Wie entsteht Endometriose?

Foto von zwei Frauen im Freien (Digital Vision / Photodisc / Thinkstock) Bei Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) auch außerhalb der Gebärmutter. Wie es dazu kommt, ist bis heute unklar. Es gibt verschiedene Theorien über die Ursachen von Endometriose, und wahrscheinlich spielen mehrere Faktoren eine Rolle.

Die Innenwände der Gebärmutter (Uterus) sind vollständig mit Gebärmutterschleimhaut überzogen. Was sie von anderen Schleimhäuten des Körpers unterscheidet, ist vor allem ihre Wandlungsfähigkeit: Im Verlauf jedes Monatszyklus vermehren sich ihre Zellen, sie wird dicker und bereitet sich darauf vor, ein befruchtetes Ei zu ernähren, sobald es sich in ihr eingenistet hat. Kommt es zu keiner Befruchtung, wird der größte Teil des aufgebauten Schleimhaut-Polsters mit der Regelblutung wieder abgestoßen. Den Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut steuern die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

 

Grafik: Querschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne EndometrioseQuerschnitt: Frontalansicht Gebärmutter ohne Endometriose

 

Einfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines MonatszyklusEinfluss der Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut im Verlauf eines Monatszyklus

 

Bei der Endometriose wächst Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle. Medizinisch werden die Erscheinungsformen der Endometriose danach eingeteilt, wo sich die Schleimhaut-Ansiedlungen (Endometrium-Herde) befinden:

  1. in der Gebärmuttermuskulatur oder in der Eileiterwand, wobei das Gewebe mit der Gebärmutterschleimhaut verbunden ist (häufig);
  2. im Bereich des kleinen Beckens mit den Eierstöcken, Eileitern sowie dem „Douglas'schen Raum“ zwischen Gebärmutter und Enddarm (häufig);
  3. außerhalb des kleinen Beckens, zum Beispiel in Blase oder Darm (selten), sehr selten auch darüber hinaus, zum Beispiel in der Lunge.

Im Verlauf jedes Monatszyklus baut sich auch die Schleimhaut der Endometriose-Herde außerhalb der Gebärmutter regelmäßig auf und wieder ab. Da Blut und Gewebereste aber nicht über die Scheide abfließen können, verbleiben sie in der Umgebung des Endometriose-Herds. Dort können sie zu Entzündungen und in der Folge zu Narben und Verwachsungen führen.

 

Grafik: Unterleib mit Endometriose-Herden, wie im Text beschrieben

Theorien zu den Ursachen

Nach der sogenannten Verschleppungs- oder Transplantationstheorie gelangen Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut in andere Bereiche des Körpers und siedeln sich dort an. Man geht davon aus, dass dies auf zwei Wegen passieren kann: Zellen werden über den Blutkreislauf verschleppt oder wandern mit Menstruationsblut über die Eileiter in den Bauchraum. Letzteres wird als retrograde Menstruation bezeichnet. Vermutlich kommt sie aber bei vielen Frauen vor – und die Theorie erklärt nicht, warum sich die Schleimhautzellen nur bei einigen Frauen im Bauchraum ansiedeln. Daher wird angenommen, dass zusätzlich das Zusammenspiel der Hormone oder des Immunsystems gestört ist. Denn normalerweise sorgt die körpereigene Abwehr dafür, dass sich Zellen aus einem Organ nicht anderswo im Körper festsetzen können.

Die zweite Theorie geht davon aus, dass sich bestimmte Zellen außerhalb der Gebärmutter aus ungeklärten Gründen in Endometrium-Zellen umwandeln können.

Da Endometriose in manchen Familien gehäuft vorkommt, könnten auch genetische Faktoren bei der Anfälligkeit für die Krankheit eine Rolle spielen. Es gibt zurzeit jedoch keine Hinweise für eine direkte Vererbung.