachen

Ein Druckgeschwür entsteht fast immer an Stellen, wo sich Knochen direkt unter der Haut befinden. Dazu zählen das Steißbein, die Fersen, Hüften, Schulterblätter, Knöchel, Ellenbogen, das Ohr und der Hinterkopf.

Wenn an diesen Stellen im Liegen oder Sitzen ständig das Körpergewicht auf die Haut drückt, kann sie nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dadurch wird sie dünner und kann mit der Zeit sogar absterben. So entsteht eine offene Wunde, die besonders dann sehr schmerzhaft ist, wenn man weiter auf ihr liegt oder sitzt.

Grafik: Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Liegen, seitlichGrafik: Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Liegen, RückenlageDruckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Liegen

 

Grafik: Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Sitzen im RollstuhlGrafik: Druckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim SitzenDruckgeschwüre: typische Entstehungsorte beim Sitzen

 

Risikofaktoren

Gesunde Menschen verspüren schnell Schmerzen, wenn der Druck auf eine Körperstelle zu stark wird. Manche Krankheiten können allerdings das Schmerzempfinden stören, und bestimmte äußere Reize fördern die Entstehung von Wunden:

  • Menschen mit Lähmungen in den betroffenen Körperteilen spüren häufig gar keinen Druck und auch keine Schmerzen mehr.
  • Bei Menschen, die schon seit Jahren Diabetes mellitus haben, ist das Schmerzempfinden manchmal eingeschränkt, sodass sie nicht bemerken, wenn eine Stelle zu lange belastet wird. Zudem kann ein Diabetes auch zu Durchblutungsstörungen führen.
  • Durchblutungsstörungen, zum Beispiel aufgrund veränderter, verengter Blutgefäße (Arteriosklerose), verstärken die Unterversorgung der druckbelasteten Hautstellen.
  • Unterernährung ist bei bettlägerigen Menschen ein weiterer Risikofaktor. Denn Menschen, die kaum Fettpölsterchen haben und nur wenig essen und trinken, haben eine dünnere, schlechter durchblutete und weniger widerstandsfähige Haut.
  • Auch Reibung und Scherkräfte (Verschiebung der Hautschichten gegeneinander) können die Belastung der Haut verstärken. Diese entstehen beispielsweise, wenn Menschen im Bett bewegt werden und mit der Haut über die Unterlage schleifen. Dadurch kann es zu Rötungen und oberflächlichen Hautverletzungen kommen.
  • Wenn die Haut über Stunden Urin, Kot oder Schweiß ausgesetzt ist, wird sie anfälliger für Hautreizungen und -schäden. Inkontinenz alleine löst zwar noch kein Druckgeschwür aus. Wenn Menschen jedoch oft und lange in feuchten Windeln liegen, wird die aufgeweichte Haut leichter wund.

Wer schon einmal ein Druckgeschwür hatte, bekommt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit dort wieder eine Wunde, auch wenn sie zuvor abgeheilt war. Deshalb ist es umso wichtiger, Druckgeschwüre gar nicht erst entstehen zu lassen.

Folgen

Ein Druckgeschwür kann schmerzhaft sein und auch psychisch belasten. Eine offene, schlecht heilende Wunde bietet zudem ein Einfallstor für Krankheitserreger, die zu einer Entzündung der Wunde führen können. Breiten sich die Krankheitserreger weiter aus, kann eine Blutvergiftung (Sepsis) die Folge sein.

Wenn ein Druckgeschwür nicht abheilt, spricht man auch von einer chronischen Wunde. Die Behandlung kann dann sehr langwierig werden.

Diagnose

Manche Menschen können ihre Haut selbst auf erste Anzeichen für ein Druckgeschwür überprüfen, beispielsweise mithilfe eines Spiegels. Wenn sie sich über längere Zeit kaum oder gar nicht bewegen konnten, kennen sie die Warnsignale oft sehr genau. Menschen, die sich aus eigener Kraft nicht umdrehen können, sind jedoch auf die Hilfe anderer angewiesen, auch weil die meisten gefährdeten Stellen an der Körperrückseite liegen.

Nicht jede Wunde oder Hautverletzung entwickelt sich zu einem Druckgeschwür. Um den Schweregrad eines Druckgeschwürs zu beurteilen, orientieren sich Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte meist an der folgenden Einteilung: 

  • Stadium 1: Die Haut ist rötlich verfärbt, auch wenn kein Druck auf ihr lastet. Sie kann wärmer sein als sonst, ist aber noch intakt.
  • Stadium 2: Die Haut ist oberflächlich beschädigt, etwa in Form einer Blase oder Abschürfung.
  • Stadium 3: Alle Hautschichten sind zerstört und es zeigt sich eine tiefe Wunde, die bis zu den Muskelschichten reichen kann. Teile der Haut können auch abgestorben sein (Nekrose).
  • Stadium 4: Ein großer Teil des Gewebes ist zerstört und abgestorben. Die Schädigung kann Muskeln und Knochen einschließen.

Vorbeugung

Wenn jemand länger stillsitzen oder liegen muss – und sei es auch nur für ein paar Tage –, ist es notwendig, die am meisten gefährdeten Körperstellen zu entlasten. Regelmäßiges Umlagern und Drehen ist dabei sehr wichtig. Spezielle Sitz- oder Liegeflächen können den Druck etwas abfangen, etwa eine besondere Matratze oder druckentlastende Auflage. Außerdem ist es sinnvoll, kritische Stellen am Körper regelmäßig zu überprüfen, damit man schnell handeln kann, wenn sich erste Anzeichen für ein Druckgeschwür zeigen.

Bei der Pflege und Lagerung eines Menschen ist es wichtig, Reibe- und Scherkräfte möglichst zu vermeiden. Dabei helfen verschiedene Pflegetechniken, die man erlernen kann.

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Behandlung

Auf einem Druckgeschwür sollte möglichst kein Druck mehr lasten. Wichtig ist vor allem, nicht mehr auf der Wunde zu liegen oder zu sitzen. Lagerungshilfen, eine Weichlagerungsmatratze sowie regelmäßiges Umlagern und Bewegen helfen, den Druck abzufangen.

Die Wunde wird meist mit sterilen Wundauflagen versorgt, damit sie geschützt ist und abheilen kann. Wenn nötig, wird die Wunde auch regelmäßig gereinigt und von abgestorbenem Gewebe befreit. Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art und dem Schweregrad des Druckgeschwürs ab.

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