Einleitung

Foto von Vater mit Kinderwagen (PantherMedia / Arne Trautmann) Wenn sich bei neugeborenen oder kleinen Jungen die Vorhaut nicht zurückschieben lässt, befürchten viele Eltern Unangenehmes. Sie denken an eine Vorhautverengung (Phimose) und machen sich Sorgen, dass ihr Kind jetzt operiert werden muss. Viele wissen jedoch nicht, dass rund 9 von 10 Jungen mit einer Vorhautverengung oder Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel zur Welt kommen und dies vollkommen normal ist. Die natürliche Verengung schützt die empfindliche Eichel in den ersten Lebensmonaten vor Reibung, Austrocknung und schädlichen Einflüssen wie Viren oder Bakterien.

Im Laufe der ersten drei Lebensjahre löst sich die Verklebung meist von selbst und die Vorhaut dehnt sich soweit, dass sie sich einfach und schmerzlos zurückziehen lässt. Nur wenn sich eine Vorhautverengung in späteren Lebensjahren nicht zurückbildet oder sogar bis zum Erwachsenenalter bestehen bleibt, sollte man sie behandeln.

Symptome

Bei einer Vorhautverengung lässt sich die Vorhaut nicht oder nur unter Schmerzen über die Eichel zurückziehen. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kann die Vorhautverengung außerdem bei einer Erektion oder beim Geschlechtsverkehr zu Schmerzen führen. Hin und wieder kann es auch zu einer ballonartigen Schwellung unter der Vorhaut kommen, wenn sich der Urin beim Toilettengang wegen der zu engen Öffnung aufstaut. 

Jugendliche oder Erwachsene mit einer Phimose können die Eichel und den Bereich unter der Vorhaut nur schwer waschen. Deshalb siedeln sich an diesen Stellen leicht Bakterien oder Pilze an. Diese können zu Entzündungen der Eichel oder der Vorhaut führen.

 

Grafik: Phimose: Teil- und Vollverklebung zwischen Vorhaut und EichelPhimose: Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel

Ursachen

Man unterscheidet verschiedene Formen der Vorhautverengung. Die Ursache einer „natürlichen“ Phimose kann entweder eine zu enge Öffnung der Vorhaut oder aber Verklebungen zwischen Vorhaut und Eichel sein. Natürliche Vorhautverengungen oder -verklebungen bilden sich bei den meisten Jungen innerhalb der ersten drei Lebensjahre zurück.

 

Grafik: Die Vorhaut lässt sich nicht über die Eichel zurückziehen - wie im Text beschrieben

 

Bleibt die Vorhautverengung in späteren Lebensjahren bestehen und lässt sich durch eine konservative Behandlung nicht heilen, spricht man von einer „primären“ Phimose.

Eine „sekundäre“ Phimose entsteht durch Vernarbungen der Vorhaut. Sie können sich durch wiederholte Entzündungen oder bestimmte Hauterkrankungen bilden. Oft führen aber auch Verletzungen wie zum Beispiel kleine Risse, die beim gewaltsamen Zurückziehen der Vorhaut auftreten, zu einer Vernarbung und sekundären Phimose.

Häufigkeit

Man schätzt, dass rund 96 % aller Jungen mit einer natürlichen Vorhautverengung zur Welt kommen. Mit einem Jahr haben noch circa 50 % der Jungen eine verengte Vorhaut, mit drei Jahren etwa 10 %. Im Alter von 16 Jahren hat nur noch einer von 100 Jugendlichen damit zu tun.

Folgen

Versucht man, die zu enge Vorhaut mit Gewalt zurückzuschieben, kann es zu Einrissen, kleinen Verletzungen und in seltenen Fällen auch zu einer „Paraphimose“ kommen. Dabei lässt sich die Vorhaut nicht mehr über die Eichel zurückschieben und schnürt die Blutzufuhr ab. Da die Eichel dann in Ausnahmefällen absterben kann, handelt es sich bei der Paraphimose – auch „spanischer Kragen“ genannt – um einen Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

 

Grafik: Die Vorhaut lässt sich nicht mehr über die Eichel zurückschieben und schnürt die Blutzufuhr ab - wie im Text beschrieben

Diagnose

In den meisten Fällen stellen die Eltern des Kindes oder später die Kinder oder Jugendlichen selbst fest, dass sich die Vorhaut nicht zurückschieben lässt. Eine Ärztin oder ein Arzt wird dann untersuchen, ob es sich bei der Vorhautverengung um eine primäre Phimose handelt oder ob Vernarbungen oder Hauterkrankungen die Ursache sind. Abhängig von der Diagnose wird dann entschieden, ob und wie die Phimose behandelt werden muss.

Behandlung

Bei Kleinkindern ist eine Behandlung der natürlichen Vorhautverengung erst einmal nicht nötig. Eltern sollten nicht versuchen, die Vorhaut selbst mit Kraft zurückzuziehen. Das kann für das Kind schmerzhaft sein und Verletzungen verursachen, die zu Narben und später zu einer sekundären Phimose führen können. Zur Reinigung reicht es aus, den Penis von außen mit warmem Wasser und milder Seife oder Duschcreme zu waschen.

Sollte sich die Vorhautverengung nach dem dritten Lebensjahr noch nicht zurückgebildet haben, ist ärztlicher Rat wichtig. Die Ärztin oder der Arzt wird nach der Untersuchung beraten, ob eine Behandlung nötig ist, oder ob man noch etwas abwarten kann.

Bei den meisten Kindern wird eine Phimose mit einer kortisonhaltigen Salbe behandelt. Dies wird auch als „konservative Therapie“ bezeichnet – wie alle Behandlungen, für die keine Operation nötig ist. Die Salbe wird zweimal täglich für vier bis acht Wochen auf die Vorhaut aufgetragen. Ab der dritten Woche können die Eltern versuchen, die Vorhaut des Kindes ganz behutsam zurückzuschieben, um sie weiter zu dehnen. Dabei ist es wichtig aufzupassen, dass es nicht zu Verletzungen kommt. Die Salbe kann nun auch auf den Bereich der Eichel, der beim Zurückziehen der Vorhaut frei liegt, aufgetragen werden. Danach wird die Vorhaut wieder nach vorne gestreift. Bei den meisten Kindern führt diese Behandlung bereits zum Erfolg. Sie muss aber häufig nach einiger Zeit wiederholt werden, um die Vorhautverengung dauerhaft zu beseitigen.

Wenn die konservative Therapie die Verengung nicht lösen kann, kommt eine kleine Operation infrage. Sie wird Beschneidung (Zirkumzision) genannt. Der Eingriff ist auch sinnvoll, wenn ein Junge Probleme beim Wasserlassen oder wiederkehrende Entzündungen hat. Immer operiert wird bei einer durch Vernarbung entstandenen Vorhautverengung (sekundäre Phimose) sowie bei einer Vorhauteinschnürung (Paraphimose).

Bei der Operation wird die Vorhaut entweder nur zum Teil oder ganz entfernt. Bei einer Teilbeschneidung kann es erneut zu einer Verengung kommen, nach der kompletten Entfernung ist dies ausgeschlossen.

Operationen zur Beseitigung einer Vorhautverengung sind Routineeingriffe. Kinder werden häufig unter Vollnarkose, Jugendliche und Erwachsene manchmal auch unter örtlicher Betäubung operiert.

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