Wie wird Schwangerschaftsdiabetes festgestellt?

Foto von Paar in der Sprechstunde (PantherMedia / uatp12) Mithilfe einer Routineuntersuchung lässt sich herausfinden, ob eine Frau einen Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) entwickelt hat. Die Untersuchung kann zu einer rechtzeitigen Behandlung des Schwangerschaftsdiabetes führen. Sie kann aber auch unnötig in Sorge versetzen.

Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes haben vorübergehend einen erhöhten Zuckerspiegel im Blut. Dies ist meist unproblematisch und kein Grund zur Sorge. Manche Frauen haben dadurch aber ein höheres Risiko für bestimmte Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt. Eine Umstellung der Ernährung und regelmäßige Bewegung reichen meist aus, um den Blutzucker zu senken. Wenn nötig, kann für die Dauer der Schwangerschaft auch Insulin gespritzt werden.

Wie wird der Blutzuckerspiegel bestimmt?

Ein Schwangerschaftsdiabetes verursacht normalerweise keine spürbaren Beschwerden. Ob das Blut zu viel Zucker enthält, lässt sich am besten durch einen Blutzuckertest (Glukosetoleranztest) feststellen. Der Test misst, wie gut der Körper eine größere Menge Zucker verarbeiten kann. Übersteigt der Blutzuckerspiegel im Verlauf des Tests bestimmte Werte, kann es sein, dass der Zucker nicht ausreichend in die Körperzellen aufgenommen wird. Dies kann auf einen Schwangerschaftsdiabetes oder Diabetes mellitus hinweisen.

Wie läuft der Glukosetoleranztest ab?

Der Glukosetoleranztest wird in der 24. bis 27. Schwangerschaftswoche angeboten. Frauen, die sich dafür entscheiden, machen zunächst einen Vortest, bei dem sie ein Glas Wasser mit 50 Gramm Zucker trinken. Nach einer Stunde wird ihnen Blut aus einer Armvene abgenommen und die Höhe des Blutzuckers bestimmt. Liegt der Wert unter 7,5 Millimol pro Liter (mmol/l, das entspricht 135 mg/dl) ist das Ergebnis unauffällig und der Test beendet.

Wird im Vortest ein erhöhter Wert gefunden, bedeutet das noch keine Diagnose. Der Vortest dient dazu, die Frauen zu erkennen, denen dann der eigentliche, aufwendigere Zuckertest angeboten wird. Für diesen „Diagnosetest“ ist es wichtig, nüchtern zu sein, also mindestens acht Stunden nichts gegessen und getrunken zu haben. Nur Wasser ohne Kohlensäure ist erlaubt.

Der Test beginnt mit der Blutabnahme. Erst dann trinkt man eine Zuckerlösung mit 75 Gramm Glukose. Nach einer und nach zwei Stunden wird erneut Blut aus einer Armvene abgenommen. Wenn einer der drei folgenden Blutzuckerwerte erreicht oder überschritten ist, wird die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ gestellt:

  • nüchtern: 5,1 mmol/l (92 mg/dl)
  • nach einer Stunde: 10,0 mmol/l (180 mg/dl)
  • nach zwei Stunden: 8,5 mmol/l (153 mg/dl)

Das Testergebnis wird im Mutterpass dokumentiert. Die Kosten des Glukosetoleranztests werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

Für das Baby bringt der Test keine Risiken mit sich. Allerdings empfinden einige Frauen die Zuckerlösung als zu süß.

Wie nützlich ist die Routineuntersuchung?

Der Nutzen der Routineuntersuchung wurde bislang nicht in vergleichenden Studien untersucht. Man weiß deshalb nicht genau, welche Vorteile und Nachteile sie hat. Ein Vorteil wäre, wenn die Diagnose eine rechtzeitige Behandlung ermöglicht und sich dadurch zum Beispiel das Risiko für Geburtskomplikationen verringert.

Was man aus den bisherigen Studien weiß:

  • Die Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes verringert die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind bei der Geburt über 4000 Gramm wiegt.
  • Dadurch sinkt das Risiko für Schulterdystokien (dabei bleibt das Kind bei der Geburt mit der Schulter im Becken der Mutter hängen) und damit auch für Verletzungen von Mutter und Kind. 
  • Viele Frauen bekommen eine Diagnose, obwohl der erhöhte Blutzucker bei ihnen keine Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen hervorruft.

Auch wenn die Vor- und Nachteile einer Routineuntersuchung nicht genau untersucht wurden, geht man davon aus, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen und durch ein Screening auf Schwangerschaftsdiabetes mögliche Geburtskomplikationen etwas verringert werden können.

Warum kann die Routineuntersuchung Nachteile haben?

Jede Früherkennungsuntersuchung hat neben Vorteilen auch Nachteile. Selbst wenn es eine hilfreiche Behandlung gibt, bedeutet dies nicht automatisch, dass eine Routineuntersuchung sinnvoll ist. Der Routinetest auf Schwangerschaftsdiabetes ist für die meisten schwangeren Frauen schon deshalb unnötig, weil ihre Blutzuckerwerte normal sind. Zudem werden viele Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ohnehin im Rahmen der üblichen Schwangeren-Vorsorge diagnostiziert. Dies gilt besonders für Frauen mit einem erhöhten Risiko.

Die Diagnose „Schwangerschaftsdiabetes“ kann unnötig in Sorge versetzen. Denn ein erhöhter Blutzuckerspiegel bedeutet nicht gleich, dass es zu Komplikationen kommt. Die meisten Frauen mit leicht erhöhten Blutzuckerwerten bringen ein gesundes und normal großes Kind zur Welt. Wenn eine Frau die Diagnose erhalten hat, wird ihr außerdem empfohlen, ihre Ernährung umzustellen und mehrmals täglich ihren Blutzucker zu messen. Nicht immer ist dieser Aufwand tatsächlich nötig.  

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