Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Foto von einer Gruppe älterer Männer (PantherMedia / Diego Cervo) Wer sich über den PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs informiert, stößt auf widersprüchliche Informationen und Empfehlungen. Der Grund ist, dass weder die Vor- noch die Nachteile des Tests eindeutig überwiegen. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist deshalb eine Frage der persönlichen Abwägung.

Früherkennungsuntersuchungen sollen Prostatakrebs entdecken, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

Die Früherkennung hat aber klare Nachteile: Dabei werden auch kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

Der PSA-Test zur Früherkennung

Die bisher einzige Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde, ist der PSA-Test. Zur Früherkennung ist der PSA-Test allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn aber als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Männer selbst bezahlen müssen. Die Kosten für den Test betragen zwischen 15 und 20 Euro. Wenn noch ein aufklärendes Gespräch und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist mit etwa 50 Euro zu rechnen.

Mit dem Test wird die Menge an „Prostata-spezifischem Antigen“ (PSA) im Blut bestimmt. Dies ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

Was sagt der PSA-Wert aus?

Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Ein PSA-Wert unter 3 Nanogramm pro ml (ng/ml) gilt als unauffällig. Die Grauzone ist jedoch groß. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten – er kann aber auch viele andere Ursachen haben. Denn wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird, gelangt automatisch etwas mehr PSA ins Blut. Der PSA-Wert kann zum Beispiel erhöht sein:

Es ist sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt über solche Einflüsse zu informieren, damit sie oder er den Test richtig bewerten oder verschieben kann.

Auf der anderen Seite garantiert ein unauffälliger PSA-Test nicht, dass ein Mann keinen Krebs hat: In seltenen Fällen kann der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich liegen.

Bei einem sehr hohen PSA-Wert, zum Beispiel über 10 ng/ml, besteht allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. So hohe Werte sind aber selten.

Welche Probleme können bei einer Gewebeentnahme (Biopsie) auftreten?

Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Krebs der Grund für den erhöhten Wert ist, schließt sich meist eine Gewebeentnahme an.

Zur Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird zuerst eine etwa fingerdicke Sonde in den Darm eingeführt. Von dort wird mit einer feinen Hohlnadel durch die Darmwand in die Prostata gestochen, um dort mehrere Gewebeproben zu entnehmen. Per Ultraschall wird kontrolliert, ob die Nadel an die richtige Stelle geführt wird. In der Regel werden zehn bis zwölf Proben entnommen.

Um Infektionen vorzubeugen, erhalten die Männer vor der Untersuchung ein Antibiotikum. Eine örtliche Betäubung hilft gegen die Schmerzen. Nach der Biopsie ist oft noch einige Tage Blut im Urin oder Sperma sichtbar. Bei etwa 40 von 1000 Männern kommt es vorübergehend zu Fieber. Etwa 10 von 1000 Männer gehen nach einer Biopsie wegen einer fiebrigen Entzündung in ein Krankenhaus.

Wann wird eine Biopsie empfohlen?

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert einem Mann eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie sinnvoll ist, wenn

  • der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt oder
  • der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

Was zeigen Studien zu den Vor- und Nachteilen des PSA-Tests?

Welche Vor- und Nachteile die PSA-Früherkennung für Männer hat, wurde in einer großen europäischen Studie untersucht. Es nahmen 162.000 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren teil. Etwa der Hälfte dieser Männer wurden insgesamt zwei bis drei PSA-Tests angeboten, die meisten nahmen die Untersuchungen auch in Anspruch. Der Abstand zwischen den Tests lag in der Regel bei vier Jahren. Lag der PSA-Wert über 3 ng/ml, wurde eine Gewebeprobe entnommen. Die andere Hälfte der Männer bekam kein Angebot zur Früherkennung. Seit mittlerweile 13 Jahren verfolgen die Forscherinnen und Forscher, bei wie vielen Männern in beiden Gruppen Prostatakrebs gefunden wird und wie viele Männer daran sterben.

Allerdings wurde in der Studie ein anderer PSA-Grenzwert verwendet als in Deutschland üblich. Daher können die Ergebnisse nur als ungefähre Schätzungen dafür dienen, was Männer in Deutschland vom PSA-Test erwarten können.

Der PSA-Test in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Was ein Mann von der Früherkennung erwarten kann, lässt sich mithilfe von Daten aus der großen europäischen Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs abschätzen.

Wenn 1000 Männer zwischen 55 und 69 über 13 Jahre an der PSA-Früherkennung teilnehmen, sind folgende Ergebnisse zu erwarten:

  • Bei etwa 760 Männern sind die Werte unauffällig.
  • Bei etwa 240 Männern wird ein erhöhter PSA-Wert gefunden. Die meisten dieser Männer lassen sich dann Gewebe aus der Prostata entnehmen, um das Organ auf Krebszellen zu untersuchen.
  • Bei etwa 140 dieser Männer wird in der Biopsie dann doch kein Prostatakrebs gefunden. Der PSA-Test hat falschen Alarm geschlagen.
  • Bei etwa 100 Männern mit auffälligem PSA-Wert werden Krebszellen gefunden. Je nach Größe und Aggressivität des Tumors kommen verschiedene Behandlungen infrage: in der Regel „aktive Überwachung“, Strahlentherapie oder Operation.

Wie groß sind Nutzen und Schaden der PSA-Früherkennung?

  • Wenn 1000 Männer am PSA-Screening teilnehmen, werden 1 bis 2 von ihnen vor dem Tod durch Prostatakrebs bewahrt.
  • Etwa 3 von 1000 Männer werden vor Metastasen bewahrt.
  • Es werden auch Tumoren und Zellveränderungen entdeckt, die sich sonst nie bemerkbar gemacht hätten. Schätzungsweise 30 von 1000 Männern, die an der Früherkennung teilnehmen, erhalten eine Überdiagnose und vielleicht eine unnötige Behandlung.

Die folgende Grafik zeigt die Vor- und Nachteile der PSA-Früherkennung auf einen Blick. 

Grafik: Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden?Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer untersucht werden?

Diese Zahlen sind – wie erwähnt – Schätzungen. Zum einen werden in Deutschland etwas andere PSA-Werte empfohlen. Zum anderen wurden die Männer in der Studie im Durchschnitt nur über 13 Jahre nachbeobachtet. Eine längere Nachbeobachtung könnte zu etwas anderen Ergebnissen führen.

Sich entscheiden

Ob für einen Mann die möglichen Vorteile oder die möglichen Nachteile eines PSA-Tests zur Früherkennung überwiegen, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Bei der Entscheidung für oder gegen die Tests kann man sich Zeit lassen. Kein Mann muss sich zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen, denn es gibt gute Gründe sowohl für als auch gegen die Früherkennung.

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