Dialyse bei chronischer Nierenerkrankung

Foto von Mann während der Dialyse (PantherMedia / SimpleFoto) Eine Dialysebehandlung ermöglicht es, über Jahre bis Jahrzehnte mit einer weit fortgeschrittenen Nierenerkrankung zu leben. Es gibt verschiedene Dialyseformen. Für viele Menschen ist die Dialyse in einem Dialysezentrum gut geeignet. Andere wählen lieber ein Verfahren, das sie zu Hause anwenden können.

Bei einem terminalen Nierenversagen ist eine Nierentransplantation für viele Menschen die optimale Therapie. Sie ist aber nicht immer möglich. In diesem Fall und auch während der Wartezeit auf eine Spenderniere ist eine Nierenersatztherapie mithilfe einer Dialyse nötig.

Die wichtigsten Dialyseformen sind die Hämodialyse und die Peritonealdialyse. Welche Dialyseform infrage kommt, hängt zum einen von medizinischen Faktoren ab. Da sich der Behandlungsalltag deutlich unterscheidet, spielen aber auch persönliche Wünsche eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Es ist deshalb sinnvoll, sich mit den Dialyseformen vertraut zu machen und gemeinsam mit Familie und Ärztin oder Arzt herauszufinden, welche für einen selbst am besten passt.

Mithilfe einer Dialyse ist es möglich, über viele Jahre mit der Erkrankung zu leben. Wie gut dies gelingt, hängt dabei vor allem davon ab, ob und welche Begleiterkrankungen bestehen, ob die Dialysetherapie gut vorbereitet war und wie gut es gelingt, dauerhaft mit der Dialyse, den nötigen Medikamenten und Diätregeln zurechtzukommen.

Was bietet die Hämodialyse?

Die Hämodialyse ist das am häufigsten genutzte Dialyseverfahren in Deutschland. Das Blut wird bei diesem Verfahren über Schläuche außerhalb des Körpers in einer Maschine mittels einer Dialyseflüssigkeit gereinigt. Normalerweise wird dreimal pro Woche dialysiert. Eine Behandlung dauert meist etwa vier bis fünf Stunden.

Die Hämodialyse findet in der Regel in einem Dialysezentrum statt, sie ist aber auch zu Hause möglich (Heim-Hämodialyse). Die Kosten für eine Heimdialyse werden von den Krankenkassen genauso übernommen wie die in einem Dialysezentrum. Im Zentrum sorgen Fachkräfte für einen reibungslosen Ablauf. Das gibt vielen ein Gefühl von Sicherheit und ist ein Vorteil für Menschen, die sich nicht in der Lage fühlen, diese Behandlung zu Hause anzuwenden.

Die Heim-Hämodialyse erlaubt dagegen mehr Eigenständigkeit und Flexibilität. Man ist nicht an die Zeiten des Dialysezentrums gebunden und spart sich die Fahrten dorthin. Ohne eine Schulung in einem Dialysezentrum und die Unterstützung eines ebenfalls geschulten Angehörigen ist eine Heim-Hämodialyse allerdings nicht möglich. Auch muss zu Hause genügend Platz für das Dialysegerät und das nötige Zubehör vorhanden sein. Ob sich die Lebenserwartung von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung unterscheidet, wenn sie die Hämodialyse zu Hause oder im Zentrum erhalten, ist unklar – bislang fehlen dazu geeignete Studien.

Wer verreisen möchte, kann in einem anderen Dialysezentrum eine „Gast“- oder „Feriendialyse“ erhalten. So ist auch Urlaub im Ausland möglich: Für eine Dialyse am Urlaubsort reicht in der Regel eine rechtzeitige Anmeldung aus. Die Kosten für Gastdialysen im Ausland werden von der Krankenkasse in Höhe der Kosten der Dialysebehandlung in Deutschland erstattet.

Welche Nachteile hat eine Hämodialyse?

Manche Menschen fühlen sich „abhängig von der Maschine“. Außerdem können die langen Behandlungs- und manchmal Fahrtzeiten belasten und den Kontakt zu Freunden und zur Familie erschweren. Die festen Behandlungstermine im Zentrum liegen zudem oft tagsüber in der Woche – das ist für Menschen, die berufstätig bleiben möchten, aber nur schwer zu organisieren. Die meisten größeren Zentren bieten deshalb sogenannte „Abendschichten“ an.

Eine Hämodialyse funktioniert nur mit einem geeigneten Zugang zum Blutkreislauf. Da sich oberflächliche Venen dafür nicht eignen, ist mehrere Wochen bis Monate vor Beginn einer Hämodialyse eine kleine Operation nötig. Dabei werden wenn möglich am Unterarm eine Vene und eine Schlagader (Arterie) miteinander verbunden. Durch diesen „Kurzschluss“ (arteriovenöse Fistel oder Shunt) entwickelt sich ein etwas größeres Blutgefäß, in das bei jeder Dialysebehandlung Kanülen gelegt werden können.

Der Eingriff muss einige Zeit vor dem Dialysebeginn durchgeführt werden, weil die Fistel Zeit braucht, um sich vollständig auszubilden. Eine arteriovenöse Fistel ist der beste, weil komplikationsärmste Zugang für eine Hämodialyse. Sie kann aber auch belasten: Manche Menschen fühlen sich dadurch immer an ihre Krankheit und Abhängigkeit von der Dialyse erinnert. Für einige Menschen kann sie sogar ein Grund sein, sich für die Peritonealdialyse zu entscheiden. Der Zugang ist auch die Ursache für typische Komplikationen der Hämodialyse: Das neue Blutgefäß kann sich zum Beispiel entzünden oder durch ein Blutgerinnsel verstopfen. Wenn eine arteriovenöse Fistel nicht möglich ist, kann eine Hämodialyse auch über einen Katheter ablaufen, der über einen Zugang am Hals in eine große, herznahe Vene eingeführt wird.

In der Regel verläuft eine Hämodialyse komplikationslos. Selten können in der Zeit am Dialysegerät auch Beschwerden wie Blutdruckabfall oder Krampfanfälle auftreten. Außerdem muss die Blutgerinnung während der Dialyse mit einem Medikament unterdrückt werden.

Was bietet die Peritonealdialyse?

Bei einer Peritonealdialyse wird das Blut nicht außerhalb des Körpers, sondern mithilfe einer Dialyseflüssigkeit in der Bauchhöhle gereinigt. Patientinnen und Patienten erhalten dazu einen speziellen Bauchkatheter: Über diesen Katheter werden etwa zwei Liter Dialyseflüssigkeit in die Bauchhöhle geleitet, nach einiger Zeit abgelassen und gegen neue Dialyseflüssigkeit ausgetauscht. Diese Form der Dialyse kann selbstständig zu Hause durchgeführt werden.

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Peritonealdialyse zwei Verfahren. Das Standardverfahren ist die kontinuierliche ambulante Peritonealdialyse – kurz CAPD oder einfach „Beutelwechsel“ genannt. Dabei wird die Flüssigkeit drei- bis viermal täglich von Hand ausgetauscht, dazu braucht man also keine Maschine. Allerdings ist eine intensive Schulung durch Fachpersonal nötig, um den hygienischen Umgang mit dem Katheter zu erlernen. Bei der CAPD ist der Bauch immer „gefüllt“.

Wer die Flüssigkeit tagsüber nicht wechseln möchte oder – zum Beispiel am Arbeitsplatz – dazu keine Gelegenheit hat, kann zum Beispiel jede Nacht eine sogenannte automatisierte Peritonealdialyse (APD) nutzen. Dazu wird der Katheter an ein Gerät (Cycler) angeschlossen, das die Dialyseflüssigkeit regelmäßig austauscht.

Welches der beiden Verfahren zur Peritonealdialyse geeignet ist, hängt aber auch von den Eigenschaften des Bauchfells ab: Für manche Menschen kommt eher eine CAPD, für andere eher eine APD infrage.

Auch bei der Peritonealdialyse müssen bestimmte Diät- und Trinkvorgaben eingehalten werden. Sie sind aber etwas lockerer als bei der Hämodialyse.

Wer mit der Peritonealdialyse nicht mehr zurechtkommt, kann zu einer Hämodialyse wechseln (oder umgekehrt).

Welche Nachteile hat eine Peritonealdialyse?

Für den Dauerkatheter in die Bauchhöhle ist wie bei der Hämodialyse ein chirurgischer Eingriff nötig. Mit dem Katheter hängen auch die häufigsten Komplikationen einer Peritonealdialyse zusammen:

  • Wenn Bakterien in die Bauchhöhle gelangen, können sie eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) auslösen.
  • Die Schlauchspitze im Bauchraum kann zu einer schmerzhaften Reizung der Schleimhäute führen.
  • Wenn die Öffnung des Schlauchs verklebt oder der Schlauch abknickt, ist die Dialyse erschwert oder nicht möglich.
  • Die Austrittsstelle des Schlauchs in der Bauchwand kann sich entzünden.

Um dem Körper überschüssiges Wasser zu entziehen, enthalten die meisten Dialyseflüssigkeiten Zucker. Fachleute gehen davon aus, dass der Zucker mit der Zeit ins Blut übergehen und Übergewicht fördern kann. Bei Diabetes mellitus muss manchmal die blutzuckersenkende Therapie angepasst werden.

Was Studien sagen

Was ist eine Hämofiltration?

Bei der sogenannten Hämofiltration wird das Blut über Schläuche in eine Maschine geführt und dort gereinigt. Dabei ist keine Dialyseflüssigkeit nötig: Stattdessen werden per Druck Wasser und Abbauprodukte aus dem Blut abgepresst. Wenn diese Methode mit der Hämodialyse kombiniert wird, spricht man von Hämodiafiltration. Beide Verfahren spielen bei der Behandlung von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung hierzulande keine große Rolle. Es gibt auch nicht genügend gute Studien, die belegen, dass sie besser sind als eine übliche Dialyse.

Kann man sich gegen eine Dialyse entscheiden?

Mit Ausnahme der Nierentransplantation gibt es keine Alternative zur Dialyse, die es ermöglicht, auf Dauer ohne ausreichend funktionierende Nieren zu leben. Trotzdem entscheiden sich einige Menschen mit Nierenversagen dagegen – zum Beispiel aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und bestehender Begleiterkrankungen. Diese Entscheidung bedeutet, dass man sein Leben zu Ende gehen lässt. Oft ist diese Entscheidung für Angehörige und Freunde schwer zu akzeptieren – deshalb ist es wichtig, sie vorher mit ihnen zu besprechen. Zudem wird die Unterstützung durch Familie, Angehörige und Freunde in den kommenden Wochen bis Monaten besonders wichtig.

Wer sich gegen eine Dialyse entscheidet, kann die Therapie mit Medikamenten fortsetzen und trotz Nierenversagen unter Umständen mehrere Wochen bis Monate weiterleben. Am Lebensende ist dann eine palliative Behandlung wichtig. Sie kann Schmerzen und andere Beschwerden lindern und soll so viel Lebensqualität wie möglich erhalten. Dazu gehört zum Beispiel, die Diätregeln zu lockern oder ganz aufzugeben.

Schlagwörter: Chronische Nierenkrankheit, N18, N19, Nieren und Harnwege, Niereninsuffizienz, chronische, Nierenversagen, Q61