Wie sinnvoll ist die Hautkrebs-Früherkennung?

Foto von Untersuchung der Zehen auf auffällige Hautstellen (PantherMedia / Alexander Raths) Das Ziel der Früherkennung ist, Hautkrebs oder seine Vorstufen früh zu entdecken. So soll Hautkrebs vorgebeugt oder zumindest die Heilungschancen verbessert und schwere Komplikationen vermieden werden. Kern der Hautkrebs-Früherkennung ist eine Betrachtung des ganzen Körpers mit dem bloßen Auge der Ärztin oder des Arztes.

In Deutschland wird allen gesetzlich Krankenversicherten ab 35 Jahre eine Untersuchung zur Hautkrebs-Früherkennung angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos und darf nicht als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) abgerechnet werden.

Die Früherkennungsuntersuchung kann alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden und dient der gezielten Suche nach den wichtigsten Hautkrebsarten: nach Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom (beide als weißer Hautkrebs bezeichnet) und Melanomen (schwarzer Hautkrebs). Privat Krankenversicherte können sich bei ihrer Krankenversicherung nach einer Übernahme der Kosten erkundigen.

Wer an einer Hautkrebs-Früherkennung interessiert ist, kann sich direkt an eine Hautärztin oder einen Hautarzt wenden. Es ist aber auch möglich, zu seiner Hausärztin oder seinem Hausarzt zu gehen, wenn sie oder er eine entsprechende Fortbildung besucht hat.

Wie läuft die Hautkrebs-Früherkennung ab?

Im Rahmen der Früherkennungsuntersuchung sollte die Ärztin oder der Arzt

  • nach allem fragen, was das Risiko für Hautkrebs beeinflussen könnte, beispielsweise nach Hautkrebs in der Familie, anderen Krankheiten und deren Behandlung sowie nach dem eigenen Umgang mit natürlicher und künstlicher UV-Bestrahlung (Sonnenlicht und Solarien),
  • die Haut am ganzen Körper nach einem festen Ablaufschema, auch standardisierte Ganzkörperuntersuchung genannt, mit dem bloßen Auge gründlich untersuchen,
  • über das Ergebnis der Untersuchung informieren und beraten und
  • die Ergebnisse festhalten.

Um die Suche nach Hautauffälligkeiten zu erleichtern, ist es sinnvoll, am Untersuchungstag auf Nagellack, Make-Up, das Tragen von Ohrsteckern und Piercings sowie auf aufwendige Frisuren zu verzichten.

Bei der Ganzkörperuntersuchung sucht die Ärztin oder der Arzt die gesamte Haut und die sichtbaren Schleimhäute nach auffälligen Stellen ab. Wenn die Untersuchung gründlich sein soll, müssen auch Hautfalten und die Schleimhäute der Körperöffnungen angeschaut werden. Es kann unangenehm oder peinlich sein, sich vollständig auszuziehen und auch intime Stellen genau betrachten zu lassen. Dann kann man zum Beispiel die Unterwäsche erst einmal anlassen und nur für den Moment, in dem Gesäß und Schambereich untersucht werden, kurz abstreifen. Wer zum Beispiel die Untersuchung bei einem Arzt des eigenen Geschlechts angenehmer findet, kann sich bewusst dafür entscheiden.

Gewöhnlich verlassen sich Ärztinnen oder Ärzte zunächst auf ihre Augen. Es kann aber sein, dass die Ärztin oder der Arzt anbietet, bei der Hautuntersuchung zusätzlich ein Auflichtmikroskop (Dermatoskop) zu verwenden – etwa bei auffälligen Hautstellen oder wenn jemand aufgrund seines Hauttyps ein erhöhtes Risiko hat. Die Untersuchung mit einem Dermatoskop wird von der gesetzlichen Krankenkasse normalerweise nur dann übernommen, wenn damit gezielt eine verdächtige Stelle untersucht wird. Sein Einsatz im Rahmen der Früherkennung ist in der Regel eine IGe-Leistung, die selbst gezahlt werden muss.

Wer eine Dokumentation der Hautuntersuchung per Video wünscht, muss diese Leistung selbst bezahlen. Es gibt keine aussagekräftigen Untersuchungen dazu, ob der Einsatz eines Dermatoskops oder einer Videoaufzeichnung den Erfolg von Früherkennungsuntersuchungen verbessert.

Wenn sich keine Auffälligkeiten zeigen, kann die Früherkennungsuntersuchung nach zwei Jahren wiederholt werden. Folgeuntersuchungen sind nur nötig, falls die Ärztin oder der Arzt eine Körperstelle entdeckt, bei der es sich um Hautkrebs handeln könnte.

Welche Vorteile hat die Früherkennung von Hautkrebs?

Viele Menschen achten selbst auf Veränderungen, die auf Hautkrebs hinweisen könnten. Auch das ist eine Form der Früherkennung: Wer bei sich selbst eine auffällige Stelle entdeckt hat, die ihm Sorgen macht, kann sie jederzeit bei einer Ärztin oder einem Arzt abklären lassen.

Das Angebot der ärztlichen Hautkrebs-Früherkennung ist dazu da, den Körper auch ohne besonderen Anlass vollständig auf Hautkrebs untersuchen zu lassen. Diese Untersuchung soll das Risiko verringern, an Hautkrebs zu sterben oder Komplikationen zu erleiden. Auch wenn diese Ziele einleuchtend klingen: Bislang ist unklar, ob sie durch die Früherkennung tatsächlich erreicht werden.

Die Hautkrebs-Früherkennung soll helfen,

  • Krebsvorstufen zu erkennen und zu behandeln, damit daraus kein Hautkrebs entsteht,
  • Hautkrebs möglichst früh zu entdecken und so die Heilungschancen zu verbessern.

Ein Modellprojekt zur Hautkrebs-Früherkennung in Schleswig-Holstein war die Grundlage dafür, dass sie in der heutigen Form in Deutschland eingeführt wurde. An dem Projekt nahmen über 360.000 gesetzlich Krankenversicherte ein Jahr lang teil. Die Ergebnisse zeigten, dass durch Früherkennung häufiger Hautkrebs gefunden wird. Ob dies aber dazu führt, dass tatsächlich weniger Menschen an Hautkrebs sterben, ließ sich nicht beantworten.

Der mögliche Nutzen einer Früherkennung hängt außerdem davon ab, wie hoch das persönliche Risiko ist, an Hautkrebs zu erkranken und zu sterben. Die folgenden beiden Tabellen stellen zum einen dar, wie groß das Risiko für schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) in Deutschland ist. Sie zeigen auch, dass sich das Risiko für Männer und Frauen etwas unterscheidet und vom Alter abhängt. Das höchste Risiko haben ältere Männer: Von 1000 Männern im Alter von 65 Jahren erkranken etwa 7 in den nächsten zehn Jahren an einem Melanom. Etwa 1 bis 2 von 1000 sterben daran.

Tabelle Männer: Krankheits- und Todesfälle in Deutschland, abhängig vom Alter
Von 1000 Männern im Alter von … … erkranken in den nächsten 10 Jahren so viele an einem Melanom: … sterben in den nächsten 10 Jahren so viele an einem Melanom:
35 Jahren 1 weniger als 1
45 Jahren 3 weniger als 1
55 Jahren 4 1
65 Jahren 7 1
75 Jahren 8 2

 

Tabelle Frauen: Krankheits- und Todesfälle in Deutschland, abhängig vom Alter
Von 1000 Frauen im Alter von … … erkranken in den nächsten 10 Jahren so viele an einem Melanom: … sterben in den nächsten 10 Jahren so viele an einem Melanom:
35 Jahren 3 weniger als 1
45 Jahren 3 weniger als 1
55 Jahren 3 weniger als 1
65 Jahren 4 1
75 Jahren 4 1

Welche Nachteile hat die Früherkennung von Hautkrebs?

Die Ganzkörperuntersuchung selbst hat keine Nebenwirkungen und ist nicht schmerzhaft. Manche Menschen empfinden es als unangenehm, sich vollständig entkleiden zu müssen.

Nachteile können sich aber dadurch ergeben, dass das Ergebnis der Untersuchung nicht hundertprozentig zuverlässig ist. Im Idealfall werden durch Früherkennung alle Personen gefunden, die auch tatsächlich Hautkrebs haben. In der Praxis ist dies jedoch kaum möglich, da sich viele Hautveränderungen nicht sicher beurteilen lassen. Dabei sind drei Fehlurteile denkbar:

  • Ein Hautkrebs wird nicht erkannt und daher nicht behandelt, obwohl dies sinnvoll wäre.
  • Bei einer Früherkennungsuntersuchung wird eine verdächtige Stelle als Hautkrebs identifiziert. Ein solcher Verdacht kann Ängste und Sorgen auslösen und zieht weitere Untersuchungen nach sich. Im Nachhinein stellt sich aber heraus, dass die Hautstelle harmlos ist – Sorgen und Ängste waren unnötig und die weiteren Untersuchungen überflüssig.
  • Es wird eine Hautveränderung entdeckt, die zwar bösartig erscheint, aber ohne Untersuchung nie gefährlich geworden wäre. Solche Befunde werden Überdiagnosen genannt.

Derzeit ist nicht klar, wie oft es bei der Hautkrebs-Früherkennung zu diesen unerwünschten Ergebnissen kommt. Wie oft eine Ganzkörperinspektion beispielsweise zu einem falschen Verdacht führt, ist ebenfalls unklar. Wie gut Hautkrebs erkannt wird, hängt auch von der Qualifikation der Ärztinnen und Ärzte ab.

Was geschieht bei einem Verdacht auf Hautkrebs?

Viele Menschen sind verunsichert und besorgt, wenn sie über eine verdächtige Hautstelle informiert werden. Ein auffälliger („positiver“) Befund bedeutet jedoch nicht, dass Krebs festgestellt wurde – er bezeichnet zunächst nur einen Verdacht.

Auffällige Hautveränderungen werden von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Hautkrankheiten (Dermatologin / Dermatologe) genauer überprüft. Sie oder er betrachtet die Haut erneut und sieht sich insbesondere den auffälligen Hautbereich genau an.

Vermutet die Dermatologin oder der Dermatologe Krebs, entnimmt sie oder er nach örtlicher Betäubung etwas Gewebe oder entfernt den verdächtigen Bereich vollständig durch einen Hautschnitt. Es gibt verschiedene Formen der Gewebeentnahme, und gewöhnlich bleibt eine kleine, unauffällige Narbe zurück. Wenn größere Hautbereiche entfernt werden müssen, kann die Narbe größer sein. Komplikationen wie eine gestörte Wundheilung sind eher selten.

Die Gewebeprobe (Biopsie) wird anschließend unter einem Mikroskop untersucht. So kann man feststellen, ob es sich um einen Tumor handelt und wenn ja, wie gefährlich er ist. Die meisten Hauttumoren können mithilfe einer Biopsie erkannt werden.

Wie bei jeder anderen Früherkennungsuntersuchung auch, kann es zu einem falschen Alarm kommen oder ein Tumor kann übersehen werden. Im Modellprojekt zur Hautkrebs-Früherkennung in Schleswig-Holstein zeigte sich, dass von 100 verdächtigen Hautstellen, die entfernt wurden, etwa 80 gutartig waren.

Besteht der Verdacht, dass ein Tumor bereits Metastasen gebildet hat, sind weitere Untersuchungen erforderlich, zum Beispiel eine Lymphknotenbiopsie.

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