Was tun bei unspezifischen Nackenschmerzen?

Foto von Händen auf einer Computertastatur (PantherMedia / Sahaphon Phanpakdee) Bei Nackenschmerzen ohne erkennbare Ursache ist es am besten, in Bewegung zu bleiben und möglichst normal seinem Alltag nachzugehen. Durch spezielle Übungen kann man die Nackenmuskulatur stärken. Die Wirksamkeit der meisten Behandlungen gegen Nackenschmerzen ist nicht durch gute Studien belegt.

Meistens lässt sich für Nackenschmerzen keine eindeutige Ursache finden. Dann werden sie „unspezifische“ Nackenschmerzen genannt. Sie verschwinden meist von selbst innerhalb einiger Tage oder Wochen. Manche Menschen haben aber auch länger Beschwerden, oder sie treten immer wieder auf. Von chronischen Nackenschmerzen spricht man, wenn sie länger als drei Monate anhalten.

Oft tragen verschiedene Faktoren zu unspezifischen Nackenschmerzen bei. Dies können zum Beispiel körperliche Belastungen am Arbeitsplatz sein, wie Arbeiten über Kopf oder unbewegliches Sitzen am Schreibtisch. Eine wichtige Rolle spielen oft psychische Belastungen wie Stress, familiäre oder berufliche Ängste und Sorgen.

Unspezifische Nackenschmerzen können zwar sehr unangenehm sein, sind aber harmlos. Es gibt deshalb keinen Grund, sich zu schonen. Im Gegenteil: Es ist sogar sinnvoll, weiter aktiv zu bleiben.

Obwohl unspezifische Nackenschmerzen sehr häufig sind, gibt es nur wenige gute Studien, die die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten untersucht haben. Bislang ist für keine Behandlung eindeutig nachgewiesen, dass sie Nackenschmerzen dauerhaft lindern kann. Es gibt aber verschiedene einfache Möglichkeiten, die man für sich ausprobieren kann.

Was kann ich selbst gegen Nackenschmerzen tun?

Viele Menschen verwenden wärmende Schals, Wärmekissen oder -packungen, um Verspannungen zu lösen und Schmerzen zu lindern. Bei Nackenschmerzen durch Nervenreizungen kann auch eine Kühlpackung wohltun. Wichtig ist, dass die Packung weder zu heiß noch zu kalt ist. Ein Tuch um die Packung schützt die Haut vor Verletzungen.

Dehn- und Kräftigungsübungen sollen die Muskulatur entspannen, stärken und Beschwerden vorbeugen. Wenn man die Übungen mit ärztlicher oder physiotherapeutischer Anleitung gelernt hat, kann man sie auch selbst zu Hause machen.

Es wird zwischen statischen (isometrischen) und dynamischen Kräftigungsübungen unterschieden. Bei isometrischen Übungen verändert sich die Position des Körpers während der Anspannung nicht. Ein Beispiel für eine isometrische Übung ist, sich mit geradem Rücken an eine Wand zu stellen und den Hinterkopf für etwa 20 Sekunden bewusst gegen die Wand zu drücken (so fest wie es noch angenehm ist). Bei dynamischen Übungen werden die Muskeln aktiv bewegt – dabei kann man mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Hanteln und Gummibändern üben.

Studien liefern Hinweise darauf, dass Kräftigungsübungen für Nacken, Schultern und Schulterblätter chronische Nackenschmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern können. Meist machten die Teilnehmenden zwei- bis fünfmal die Woche Kraftübungen, zum Teil kombiniert mit Dehnübungen oder Ausdauertraining. Um genauer sagen zu können, welche Nackenübungen helfen und wie oft ein Training sinnvoll ist, sind mehr gute Studien nötig.

Können manuelle Therapien und Massagen helfen?

Manipulation und Mobilisation sind Verfahren aus der manuellen Therapie. Dabei sollen bestimmte Handgriffe Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Bei einer Mobilisation wird das Gelenk langsam so gut es geht bewegt. Bei einer Manipulation werden zusätzlich kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die über die aktiven Bewegungsgrenzen hinausgehen können. Bei Nackenschmerzen kann sowohl im Bereich der Halswirbel als auch der Brustwirbel mobilisiert oder manipuliert werden. Die Wirksamkeit dieser Behandlungen ist allerdings nicht belegt.

Eine Manipulation der Wirbelsäule kann die Schmerzen zunächst verstärken. Manchmal führt sie auch vorübergehend zu Kopfschmerzen oder Schwindel. Es gibt einzelne Berichte, nach denen es bei einer Manipulation zu Gefäßverletzungen und Schlaganfällen kam. Diese schwere Komplikation ist aber äußerst selten. Wichtig ist, dass die behandelnde physiotherapeutische oder ärztliche Fachkraft in manueller Medizin ausgebildet ist.

Therapeutische Massagen sollen die Muskulatur lockern und Schmerzen lindern. Möglicherweise helfen sie kurzfristig gegen akute Schmerzen. Insgesamt fehlen aber gute Studien zur Wirksamkeit von Massagen bei Nackenschmerzen. Da Druck auf die betroffenen Regionen ausgeübt wird, können Massagen selbst schmerzhaft sein.

Was Studien sagen

Helfen physikalische Therapien?

Physikalische Therapie ist ein Oberbegriff für Behandlungen, bei denen physikalische Reize wie zum Beispiel Wärme, Kälte, Strom und Licht eingesetzt werden. Sie werden oft von Physiotherapeutinnen und -therapeuten angewendet.

Elektrotherapien

Zur Elektrotherapie gehören die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) und die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS). Bei diesen Behandlungen werden leichte Stromreize eingesetzt. Die elektrischen Reize sollen die Weiterleitung der Schmerzsignale ans Gehirn hemmen und die Bildung des körpereigenen, schmerzlindernden Hormons Endorphin anregen.

Bei der TENS werden Elektroden auf der Haut angebracht, die die Stromreize über die Haut (transkutan) übertragen. Bei der PENS werden sie über Akupunkturnadeln übertragen, die in die Haut (perkutan) gestochen werden. Es gibt noch weitere Verfahren der Elektrotherapie, wie zum Beispiel die Interferenztherapie. Sie unterscheiden sich unter anderem in der eingesetzten Frequenz des Stroms.

Bislang ist für keine Elektrotherapie nachgewiesen, dass sie Nackenschmerzen lindern kann. Bei einer PENS kann es durch die Einstiche zu kleineren Blutungen oder Infektionen kommen. Andere Nebenwirkungen wurden in Studien nicht berichtet, sind aber nicht auszuschließen.

Lasertherapie

Manchmal wird eine sogenannte Low-Level-Lasertherapie eingesetzt, um Nackenschmerzen zu lindern. Dabei wird der betroffene Hautbereich mit Lichtwellen einer bestimmten Wellenlänge bestrahlt. Die Behandlung wird auch als Kaltlichtlaser-Therapie bezeichnet, weil das Gewebe im Gegensatz zu anderen Laserbehandlungen nicht erwärmt wird. Befürworter der Therapie hoffen, dass die Laserstrahlen entzündungshemmend wirken; andere, dass sie die Durchblutung fördern oder die Nerven anregen. Keine dieser Vermutungen wurde aber bislang bewiesen.

Es fehlen aussagekräftige Studien zur Wirksamkeit der Low-Level-Lasertherapie bei Nackenschmerzen. Daher lässt sich nicht sagen, ob diese Behandlung Nackenschmerzen spürbar lindern kann.

Welchen Nutzen hat Akupunktur?

Akupunktur ist eine Behandlung aus der traditionellen chinesischen Medizin. Es gibt keine guten Studien, die belegen, dass Akupunktur Nackenschmerzen lindern kann. Das Risiko von Nebenwirkungen ist gering. Durch das Setzen von Akupunkturnadeln kommt es manchmal zu kleinen Blutungen oder Blutergüssen. Um Infektionen zu vermeiden, ist es wichtig, dass sterile Einwegnadeln verwendet werden.

Was Studien sagen

Können Schmerzmittel helfen?

Zur Behandlung von Nackenschmerzen kommen verschiedene Medikamente infrage. Viele Menschen versuchen, akute Schmerzen mit (teilweise) rezeptfreien Schmerzmitteln aus der Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac zu lindern. Manche greifen auch zu Paracetamol. Zur Wirkung dieser Medikamente bei Nackenschmerzen gibt es bislang jedoch kaum gute Studien. Ob und wie gut sie helfen, lässt sich deshalb nicht sicher sagen. NSAR können verschiedene Nebenwirkungen haben und eignen sich nicht für Menschen mit einer Nierenschwäche. Paracetamol ist gut verträglich, ist aber für Menschen mit einer eingeschränkten Leberfunktion ungeeignet, da es über die Leber abgebaut wird.

Diclofenac und Ibuprofen werden oft als Gel zum Auftragen auf die Haut eingesetzt. Auch die Wirksamkeit örtlich angewendeter Schmerzmittel bei Nackenschmerzen ist bislang nicht gut untersucht. Ein Vorteil der örtlichen Anwendung der Mittel ist, dass Gele seltener Nebenwirkungen haben als Tabletten. Manchmal treten Hautirritationen wie Rötungen, trockene Haut oder Juckreiz auf.

Verschreibungspflichtige Medikamente

Bei starken Schmerzen kommen manchmal auch verschreibungspflichtige Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide infrage. Sie werden zur Behandlung starker Schmerzen beispielsweise bei Krebserkrankungen, bei starken Nervenschmerzen (etwa bei Gürtelrose) oder bei einem akuten Bandscheibenvorfall eingesetzt. Zur Behandlung von Nackenschmerzen werden sie nur bei sehr starken akuten Schmerzen angewandt. Typische Nebenwirkungen sind Übelkeit, Benommenheit und Schläfrigkeit, Schwindel und Verstopfung.

Teilweise werden auch Medikamente eingesetzt, die die Muskeln entspannen (Muskelrelaxantien). Meist handelt es sich dabei um Beruhigungsmittel, die auf das Gehirn wirken. Diese Medikamente sind verschreibungspflichtig und können verschiedene Nebenwirkungen haben, wie zum Beispiel Benommenheit.

Grundsätzlich sollten Schmerzmittel und Muskelrelaxantien nicht dauerhaft, sondern nur zur kurzfristigen Behandlung eingesetzt werden. Bei Einnahme von Opioiden oder Beruhigungsmitteln kann es nötig sein, auf das Autofahren zu verzichten und keine gefährlichen Maschinen zu bedienen, um Unfälle zu vermeiden. Bei älteren Menschen erhöhen diese Mittel außerdem das Risiko für Stürze.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (DEGAM) rät bei unspezifischen Nackenschmerzen von Schmerzmitteln und Muskelrelaxantien ab.

Spritzen

Medikamente wie NSAR, Kortison oder das örtliche Betäubungsmittel Lidocain können direkt in einen Muskel oder in ein Wirbelgelenk gespritzt werden. Manchmal wird auch das Nervengift Botulinumtoxin („Botox“) gespritzt. Die Wirkung örtlicher Spritzen ist jedoch nicht gut untersucht.

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin rät bei unspezifischen Nackenschmerzen wegen möglicher Risiken auch von Spritzen ab. Zu den Risiken gehören Verletzungen, allergische Reaktionen und Krampfanfälle. Außerdem besteht bei Spritzen immer ein geringes Risiko, dass Keime in den Körper gelangen und eine Infektion auslösen.

Lidocain-Spritzen können zu einer vorübergehenden Zunahme der Schmerzen, Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheit oder Brennen an den Einstichstellen führen. NSAR-Spritzen wirken vermutlich nicht besser als NSAR-Tabletten.

Wann ist eine Halskrause sinnvoll?

Halskrausen wurden früher oft nach einem Schleudertrauma eingesetzt. Sie werden heute aber kaum noch empfohlen, weil das Tragen einer Halskrause die Nackenmuskeln schwächt und die Probleme dadurch noch verstärken kann. Bei starken Schmerzen werden Halskrausen manchmal noch für kurze Zeit eingesetzt, um den Nacken zu entlasten oder den Schlaf zu erleichtern. Eine Halskrause sollte aber nur wenige Stunden am Tag und nicht länger als 1 bis 2 Wochen getragen werden, um eine Muskelschwäche zu vermeiden.

Sind ergonomische Maßnahmen am Arbeitsplatz sinnvoll?

Ergonomische Maßnahmen beinhalten zum Beispiel die Anpassung der Sitzhöhe am Schreibtisch, die Position der Stuhllehne, die Entfernung vom Stuhl zur Tastatur und die Höhe des Bildschirms. Zudem gibt es ergonomische Arbeitshilfen wie zum Beispiel spezielle Keyboards, Mäuse oder Mousepads. Sie sollen helfen, ungünstige Haltungen am Arbeitsplatz zu vermeiden. Welche Wirkung solche Maßnahmen haben, ist aber unklar, da aussagekräftige Studien zur ergonomischen Anpassung des Arbeitsplatzes fehlen.

Grundsätzlich gab es früher relativ starre Vorgaben für die „richtige“ Sitzhaltung am Arbeitsplatz. Heute gehen Fachleute für Arbeitsgesundheit davon aus, dass es vor allem auf Bewegung am Arbeitsplatz ankommt. Damit ist gemeint, dass man seine Sitzposition im Tagesverlauf möglichst häufig wechselt und zwischendurch immer wieder aufsteht. Bewegung fördert die Durchblutung von Muskeln, Bandscheiben und anderem Gewebe. Sie soll auch einer Ermüdung der Muskeln durch starre und einseitige Positionen und damit verbundenen Problemen vorbeugen.

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