Was kann bei einem Gichtanfall die Schmerzen lindern?

Foto von Mann mit schmerzender Hand

Ein Gichtanfall gehört zu den schmerzhaftesten Gelenkbeschwerden. Entzündungshemmende Schmerzmittel, und das Gichtmedikament Colchicin können die Schmerzen lindern. Manchmal kommen auch sogenannte Interleukin-1-Antagonisten infrage.

Gicht wird durch einen erhöhten Harnsäurespiegel verursacht. Wenn die Menge der Harnsäure im Körper eine bestimmte Grenze überschreitet, können sich Kristalle bilden, die sich in den Gelenken ablagern und einen Gichtanfall auslösen. Es kommt dann zu Schmerzen und Schwellungen im betroffenen Gelenk.

Meist sind die Beschwerden nach 6 bis 12 Stunden am stärksten. Ohne Medikamente dauert es etwa 1 bis 2 Wochen, bis die Schwellung zurückgeht und sich das Gelenk erholt.

Akute Schmerzen lassen sich mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln, Colchicin oder einer kurzfristigen Kortisonbehandlung lindern. Die Wirkung dieser Medikamente setzt innerhalb von 1 bis 2 Stunden ein. Helfen diese Mittel nicht, kommen auch Interleukin-1-Antagonisten infrage.

Wie gut helfen entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR)?

Zur Gruppe der entzündungshemmenden Schmerzmittel gehören zum Beispiel Diclofenac, , Indometacin, Naproxen und Etoricoxib. Sie werden auch nicht steroidale Antirheumatika () genannt. können die Schmerzen eines Gichtanfalls wirksam lindern. Einige dieser Mittel sind in niedrigen Dosierungen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, andere sind verschreibungspflichtig.

gehört zwar auch zu den , ist aber für die Behandlung von Schmerzen bei Gicht eher nicht geeignet. Im Gegenteil – Studien deuten an, dass die Einnahme von niedrig dosierter das Risiko für einen Gichtanfall erhöhen kann.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von gehören Magen-Darm-Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit. Eine seltenere Nebenwirkung sind Magengeschwüre. Wer hierfür ein erhöhtes Risiko hat, kann die Medikamente mit sogenannten Protonenpumpenhemmern wie Omeprazol kombinieren. Sie schützen die Magenschleimhaut und beugen dadurch Geschwüren vor.

Was ist bei der Einnahme von Kortison (Kortikoiden) zu beachten?

Kortisontabletten haben einen schlechten Ruf, da sie ernsthafte Nebenwirkungen haben, wenn sie über längere Zeit eingenommen werden. Diese Nebenwirkungen sind aber bei einer kurzfristigen Einnahme zur Behandlung eines Gichtanfalls nicht zu befürchten.

Gut zu wissen:

Was bei der Anwendung von zu beachten ist, erklärt der Text „Kortison richtig anwenden und Nebenwirkungen vermeiden“.

Kortisonpräparate werden meist als Tabletten eingenommen. In der Regel wird über 5 Tage ein Präparat mit dem Wirkstoff Prednisolon eingenommen, in einer Dosierung von täglich 30 mg.

Prednisolon ist vor allem für Magen und Darm besser verträglich als die meisten entzündungshemmenden Schmerzmittel.

Wie gut wirkt Colchicin?

Colchicin ist ein Medikament, das aus der Pflanze „Herbstzeitlose“ gewonnen wird. Vermutlich verhindert es, dass Abwehrzellen in die Gelenke wandern, die an der Entzündungsreaktion beteiligt sind. Colchicin kann die Beschwerden einer akuten Gicht wirksam lindern.

Eine Behandlung mit Colchicin besteht aus der Einnahme von insgesamt 4 Tabletten mit je 0,5 mg des Wirkstoffs. Man beginnt mit 2 Tabletten, nimmt nach einer Stunde die 3. und nach einer weiteren Stunde die 4. Tablette. Diese Colchicin-Dosis von zusammen 2 mg vertragen die meisten Menschen gut.

Von höheren Colchicin-Dosierungen raten Fachleute ab, da das Mittel dann sehr häufig zu Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen führt. Zudem wirken höhere Dosierungen nach aktuellem Wissen nicht besser. In jedem Fall ist es wichtig, die tägliche Höchstdosis von 6 mg nicht zu überschreiten.

Wann kommen Interleukin-1-Antagonisten infrage?

Interleukin-1-Antagonisten hemmen , die eine wichtige Rolle bei einem Gichtanfall spielen. Dadurch bremsen sie die und können Beschwerden lindern. Interleukin-1-Antagonisten kommen aber nur dann infrage, wenn mehrfach im Jahr Gichtanfälle auftreten und , oder Colchicin nicht ausreichend helfen.

Das Medikament Canakinumab ist hierfür zugelassen. Es wird einmalig in die Haut gespritzt. Mögliche Nebenwirkungen sind Infektionen, Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden.

Wie gut helfen die Wirkstoffe im Vergleich?

In bisherigen Studien wirkten , Colchicin und ähnlich gut. Interleukin-1-Antagonisten waren in Studien wirksamer als , führten aber auch häufiger zu Nebenwirkungen.

Die Entscheidung für ein Medikament hängt auch von der persönlichen Situation ab. So sind für Menschen, die gerinnungshemmende Medikamente nehmen, eine Magen-Darm-Erkrankung oder eine haben, weniger gut geeignet. Für Menschen mit Diabetes oder akuten Infektionen kommt unter Umständen nicht infrage.

Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh). S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht. AWMF-Registernr.: 060-005. 2024.

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Medikamentöse Behandlung eines Gichtanfalls - Evidenzbericht zur S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht. Auftrag V22-06b. 2023.

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Aktualisiert am 28. Oktober 2026

Nächste geplante Aktualisierung: 2029

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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