Was hilft, wenn sich Ohrenschmalz ansammelt?

Foto von Mutter und kleiner Tochter

Ein Ohrenschmalz-Pfropf lässt sich in der Arztpraxis mit einer Ohrspülung oder einem speziellen Instrument beseitigen. Verschiedene Ohrentropfen, eine Salzlösung oder Öl können einigen Menschen ebenfalls helfen. Manchmal werden auch Maßnahmen kombiniert.

Normalerweise reinigen sich unsere Ohren selbst: Ohrenschmalz wandert durch Kieferbewegungen in Richtung Ohrmuschel und wird allmählich aus dem Ohr transportiert. Manchmal sammelt es sich aber im äußeren Gehörgang an – dem Bereich zwischen Trommelfell und Ohrmuschel. Das Ohrenschmalz kann dann einen Pfropf bilden, der den äußeren Gehörgang ganz oder teilweise blockiert.

Grafik: Gehörgang mit Ohrenschmalz-Pfropf

Wann wird ein Ohrenschmalz-Pfropf entfernt?

Einen Ohrenschmalz-Pfropf zu entfernen, ist sinnvoll, wenn er Beschwerden hervorruft. Das können Hörminderung, Schwindel, Schmerzen, Juckreiz oder störende Geräusche im Ohr sein. Außerdem wird ein Pfropf entfernt, wenn er eine Ohruntersuchung behindert, weil er die Sicht auf das Trommelfell blockiert. Auch vor Hörtests – zum Beispiel für ein Hörgerät oder bei einer U-Untersuchung – kann das nötig sein, damit die Testergebnisse aussagekräftig sind.

Wie lässt sich ein Ohrenschmalz-Pfropf entfernen?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten:

  • Ohrentropfen oder -sprays (Cerumenolytika): Sie können das Ohrenschmalz aufweichen, damit es leichter aus dem Ohr abfließen kann. Neben speziellen Präparaten kommen auch Wasser, eine isotonische Salzlösung oder Öl (zum Beispiel Oliven- oder Mandelöl) dafür infrage. Eine isotonische Salzlösung enthält 9 g Kochsalz pro Liter Wasser (0.9-prozentige Salzlösung).
  • Ohrspülungen: Dabei wird in der Arztpraxis der äußere Gehörgang mit Wasser ausgespült.
  • Spezialinstrumente: Das Ohrenschmalz wird mit einem speziellen Instrument (Kürette, Pinzette oder Sauger) unter Sicht entfernt oder abgesaugt – in der Regel von einer Fachärztin oder einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.

Manchmal reicht eine einzelne Maßnahme nicht aus, um den Pfropf zu entfernen und die Beschwerden zu lindern. Dann lassen sie sich kombinieren: Beispielsweise können Ohrentropfen das Ohrenschmalz aufweichen, damit es leichter ausgespült werden kann.

Bei allen Behandlungen können Nebenwirkungen auftreten. Sie sind jedoch eher selten und gewöhnlich harmlos. Welche Maßnahmen in der eigenen Situation am besten geeignet sind, bespricht man am besten mit der Ärztin oder dem Arzt.

Wie wirken Ohrentropfen und -sprays?

Ohrentropfen oder -sprays sollen den Ohrenschmalz-Pfropf weicher machen oder auflösen, damit das Ohrenschmalz besser abließen kann. Sie werden auch als Cerumenolytika bezeichnet und können unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Die Mittel werden meist für einige Tage zu Hause angewendet.

Sie helfen allerdings nur einigen Menschen – bei anderen sind weitere Maßnahmen erforderlich. Ob bestimmte Ohrentropfen oder -sprays besser wirken als andere, ist unklar. Vermutlich funktionieren einfaches Wasser, eine Salzlösung oder Öl (wie Oliven- oder Mandelöl) ähnlich gut, um angesammeltes Ohrenschmalz zu beseitigen.

Für Menschen mit einer Gehörgangsentzündung oder einem verletzten Trommelfell eignen sich Ohrentropfen und -sprays sowie Wasser, Salzlösung oder Öl nicht. Das gilt auch für Menschen, die vor Kurzem am Ohr operiert wurden. Wer hat, verzichtet ebenfalls besser auf die Mittel.

Es können eine vorübergehende Hörminderung, Schwindel oder Ohrenschmerzen auftreten – auch, wenn nur Wasser oder eine Salzlösung verwendet wird. Die Inhaltsstoffe einiger Ohrentropfen können außerdem die Haut reizen.

Was passiert bei einer Ohrspülung?

Bei einer Ohrspülung wird der Ohrenschmalz-Pfropf mit Wasser aus dem Gehörgang gespült. Dafür verwendet die Ärztin oder der Arzt eine spezielle Spritze oder ein Spülsystem. Manchmal erhält man vorher Ohrentropfen, um den Pfropf weicher zu machen. Vor der Ohrspülung vergewissert sich die Ärztin oder der Arzt, dass das Trommelfell intakt ist.

Die Ärztin oder der Arzt zieht für die Spülung die Ohrmuschel nach oben und hinten. Dadurch wird der Gehörgang gestreckt , damit das Wasser ungehindert bis zum Trommelfell fließen kann. Sie oder er richtet einen Wasserstrahl vorsichtig auf die obere Wand des äußeren Gehörgangs, um das Trommelfell nicht zu verletzen. Von dort fließt er an der Wand entlang bis zum Trommelfell und wieder zurück. Das Wasser läuft schließlich aus dem Ohr – bestenfalls zusammen mit dem Ohrenschmalz.

Eine Ohrspülung eignet sich nicht für Menschen mit häufigen Gehörgangsentzündungen, einem zu engen Gehörgang, einem verletzten Trommelfell oder mit . Eine Ohrspülung ist ebenfalls nicht ratsam nach einer Ohroperation oder wenn das einzige funktionsfähige Ohr betroffen ist.

Menschen mit Diabetes oder einem geschwächten sind nach einer Ohrspülung anfälliger für eine Gehörgangsentzündung. Um ihr Infektionsrisiko zu verringern, kann die Ärztin oder der Arzt steriles Wasser und im Anschluss ansäuernde Ohrentropfen verwenden – oder ganz auf eine Ohrspülung verzichten und den Pfropf mit einem Ohr-Instrument entfernen.

Nebenwirkungen sind selten, wenn das Ohr fachgerecht gespült wird. Trotzdem kann es vorkommen, dass das Ohr hinterher vorübergehend schmerzt, das Hörvermögen eingeschränkt ist oder ein Tinnitus auftritt. Sammelt sich Wasser hinter einem nicht vollständig entfernten Pfropf an, kann sich der Gehörgang entzünden. Außerdem wird einigen Menschen schwindelig. Um Schwindel so gut wie möglich vorzubeugen, wird lauwarmes Wasser benutzt.

Ist der Wasserdruck zu stark oder wird der Strahl direkt darauf gerichtet, kann er außerdem das Trommelfell verletzen.

Wie funktioniert die Ohrreinigung mit einem speziellen Instrument?

Ein Ohrenschmalz-Pfropf lässt sich mit speziellen Instrumenten entfernen. Um den Gehörgang dabei nicht zu verletzen, sind medizinische Fachkenntnis und Erfahrung notwendig. Ohr-Instrumente werden daher meist in Praxen für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde eingesetzt.

Die Ärztin oder der Arzt entfernt den Ohrenschmalz-Pfropf mit einer sogenannten Kürette oder einer besonderen Pinzette. Es gibt auch Instrumente, die den Pfropf an- und absaugen. Um den Gehörgang besser einsehen zu können, kann die Ärztin oder der Arzt eine Lichtquelle oder ein Mikroskop nutzen.

Mit einem Ohr-Instrument lässt sich ein Pfropf besonders schnell entfernen. Die Methode eignet sich auch für Menschen mit verletztem Trommelfell oder , bei denen Ohrentropfen oder eine Ohrspülung nicht infrage kommen.

Wichtig ist:

Ohr-Instrumente können nur bei Menschen eingesetzt werden, die für die Dauer der Entnahme des Pfropfs stillhalten können. Kindern fällt das manchmal schwer.

Durch die Behandlung kann das Ohr etwas wehtun. Verstopft der Pfropf beim Absaugen den Sauger, kann das entstehende Geräusch vorübergehendes Ohrrauschen, Tinnitus oder eine Hörminderung verursachen. Selten kommt es zu Schwindel. Außerdem kann das Ohr-Instrument den Gehörgang oder das Trommelfell verletzen – dies passiert ebenfalls selten.

Wovon wird abgeraten?

Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass Heilmethoden aus der sogenannten Alternativ- oder Ohrenschmalz lösen und hinausbefördern können. Das gilt auch für Ohrenkerzen, die in den Gehörgang eingeführt und am äußeren Ende angezündet werden. Fachleute warnen zudem, dass Ohrenkerzen die Ohren ernsthaft verletzen können.

Fachleute raten auch davon ab, Ohrenschmalz selbst mit einem Gegenstand wie einer Haarnadel oder Pinzette zu entfernen. Denn der äußere Gehörgang kann dabei verletzt werden und sich entzünden. Das gilt auch für Wattestäbchen und spezielle Ohrreiniger, die den von Ärztinnen und Ärzten verwendeten Ohr-Instrumenten nachempfunden sind.

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Erstellt am 22. Mai 2024

Nächste geplante Aktualisierung: 2027

Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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