Depression nach einem Schlaganfall

Foto von älterem Paar im Grünen
PantherMedia / Dieter Möbus

Manche Menschen entwickeln nach einem eine . Es ist wichtig, diese zu erkennen und zu behandeln. Entscheidend sind eine gute medizinische und pflegerische Versorgung und die Unterstützung durch Angehörige und Freunde.

Trauer und Niedergeschlagenheit sind kurz nach einem normal. Etwa ein Drittel der Erkrankten entwickeln als Folge jedoch eine behandlungsbedürftige Depression. Frauen haben möglicherweise ein etwas höheres Risiko als Männer, nach einem eine zu bekommen.

Nicht immer werden Depressionen nach einem erkannt und ausreichend behandelt. Die Erkrankung wird auch „PSD“ genannt (Abkürzung der englischen Bezeichnung „Post-Stroke-Depression“).

Weshalb kann sich nach einem Schlaganfall eine Depression entwickeln?

Man weiß nicht genau, ob Depressionen nach einem vorwiegend körperliche oder psychische Ursachen haben. Denn bei einem wird das Gehirn geschädigt, und diese Gehirnschäden können auch das Gefühlsleben verändern. Eine kann aber auch eine Reaktion auf die körperlichen und geistigen Einschränkungen und den plötzlichen Verlust der Selbstständigkeit sein. Dies wird reaktive genannt.

Depressionen treten meist in den ersten Wochen nach einem auf. In dieser Zeit müssen Betroffene die Erfahrung verarbeiten, dass ihr Leben bedroht war, und sich von der körperlichen Belastung erholen. Mittel- und langfristig müssen manche Menschen lernen, mit Behinderungen und ihren Folgen für den Alltag und den Kontakten zu Familie und Freunden umzugehen. Dies kann einige Zeit dauern, und einige Menschen entwickeln vielleicht erst dann eine .

Nach schweren Schlaganfällen entwickeln sich häufiger Depressionen als nach leichteren; ebenso bei Menschen, die schon einmal eine durchgemacht haben. Das Ausmaß der hängt oft davon ab, wie stark die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen eingeschränkt ist. Es gibt Hinweise aus Studien, dass auch die soziale Situation, die Wohnverhältnisse und die Unterstützung, die jemand bekommt, die Entstehung einer beeinflussen können. Wenn Betroffene und ihre Angehörigen eine gute therapeutische und soziale Unterstützung bekommen, könnte dies das Risiko senken, depressiv zu werden.

Bei manchen Menschen verschwindet eine nach einiger Zeit auch ohne Behandlung von selbst. Die meisten Menschen benötigen allerdings Hilfe, um die Erkrankung zu überwinden.

Woran erkennt man eine Depression nach einem Schlaganfall?

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen einer und einer durch die Erkrankung ausgelösten Niedergeschlagenheit zu erkennen. Oft ist eine Körperseite gelähmt, dadurch sind die Beweglichkeit und die Selbstständigkeit stark eingeschränkt. Alltagstätigkeiten wie die Körperpflege und das Essen fallen schwer und sind häufig nur mit fremder Hilfe möglich. Die Lähmung stört zudem das Körpergefühl, da die gelähmte Seite schlecht bis gar nicht mehr wahrgenommen wird. Sprach- und Verständnisstörungen bedeuten eine zusätzliche Belastung: Es kann sehr deprimierend sein, sich nicht mehr oder nur eingeschränkt verständlich machen zu können. Manche Menschen wirken vielleicht auch nur deprimiert, weil sie ihre Gefühle nicht mehr so gut äußern können wie vor dem . Eine nach einem zu erkennen, ist also keine leichte Aufgabe.

Eine lässt sich genau wie eine „normale“ an folgenden Anzeichen erkennen:

  • tiefe Traurigkeit
  • Interessenverlust
  • Antriebslosigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • geringes Selbstwertgefühl
  • Schlafstörungen

Wenn mehrere dieser Symptome mehr als zwei Wochen andauern, kann das ein Zeichen für eine sein. Es ist wichtig, sich ärztlich beraten zu lassen, wenn man glaubt, dass es sich um eine handeln könnte. Denn Menschen mit einer werden oft nicht selbst auf ihr Befinden hinweisen. Es kann auch sein, dass sie sich aufgrund von Sprachstörungen nicht deutlich genug mitteilen können. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Personen um sie herum auf Anzeichen dafür achten – also ärztliches und pflegerisches Personal, aber auch Angehörige und Freunde.

Manchmal ist die auch mit einer erhöhten Gefühlsbetontheit verbunden. Nach dem haben manche Menschen weniger Kontrolle über den Ausdruck ihrer Gefühle: Es kann sein, dass sie plötzlich „grundlos“ anfangen zu weinen, manchmal auch zu lachen. Oder sie sind allgemein unbeständiger und launischer und reagieren sehr emotional.

Was sind die Folgen einer Depression für Patienten und Angehörige?

Eine kann die Genesung nach einem verzögern. Ob sich die krankheitsbedingten Einschränkungen bessern, hängt auch von der aktiven Mitarbeit bei der ab. So können beispielsweise körperliche Übungen helfen, die Lähmungen auf der betroffenen Körperseite zu mindern. Oft dauert die Genesung jedoch sehr lange und erfordert viel Geduld und Motivation. Für depressive Menschen ist es schwieriger, sich zu motivieren. Sie sind vielleicht gar nicht in der Lage, so intensiv an der Wiederherstellung ihrer Fähigkeiten zu arbeiten wie nicht depressive Menschen. All dies kann ihre Gesundung verzögern oder ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit sogar vermindern.

Eine kann auch bei pflegenden Angehörigen auftreten – vor allem dann, wenn sie sich von der Pflege überfordert fühlen. Wer deprimiert ist, dem fällt es schwerer, einen Menschen nach einem gut zu unterstützen. Für die oder den Betroffenen kann dies eine zusätzliche Belastung sein. Auf das Wohl der Helfenden zu achten, ist deshalb nicht nur für diese selbst und andere Familienangehörige wichtig, sondern auch für den Menschen, der den hatte.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Depressionen werden oft mit Medikamenten (Antidepressiva) und / oder psychologischen Maßnahmen behandelt wie psychologischen Beratungen oder psychotherapeutischen Verfahren. Die Möglichkeiten zur Behandlung von Depressionen umfassen Unterstützung, das Erkennen eigener Denkmuster und das Erlernen von Methoden, mit Stress umzugehen oder sich zu entspannen. Manche Menschen wenden auch andere Behandlungen an, zum Beispiel Massagen oder pflanzliche Mittel mit Inhaltsstoffen wie Johanniskraut (Hypericum). Studien deuten darauf hin, dass ein gezieltes Bewegungsprogramm depressive Symptome verringern kann, zum Beispiel ein regelmäßiges Kraft- oder Ausdauertraining.

Antidepressiva

Studien zeigen, dass Menschen helfen können, die nach einem eine entwickelt haben. Möglicherweise wirken sie sich auch auf die körperliche Genesung positiv aus. Am besten untersucht sind zwei Gruppen von : Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und Trizyklische . Sie gehören zu den bei Depressionen am häufigsten eingenommenen Wirkstoffen.

Die Wirkung der Medikamente setzt nicht sofort ein. Innerhalb der ersten 6 bis 8 Wochen verringern sich die Beschwerden jedoch oft. Manchen Menschen geht es allerdings auch ohne die Einnahme von mit der Zeit wieder besser. Generell gilt: Je ausgeprägter die , desto größer ist der Nutzen der Medikamente. Einen Therapieerfolg können sie jedoch nicht garantieren. Manchmal bleibt die trotz Medikamenten länger bestehen oder kehrt wieder.

können auch Nebenwirkungen haben: unter anderem Benommenheit, Krampfanfälle, Blutungen und Verdauungsprobleme. Es ist aber noch nicht ausreichend untersucht, wie häufig solche Nebenwirkungen bei Menschen nach einem auftreten. Da nach einem das Laufen schwer fallen oder nur mit Unterstützung möglich sein kann, ist es besonders wichtig, auf Nebenwirkungen zu achten, die die Koordination beeinflussen. Schwindel und Benommenheit können zum Beispiel das Sturzrisiko erhöhen. Noch nicht ausreichend untersucht ist, wie sich bei Erkrankten mit speziellen Problemen wie beispielsweise Sprach- und Verständnisstörungen auswirken.

können zudem Wechselwirkungen haben – das heißt, die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Aus diesen und anderen Gründen überwachen Ärztinnen und Ärzte Menschen nach einem , die einnehmen, sorgfältig. Denn es könnte notwendig sein, die Mittel wieder abzusetzen oder das Medikament zu wechseln.

Psychologische und psychotherapeutische Hilfen

Die Begleitung durch Fachleute ist ein wichtiger Baustein bei der Behandlung von Depressionen und könnte auch nach einem sinnvoll sein. Psychiater, Psychologen oder geschulten Beratungskräften im Krankenhaus oder der Rehaklinik können dabei unterstützen, mit der Erkrankung und der veränderten Lebenssituation umzugehen. Aussagekräftige Studien zu diesem Thema fehlen aber noch. Außerhalb von Kliniken kann man sich zum Beispiel an psychosoziale Beratungsstellen wenden.

Medikamente und psychologische Maßnahmen sind nicht die einzigen Möglichkeiten, um Depressionen vorzubeugen und zu behandeln. So kann die ganz alltägliche Unterstützung durch Angehörige oder Pflegekräfte eine wichtige Rolle im Genesungsprozess oder im Umgang mit den bleibenden Einschränkungen spielen. Je besser die Erkrankten begleitet werden, desto erfolgreicher ist vermutlich die Rehabilitation nach einem . Eine gute körperliche Genesung kann sich wiederum positiv auf die psychische Gesundheit auswirken.

Wie kann man Menschen mit einer Depression unterstützen?

Die Genesung nach einem gelingt besser, wenn alle Beteiligten die Behandlung intensiv unterstützen. Studien konnten zeigen, dass eine besonders gut organisierte Behandlung, an der Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeuten und Angehörige beteiligt sind, die Bewältigung der Erkrankung langfristig fördern kann. Es ist auch erwiesen, dass helfen kann, bestimmte Körperfunktionen wiederzuerlangen. Dabei werden alltägliche Verrichtungen wie Waschen, Anziehen oder Haushaltstätigkeiten geübt. Eine erfolgreiche Rehabilitation setzt eine hohe Motivation voraus, kann aber den entscheidenden Unterschied im Leben der Menschen nach einem ausmachen.

Menschen mit Depressionen lassen sich meist nicht mit einfachen Ermunterungsversuchen oder Ratschlägen motivieren. Mit ihrer Erkrankung umzugehen, erfordert viel Einfühlsamkeit und Geduld. Hinzu kommt, dass der Gemütszustand bei einer stark schwanken kann. Außerdem kann eine sehr unterschiedlich verlaufen. Ältere Menschen klagen dann zum Beispiel häufiger über Schmerzen als jüngere.

Einen Angehörigen nach einem zu betreuen, kann eine große Herausforderung bedeuten, aber es gibt viele Unterstützungsmöglichkeiten. Zum Beispiel Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die Erkrankten und ihren Angehörigen Hilfestellungen bei verschiedensten pflegerischen, finanziellen oder psychosozialen Anliegen geben können. Viele Städte und Gemeinden unterhalten auch Pflegeberatungsstellen, deren Angebot kostenlos ist. Angehörige können zudem Pflegekurse besuchen, in denen unter anderem Grundkenntnisse über Pflegetechniken vermittelt werden.

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Aktualisiert am 28. Juni 2017
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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