Wie kann eine zu starke Regelblutung behandelt werden?

Foto von Frau beim Lesen (PantherMedia / Susanne Güttler) Für Frauen mit sehr starker Regelblutung und ausgeprägten Beschwerden gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie Medikamente, hormonelle Verhütungsmittel oder eine Operation. Die jeweiligen Vor- und Nachteile zu kennen, hilft bei der Wahl einer passenden Therapie.

Wenn sehr starke Regelblutungen zu belastend werden, kann eine Behandlung helfen, besser damit zurechtzukommen. Verschiedene Medikamente können die Blutung abschwächen und die Beschwerden lindern. Wenn ein Mittel keine Erleichterung verschafft, ist es meist möglich, andere Wirkstoffe auszuprobieren.

Hormonelle Mittel wie die Antibabypille oder Hormonspirale beeinflussen den Menstruationszyklus und sorgen dafür, dass die Blutung weniger stark ausfällt. Sind Myome oder Polypen die Ursache für die starken Blutungen, können sie operativ entfernt werden. Bei besonders starken Beschwerden kommen noch andere Eingriffe infrage.

Die Entscheidung über die Art und den Zeitpunkt einer Behandlung hängt auch davon ab, ob eine Frau sich ein Kind wünscht. Denn die wirksamsten Behandlungen schränken alle die Möglichkeit ein, schwanger zu werden – entweder zeitweise wie etwa die Pille oder dauerhaft wie die operative Entfernung der Gebärmutter.

Solange eine starke Regelblutung nicht zu einer Blutarmut (Anämie) führt, muss aber nicht unbedingt behandelt werden. Manche Frauen entwickeln mit der Zeit Strategien, sich so gut es geht auf die Tage mit starker Blutung einzustellen. Sinnvoll ist aber, die Ursache einer zu starken Blutung ärztlich abklären zu lassen.

Was kann ich selbst tun?

Wenn die Tage mit starker Blutung so anstrengend sind, dass sie den Alltag beeinträchtigen, kann man versuchen, es in dieser Zeit etwas ruhiger angehen zu lassen. Einige Frauen empfinden Entspannungstechniken oder Yoga als hilfreich, um zur Ruhe zu kommen und Anspannung abzubauen. Manchen Frauen hilft auch viel Bewegung, ihre Beschwerden zu lindern.

Frauen mit starker Regelblutung wird oft empfohlen, sich anders zu ernähren: So sollen bestimmte Fettsäuren, Vitamine oder Ballaststoffe helfen. Dass eine Ernährungsumstellung starke Blutungen abschwächen oder die Beschwerden lindern kann, ist jedoch nicht belegt. Dies gilt auch für sportliche Aktivitäten, homöopathische Präparate oder Akupunktur.

Eisenreiche Nahrungsmittel wie Fleisch, Hülsenfrüchte, grünes Blattgemüse und Vollkornbrot können helfen, einer Blutarmut vorzubeugen.

Welche nicht hormonellen Medikamente kommen infrage?

Bei Menstruationsbeschwerden wie Krämpfen oder Schmerzen und auch bei starker Regelblutung werden oft Schmerzmittel wie Ibuprofen und Diclofenac aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) eingesetzt. Möglicherweise lindern sie nicht nur die Schmerzen, sondern verringern auch den Blutverlust. Acetylsalicylsäure (ASS) ist bei einer starken Regelblutung nicht geeignet, da ASS gerinnungshemmend wirkt und den Blutverlust während der Menstruation verstärken kann.

Die häufigsten Nebenwirkungen von NSAR sind Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Benommenheit. Bei Frauen, die in Studien NSAR gegen starke Regelblutungen nahmen, zeigten sich aber nicht viel mehr Nebenwirkungen als bei Frauen, die zum Vergleich ein Scheinmedikament (Placebo) einnahmen.

Ein anderes Medikament, das bei starken Regelblutungen helfen kann, ist Tranexamsäure: Es greift in die Blutgerinnung ein und verringert die Blutungsneigung. In Studien wirkte das Medikament besser als NSAR. Tranexamsäure kann Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelkrämpfe verursachen. Diese Nebenwirkungen traten aber nicht häufiger auf als bei der Einnahme von NSAR.

Es gibt keine aussagekräftige Forschung dazu, ob pflanzliche Mittel bei starker Regelblutung helfen können.

Wenn der starke Blutverlust sehr müde macht, ist meist eine Eisenmangel-Anämie der Grund. Sie wird normalerweise mit Eisentabletten behandelt. Eisenpräparate können Nebenwirkungen wie Magenschmerzen oder Verstopfung haben, zudem kann sich der Stuhl schwarz färben.

Wie können Hormone helfen?

Der Menstruationszyklus wird von verschiedenen Hormonen beeinflusst: So sorgt das weibliche Geschlechtshormon Östrogen dafür, dass jeden Monat eine Eizelle heranreift. Mithilfe des Gelbkörperhormons Progesteron bereitet sich die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Der Einsatz von Hormonen kann helfen, die Regelblutung abzuschwächen.

Progesteron-Tabletten

Bei einer starken Regelblutung können Tabletten eingenommen werden, die das Hormon Progesteron enthalten. Es hemmt den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut in der Zeit vor der Menstruation, dadurch fällt die Regelblutung schwächer aus. In Studien zeigten Progesteron-Tabletten im Vergleich zu NSAR allerdings keine Vorteile.

Progesteron-Tabletten werden jeweils zwischen dem 7. und 21. Zyklustag eingenommen. In der Zeit der Regelblutung folgt eine Einnahmepause.

Pille und Minipille

Die Antibabypille („Pille“) ist ein hormonelles Verhütungsmittel. Es enthält entweder eine Hormonkombination aus Östrogen und Gestagen (Kombinationspille) oder Gestagen allein (Minipille).

Frauen, die vor allem wegen ihrer starken Regelblutung die Pille nehmen, entscheiden sich vergleichsweise häufig für die Minipille. Das niedrig dosierte Gestagenpräparat wird durchgehend eingenommen. Dadurch wird die Monatsblutung meist unregelmäßig und kann auch ganz ausbleiben.

Kombinationspillen werden vor allem als Verhütungsmittel eingesetzt. Die meisten Frauen nehmen die Kombipille an 21 Tagen ein. In der anschließenden siebentägigen Einnahmepause setzt eine Blutung ein. Niedrig dosierte Kombinationspillen können aber auch durchgehend eingenommen werden. Dadurch bleibt die Blutung mit der Zeit meist völlig aus, es kommt höchstens noch zu leichten Schmierblutungen.

Allerdings sind Kombinationspillen in Deutschland bisher nicht zur durchgehenden Einnahme zugelassen. Es handelt sich also um eine „Anwendung außerhalb der Zulassung“ (Off-Label-Use). Wichtig ist, die möglichen Konsequenzen dieser Anwendung mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen.

Nebenwirkungen der Antibabypille können Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen und Spannungsgefühle in der Brust sein. Vor allem die Kombipille erhöht das Risiko, dass sich ein Blutgerinnsel (Thrombose) bildet. Deshalb wird Frauen mit erhöhtem Thromboserisiko (beispielsweise Raucherinnen) von der Einnahme abgeraten.

Hormonspirale

Eine Hormonspirale wird in die Gebärmutter eingesetzt und kann dort etwa fünf Jahre bleiben. Sie schützt wie die Antibabypille vor einer Schwangerschaft, indem sie kontinuierlich Gestagen (Levonorgestrel) abgibt. Studien zeigen, dass eine gestagenhaltige Spirale den Blutverlust und die Beschwerden während der Menstruation wirkungsvoller verringern kann als die Pille oder NSAR.

In einer Studie in Großbritannien mit Frauen, die auf einen Operationstermin warteten und zwischenzeitlich eine Gestagen-Spirale benutzten, waren diese mit der Wirkung der Spirale so zufrieden, dass sie auf die geplante Operation verzichteten.

Die häufigsten Nebenwirkungen der Hormonspirale sind Akne, Zwischenblutungen und Spannungsgefühle in der Brust. Sie treten aber nicht so häufig auf wie bei der Minipille. Die Hormonspirale kann zudem gutartige Zysten an den Eierstöcken verursachen, die sich aber überwiegend innerhalb eines Jahres von allein zurückbilden. Bei etwa einer von 10 Frauen wird die Spirale abgestoßen werden, sodass ein erneuter Besuch bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt nötig wird.

Wird die Spirale zur Behandlung einer starken Regelblutung verordnet und nicht in erster Linie zur Verhütung, übernehmen normalerweise die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.

Welche Operationen sind möglich?

Myom- oder Polypen-Entfernung

Eine Operation kann nötig sein, wenn gutartige Geschwulste in oder an der Gebärmutterwand (Myome oder Polypen) die starke Regelblutung verursachen. Bei einer Myomektomie entfernt ein Ärzteteam die Myome operativ über die Scheide oder den Bauchraum. Dabei bleibt die Gebärmutter erhalten und eine Schwangerschaft ist normalerweise noch möglich.

Entfernung der Gebärmutterschleimhaut

Eine andere Möglichkeit ist, die Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) zu entfernen. Bei diesen Verfahren wird das Gewebe mit chirurgischen Instrumenten entfernt (Endometriumresektion) oder zum Beispiel durch Laserstrahlen oder Mikrowellen zerstört (Endometriumablation). Nach dem Eingriff bleibt die Regelblutung oft aus oder wird deutlich schwächer. Eine Schwangerschaft ist unwahrscheinlich.

Die Gebärmutterschleimhaut kann aber auch wieder nachwachsen. Wenn dann erneut starke Regelblutungen auftreten, kann der Eingriff wiederholt werden. Etwa 20 von 100 Frauen lassen sich innerhalb von zwei Jahren erneut operieren.

Eine Endometriumablation oder -resektion kann unter Umständen ambulant durchgeführt werden. Nach diesen Eingriffen erholt man sich vergleichsweise schnell.

Gebärmutterentfernung (Hysterektomie)

Bei sehr starken und belastenden Blutungen und wenn vorherige Behandlungen ohne Erfolg geblieben sind, kommt auch die operative Entfernung der Gebärmutter infrage (Hysterektomie). Sie ist jedoch eine größere Operation, die neben körperlichen auch emotionale Folgen haben kann. Nach einer Hysterektomie hat eine Frau keine Regelblutung und daher auch keine damit verbundenen Beschwerden mehr. Nach der Entfernung der Gebärmutter ist eine Schwangerschaft nicht mehr möglich. Der Hormonhaushalt bleibt aber unverändert, da die Eierstöcke bei diesem Eingriff fast immer erhalten bleiben.

Der Eingriff kann bei etwa 5 von 100 Frauen zu Verletzungen im Bauchraum führen. Er ist mit den üblichen Operationsrisiken wie etwa Infektionen oder Wundheilungsproblemen verbunden. Zur Entfernung der Gebärmutter ist in der Regel ein Krankenhausaufenthalt nötig. 

Was Studien sagen

Wie schneiden die Therapien im Vergleich ab?

Vergleicht man die Wirksamkeit der unterschiedlichen Medikamente und hormonellen Behandlungen, verringert die Hormonspirale die Blutungen und Beschwerden am besten. Die Wirkung der Hormonspirale ist mit der einer operativen Gebärmutterschleimhaut-Entfernung vergleichbar: In Studien zeigte sich kein eindeutiger Unterschied zwischen beiden Behandlungen.

Vergleicht man die verschiedenen Operationen untereinander, zeigt die Gebärmutterentfernung die größten Vorteile: Nach den Eingriffen, bei denen die Gebärmutterschleimhaut entfernt oder zerstört wird, verschwinden die Beschwerden nicht so vollständig wie nach einer Gebärmutterentfernung. Außerdem kann eine zweite Operation nötig werden, wenn die Schleimhaut nachwächst. Dafür kommt es nach einer Endometriumablation oder -resektion deutlich seltener zu ernsthaften Neben- und Folgewirkungen als nach einer Hysterektomie.

Wie finde ich eine für mich passende Lösung?

Jede Frau erlebt ihre Regel anders, und es gibt natürliche Schwankungen in der Blutungsstärke. Wie groß die persönliche Belastung durch eine starke Regelblutung ist, kann eine Frau aber nur selbst beurteilen: Manche Frauen stören starke Regelblutungen nicht allzu sehr, andere fühlen sich bereits bei weniger starken Blutungen sehr unwohl.

Wichtig ist, zunächst die möglichen Ursachen einer starken Regelblutung ärztlich abklären zu lassen. Fast immer ist es dann möglich, in Ruhe zu entscheiden, ob man eine Behandlung beginnen möchte und welche infrage kommt. Im Zweifel kann eine zweite ärztliche Meinung sinnvoll sein – besonders dann, wenn eine Entfernung der Gebärmutter empfohlen wird. Zur Unterstützung kann eine Entscheidungshilfe verwendet werden, die die wichtigsten Vor- und Nachteile der Behandlungsmöglichkeiten kurz zusammenfasst.

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