Zolbetuximab (Vyloy) bei fortgeschrittenem Magenkrebs

Einleitung

Zolbetuximab (Handelsname Vyloy) ist seit September 2024 für Erwachsene mit einem HER2-negativen Adenokarzinom des Magens und des Übergangs zur Speiseröhre zugelassen. Der Wirkstoff kommt infrage, wenn der Tumor bereits gebildet hat oder nicht mehr operiert werden kann. Er wird mit Chemotherapien kombiniert.

Magenkrebs entsteht durch die bösartige Neubildung von Epithelzellen der Schleimhaut, die den Magen von innen auskleidet. Auch der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen kann betroffen sein. Je nachdem, von welchen Schleimhautzellen der Krebs abstammt (Plattenepithelzellen oder Drüsenzellen), wird zwischen Plattenepithel- und Adenokarzinomen unterschieden.

Magenkrebs verursacht anfangs allgemeine Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit, Appetit- oder Gewichtsverlust. Er kann deshalb zunächst unbemerkt bleiben oder mit anderen Magenerkrankungen verwechselt werden. Es kann auch dunkel bis schwarz gefärbter Stuhl auftreten – sogenannter Teerstuhl, der durch Blutungen im Magen entsteht.

Ein bösartiger Tumor wird, wenn möglich, operativ entfernt. Manchmal ist er dafür jedoch schon zu groß oder hat bereits über das Blut- oder Lymphsystem in anderen Körperregionen gebildet. In diesem Fall spricht man von fortgeschrittenem Magenkrebs.

Wie sich die Krebszellen vermehren, wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu gehört ein bestimmter Eiweißbaustein auf der Oberfläche der Krebszellen, der HER2-Rezeptor (humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor). HER2-Rezeptoren reagieren auf Wachstumssignale und regen so das Wachstum des Tumors an. Wenn diese besonders häufig vorkommen, spricht man von HER2-positivem Krebs. Ein HER2-negativer Krebs wächst vergleichsweise langsamer als der HER2-positive Krebs. Manche Tumoren weisen erhöhte Mengen des Proteins PD-L1 (programmed death-ligand 1) auf. Durch dieses Eiweiß wird die körpereigene Abwehr gegen die Tumorzellen geschwächt.

Zolbetuximab soll als Immuntherapie die Aktivität des Immunsystems fördern und so das Tumorwachstum hemmen.

Anwendung

Der Wirkstoff wird als je nach Dosierung alle 2 oder 3 Wochen gegeben. Treten zu starke Nebenwirkungen auf oder schreitet der Krebs fort, wird die beendet.

Andere Behandlungen

Für nicht vorbehandelte Erwachsene mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Magenkrebs oder Krebs des Übergangs zur Speiseröhre, der nicht mehr operiert werden kann, kommen je nach Art und Eigenschaften des Tumors unterschiedliche Wirkstoffkombinationen infrage. Dazu gehören beispielsweise platinhaltige Chemotherapien sowie die Immuntherapien Nivolumab, Trastuzumab oder Pembrolizumab.

Bewertung

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat 2026 geprüft, ob Zolbetuximab (Vyloy) in Kombination mit Chemotherapien bei fortgeschrittenem Magenkrebs im Vergleich zu den Standardtherapien Vor- oder Nachteile hat.

Es lagen nur Daten für Personen vor, deren Tumor kein PD-L1 aufwies. In der Studie wurden 507 Personen untersucht, die eine Hälfte wurde mit Zolbetuximab behandelt, die andere Gruppe bekam ein . Alle Patientinnen und Patienten erhielten zusätzlich Capecitabin plus Oxaliplatin. Sie waren zu Beginn der Studie in einem guten Allgemeinzustand. Es zeigten sich folgende Ergebnisse:

Welche Vorteile hat Zolbetuximab?

Lebenserwartung: Hier deutet die Studie auf einen Vorteil von Zolbetuximab hin: In dieser Gruppe waren die Personen im Mittel () nach knapp 16 Monaten gestorben. Ohne Zolbetuximab waren die Personen nach 12 Monaten gestorben.

Welche Nachteile hat Zolbetuximab?

Stark verminderter Appetit: Bei dieser schweren Nebenwirkung deutet die Studie auf einen Nachteil von Zolbetuximab hin. Mit Zolbetuximab trat diese bei 6 von 100 Personen auf. Ohne Zolbetuximab war das bei keiner Person der Fall.

Soziale Funktion (gesundheitsbezogene Lebensqualität): Hier deutet die Studie auf einen Nachteil von Zolbetuximab für die Personen ab 65 Jahren hin. Die Personen ohne Zolbetuximab fühlten sich in ihrem Familienleben, bei Unternehmungen mit Freunden und anderen sozialen Aktivitäten weniger beeinträchtigt als die Personen mit Zolbetuximab.

Wo zeigte sich kein Unterschied?

Schwere Nebenwirkungen insgesamt: Hier gab es keinen Unterschied, bei 66 bis 77 von 100 Personen traten schwere Nebenwirkungen auf. Auch bei den Therapieabbrüchen wegen Nebenwirkungen gab es keinen Unterschied.

Gesundheitsbezogene Lebensqualität: Bei fast allen Aspekten wie Einschätzung des Gesundheitsstatus, körperliche, emotionale oder kognitive Funktion sowie Rollenfunktion zeigte sich kein Unterschied.

Zudem zeigten sich keine Unterschiede bei:

  • starker Erschöpfung ()
  • Schmerzen
  • Atemnot
  • Schlaflosigkeit, Unwohlsein und Angstzustände
  • Verstopfung, Durchfall
  • Schluckstörungen, schmerzhaftes Schlucken oder Erstickungsanfälle beim Schlucken sowie Schwierigkeiten beim Schlucken von Speichel und Reflux
  • Essenseinschränkungen, Gewichtsverlust, Geschmacksprobleme und trockener Mund
  • Körperbild und Haarausfall
  • Schwierigkeiten beim Husten oder Sprechen

Welche Fragen sind noch offen?

Zu Übelkeit und Erbrechen infolge der legte der Hersteller keine geeigneten Daten vor.

Weitere Informationen

Dieser Text fasst die wichtigsten Ergebnisse des Gutachtens zusammen, das das IQWiG im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses () im Rahmen der Frühen Nutzenbewertung von Arzneimitteln erstellt hat. Der beschließt auf Basis der Gutachten und eingegangener Stellungnahmen über den Zusatznutzen von Zolbetuximab (Vyloy).

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Zolbetuximab (Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V. Dossierbewertung; Projekt A26-52. 11.08.2026. (IQWiG-Berichte; Band 2311); DOI: 10.60584/A26-52.

IQWiG-Gesundheitsinformationen sollen helfen, Vor- und Nachteile wichtiger Behandlungsmöglichkeiten und Angebote der Gesundheitsversorgung zu verstehen.

Ob eine der von uns beschriebenen Möglichkeiten im Einzelfall tatsächlich sinnvoll ist, kann im Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt geklärt werden. Gesundheitsinformation.de kann das Gespräch mit Fachleuten unterstützen, aber nicht ersetzen. Wir bieten keine individuelle Beratung.

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Über diese Seite

Erstellt am 01. September 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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