Magen-Darm-Infektionen vorbeugen

Foto von Mann mit Kreislaufproblemen
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Magen-Darm-Infektionen sind sehr ansteckend. Meist werden sie durch Viren oder verursacht und durch eine Tröpfchen- oder übertragen. Um eine Ansteckung zu vermeiden, ist es wichtig, sich oft die Hände zu waschen und vor allem in der Küche auf gute Hygiene zu achten. Für Säuglinge unter sechs Monaten wird eine gegen Rotaviren empfohlen.

In Deutschland werden Magen-Darm-Infektionen am häufigsten von Noroviren ausgelöst, Säuglinge und kleine Kinder stecken sich oft auch mit Rotaviren an. Bei Erwachsenen sind auch bakterielle Magen-Darm-Infektionen verbreitet. Deren Ursache sind meistens verunreinigte oder verdorbene Lebensmittel.

Welche Viren oder Bakterien die Auslöser sind, lässt sich meist nur schwer sagen, da sich viele Symptome und Beschwerden ähneln. Oft kommt es zu plötzlichen starken Beschwerden wie Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen, die auch von Fieber begleitet sein können. Die Symptome verschwinden aber in der Regel nach ein paar Tagen wieder.

Doch ganz gleich um welche es sich handelt: Wer im Umgang mit Erkrankten und bei der Zubereitung von Lebensmitteln einige einfache Regeln beachtet, kann das Risiko für eine Ansteckung senken.

Warum ist Händewaschen so wichtig?

Noro- und Rotaviren werden meist durch Kontakt mit virenhaltigem Stuhl oder Erbrochenem weitergegeben – zum Beispiel bei der Betreuung eines erkrankten Kindes. Zudem können Noroviren beim Erbrechen durch kleine Tröpfchen direkt über die Luft auf andere Menschen übertragen werden. Rotaviren werden noch etwa acht Tage nach Abklingen der Beschwerden mit dem Stuhl ausgeschieden, Noroviren normalerweise bis zu 14 Tage.

Die Viren können sich auch auf Toiletten, Türgriffen oder Kleidungsstücken befinden, wo sie viele Tage überleben. Werden verunreinigte Gegenstände angefasst und die Hand dann zum Mund geführt, ist eine indirekte Ansteckung möglich. Um sich vor einer Ansteckung zu schützen, ist es deshalb besonders wichtig, sich regelmäßig und gründlich die Hände zu waschen.

Wenn Viren über Tröpfchen, Gegenstände oder Hände in Lebensmittel gelangen, können auch sie zu einer Ansteckung führen. Wer Durchfall hat, sollte deshalb für andere keine Speisen zubereiten und sich ebenfalls oft die Hände waschen.

Allgemein ist eine gute Hygiene der beste Schutz. Dabei ist neben dem Händewaschen vor allem folgendes wichtig:

  • Stuhl oder Erbrochenes am besten sofort beseitigen und die Toilette reinigen. Dabei können Handschuhe und ein Mundschutz vor Ansteckung schützen.
  • Bett- und andere Wäsche, Handtücher und Waschlappen, aber auch Geschirr bei mindestens 60 Grad waschen oder spülen.
  • Das Schlafzimmer eines Erkrankten möglichst oft lüften.

Was ist bei der Zubereitung von Speisen zu beachten?

Bakterielle Durchfallerkrankungen werden am häufigsten durch Campylobacter ausgelöst. Die können sich auf rohem Fleisch ansiedeln, meistens auf Geflügel-, aber auch in Hackfleisch. Die Keime können zudem in Rohmilch oder Milchprodukten zu finden sein. Eine Ansteckung über den Kot infizierter Haustiere oder über verschmutzte Gewässer ist ebenfalls möglich.

Um einer Campylobacter-Infektion vorzubeugen, ist eine gute Küchenhygiene wichtig. Das Auftauwasser von gefrorenem Geflügel und anderen Fleischsorten sollte direkt entfernt werden. Wichtig ist, Fleisch gut durchzugaren, um die sicher abzutöten. Schneidebretter, auf denen rohes Fleisch zubereitet wurde, sollten nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und Küchenhandtücher mit mindestens 60 Grad gewaschen werden.

Auch Salmonellen werden meist durch rohe Lebensmittel übertragen. Speisen mit rohen Eiern wie Mayonnaise und Cremes, Speiseeis sowie nicht ausreichend erhitztes Fleisch sind die häufigsten Quellen für eine Salmonelleninfektion. Die können ebenfalls durch unzureichende Küchenhygiene ins Essen gelangen, zum Beispiel wenn auf einem Brett zunächst rohes Fleisch geschnitten wird und danach Rohkost.

Durch verunreinigte, nicht durchgegarte Fleischprodukte, Milch oder Wasser können auch Yersinien übertragen werden. Ein anderer Erreger, der über rohe Lebensmittel, ungewaschenes Obst oder Gemüse und nicht abgepackte Säfte übertragen werden kann, ist EHEC (enterohämorrhagische Escherichia coli). Die finden sich manchmal auch in Gewässern. Meist erkranken Kinder und Säuglinge an einer EHEC-Infektion.

Welche Impfungen gibt es zur Vorbeugung?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, Säuglinge unter sechs Monaten gegen Rotaviren impfen zu lassen. Dazu stehen zwei verschiedene Impfstoffe zur Verfügung. Derzeit geht man davon aus, dass die Schluckimpfung gegen Rotaviren etwa 2 bis 3 Jahre schützt.

Aktuelle Studien zeigen, dass im Zeitraum von bis zu zwei Jahren

  • etwa 49 von 1000 nicht geimpften Kindern an einer schweren Rotaviren-Infektion erkranken, aber nur
  • ungefähr 8 von 1000 geimpften Kindern.

Als Nebenwirkungen einer Rotaviren-Impfung können leichter Durchfall, Erbrechen oder erhöhte Temperatur auftreten. Sie klingen in der Regel schnell wieder ab.

Für ältere Kinder und Erwachsene wird die nicht empfohlen. Eine gegen Noroviren gibt es nicht.

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Aktualisiert am 04. Dezember 2019
Nächste geplante Aktualisierung: 2022

Autoren/Herausgeber:

Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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