Behandlungen und Untersuchungen

Was passiert bei einer Ohrenuntersuchung?

Das Ohr ist zuständig für das Hören und das Gleichgewicht, also für zwei Sinnesfunktionen. Beim Hören nimmt das Ohr Schallwellen auf, wandelt sie in Nervenimpulse um und leitet sie an das Gehirn weiter. Dort werden sie verarbeitet und als Töne bewertet. Auch das Gleichgewichtsorgan im Innenohr sendet Impulse an das Gehirn, wo jede Bewegung und Lageveränderung wahrgenommen und beurteilt wird.

Bei Hörproblemen unterscheiden Mediziner zwischen Störungen der Weiterleitung von Schallwellen und Störungen der Empfindung von Tönen. Neben Hörstörungen sind Ohrenschmerzen ein häufiger Grund für eine Untersuchung der Ohren. Sie können durch eine Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung entstehen oder durch Probleme im Kiefer oder in der Halswirbelsäule bedingt sein.

 Grafik: Aufbau des OhresAufbau des Ohres

 

Wann sind Ohrenuntersuchungen sinnvoll?

Bei einem plötzlichen oder zunehmenden Hörverlust, bei Ohrgeräuschen (Tinnitus), Ohrenschmerzen, Schwindel oder beim Verdacht einer Mittelohrentzündung. Ebenso, wenn Flüssigkeit aus dem Ohr austritt oder bei Unterkieferverletzungen, da diese das Ohr und den Gehörgang ebenfalls schädigen können.

Wie bereitet man sich darauf vor?

Eine Vorbereitung ist nicht nötig. Der Gehörgang und das Trommelfell sind aber etwas empfindlich. Während einer Ohrenuntersuchung ist es wichtig, sich nicht ruckartig zu bewegen, um Schmerzen zu vermeiden. Berührt die Ärztin oder der Arzt mit einem Instrument die Hinterwand des Gehörgangs, kann das einen Hustenreiz auslösen.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Jede Untersuchung beginnt mit einem Gespräch. Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt nach Schmerzen, Ohrgeräuschen, Schwindel und Problemen beim Hören. Auch frühere Erkrankungen der Ohren oder Hörstörungen in der Familie können wichtig sein. Nach dem Gespräch wird in der Regel zuerst eine Ohrspiegelung (Otoskopie) gemacht, wenn nötig folgen noch weitere Untersuchungen.

Hörprobleme können mit verschiedenen Methoden untersucht werden; meist werden mehrere Verfahren kombiniert. Es gibt subjektive Hörprüfungen, deren Ergebnis von den eigenen Angaben abhängt. Dazu zählen die Hörweiten- und die Stimmgabelprüfung sowie die Audiometrie. Bei objektiven Hörprüfungen wie der Tympanometrie, der OAE-Messung und der Hirnstammaudiometrie ist eine Mitarbeit nicht nötig, das Hörvermögen wird mithilfe von Messgeräten erfasst.

 

Grafik: Ohrspiegelung und Ansicht des Trommelfells - wie im Text beschriebenOhrspiegelung und Ansicht des Trommelfells

 

Otoskopie (Ohrspiegelung)

Bei einer Ohrspiegelung (Otoskopie) führt die Ärztin oder der Arzt einen Ohrtrichter in den Gehörgang ein und leuchtet ihn mit einer speziellen Stablampe aus. Damit das trotz der Windungen im Gehörgang funktioniert, zieht die Ärztin oder der Arzt die Ohrmuschel leicht nach hinten und oben. Ohrenschmalz oder andere Verunreinigungen können während der Untersuchung entfernt werden. Normalerweise ist das Trommelfell grau-glänzend und glatt. Ist es gerötet, gewölbt, verletzt oder vernarbt, weist das auf eine Entzündung oder andere Erkrankung des Ohres hin.

Hörweitenprüfung

Bei der Hörweitenprüfung, auch Sprachabstandsprüfung genannt, spricht die Ärztin oder der Arzt viersilbige Zahlen im Flüsterton und in normaler Lautstärke aus einer Entfernung von sechs Metern. Werden sie nicht verstanden, wird der Abstand verringert. Geprüft wird die Hörweite für jedes Ohr einzeln. Dabei achtet die Ärztin oder der Arzt darauf, dass der Mund nicht zu sehen ist, damit sich die Lippenbewegungen nicht ablesen lassen.

Stimmgabelprüfung

Für die Stimmgabelprüfung hält die Ärztin oder der Arzt eine klingende Stimmgabel einmal vor den Gehörgang und einmal an den Kopf. Damit wird überprüft, wie gut die Schallleitung über die Luft und über die Schädelknochen funktioniert. Die Untersuchung gibt Hinweise auf die Art die Hörstörung: Wird der Ton der Stimmgabel nur vor dem Ohr nicht gehört, liegt die Ursache der Hörstörung im Gehörgang oder im Mittelohr. Wird der Ton bei beiden Tests nicht gehört, liegt eine Schallempfindungsstörung vor. Das heißt, die Hörprobleme sind durch eine Störung im Innenohr, des Hörnerven oder der Nervenzellen im Gehirn bedingt.

Audiometrie

Bei der Tonaudiometrie werden über einen Kopfhörer oder über Lautsprecher Töne in unterschiedlicher Tonhöhe (Frequenz) und steigender Lautstärke gespielt. Sobald man den Ton hört, gibt man ein Zeichen.

Bei der Sprachaudiometrie sind keine Töne, sondern gesprochene Silben und Zahlen zu hören. Bewertet wird anschließend, wie viele Wörter oder Zahlen je nach Lautstärke verstanden wurden. Diese Untersuchung wird auch eingesetzt, um ein Hörgerät anzupassen.

Tympanometrie

Mithilfe der Tympanometrie wird geprüft, wie beweglich das Trommelfell ist, also wie gut es schwingen kann. Ein kaum bewegliches Trommelfell lässt darauf schließen, dass sich Flüssigkeit in der Paukenhöhle (Tympanon) direkt hinter dem Trommelfell angesammelt hat. Für die Untersuchung führt die Ärztin oder der Arzt eine Sonde in den Gehörgang ein, die diesen Teil des Ohres luftdicht verschließt. Das kann unangenehm sein, ist aber in der Regel nicht schmerzhaft. Über die Sonde wird dann ein Unter- und ein Überdruck erzeugt, danach ein Ton. Die Schallwellen dieses Tons versetzen das Trommelfell in Schwingung, wodurch sich der Luftdruck im Gehörgang verändert – wie stark, wird gemessen und aufgezeichnet.

OAE-Messung

Bei der OAE-Messung (OAE steht für otoakustische Emissionen) wird die Funktion des Innenohrs geprüft, in dem sich die Sinneszellen befinden. Sie werden auch als äußere Haarzellen bezeichnet. Bei Geräuschen bewegen sich die Haarzellen und senden dann selbst Schallsignale aus. Bei der Untersuchung werden leise Klicktöne erzeugt und die zurückgeworfenen Schallwellen mithilfe spezieller Mess-Mikrofone aufgezeichnet. Das Verfahren ist schmerzfrei und wird auch für den Routine-Hörtest bei Neugeborenen genutzt.

Hirnstammaudiometrie

Auch bei der Hirnstammaudiometrie (BERA-Untersuchung) werden ähnlich wie bei der Messung der Hirnströme (EEG) die elektrischen Signale erfasst, die über den Hörnerv das Gehirn erreichen. Über einen Kopfhörer werden die Haarzellen durch Knackgeräusche angeregt. Die dabei erzeugten elektrischen und über den Hörnerv zum Gehirn weitergeleiteten Signale werden gemessen. Vor allem Erkrankungen des Hörnervs sind so erkennbar.

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