Was kann bei funktionellen Körperbeschwerden helfen?

Foto von Tanzstunde (PantherMedia / Goodluz) Auch wenn sich keine eindeutige Ursache für anhaltende Beschwerden findet: Es gibt Möglichkeiten, besser mit ihnen zurechtzukommen. Oft ist es hilfreich, sich regelmäßig zu bewegen und den Umgang mit Belastungen zu überdenken. In erster Linie auf Medikamente oder andere medizinische Behandlungen zu setzen, ist dagegen nicht sinnvoll.

Von funktionellen Körperbeschwerden spricht man, wenn keine eindeutige Erklärung für körperliche Beschwerden gefunden werden kann. Meist sind sie nur leichter Natur und lassen nach kurzer Zeit von selbst nach. Manchmal halten sie aber auch länger an und sind sehr belastend.

Dann ist es zunächst wichtig, gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt über mögliche Auslöser zu sprechen und zu überlegen, welche Maßnahmen sinnvoll sein können. Bei leichten Beschwerden reichen oft wenige kleine Änderungen im Alltag und etwas Geduld aus. Wichtig ist es, aktiv zu bleiben.

Bei anhaltenden und belastenden Problemen können weitergehende Hilfen sinnvoll sein. Dann ist es wichtig, persönlich passende und im Alltag umsetzbare Mittel und Wege zu finden, um mit den Beschwerden besser zurechtzukommen. Zur Unterstützung reicht meist die ambulante Begleitung durch eine Haus- oder Facharztpraxis aus. Auch psychosomatische oder psychotherapeutische Praxen sind mögliche Ansprechpartner. Bei dauerhaften und sehr belastenden Beschwerden ist auch ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik möglich.

Was kann zu den Beschwerden beitragen?

Die meisten Menschen möchten verstehen, warum sie Beschwerden haben. Es ist enttäuschend, wenn die Ärztin oder der Arzt dann keine eindeutige Erklärung hat. Manchmal stellt sich auch das Gefühl ein, dass die Beschwerden verharmlost werden. Deshalb ist es wichtig, eine Ärztin oder einen Arzt zu finden, die oder der einen ernst nimmt und unterstützt.

Bei der gemeinsamen Suche nach möglichen Erklärungen können folgende Fragen helfen:

  • Fühlt man sich gestresst und überfordert – etwa im Beruf, durch die Pflege eines Angehörigen oder eine Mehrfachbelastung durch Beruf, Familie und Haushalt?
  • Spielen bestimmte Lebensumstände eine Rolle – zum Beispiel eine konfliktreiche Beziehung oder der Tod eines nahen Angehörigen?
  • Kann der Lebensstil einen Einfluss haben – zum Beispiel eine einseitige Ernährung oder eine vorwiegend sitzende Tätigkeit ohne sportlichen Ausgleich?
  • Gibt es aktuelle oder frühere Erkrankungen, die eine Rolle spielen können?

Funktionelle Körperbeschwerden werden meist durch verschiedene körperliche, psychische und soziale Faktoren begünstigt. Deshalb geht es bei der Behandlung darum, die Probleme einzuordnen und Ansatzpunkte für sinnvolle Abhilfe zu finden. Einseitige Erklärungen sind meist falsch und zudem wenig hilfreich.

Warum kann es sinnvoll sein, abzuwarten?

Oft ist es sinnvoll, erst einmal abzuwarten. Funktionelle Beschwerden bessern sich oft von selbst nach einiger Zeit, so dass keine Behandlung nötig ist. Meist wird bei einem Arztbesuch auch schnell klar, dass keine ernsthafte Erkrankung dahintersteckt.

Abzuwarten heißt aber nicht, inaktiv zu sein – im Gegenteil: Aktivität ist sogar wichtig. Die Ärztin oder der Arzt kann Tipps zum Umgang mit den Beschwerden geben und zum Beispiel dazu beraten, wie man besser mit Stress zurechtkommt und welche Sportart geeignet ist.

Wer zunächst versucht, die Probleme so in den Griff zu bekommen, vereinbart am besten nach ein paar Wochen oder Monaten einen Folgetermin. Bei diesem Termin kann dann geschaut werden, wie sich die Beschwerden entwickelt haben. Wenn sie immer noch eine Belastung sind, kann man dann über Behandlungen oder andere Formen der Unterstützung sprechen. Falls die Beschwerden deutlich zunehmen, ist es sinnvoll, früher zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen.

Wenn die Beschwerden schon lange sehr belastend sind, kann längeres Abwarten unangebracht sein. Dann ist es sinnvoll, sich in einer Arztpraxis oder psychotherapeutischen Sprechstunde über weitergehende Hilfen beraten zu lassen.

Warum ist es wichtig, aktiv zu bleiben?

Nur selten ist es richtig, sich vorübergehend zu schonen – zum Beispiel, wenn die Beschwerden besonders stark sind. Auf Dauer ist zu viel Schonung aber nicht gut. Im Gegenteil: Schonung kann die Beschwerden noch verstärken.

Ein Beispiel: Einem Menschen ist häufig schwindelig. Aus Angst davor liegt er viel im Bett. Dadurch wird sein Körper insgesamt schwächer – und noch anfälliger für Kreislaufprobleme und Schwindel. Zudem führt die Inaktivität dazu, dass die Gedanken stark um die Beschwerden kreisen und der Antrieb insgesamt schwindet. Körperliche Schonung kann außerdem zu Muskelabbau und Gelenksteife führen.

Wenn jemand oft krankgeschrieben ist, kann es auch zu Problemen im Job bis hin zur Kündigung führen. Sozialer Rückzug kann auch Freundschaften und das Familienleben belasten.

Was kann man selbst tun?

Selbst aktiv zu bleiben oder zu werden, erfordert häufig Kraft. Das gelingt eher, wenn man Aktivitäten findet, die Spaß machen und vielleicht sogar neue Perspektiven bieten. Sie können zudem ablenken, gute Gefühle hervorrufen und Erfolgserlebnisse ermöglichen.

Was infrage kommt, hängt neben den persönlichen Interessen auch von der Art der Beschwerden ab. Möglichkeiten sind:

  • Sport, zum Beispiel Gymnastik, Ballsport, Krafttraining, Joggen oder Radfahren
  • Bewegungsübungen, etwa aus Yoga, Tai-Chi oder Pilates
  • Entspannungsverfahren, zum Beispiel progressive Muskelentspannung oder autogenes Training
  • Achtsamkeitstraining, Stressbewältigung, Meditation
  • Ernährungsumstellung, zum Beispiel eine ballaststoffreichere Ernährung bei Darmbeschwerden
  • Tanzen, Malen, Musizieren, Hobbys pflegen
  • Freunde treffen
  • Soziales Engagement
  • Berufliche Veränderung
  • an eine Selbsthilfegruppe wenden
  • Sich über den Umgang mit den Beschwerden informieren (Bücher, Websites). Aber Achtung: Es gibt auch viele schlechte Gesundheitsinformationen.

Manches lässt sich einfach in den Alltag integrieren – etwa die Treppe statt den Aufzug zu nehmen, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren oder öfter spazieren zu gehen. Wer sich mehr bewegt, erlebt seinen Körper dann vielleicht wieder positiv und nicht mehr als Belastung.

Studien haben gezeigt, dass auch spezielle Selbsthilfeprogramme, die zum Beispiel mit Büchern arbeiten oder im Internet angeboten werden, hilfreich sein können. Solche Programme vermitteln Selbsthilfestrategien und sollen den Umgang mit den Problemen erleichtern. Wo es geeignete Selbsthilfeprogramme gibt, kann man zum Beispiel seine Ärztin oder seinen Arzt fragen.

Außerdem ist es wichtig, sich mit Problemen und Konflikten auseinanderzusetzen, diese nicht zu verdrängen und den Umgang mit ihnen zu überdenken. Wenn dies keinen Erfolg hat, kann es manchmal auch sinnvoll sein, über größere Veränderungen nachzudenken – zum Beispiel bei dauerhaftem beruflichem Stress einen Jobwechsel zu erwägen.

Wann kommt eine Psychotherapie infrage?

Wenn die Beschwerden zu einer psychischen Belastung werden oder wenn es jemandem sehr schwer fällt, im Alltag mit den Beschwerden zurechtzukommen, kann eine psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Sie kann auch dann sinnvoll sein, wenn zusätzlich eine psychische Erkrankung besteht. Am besten untersucht sind Behandlungen aus dem Bereich der kognitiven Verhaltenstherapie. Es gibt aber auch psychoanalytische Verfahren.

Auch im Rahmen einer Psychotherapie wird zunächst versucht, mögliche Erklärungen oder verstärkende Faktoren für die Beschwerden zu finden. Es geht darum, den Zusammenhang zwischen Psyche und körperlichen Beschwerden zu verstehen: Zum Beispiel, auf welche Weise Wahrnehmungen und Gefühle beeinflussen, wie Beschwerden erlebt werden. Dabei können belastende Lebensumstände und Erfahrungen aus der Vergangenheit eine Rolle spielen.

Im Vordergrund steht aber die Suche nach Lösungen. Dabei geht es vor allem darum, wie man mit den Beschwerden umgehen kann. Zum Beispiel können Entspannungs- oder Ablenkungstechniken eingeübt werden, die ebenfalls helfen, mit körperlichen Beschwerden zurechtzukommen. Ein Ziel der Psychotherapie kann auch sein, Ängste vor körperlicher Belastung abzubauen und wieder aktiver zu werden.

Über konkrete Angebote informieren hausärztliche, psychosomatische oder psychotherapeutische Praxen. Psychotherapeutische Praxen bieten auch Sprechstunden an, in denen man sich erst einmal beraten lassen kann. 

Welche nicht medikamentösen Behandlungen gibt es?

In bestimmten Situationen können nicht medikamentöse Behandlungen infrage kommen. Dazu gehören beispielsweise Krankengymnastik, physikalische Therapien (etwa Wärmeanwendungen) oder eine Ergotherapie. Bei hartnäckigen Problemen sind sie aber meist nur dann sinnvoll, wenn sie andere Maßnahmen und die Eigenaktivität sinnvoll ergänzen – allein auf eine dieser Behandlungen zu setzen, ist wenig vielversprechend.

Nicht immer gibt es für diese Behandlungen ein ärztliches Rezept – manchmal müssen sie selbst bezahlt werden. Zudem gibt es leider nur wenige Studien, die überprüft haben, wie gut nicht medikamentöse Behandlungen bei funktionellen Beschwerden helfen.

Wahrscheinlich sind eher Maßnahmen sinnvoll, bei denen man selbst aktiv wird. Rein passive Behandlungen wie zum Beispiel Massagen oder Wärmeanwendungen können zwar kurzfristig das Wohlbefinden steigern, die Beschwerden aber sehr wahrscheinlich nicht nachhaltig bessern.

Kritisch sollte man bei sogenannten individuellen Gesundheitsleistungen (IGe-Leistungen) sein, die von manchen Ärztinnen und Ärzten angeboten werden. „IGeL“ werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, da ihr Nutzen in der Regel nicht nachgewiesen ist. Deshalb kann man sie problemlos ablehnen.

Was kann man von Medikamenten erwarten?

Medikamente helfen, wenn überhaupt, nur sehr begrenzt. Manchmal lindern sie vorübergehend bestimmte Beschwerden, mögliche Auslöser beseitigen sie jedoch nicht. Wer zu stark auf Medikamente setzt, vernachlässigt zudem oft andere Wege wie Sport und Stressbewältigung. Zudem können sie Nebenwirkungen haben.

Wie gut gängige Wirkstoffe bei funktionellen Beschwerden helfen, ist kaum untersucht. Mögliche Medikamente sind:

Es können auch Mittel gegen Darmbeschwerden oder Schlaflosigkeit infrage kommen.

Wichtig ist, den möglichen Nutzen eines Medikaments immer gegen seine möglichen Nebenwirkungen abzuwägen. Sie sollten bei funktionellen Beschwerden nur sehr zurückhaltend eingesetzt werden.

Warum sind kleine Schritte besser als große?

Wenn eine Ärztin oder ein Arzt keine schnell wirksame Behandlung anbieten kann, ist es verständlich, enttäuscht zu sein. Häufig gibt es aber keine schnelle Lösung. Und immer neue medizinische Behandlungen auszuprobieren, ist keine gute Idee. Es ist besser, andere Wege auszuprobieren – etwa mehr Bewegung und Stressbewältigung.

Bei der Behandlung ist es sinnvoll, sich erreichbare Ziele zu setzen. Ein erstes Ziel wäre zum Beispiel, trotz Beschwerden wieder regelmäßig mit dem Rad zu fahren. Zu erwarten, dass die Beschwerden dadurch schnell verschwinden, ist unrealistisch – aber das Ziel, wieder öfter das Fahrrad zu benutzen, ist konkret und erreichbar. Erste Erfolgserlebnisse können dann zu weiteren Zielen motivieren. Wenn die Beschwerden dann irgendwann tatsächlich nachlassen oder ganz verschwinden: umso besser.