Wann ist der beste Zeitpunkt, eine Dialyse zu beginnen?

Foto von älterem Mann beim Telefonieren
PantherMedia / Anna Lurye

Üblicherweise wird eine begonnen, sobald die Nieren versagen und es zu typischen Symptomen kommt. Solange noch keine starken Beschwerden bestehen, kann mit der abgewartet werden – das kann helfen, die optimal vorzubereiten.

Bei einer chronischen Nierenerkrankung im letzten Stadium sprechen Fachleute vom terminalen Nierenversagen. Erfüllen die Nieren ihre Aufgaben nicht mehr ausreichend, sammeln sich schädliche Stoffe im Körper an (Urämie). Typische Beschwerden bei Nierenversagen sind unter anderem:

  • Gewichtsverlust
  • Hautverfärbungen und Körpergeruch nach Urin
  • Atemnot, Schmerzen in der Brust, unregelmäßiger Puls
  • Verwirrtheit und Bewusstlosigkeit

Wann wird eine Dialyse begonnen?

Um herauszufinden, ob ein Nierenversagen droht oder eingetreten ist, werden Menschen mit chronischer Nierenerkrankung regelmäßig untersucht. Dabei achten Ärztinnen und Ärzte auf die oben beschriebenen Beschwerden. Zusätzlich kontrollieren sie die Nierenfunktion mithilfe eines Laborwerts, der glomerulären Filtrationsrate (GFR).

Bei Menschen mit gesunder Nierenfunktion liegt der GFR-Wert zwischen 85 und 135 ml/min/1,73 m2 Körperoberfläche. Mit zunehmendem Alter sinkt er ab – dies ist normal und muss kein Hinweis auf eine sein.

Werden die Nieren aber bei einer chronischen Nierenerkrankung immer schwächer, sinkt auch der GFR-Wert weiter ab. Wann eine Dialyse nötig wird, richtet sich aber nicht nach einem bestimmten GFR-Wert. Ausschlaggebend sind vielmehr Beschwerden, die für ein Nierenversagen sprechen – oder wenn Blutdruck und Wasserhaushalt entgleisen. Fehlen solche Symptome, kann mit der noch abgewartet werden. Bei einem GFR-Wert zwischen 5 und 10 ml/min/1,73 m2 treten die typischen Beschwerden jedoch bei den meisten Erkrankten auf.

Hat ein früher Dialysebeginn Vorteile?

Die Frage, wann eine idealerweise anfangen sollte, wurde auch in einer Studie untersucht. An der Studie hatten über 800 Erwachsene mit chronischer Nierenerkrankung im fortgeschrittenen Stadium teilgenommen. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt: In einer Gruppe startete die Dialysebehandlung früher – im Durchschnitt bei GFR-Werten von 9 ml/min/1,73 m2. In der Vergleichsgruppe wurde erst später mit der begonnen. Der GFR-Wert war dann im Schnitt bereits auf 7,2 ml/min/1,73 m2 abgesunken.

Der Vergleich beider Teilnehmergruppen zeigte keine Unterschiede zwischen frühem und spätem Dialysebeginn: Es gab keinen Unterschied zum Beispiel bei Todesfällen oder Herzinfarkten. Auch Entzündungen des arteriovenösen Zugangs (Shunt, siehe unten) traten gleich häufig auf.

Bestehen noch keine Beschwerden, die eine dringlich machen, kann man damit also noch etwas warten und diese Zeit nutzen, um die Behandlung in Ruhe vorzubereiten.

Was ist zur Planung einer Dialyse nötig?

Eine ist eine lebensbegleitende und wird zu einem Teil des Alltags. Bereits die Entscheidung, welches Verfahren für einen persönlich das Beste ist, benötigt Zeit. Das gilt auch für die Vorbereitungen, zum Beispiel die nötigen chirurgischen Eingriffe. Bei der Peritonealdialyse muss ein in die Bauchhöhle eingelegt und an der Bauchdecke fixiert werden. Nach einer Einheilungszeit des Katheters von zwei bis vier Wochen kann die Peritonealdialyse begonnen werden. Bei der Hämodialyse ist das operative Anlegen einer arteriovenösen Fistel (Shunt) notwendig. Sie ist eine Verbindung einer Vene und einer Arterie am Unterarm, die bei der Hämodialyse als Zugang zum Blutkreislauf genutzt wird. Der Eingriff wird am besten bereits Monate vor dem Dialysebeginn geplant. Denn vorher sind einige Untersuchungen nötig, und nach der Operation braucht die Fistel mehrere Wochen Zeit, um sich soweit auszubilden, dass sie dauerhaft genutzt werden kann.

Das Anlegen einer Fistel gelingt anscheinend besser, wenn Menschen rechtzeitig vor Beginn einer Dialysebehandlung an eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Nierenheilkunde (Nephrologie) überwiesen werden. Das fand eine Forschungsgruppe der anhand von 15 Studien mit insgesamt rund 5600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern heraus. Außerdem kam es seltener zu Komplikationen wie etwa Infektionen der Fistel. Durch Auswertung weiterer Studien konnte die Forschungsgruppe zudem herausfinden, dass die Lebenserwartung steigt, wenn eine Spezialistin oder ein Spezialist (Nephrologin oder Nephrologe) frühzeitig in die Behandlung eingebunden ist.

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Erstellt am 21. März 2018
Nächste geplante Aktualisierung: 2021

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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