Reisedurchfall

Foto von Frau in Hängematte am Palmenstrand (PantherMedia / eddiephotograph) Reist man in ferne Länder, müssen sich Magen und Darm oft erst an ungewohnte Lebensmittel und Zubereitungen gewöhnen. Durchfall kommt auf Fernreisen häufig vor. Er dauert normalerweise nur ein paar Tage an, eine Behandlung ist meistens nicht nötig. Einige Verhaltensregeln können helfen, das Durchfall-Risiko auf Reisen zu senken.

Wer in ein Land mit feucht-heißem Klima reist, bekommt leicht Durchfall. Das hat verschiedene Gründe: So können ungewohntes Essen, scharf gewürzte Gerichte und exotische Zutaten Magen und Darm strapazieren. Niedrige Hygienestandards, hohe Temperaturen und unzureichende Kühlung machen es Bakterien leicht, sich in Nahrungsmitteln oder Wasser zu vermehren. Sie sind die häufigsten Auslöser von Reisedurchfall. Aber auch Viren können durch Lebensmittel oder Wasser übertragen werden.

Bei starkem oder länger anhaltendem Durchfall ist es besonders wichtig, den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Wenn sich die Beschwerden nicht bessern oder in den Tagen oder Wochen nach einer Fernreise starker Durchfall auftritt, ist ein Arztbesuch ratsam.

Wie kann man Durchfall auf einer Reise vorbeugen?

Krankheitserreger verbreiten sich häufig über Lebensmittel oder durch eine Schmierinfektion – zum Beispiel durch Berühren von verunreinigten Gegenständen mit der Hand, die dann zum Mund geführt wird. Um sich auf Reisen vor Durchfall zu schützen, ist es deshalb besonders wichtig, sich oft und gründlich die Hände zu waschen. Außerdem sollte man sich mit ungewaschenen Händen möglichst nicht ins Gesicht fassen.

Je nach Reiseland können folgende Verhaltensregeln helfen, das Risiko einer Darminfektion zu verringern:

  • Regelmäßig die Hände waschen, vor allem vor dem Essen sowie nach jedem Toilettengang. Desinfizierende Tücher oder Lotionen im Handgepäck helfen, wenn Händewaschen unterwegs nicht möglich ist. Wenn vorhanden, Einmalhandtücher aus Papier verwenden.
  • Kein Leitungswasser, sondern nur abgepackt gekauftes Wasser aus Flaschen oder Behältern mit intaktem Schraubverschluss trinken. Auch auf Eiswürfel und mit Wasser verdünnte Getränke verzichten.
  • Zum Zähneputzen und Mundspülen ebenfalls nur abgepacktes Wasser verwenden.
  • Kein Wasser aus Brunnen, Flüssen und Bächen (auch an Quellen), Wasserfällen oder stehenden Gewässern trinken.
  • Obst, rohes Gemüse, Salat und Kräuter nur essen, wenn sie selbst geschält beziehungsweise mit abgepacktem Wasser gründlich gewaschen wurden.
  • Fleisch und Fisch nur gut gekocht oder durchgebraten verzehren.
  • Kontakt mit Tieren meiden, da sie ebenfalls Bakterien oder Viren übertragen können.
  • Fliegen von den Nahrungsmitteln fernhalten.

Kann man sich durch Impfungen schützen?

Allgemein ist es sinnvoll, sich vor einer Fernreise zu erkundigen, welche Impfungen für das Reiseland oder -gebiet empfohlen werden. Allerdings stehen gegen die Erreger, die häufig Reisedurchfall auslösen, keine Impfstoffe zur Verfügung.

Bei Reisen in gefährdete Regionen wird zu einer Cholera-Impfung geraten. Der Schluckimpfstoff wird aber nur bei Langzeitaufenthalten unter schlechten hygienischen Bedingungen oder bei medizinischen Tätigkeiten in gefährdeten Gebieten empfohlen. Oft heißt es, dass der Cholera-Impfstoff auch das Risiko einer ETEC-Infektion mindern kann. Dies ist aber wissenschaftlich umstritten.

Welche Bakterien können Durchfall auslösen?

Auf Reisen in warme Länder können es Reisende neben den auch in Deutschland verbreiteten Salmonellen und Campylobacter mit weiteren Bakterien zu tun bekommen. Sie können zum Beispiel folgende Infektionen verursachen:

  • ETEC: Bakterien der Sorte „enterotoxische Escherichia coli“ werden über rohe oder nicht durchgegarte Lebensmittel, nicht abgepackte Fruchtsäfte oder Rohmilch übertragen. Der Kot von Rindern und anderen Wiederkäuern kann ebenfalls infektiös sein. Die Bakterien finden sich manchmal auch in Gewässern. Drei bis zehn Tage nach der Ansteckung kommt es in der Regel zu wässrigen Durchfällen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und gelegentlich zu Fieber.
  • Shigellose, auch Bakterienruhr genannt: Shigellen werden über eine Schmierinfektion, verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel übertragen. Auch Fliegen können die Bakterien verbreiten. Etwa zwölf Stunden bis vier Tage nach der Ansteckung beginnt die Erkrankung meist als wässriger Durchfall mit Bauchkrämpfen. Bei schweren Verläufen kann sich der Darm entzünden, der Durchfall wird eitrig-blutig und es tritt Fieber auf.
  • Cholera: Das Risiko, bei einer Urlaubs-Fernreise an Cholera zu erkranken, ist sehr niedrig. Cholera-Bakterien werden über Wasser, rohe Lebensmittel und Ausscheidungen von Erkrankten übertragen. Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist eher selten. Die Erkrankung beginnt zwei bis drei Tage nach der Ansteckung mit wässrigen Durchfällen und massivem Erbrechen, was sehr schnell zur Austrocknung führen kann. Ohne Behandlung kann eine Cholera lebensbedrohlich werden.

Bei Erkrankungen wie Typhus oder Malaria, die meist mit hohem Fieber einhergehen, kann Durchfall als begleitendes Symptom auftreten.

Welche Parasiten kommen vor?

Die häufigste Parasiteninfektion in tropischen Ländern ist eine Giardiasis, auch Lamblienruhr genannt. Die zweithäufigste Infektion ist die Kryptosporidiose. Die Parasiten (Giardien / Lamblien und Kryptosporidien) werden durch Schmierinfektion, Lebensmittel und Trinkwasser übertragen und finden sich auch in stehenden Gewässern.

Bei einer Giardiasis treten etwa eine Woche nach der Ansteckung ein Druckgefühl im oberen Bauch, leichte Übelkeit und Blähungen auf. Die Durchfälle sind vergleichsweise mild, können aber über Wochen anhalten und von Erbrechen begleitet sein. Oft wird über ein lautes „Plätschern“ im Bauch, Müdigkeit und Gewichtsabnahme berichtet.

Bei der Kryptosporidiose können nach sieben bis zehn Tagen nach der Ansteckung wässrige Durchfälle auftreten. Weitere mögliche Symptome sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber oder Gewichtsverlust. Die Infektion kann aber auch unbemerkt bleiben.

Welche Viruserkrankungen können auftreten?

Noro- und Rotaviren sind weltweit verbreitet – mit ihnen ist überall zu rechnen. Ein bis drei Tage nach der Ansteckung löst das Rotavirus oft plötzlich auftretende wässrige Durchfälle aus (der Stuhl ist häufig mit Schleim durchmischt). Erbrechen, Bauchschmerzen, manchmal auch Fieber und Atembeschwerden können hinzukommen. Die Erkrankung dauert in der Regel zwei bis sechs Tage.

Eine Infektion mit dem Norovirus führt nach sechs Stunden bis zwei Tagen zu starken Durchfällen, schwallartigem heftigem Erbrechen und Bauchschmerzen. Beschwerden wie Übelkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit sowie eine leicht erhöhte Körpertemperatur können hinzukommen. Die Beschwerden halten normalerweise höchstens zwei Tage an.

Bei welchen Erkrankungen werden Medikamente empfohlen?

Wenn trotz Darminfektion längere Fahrten geplant sind, etwa mit dem Bus, können die Wirkstoffe Loperamid oder Racecadotril helfen, den Durchfall zu vermindern. Für Kinder unter zwölf Jahren ist Loperamid nicht geeignet. Racecadotril ist in niedriger Dosierung als Pulver für Kinder geeignet, aber rezeptpflichtig.

Gegen bakterielle Infektionen werden häufig Antibiotika empfohlen. In Studien waren sie gegen Salmonellen wirkungslos. Ob Antibiotika bei Shigellose oder Cholera helfen können, die Dauer der Beschwerden zu verkürzen, ist noch nicht abschließend geklärt.

Auch bei einer Giardiasis werden meist Antibiotika eingesetzt. Bei einer Kryptosporidiose ist in der Regel eine Flüssigkeitszufuhr ausreichend. 

Was kann man selbst gegen Durchfall tun?

Bei Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit und Salze. Schwitzen bei tropischen Temperaturen verstärkt diesen Effekt. Deshalb ist es am wichtigsten, möglichst viel zu trinken und den Salz- und Zuckerverlust auszugleichen. Dies gilt ganz besonders für Säuglinge, Kinder und ältere Menschen, denn bei ihnen ist das Risiko einer Austrocknung durch Durchfall höher als bei gesunden Erwachsenen.

Häufig wird empfohlen, eine sogenannte orale Rehydratationslösung aus der Apotheke oder Drogerie mit auf die Reise zu nehmen. Das Auswärtige Amt empfiehlt als Ersatz, folgende Zutaten in 1 Liter abgekochtes Wasser zu geben und darin zu verrühren:

  • 4 Teelöffel Zucker,
  • ¾ TL Salz und
  • ein Glas abgepackten Orangensaft.

Manchmal werden auch Kohletabletten oder ein Mittel aus einer bestimmten Hefe (Perenterol) empfohlen. Sie sollen den Stuhl verdicken. Allerdings ist unklar, ob diese Mittel helfen können, denn keins von ihnen wurde bisher wissenschaftlich ausreichend untersucht. Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem sollten keine hefehaltigen Präparate einnehmen.

Um Magen und Darm nicht zusätzlich zu belasten, kann es sinnvoll sein, während einer Infektion auf fettige und scharfe Speisen, Alkohol oder Kaffee zu verzichten. Häufig wird auch magenschonende Kost empfohlen wie Reis, Bananen oder Zwieback.

Wann ist ärztlicher Rat nötig?

Bei folgenden Symptomen ist ein Arztbesuch ratsam:

  • Blut oder Schleim im Stuhl
  • hohes Fieber, häufiges Erbrechen, starke Schmerzen oder Kreislaufprobleme
  • starker Durchfall, der länger als 48 Stunden anhält, vor allem bei Kindern und älteren Erwachsenen
  • Zeichen eines hohen Flüssigkeitsverlusts

Ein zu hoher Flüssigkeitsverlust macht sich wie folgt bemerkbar:

  • Der Allgemeinzustand verschlechtert sich.
  • Augen, Wangen oder Gesicht sind eingefallen.
  • Atmung oder Herzschlag sind schneller als normal.
  • Die Haut ist nicht mehr elastisch: Wenn man sie am Arm oder Bauch leicht zusammendrückt, wird sie danach nicht gleich wieder glatt, sondern es bleibt eine kleine Falte stehen.
  • Starker Durst, Benommenheit, dunkler Urin oder fehlender Harndrang sowie trockene Augen, Lippen oder eine trockene Zunge.
  • Bei älteren Menschen treten manchmal auch Brustschmerzen oder Muskelkrämpfe auf.

Wo findet man zuverlässige Gesundheitsinformationen zu Fernreisen?

Die folgenden Institutionen bieten auf ihrer Website zum Teil umfassende Informationen und Empfehlungen zu Reiseländern, Erkrankungen, Impfungen, Vorbeuge- und Behandlungsmöglichkeiten an: