Was hilft bei einer Cluster-Kopfschmerzattacke?

Foto von Mann mit starken Kopfschmerzen (PantherMedia / Nils Harder) Cluster-Kopfschmerzen werden oft erst spät erkannt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die heftigen Schmerzattacken zu behandeln. Rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol können akute Cluster-Kopfschmerzen nicht lindern.

Bei Cluster-Kopfschmerzen kommt es zu sehr starken Schmerzen im Bereich eines Auges oder einer Schläfe. Die Attacken treten phasenweise auf. Menschen mit dieser primären Kopfschmerzerkrankung sind oft über Monate schmerzfrei, können aber in manchen Phasen mehrere Attacken pro Tag haben. Fachleute sprechen dann von episodischen Cluster-Kopfschmerzen. Bei chronischen Cluster-Kopfschmerzen haben die Betroffenen für länger als ein Jahr regelmäßige Attacken ohne länger anhaltende Pausen.

Es dauert mitunter Monate bis Jahre, bis erkannt wird, dass es sich bei den Schmerzen um Cluster-Kopfschmerzen handelt. Wenn die Erkrankung erst einmal festgestellt wurde, lassen sich die Attacken mit verschiedenen Mitteln behandeln.

Sauerstofftherapie

Bei vielen Menschen klingen die Schmerzen ab, wenn sie bei einer Attacke reinen Sauerstoff einatmen. Dazu ist eine Sauerstoffflasche mit angeschlossener Atemmaske nötig. Mit einem Ventil lässt sich dosieren, wie viel Sauerstoff pro Minute durch die Atemmaske strömt. Fachleute empfehlen mindestens 8 bis 12 Liter pro Minute. Man setzt sich aufrecht hin, drückt die Maske auf Nase und Mund und atmet den Sauerstoff 15 bis 20 Minuten lang ein.

Die meisten Menschen kommen mit einer Sauerstofftherapie gut zurecht, da sie wenige Nebenwirkungen hat. Wer eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) hat, bespricht am besten mit seiner Ärztin oder seinem Arzt, ob diese Art der Sauerstofftherapie geeignet ist oder nicht.

Um herauszufinden, ob und in welcher Dosierung eine Sauerstofftherapie die Schmerzen lindert, ist meist ein Klinikaufenthalt nötig. Nach ein bis zwei Tagen im Krankenhaus lässt sich die Behandlung dann zu Hause fortsetzen. Es gibt tragbare Geräte, die sich auch auf Reisen nutzen lassen. Die Kosten für die Sauerstoffbehandlung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen nach Antrag.

Migränemittel (Triptane)

Cluster-Kopfschmerzen lassen sich mit zwei Medikamenten behandeln, die auch Migräneattacken lindern können: Sumatriptan und Zolmitriptan.

Wie werden Migränemittel angewendet?

Sumatriptan wird bei Cluster-Kopfschmerzen unter die Haut gespritzt – zum Beispiel mit einem Pen (engl. pen = Stift). Er wird auf die Haut gesetzt und gibt dann per Knopfdruck das Medikament ab. Am besten wird es sofort gespritzt, wenn eine Schmerzattacke beginnt – etwa in den Bauch, Oberarm oder Oberschenkel. Häufig setzt eine Wirkung dann schon nach 10 bis 15 Minuten ein.

Zolmitriptan wird bei Cluster-Kopfschmerzen als Nasenspray angewendet, wobei es sinnvoll ist, das Nasenloch der nicht schmerzenden Seite zu verwenden.

Als Tablette können Triptane Cluster-Kopfschmerzen nicht lindern. Das zeigt eine Auswertung mehrerer Studien. Möglicherweise dauert es zu lange bis die Wirkung einsetzt, wenn man die Mittel als Tablette einnimmt – oft ist eine Cluster-Kopfschmerzattacke dann schon von selbst abgeklungen.

Was kann man von diesen Medikamenten erwarten?

Beide Wirkstoffe können die Beschwerden lindern. Studien, die die Mittel mit einem Scheinmedikament (Placebo) verglichen haben, zeigen für die Behandlung mit Sumatriptan:

  • 15 von 100 Menschen, die sich zu Beginn einer Cluster-Kopfschmerzattacke ein Scheinmedikament gespritzt hatten, waren nach 15 Minuten komplett schmerzfrei.
  • 42 von 100 Menschen, die sich zu Beginn einer Cluster-Kopfschmerzattacke Sumatriptan gespritzt hatten, waren nach 15 Minuten komplett schmerzfrei.

Die Behandlung mit Zolmitriptan-Nasenspray gilt als etwas weniger wirksam als Sumatriptan.

Beide Triptane können Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Schwindel hervorrufen. Außerdem können die Medikamente dazu führen, dass sich die Blutgefäße verengen. Deshalb sind sie zum Beispiel für Menschen mit unbehandeltem Bluthochdruck oder einer koronaren Herzkrankheit nicht geeignet.

Andere Behandlungen

Unsicher ist, ob andere Behandlungen die Schmerzen lindern können, etwa Nasensprays mit dem örtlichen Betäubungsmittel Lidocain. Sie werden manchmal angewendet, wenn die Attacken zum Beispiel mehrmals täglich auftreten. Dann kann nicht jedes Mal ein Triptan gespritzt oder in die Nase gesprüht werden, weil es sonst zu einer Überdosierung und mehr Nebenwirkungen kommen würde.

Dass die Cluster-Kopfschmerzen weder auf Sauerstoff noch auf Medikamente ansprechen, ist sehr selten. Manchmal werden dann operative Verfahren erwogen, die bestimmte Nerven reizen, um die Schmerzen zu lindern. Ob diese Eingriffe helfen und welche Nebenwirkungen und Komplikationen auftreten können, ist wenig erforscht.

Schlagwörter: Cluster-Kopfschmerzen, G44, Kopf und Nerven