Hilft eine Mobilisation oder Manipulation bei Nackenschmerzen?

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PantherMedia / Erwin Wodicka

Manuelle Verfahren im Bereich der Hals- oder Brustwirbelsäule werden angewendet, um Nackenschmerzen kurzfristig zu lindern. Es gibt jedoch nicht genug gute Studien, um die Wirkung dieser Verfahren verlässlich beurteilen zu können.

Manipulation und sind Verfahren aus der manuellen , die mit bestimmten Handgriffen arbeiten. Sie sollen Schmerzen lindern und die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Bei einer wird das Gelenk durch eine Therapeutin oder einen Therapeuten langsam innerhalb seiner Bewegungsgrenzen bewegt. Im Gegensatz dazu werden bei einer Manipulation kleine, ruckartige Bewegungen ausgeführt, die das Gelenk über die Bewegungsgrenzen hinaus dehnen. Manipulative Handgriffe werden umgangssprachlich auch als „einrenken“ bezeichnet – obwohl die Schmerzen normalerweise nicht durch ein „ausgerenktes“ Gelenk ausgelöst werden.

Bei Nackenschmerzen kann sowohl im Nacken (Halswirbelbereich) als auch im oberen Rückenbereich (Brustwirbelbereich) mobilisiert oder manipuliert werden. Wichtig ist, dass die physiotherapeutische oder ärztliche Fachkraft in manueller Medizin ausgebildet ist.

Forschung zur Mobilisation und Manipulation bei Nackenschmerzen

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des internationalen Forschungsnetzwerks haben untersucht, ob eine Manipulation oder der Hals- oder Brustwirbelsäule Nackenschmerzen lindern kann. Die Wissenschaftlergruppe hat dazu nach Studien gesucht, in denen diese Behandlungen zum Beispiel mit einer Scheintherapie oder anderen Therapien verglichen wurden. Bei einer Scheintherapie tut die Therapeutin oder der Therapeut zum Beispiel nur so, als würde sie oder er ein Gelenk mobilisieren.

Viele der Studien hatten methodische Mängel und waren zu klein, um verlässliche Ergebnisse zu liefern. Im Durchschnitt nahmen weniger als 70 Personen daran teil. Daher lassen sich nur schwache Hinweise aus den Studien ableiten – und weitere Forschung könnte zu anderen Ergebnissen kommen.

Mobilisation oder Manipulation der Halswirbelsäule

Drei Studien haben geprüft, ob eine einmalige Manipulation der Halswirbelsäule akute und chronische Nackenschmerzen lindern kann. Zusammengenommen deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass diese Behandlung die Schmerzen unmittelbar nach der lindern kann. In den Studien hielt diese Wirkung jedoch nicht lange an.

Die Wissenschaftlergruppe fand keine Studien, die die der Halswirbelsäule mit einer Scheintherapie verglichen. Allerdings haben zwei Studien Manipulation und der Halswirbelsäule direkt miteinander verglichen. Dabei zeigten sich keine Unterschiede zwischen den beiden Behandlungen. Da die Studien relativ klein waren, lässt sich aber nicht völlig ausschließen, dass es Unterschiede zwischen den beiden Verfahren gibt.

Mobilisation oder Manipulation der Brustwirbelsäule

Eine Studie lieferte Hinweise darauf, dass auch eine Manipulation der Brustwirbelsäule kurzfristig chronische Nackenschmerzen lindern könnte. Allerdings prüfte die Studie nicht, ob diese Wirkung länger anhält. Zur der Brustwirbelsäule fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler keine Studien.

Die anderen Studien, die die Wissenschaftlergruppe fand, haben verschiedene Formen der Manipulation oder untereinander oder mit anderen Schmerztherapien verglichen, wie zum Beispiel , Schmerztabletten, Wärmetherapie oder die sogenannte (transkutane elektrische Nervenstimulation). Sie fanden keine eindeutigen Vorteile für eine bestimmte Behandlung. Allerdings gilt auch hier: Es sind größere und aussagekräftigere Studie nötig, um beurteilen zu können, wie verschiedene Manipulations- und Mobilisationstechniken im Vergleich zueinander und mit anderen Behandlungen abschneiden.

Auch die US-amerikanische () hat Studien zu manuellen Therapien wissenschaftlich ausgewertet. Diese Analyse kam ebenfalls zu dem Schluss, dass noch mehr Forschung nötig ist, um die Wirksamkeit manueller Therapien bei Nackenschmerzen sicher beurteilen zu können.

Nebenwirkungen

Manuelle Therapien können die Schmerzen zunächst verstärken und vorübergehend Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Schwindel auslösen. Es gibt einzelne Berichte, nach denen es bei einer Manipulation zu Gefäßverletzungen und Schlaganfällen kam. Solche Komplikationen sind aber äußerst selten.

Gross A, Langevin P, Burnie SJ, Bedard-Brochu MS, Empey B, Dugas E et al. Manipulation and mobilisation for neck pain contrasted against an inactive control or another active treatment. Cochrane Database Syst Rev 2015; (9): CD004249.

Nielsen SM, Tarp S, Christensen R, Bliddal H, Klokker L, Henriksen M. The risk associated with spinal manipulation: an overview of reviews. Syst Rev 2017; 6(1): 64.

Skelly AC, Chou R, Dettori JR, Turner JA, Friedly JL, Rundell SD et al. Noninvasive Nonpharmacological Treatment for Chronic Pain: A Systematic Review. 11.06.2018. (AHRQ Comparative Effectiveness Reviews; Band 209).

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Aktualisiert am 30. Januar 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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