Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs

Foto von Mann im Freien (PantherMedia / Wavebreakmedia ltd) Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs hat Vor- und Nachteile: Einerseits kann er 3 von 1000 Männer davor bewahren, an Prostatakrebs zu sterben. Andererseits erhalten bis zu 60 von 1000 Männern eine unnötige Prostatakrebs-Diagnose – und damit oft eine unnötige Krebsbehandlung. Ob man sich testen lassen möchte oder nicht, ist eine Frage der persönlichen Abwägung.

Durch den PSA-Test soll Prostatakrebs entdeckt werden, bevor er Beschwerden verursacht. Eine frühe Diagnose und Behandlung kann die Heilungschancen verbessern und das Risiko für Metastasen senken.

Die Früherkennung hat aber auch klare Nachteile: Es werden viele kleine Tumore entdeckt, die keinen Krankheitswert haben. Denn bei den meisten Männern wächst Prostatakrebs sehr langsam, und vielen bereitet er zu Lebzeiten gar keine Probleme. Männer, bei denen ein solcher Krebs im Rahmen der Früherkennung entdeckt wird, werden unnötig den Belastungen und Nebenwirkungen von Diagnose und Behandlung ausgesetzt. Die Diagnose einer Erkrankung, die sich ohne Untersuchung nie bemerkbar gemacht hätte, nennt man Überdiagnose.

 

Der PSA-Test zur Früherkennung

Die bisher einzige Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs, die in großen Studien erforscht wurde, ist der PSA-Test. Zur Früherkennung ist der PSA-Test allerdings keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Viele Arztpraxen bieten ihn aber als „individuelle Gesundheitsleistung“ (IGeL) an, die Männer selbst bezahlen müssen. Die Kosten für den Test betragen zwischen 15 und 20 Euro. Wenn noch ein aufklärendes Gespräch und ergänzende Untersuchungen hinzukommen, ist mit etwa 50 Euro zu rechnen.

Mit dem Test wird die Menge an „Prostata-spezifischem Antigen“ (PSA) im Blut bestimmt. Dies ist ein Eiweiß, das in der Prostata gebildet und in die Samenflüssigkeit abgegeben wird. Es dient dazu, die Samenflüssigkeit zu verdünnen, damit sich die Spermien besser bewegen können.

Um den PSA-Wert zu bestimmen, wird in der Arztpraxis eine Blutprobe aus einer Armvene entnommen und an ein Labor geschickt. Bis die Testergebnisse zurückkommen, kann es ein paar Tage dauern. Der PSA-Wert wird in Nanogramm pro Milliliter Blut angegeben (ng/ml).

Was sagt der PSA-Wert aus?

Da die Prostata sehr gut durchblutet ist, gelangen bei jedem Mann ständig kleine Mengen PSA ins Blut. Ein PSA-Wert unter 3 Nanogramm pro ml (ng/ml) gilt als unauffällig. Die Grauzone ist jedoch groß.

Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Prostatakrebs hindeuten – er kann aber auch viele andere Ursachen haben. Denn wenn sich die Prostata verändert oder das Gewebe gereizt wird, gelangt automatisch etwas mehr PSA ins Blut. Der PSA-Wert kann zum Beispiel erhöht sein:

Es ist sinnvoll, die Ärztin oder den Arzt über solche Einflüsse zu informieren, damit sie oder er das Testergebnis richtig bewerten oder den Test verschieben kann.

Auf der anderen Seite garantiert ein unauffälliger PSA-Test nicht, dass ein Mann keinen Krebs hat: In seltenen Fällen kann der PSA-Wert trotz Prostatakrebs im normalen Bereich liegen.

Bei einem sehr hohen PSA-Wert, zum Beispiel über 10 ng/ml, besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit für Prostatakrebs. So hohe Werte sind aber selten.

Wann wird eine Biopsie gemacht?

Weil ein erhöhter PSA-Wert viele Ursachen haben kann, ist ein auffälliges Testergebnis noch keine Krebsdiagnose. Um festzustellen, ob ein Krebs der Grund für den erhöhten Wert ist, schließt sich meist eine Gewebeentnahme an.

Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, ab welchem PSA-Wert einem Mann eine Gewebeentnahme empfohlen werden sollte. Die medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland haben sich darauf geeinigt, dass eine Biopsie sinnvoll ist, wenn

  • der PSA-Wert über 4 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) liegt und eine zweite Messung diesen Wert bestätigt oder
  • der PSA-Wert im Laufe mehrerer Messungen deutlich ansteigt.

Welche Probleme können bei einer Gewebeentnahme (Biopsie) auftreten?

Zur Entnahme von Gewebe aus der Prostata wird zuerst eine etwa fingerdicke Sonde in den Darm eingeführt. Von dort wird mit feinen Hohlnadeln durch die Darmwand in die Prostata gestochen, um dort mehrere Gewebeproben zu entnehmen. Per Ultraschall wird kontrolliert, ob die Nadeln an die richtige Stelle geführt werden. In der Regel werden zehn bis zwölf Proben entnommen.

Vor der Untersuchung erhalten die Männer ein Antibiotikum, um Infektionen möglichst zu vermeiden. Eine örtliche Betäubung hilft gegen die Schmerzen.

Nach der Biopsie ist oft noch einige Tage Blut im Urin oder Sperma sichtbar. Außerdem kann es zu vorübergehenden Beschwerden beim Wasserlassen und Erektionsproblemen kommen.

Bei etwa 2 % der Biopsien kommt es zu einer Komplikation, zum Beispiel einer Infektion. Manche Männer müssen deswegen in ein Krankenhaus.

Was zeigen Studien zu den Vor- und Nachteilen des PSA-Tests?

Welche Vor- und Nachteile die PSA-Früherkennung für Männer hat, wurde in einer großen europäischen Studie untersucht. Es nahmen 162.000 Männer im Alter von 55 bis 69 Jahren teil. Etwa der Hälfte dieser Männer hatten im Durchschnitt zwei bis drei PSA-Tests. Der Abstand zwischen den Tests lag in der Regel bei vier Jahren. Lag der PSA-Wert über 3 ng/ml, wurde eine Gewebeprobe entnommen. Die andere Hälfte der Männer bekam kein Angebot zur Früherkennung. Seit mittlerweile 16 Jahren verfolgen die Forscherinnen und Forscher, bei wie vielen Männern in beiden Gruppen Prostatakrebs gefunden wird und wie viele Männer daran sterben.

Der PSA-Test in Zahlen: Welche Ergebnisse sind zu erwarten?

Was ein Mann von der Früherkennung erwarten kann, lässt sich mithilfe von Daten aus der großen europäischen Studie zur Früherkennung von Prostatakrebs abschätzen.

Die Ergebnisse können allerdings nur als ungefähre Schätzungen dafür dienen, was Männer in Deutschland vom PSA-Test erwarten können. Das hat unter anderem damit zu tun, dass in der Studie ein anderer PSA-Grenzwert verwendet wurde als in Deutschland üblich. Wenn 1000 Männer zwischen 55 und 69 über 16 Jahre an der PSA-Früherkennung teilnehmen, sind folgende Ergebnisse zu erwarten:

  • Bei etwa 620 Männern sind die Werte unauffällig.
  • Bei etwa 380 Männern wird ein erhöhter PSA-Wert gefunden. Die meisten dieser Männer lassen sich dann Gewebe aus der Prostata entnehmen, um das Organ auf Krebszellen zu untersuchen.
  • Bei etwa 250 dieser Männer wird in der Biopsie dann doch kein Prostatakrebs gefunden. Der PSA-Test hat falschen Alarm geschlagen.
  • Bei etwa 130 Männern mit auffälligem PSA-Wert werden Krebszellen gefunden. Je nach Größe und Aggressivität des Tumors kommen verschiedene Behandlungen infrage: in der Regel „aktive Überwachung“, Strahlentherapie oder Operation.
  • Bei bis zu 60 dieser Männer wäre der Krebs ohne Früherkennung nie aufgefallen – und hätte zu Lebzeiten nie Probleme verursacht.

Wie groß sind Nutzen und Schaden der PSA-Früherkennung?

  • Nutzen: Wenn 1000 Männer am PSA-Screening teilnehmen, werden etwa 3 von ihnen davor bewahrt, Metastasen zu entwickeln und am Prostatakarzinom zu sterben.
  • Schaden: Es werden auch Tumoren und Zellveränderungen entdeckt, die sich sonst nie bemerkbar gemacht hätten. Bis zu 60 von 1000 Männern, die an der Früherkennung teilnehmen, erhalten eine Überdiagnose und vielleicht eine unnötige Behandlung.

Die folgende Grafik zeigt die Vor- und Nachteile der PSA-Früherkennung auf einen Blick. 

Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer über 16 Jahre an der Früherkennung teilnehmen?Auf einen Blick: Was geschieht, wenn 1000 Männer über 16 Jahre an der Früherkennung teilnehmen?

Diese Zahlen sind – wie erwähnt – Schätzungen. Zum einen werden in Deutschland etwas andere PSA-Werte empfohlen. Zum anderen wurden die Männer in der Studie im Durchschnitt über 16 Jahre nachbeobachtet. Eine längere Nachbeobachtung könnte zu etwas anderen Ergebnissen führen.

Sich entscheiden

Einige Männer können durch die Früherkennung mit dem PSA-Test davor bewahrt werden, an Prostatakrebs zu sterben. Anderen schadet die Früherkennung, weil sie zu Überdiagnosen führt – und damit zu unnötigen Krebsbehandlungen. Bevor man sich entscheidet, lohnt es sich also, das Für und Wider der Früherkennung gut abzuwägen. Die Vor- und Nachteile sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst.

Gründe für die Früherkennung Gründe gegen die Früherkennung
  • Senkt Risiko, an Prostatakrebs zu sterben
  • Senkt Risiko für fortgeschrittenen Krebs (Metastasen)
  • Führt häufig zu Überdiagnosen und unnötigen Krebsbehandlungen
  • Mögliche Folgen von Überdiagnosen sind Inkontinenz und Erektionsstörungen
  • Früherkennung kann Prostatakrebs nicht vorbeugen oder verhindern

 

Bei der Entscheidung sollte man berücksichtigen, dass mögliche Nachteile infolge unnötiger Krebsbehandlungen unmittelbar eintreten. Dazu gehören Inkontinenz und Erektionsstörungen. Der mögliche Vorteil der Früherkennung – vor einem Prostatakrebstod bewahrt zu werden – tritt in der Regel erst nach einem Zeitraum von 10 oder mehr Jahren ein.

Ob ein Mann die Früherkennung nutzen möchte, ist eine Frage der persönlichen Abwägung. Bei der Entscheidung kann er sich Zeit lassen. Kein Mann muss sich zur Früherkennung von Prostatakrebs gedrängt fühlen.