Behandlung von Druckgeschwüren

Foto von Pflegekraft und Patient

Druckgeschwüre heilen meist ab, wenn sie sorgfältig behandelt werden. Entscheidend ist, dass die Wunde von Druck entlastet und durch eine Wundauflage geschützt wird. Bei schlecht heilenden Wunden können weitere Behandlungen infrage kommen, etwa oder eine Operation.

Druckgeschwüre sind offene Wunden, die durch anhaltenden Druck auf die Haut entstehen. Manche Druckgeschwüre sind nur oberflächlich, andere sind sehr ausgeprägt und schwerer zu behandeln. Kleinere Druckgeschwüre heilen bei einer guten Behandlung meist innerhalb weniger Wochen ab. Es gibt aber auch schlecht heilende (chronische) Wunden, bei denen dies deutlich länger dauert.

Druckgeschwüre lassen sich meist zu Hause oder im Pflegeheim behandeln. Bei ausgeprägten Wunden kann ein Aufenthalt im Krankenhaus nötig werden.

Sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Pflegekräfte können Druckgeschwüre behandeln – es liegt jedoch in ärztlicher Verantwortung, die Behandlung zu planen und Wundauflagen zu verordnen. In vielen Einrichtungen gibt es zudem speziell für das Wundmanagement weitergebildete Fachkräfte, welche die koordinieren.

Wie kann die Wunde von Druck entlastet werden?

Ein Druckgeschwür (Dekubitus) entsteht, wenn eine Körperstelle auf Dauer zu viel Druck ausgesetzt ist. Dann wird das Gewebe schlechter durchblutet und stirbt ab. Dies lässt sich vermeiden, indem die Körperstelle von Druck entlastet wird. Auch wenn bereits ein Druckgeschwür entstanden ist, kann es nur abheilen, wenn es entlastet wird. Dies gelingt durch folgende Maßnahmen:

  • regelmäßiges Umlagern
  • möglichst häufiges Aufstehen, Hinsetzen und Umhergehen
  • Hilfsmittel wie spezielle Matratzen, Matratzenauflagen oder Sitzkissen

Wer bettlägerig ist, wird meist alle 2 bis 3 Stunden in eine andere Position gelagert und sollte möglichst nicht auf dem Druckgeschwür liegen. Bei bestimmten Druckgeschwüren, beispielsweise am Steiß, lässt sich dies jedoch kaum vermeiden. An anderen Stellen wie der Ferse gelingt die Druckentlastung leichter, etwa indem ein Kissen unter die Waden gelegt wird.

Spezielle Bettsysteme, Matratzen und Matratzenauflagen verteilen den Druck auf eine größere Körperfläche. Dazu zählen Weichlagerungs- und Wechseldruck-Matratzen. Sie entlasten Stellen, an deren besonders häufig Druckgeschwüre entstehen. Beim Sitzen können spezielle Sitzkissen verwendet werden. Die Kranken- oder Pflegekassen übernehmen für viele zu Hause benötigte Hilfsmittel die Kosten, wenn diese ärztlich verordnet wurden. Zudem können Angehörige in Pflegekursen verschiedene Bewegungs- und Lagerungstechniken erlernen.

Wie funktionieren Wundreinigung und Wundtoilette?

Die Wunde kann gereinigt werden, wenn der Verband gewechselt wird. Bei der medizinischen Wundreinigung wird die Wunde gespült – meist mit einer Kochsalzlösung.

Bei einem ausgeprägten Druckgeschwür nehmen Ärztinnen, Ärzte oder Pflegekräfte häufig eine sogenannte Wundtoilette (Débridement) vor. Dabei entfernen sie abgestorbenes oder entzündetes Gewebe mit einer Pinzette, einem scharfkantigen Löffel oder einem Skalpell. Manchmal verwenden sie auch ein Enzym-Gel, das die Wundreinigung unterstützen soll.

Die Wundversorgung kann schmerzhaft sein. Je nachdem, wie stark die Schmerzen sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel kann das Gebiet um die Wunde örtlich betäubt oder ein Schmerzmittel eingenommen werden. Bei stärkeren Schmerzen, etwa bei einer umfassenderen chirurgischen Wundtoilette, kann eine nötig sein.

Warum sind Wundauflagen sinnvoll?

Nach der Reinigung wird die Wunde mit einem Verband bedeckt. Die meisten Wunden werden feucht gehalten. Dafür können verschiedene Wundauflagen verwendet werden, zum Beispiel:

  • Polymerverbände
  • Auflagen mit Hydrogel
  • Hydrokolloid-Verbände
  • silber- oder alginathaltige Wundauflagen
  • Schaumstoffverbände

Normalerweise bleibt eine Auflage einige Tage lang auf der Wunde. Sie soll überschüssige Flüssigkeit aufnehmen und die Wunde vor Infektionen schützen. Gewechselt werden sollte sie, wenn sie sich erkennbar mit Wundsekret vollgesogen hat, verrutscht ist oder Flüssigkeit aus dem Verband austritt.

Feuchte Mullkompressen werden kaum noch verwendet, da sie an der Wunde festkleben können und häufig gewechselt werden müssen.

Was tun, wenn ein Druckgeschwür nicht abheilt?

Manchmal heilt ein Druckgeschwür trotz einer sorgfältigen Behandlung mit Wundauflagen, Reinigung und Lagerung nicht ab. Bessert sich ein Dekubitus nach zwei Wochen gar nicht, liegt dies häufig daran, dass die Wunde infiziert ist.

Bei schlecht heilenden (chronischen) Wunden können folgende Behandlungen infrage kommen:

  • Antibiotika oder : werden meist als Tablette eingenommen, seltener als Salbe oder Wundauflage auf die Wunde aufgetragen. Antiseptika wirken ebenfalls gegen Erreger. Neben antiseptischen Wundauflagen gibt es verschiedene antiseptische Mittel, mit denen entzündete Wunden gereinigt werden.
  • Vakuumversiegelungstherapie (Unterdruck-Wundtherapie): Dabei wird die Wunde luftdicht abgedeckt. An den Verband wird über einen dünnen Schlauch eine Pumpe angeschlossen, die einen Unterdruck erzeugt. Dadurch wird im Wundbereich ständig Wundflüssigkeit abgesaugt und die Durchblutung der Wunde erhöht. Zudem bleibt die Wunde feucht, was die Heilung ebenfalls fördern soll.
  • (Thrombozyten-reiches Plasma): Bestimmte Eiweiße aus den können bei der Wundheilung helfen. Im Labor wird dafür Eigenblut aufbereitet und dann zum Beispiel als Gel auf die Wunde gegeben. Es gibt Hinweise aus Studien, dass Thrombozyten-reiches Plasma bei Druckgeschwüren die Heilung fördert.
  • elektrische Stimulation (Elektrotherapie): Dabei werden Elektroden auf der Haut angebracht, die Stromreize durch den Körper senden. Dies soll unter anderem die Durchblutung und die Erneuerung von Zellen fördern. Studien deuten darauf hin, dass die Elektrotherapie die Wundheilung unterstützen kann.

Auch Ultraschalltherapien werden manchmal angewendet. Ob diese die Heilung chronischer Wunden fördern, ist jedoch noch nicht ausreichend untersucht.

Wann kommt eine Operation infrage?

Bei schlecht heilenden oder sehr ausgeprägten Wunden wird manchmal eine Operation empfohlen. Folgende Verfahren gibt es:

  • : Dabei wird eigene Haut von einer anderen Körperstelle, meistens dem Oberschenkel, auf die Wunde verpflanzt. Die Haut wächst an und verschließt die Wunde.
  • Lappenplastik: Das wird entfernt. Das fehlende Gewebe wird durch die Verpflanzung oder Verschiebung von Körpergewebe ersetzt, zum Beispiel Unterhautfettgewebe oder Muskellappen. Das kann Nachbargewebe oder Gewebe aus anderen Körperregionen sein. Häufig wird Gewebe aus dem Becken, Gesäß oder Oberschenkel verwendet.

Es dauert meist einige Wochen, bis die Haut nach einem dieser Eingriffe abgeheilt ist.

Wie lässt sich mit Schmerzen umgehen?

Wundschmerzen können den Alltag erschweren, den Schlaf stören und auch seelisch sehr belastend und zermürbend sein. Es ist sogar möglich, dass sie mit der Zeit zu einer Depression führen.

Schmerzen können durch eine gute Wundversorgung und die richtige Lagerung vermieden oder zumindest gelindert werden. Reicht dies nicht aus, lassen sich mit Medikamenten wie Paracetamol oder Ibuprofen leichte bis mittelstarke Schmerzen lindern. Es gibt auch Wundauflagen, die Schmerzmittel enthalten. Bei Bedarf kann die Ärztin oder der Arzt ein stärkeres Schmerzmittel verschreiben.

Wichtig ist, dass die Fachkräfte darauf achten, Schmerzen beim Verbandswechsel möglichst gering zu halten – zum Beispiel mit Wundauflagen, die weniger stark an der Wunde haften. Eine Möglichkeit ist auch, die Wunde mit Kochsalzlösung zu spülen, um die Wundauflage leichter zu lösen.

Bei chronischen Schmerzen können auch eine Schmerztherapie sowie eine psychotherapeutische Unterstützung sinnvoll sein. Solche psychologischen Verfahren zur Schmerzbewältigung sollen helfen, im Alltag besser mit den Beschwerden zurechtzukommen.

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Aktualisiert am 18. Februar 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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