Wie wird ein verstauchter Knöchel behandelt?

Foto von Physiotherapeut bei der Behandlung eines verstauchten Knöchels
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Ein verstauchter Knöchel wird zunächst für eine Weile mit einer Schiene oder einem Verband ruhiggestellt. Meist kann man aber frühzeitig mit Bewegungsübungen anfangen. Schmerzmittel können die Schmerzen lindern. Eine Operation ist nur selten notwendig.

Wenn man mit dem Fuß umknickt, kommt es leicht zu einer Verstauchung des Knöchels. Dabei können die Bänder am Sprunggelenk überdehnt werden oder reißen. Als Folge einer stärkeren Verstauchung kann das Gelenk dauerhaft instabil werden.

Der Knöchel ist verstaucht: Was tun?

Nach einer Sprunggelenkverletzung wird meist empfohlen, den Fuß in den ersten Tagen ruhigzustellen, hochzulagern, zu kühlen und einen Kompressionsverband anzulegen. Den Fuß zunächst zu schonen, ist sinnvoll, damit die Schwellung und die Schmerzen zurückgehen. Es spricht jedoch manches dafür, bei leichten und mittelschweren Verstauchungen schon sehr frühzeitig mit angepassten Bewegungen zu beginnen.

Kühlen mit Eis kann die Schmerzen möglicherweise etwas lindern. Wie hilfreich Kühlen ist, wurde wissenschaftlich bislang nicht gut untersucht. Wenn das Kühlen eine Besserung bewirkt, spricht aber wenig dagegen. Allerdings sollten Eis oder Kühlpacks nicht direkt auf die Haut gelegt werden, da dies zu Erfrierungen führen kann.

Kompressionsverbände können Studien zufolge die Heilung unterstützen. Ein Kompressionsverband besteht aus einer elastischen Binde, die unter leichtem Zug von den Zehenspitzen bis über den Knöchel gewickelt wird. Da der Verband weder zu locker noch zu eng sein darf, wird er am besten von einer medizinischen Fachkraft angelegt.

Wann ist der Fuß wieder belastbar?

Sind die Bänder bei einer Verstauchung nur überdehnt, klingen die Beschwerden meist schon nach einigen Tagen ab: Ein Verband oder eine Schiene zur Ruhigstellung und die Entlastung des Fußes reichen dann aus. Der Fuß kann schon bald wieder vorsichtig belastet werden. Bei einer leichten Verstauchung kann man nach ungefähr einer Woche wieder normal gehen.

Sind die Bänder angerissen oder gerissen, kann es Wochen dauern, bis der Fuß wieder voll belastbar ist. Dann ist es meistens für mindestens fünf Wochen nötig, eine Schiene oder zu tragen, die die Bewegung des Sprunggelenks begrenzt. Dies soll die Bänder schonen, damit sie wieder zusammenwachsen können. Bei einer starken Schwellung können auch ein Gips und Unterarmgehstöcke zur Entlastung nötig sein. Ist die Mobilität stark oder länger eingeschränkt, können Anti-Thrombose-Spritzen sinnvoll sein.

Ist eine Physiotherapie hilfreich?

Bei einem Bänderriss oder -anriss können Kräftigungsübungen helfen, den Fuß zu stabilisieren, bevor man wieder mit dem Laufen beginnt. Viele Übungen zielen darauf, die Muskulatur zu stärken und die Koordination zu verbessern. Dabei wird beispielsweise der Fuß in verschiedene Richtungen gestreckt und gebeugt. Wann mit einer begonnen werden kann, hängt vom Einzelfall ab. Häufig ist dies aber nach rund zwei oder drei Wochen möglich.

Solche gezielten Mobilisationsübungen helfen, schneller wieder auf die Beine zu kommen, als wenn man den Fuß über längere Zeit in einer Schiene ruhigstellt. Man kann auch früher wieder mit Sport beginnen. Vermutlich hat ein früher Übungsbeginn aber keinen Einfluss auf die langfristige Stabilität des Sprunggelenks.

Manchmal bieten Physiotherapie- oder Arztpraxen zusätzlich eine Ultraschall- oder Elektrotherapie an. Die Schallwellen oder elektrischen Reize sollen die Heilung beschleunigen. In Studien zeigte sich jedoch kein zusätzlicher Vorteil für solche ergänzenden Therapien.

Was hilft gegen die Schmerzen?

Zunächst hilft es, den Fuß für einige Tage zu entlasten und – je nach Schwere der Verletzung – nur vorsichtig oder gar nicht aufzutreten. Reicht Schonung nicht aus, können Schmerzmedikamente helfen. Dazu gehören unter anderem die sogenannten nicht steroidalen Antirheumatika () wie beispielsweise , und Diclofenac. Einige Wirkstoffe können als Salbe aufgetragen oder als Tablette eingenommen werden. Beide Formen können kurzfristig die Schmerzen und auch die Schwellung lindern.

Salben haben den Vorteil, dass sie den Magen nicht belasten. Schmerzmittel als Tabletten können die Magenschleimhaut schädigen. Dieses Risiko steigt, je länger man die Tabletten einnimmt und je höher die Dosis ist. Bei einer Verstauchung sind Schmerzmittel jedoch meist nur für eine kurze Zeit nötig.

Zur Schmerzlinderung werden auch Salben mit pflanzlichen Inhaltsstoffen angeboten. Es ist jedoch nicht nachgewiesen, dass diese Salben helfen.

Welche Vor- oder Nachteile hat eine Operation?

Gerissene Bänder können genäht werden. Allerdings bringt eine solche Operation die meisten Menschen nicht schneller wieder auf die Beine als frühzeitige Mobilisationsübungen. Zudem ist sie mit bestimmten Risiken verbunden. So können etwa Nerven geschädigt werden und wie bei jeder Operation kann es zu Entzündungen, Nachblutungen und Wundheilungsstörungen kommen.

Leistungssportlerinnen und -sportler entscheiden sich manchmal für eine Operation in der Hoffnung, danach schneller wieder voll belastbar zu sein. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Beweise, dass dies tatsächlich der Fall ist. Studien lassen eher darauf schließen, dass man mit und Kräftigungsübungen schneller wieder Sport treiben kann.

Bei besonders schweren Sprunggelenkverletzungen kann eine Operation jedoch unter Umständen sinnvoll sein. Auch wenn das Sprunggelenk sechs Monate nach der Verstauchung immer noch instabil ist, wird die Ärztin oder der Arzt möglicherweise eine Operation vorschlagen. Dabei werden die Bänder verkürzt, um das Sprunggelenk zu stabilisieren. Vermutlich sind aus diesem Anlass operierte Bänder auf lange Sicht stabiler.

Auch nach einer Operation eines instabilen Knöchels ist es sinnvoll, frühzeitig mit Bewegungs- und Koordinationsübungen zu beginnen. Sie können wahrscheinlich helfen, seine normalen Aktivitäten schneller wieder aufzunehmen, als wenn der Fuß länger geschient und ruhiggestellt wird.

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Aktualisiert am 04. April 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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