Lennard ist nicht öfter krank als seine Klassenkameraden

Foto von Familie beim Spaziergang (PantherMedia / Pavel Losevsky) Familie Meier mit Sohn Lennard, 9 Jahre

„Wenn es mir schlecht geht, dann drückt das so auf der Brust. Aber dann nehme ich Medikamente und es wird nach und nach besser. Sonst merke ich das Asthma gar nicht.“

Vater:

Lennard hat allergisches Asthma. Bei der Diagnose war er vier Jahre alt. Es tritt nicht ständig auf, sondern nur zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Situationen.

Er hatte als kleines Kind häufig spastischen Husten. Unser Kinderarzt hat dann allergisches Asthma diagnostiziert. Die Diagnose war eine Überraschung für uns. Wir haben uns zuerst viele Gedanken gemacht. Es gibt da ja sehr viele Empfehlungen, wie beispielsweise keinen Teppichboden, keine Haustiere, kein Federbett, Ledercouch. Wir haben uns viel informiert und uns Gedanken gemacht, wahrscheinlich mehr als wir hätten machen müssen.

Mutter:

Wichtig ist, dass man einen Arzt hat, zu dem man Vertrauen hat. Bei uns ist das ideal. Der Kinderarzt hat sich zusätzlich auf Lungenerkrankungen spezialisiert. Und dann ist es auch noch wichtig, Ruhe zu bewahren, sich in aller Ruhe zu informieren. Bei uns war das ein wenig hektisch, aber das Kind fällt ja von heut auf morgen nicht einfach um. Aber das hängt natürlich von der Schwere der Erkrankung ab. Bei uns ist das ja sehr unkompliziert.

Vater:

Am Anfang haben wir sehr oft Staub gesaugt, aber das hat sich mit der Zeit wieder normalisiert. Lennard reagiert ja vorwiegend auf Tierhaare allergisch. Das müssen wir vermeiden. Problematisch wird es dann, wenn verschiedene Faktoren zusammenkommen. Beispielsweise wenn es draußen extrem kalt ist, wenn er sich einen Schnupfen einfängt und dann vielleicht noch bei einem Freund gewesen ist, der ein Haustier hat. Dann können die Lungenfunktionswerte drastisch in den Keller gehen.

Mutter:

Wir versuchen jetzt seit etwa zwei Jahren, dass er mehr Verantwortung für sich und seine Krankheit übernimmt. Er soll lernen, daran selber zu denken und ein Bewusstsein zu entwickeln. Es ist ja seine Gesundheit. Und wenn er nicht aufpasst und dann doch mal mit einer Katze spielt oder mit Tieren Kontakt hat, dann hat das hoffentlich einen Lerneffekt. So dass er sich dann beim nächsten Mal ein wenig zurückhält.

Vater:

Mit der Messung der Lungenfunktionswerte ist es oft nicht so einfach. Wenn es ihm nicht gut geht, dann merkt er das ja und dann nimmt er auch von sich aus den Peak-Flow-Meter und misst. Ansonsten müssen wir ihn dazu ein wenig anstoßen und auffordern. Er misst immer zweimal täglich, morgens und abends. Wenn es ihm schlechter geht, auch noch zusätzlich mittags. Er schreibt sich dann die Werte, die er mit dem Peak-Flow-Meter misst, auch selber auf. Wenn es ihm schlechter geht, hören wir das an der Atmung. Dann wird auf jeden Fall gepustet.

Lennard:

Ich nehme die Medikamente nicht regelmäßig, nur wenn es mir schlecht geht. Wenn es mir schlecht geht, dann drückt das so auf der Brust. Aber dann nehme ich Medikamente und es wird nach und nach besser. Sonst merke ich das Asthma gar nicht.

Mutter:

Seine Medikamente nimmt er schon, aber nicht immer regelmäßig. Da müssen wir ein wenig hinterher sein. Besonders, wenn es ihm gut geht. Dann fehlt ihm ein wenig der Zusammenhang. Er versteht es noch nicht, warum er die Medikamente auch nehmen soll, wenn es ihm gut geht. Wenn die Werte schlecht sind, dann geben wir auch zusätzlich Medikamente. Wir haben da so ein Notfallpaket an Medikamenten. Das ist alles mit dem Arzt abgesprochen. Meistens ist es dann nach ein paar Tagen wieder in Ordnung. Bisher war es noch nicht so schlimm, dass wir zusätzliche Hilfe oder den Notarzt gebraucht haben.

Wir haben immer noch die Hoffnung, dass das Asthma irgendwann weg ist oder dass es durch eine gute Therapie so weit reguliert werden kann, dass es ihn nicht mehr belastet, wenn er erwachsen ist. Von daher denken wir, ist die Diagnose nicht so sehr schlimm, wie wir am Anfang gedacht haben. Manchmal haben wir jedoch auch Angst, dass er chronisches Asthma bekommt, wenn er erwachsen ist. Man kann es ihm nicht so richtig verständlich machen, dass es für die Zukunft wichtig ist, dass er seine Medikamente nimmt.

Ein bisschen schade ist, dass wir keine Haustiere halten können.

Lennard ist nicht öfter krank als seine Klassenkameraden. Die Medikamente scheinen so entzündungshemmend zu sein, dass er eher weniger krank ist als seine Freunde. Er macht auch Sport, das ist alles kein Problem. Mit seinem Zustand hat er keine wesentlichen Einschränkungen. Es ist alles ganz normal. Mit dem Asthma-Spray, da ist er regelrecht cool unter den anderen. Er ist dann was Besonderes.

 

Danksagung

Erfahrungsberichte fassen Interviews mit Betroffenen zusammen. Alle Gesprächspartnerinnen und -partner haben der Veröffentlichung zugestimmt. Ihnen gilt unser herzlicher Dank.

Die Berichte geben einen Einblick in den persönlichen Umgang und das Leben mit einer Erkrankung. Die Aussagen stellen keine Empfehlung des IQWiG dar.

Hinweis: Um die Anonymität der Interviewten zu wahren, ändern wir ihre Vornamen. Die Fotos zeigen unbeteiligte Personen.

Schlagwörter: Asthma, Atemwege, J45