Einleitung

Foto von Vater und Tochter mit Kinderwagen (PantherMedia / Arne Trautmann) Wenn sich bei neugeborenen oder kleinen Jungen die Vorhaut nicht zurückschieben lässt, befürchten viele Eltern Unangenehmes: Sie denken an eine Vorhautverengung (Phimose) und machen sich Sorgen, dass ihr Kind jetzt operiert werden muss. Viele wissen jedoch nicht, dass fast alle Jungen mit einer Vorhautverengung oder Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel zur Welt kommen. Die natürliche Verengung schützt die empfindliche Eichel in den ersten Lebensmonaten vor Reibung, Austrocknung und schädlichen Einflüssen wie Viren oder Bakterien.

Im Laufe der ersten drei bis vier Lebensjahre löst sich die Verklebung meist von selbst und die Vorhaut dehnt sich allmählich, so dass sie sich immer einfacher und schmerzlos zurückziehen lässt. Nur wenn sich eine Vorhautverengung nicht von selbst zurückbildet, sollte man sie behandeln.

Symptome

Bei einer Vorhautverengung lässt sich die Vorhaut nicht oder nur unter Schmerzen über die Eichel zurückziehen.

Hin und wieder können Eltern auch eine ballonartige Schwellung unter der Vorhaut erkennen, wenn ihr Kind pinkelt: Dann staut sich wegen der zu engen Öffnung der Urin an.

Beschwerden wie Schmerzen, Schwellungen und Rötungen treten meist erst auf, wenn die Verengung bis ins Jugend- oder gar Erwachsenenalter bestehen bleibt und es zu Folgen wie Entzündungen kommt.

 

Grafik: Phimose: Teil- und Vollverklebung zwischen Vorhaut und EichelPhimose: Verklebung zwischen Vorhaut und Eichel

Ursachen

Man unterscheidet verschiedene Formen der Vorhautverengung: Wenn sich die natürliche Vorhautverengung oder -verklebung nicht im Laufe der ersten Lebensjahre zurückbildet, spricht man von einer primären Phimose. Ihre Ursachen sind unklar.

 

Grafik: Die Vorhaut lässt sich nicht über die Eichel zurückziehen - wie im Text beschrieben

 

Eine sekundäre Phimose entsteht durch Vernarbungen der Vorhaut. Sie können sich durch wiederholte Entzündungen oder bestimmte Hauterkrankungen bilden. Oft führen aber auch Verletzungen wie zum Beispiel kleine Risse, die beim gewaltsamen Zurückziehen der Vorhaut auftreten, zu einer Vernarbung und sekundären Phimose.

Häufigkeit

Man schätzt, dass etwa 96 von 100 männlichen Neugeborenen mit einer natürlichen Vorhautverengung zur Welt kommen. Diese natürliche Verengung bildet sich in den ersten Lebensjahren zurück. In der Pubertät haben nur noch wenige Jungen damit zu tun: Im Alter von 16 Jahren hat nur noch einer von 100 Jungen eine Phimose.

Folgen

Durch die Verengung kann es zu Problemen beim Wasserlassen kommen. Bleibt die Phimose bis zur Pubertät oder gar bis zum Erwachsenenalter bestehen, sind auch Schmerzen bei einer Erektion und beim Geschlechtsverkehr möglich. Jugendliche oder Erwachsene mit einer Phimose können die Eichel und den Bereich unter der Vorhaut außerdem nur schwer waschen. Deshalb siedeln sich an diesen Stellen leicht Bakterien oder Pilze an. Diese können zu Entzündungen der Eichel oder der Vorhaut führen.

Versucht man, die zu enge Vorhaut mit Gewalt zurückzuschieben, kann es zu Einrissen, kleinen Verletzungen und in seltenen Fällen auch zu einer „Paraphimose“ kommen. Dabei lässt sich die Vorhaut nicht mehr über die Eichel zurückschieben und schnürt die Blutzufuhr ab. Da die Eichel dann in Ausnahmefällen absterben kann, handelt es sich bei der Paraphimose – auch „spanischer Kragen“ genannt – um einen Notfall, der sofort ärztlich behandelt werden muss.

 

Grafik: Die Vorhaut lässt sich nicht mehr über die Eichel zurückschieben und schnürt die Blutzufuhr ab - wie im Text beschrieben

Diagnose

In den meisten Fällen stellen die Eltern des Kindes oder später die Kinder oder Jugendlichen selbst fest, dass sich die Vorhaut nicht zurückschieben lässt. Eine Ärztin oder ein Arzt wird dann untersuchen, ob es sich bei der Vorhautverengung um eine primäre Phimose handelt oder ob Vernarbungen oder Hauterkrankungen die Ursache sind. Abhängig von der Diagnose und dem Alter des Jungen wird dann entschieden, ob und wie die Phimose behandelt werden muss.

Behandlung

Bei Kleinkindern ist eine Behandlung der natürlichen Vorhautverengung erst einmal nicht nötig. Eltern sollten nicht versuchen, die Vorhaut selbst mit Kraft zurückzuziehen. Das kann für das Kind schmerzhaft sein und Verletzungen verursachen, die zu Narben und später zu einer sekundären Phimose führen können. Zur Reinigung reicht es aus, den Penis von außen mit warmem Wasser und milder Seife oder Duschcreme zu waschen.

Sollte sich die Vorhautverengung nicht von selbst zurückbilden und etwa zu Beschwerden beim Wasserlassen führen, ist ärztlicher Rat sinnvoll. Die Ärztin oder der Arzt wird nach der Untersuchung beraten, ob eine Behandlung nötig ist, oder ob man noch etwas abwarten kann.

Bei den meisten Kindern wird eine Phimose mit einer kortisonhaltigen Salbe behandelt. Diese „konservative Therapie“ dauert mehrere Wochen und kann den meisten Kindern helfen.

Wenn die Behandlung mit Salbe die Verengung nicht lösen kann, kommt eine kleine Operation infrage. Sie wird Beschneidung (Zirkumzision) genannt. Der Eingriff ist auch sinnvoll, wenn sich die Vorhaut immer wieder entzündet, die Phimose durch Vernarbung entstanden ist oder zu einer Einschnürung der Vorhaut (Paraphimose) geführt hat. Operationen zur Beseitigung einer Vorhautverengung sind Routineeingriffe. Dabei werden Kinder unter Vollnarkose, Jugendliche und Erwachsene manchmal auch unter örtlicher Betäubung operiert.

Mehr Wissen

Weitere Informationen

Die Haus- oder Kinderarztpraxis ist meist die erste Anlaufstelle, wenn man krank ist oder bei einem Gesundheitsproblem ärztlichen Rat braucht. Wir informieren darüber, wie man die richtige Praxis findet, wie man sich am besten auf den Arztbesuch vorbereitet und was dabei wichtig ist.

Schlagwörter: Beschneidung, Kind und Familie, Männergesundheit, N47, Phimose, Vorhautverengung, Zirkumzision