Die physikalische Therapie umfasst Behandlungen, die physikalische Einflüsse wie Druck, Zug, Wärme, Kälte oder Elektrizität nutzen, um auf den Körper einzuwirken. Die Therapien sollen Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern oder die Beweglichkeit verbessern. Physikalische Therapien werden meist im Rahmen einer Physiotherapie von Physiotherapeuten, Masseuren oder medizinischen Bademeistern angewendet.

Zu den gängigen physikalischen Therapiemethoden gehören zum Beispiel Massagen, Behandlungen mit Strom oder Ultraschall, Bäder und Inhalationen, Wärme- oder Kältepackungen. Die im folgenden aufgeführten Verfahren sind Beispiele für häufig angewendete physikalische Behandlungen.

Massagetherapie

Bei einer Massage wird mit verschiedenen Grifftechniken Druck auf die Haut und das Bindegewebe, die Muskeln und Sehnen ausgeübt. Dies regt die Durchblutung an und soll Verspannungen und Verklebungen lösen. Massagen beeinflussen das Nervensystem, können aber auch innere Organe anregen.

Es gibt viele verschiedene Massageformen und -verfahren – von der klassischen (schwedischen) Massage bis zu fernöstlichen Massagemethoden. Sie arbeiten mit verschiedenen Techniken oder konzentrieren sich auf bestimmte Körperbereiche. Bei manchen kommen Hilfsmittel oder ergänzende äußerliche Behandlungen zum Einsatz. Zum Beispiel liegt man bei der Unterwasser-Druckstrahlmassage in einer Wanne mit warmem Wasser und wird vom Therapeuten mit einem kräftigen Wasserstrahl aus einem Schlauch massiert.

Manuelle Lymphdrainage

Die Lymphdrainage ist eine spezielle Form der manuellen Behandlung. Sie wird angewendet, um Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) und Schwellungen abzubauen. Meist bilden sie sich in den Armen oder Beinen. Die Therapeutin oder der Therapeut unterstützt mit speziellen Handgriffen den Abtransport der überschüssigen Flüssigkeit durch die Gefäße. Je nach Verordnung wird nach der Behandlung manchmal ein Verband angelegt, um zu verhindern, dass sich erneut Flüssigkeit im Gewebe staut (Kompressionsverband).

Traktionsbehandlung

Bei dieser Therapie wird nicht mit Druck, sondern mit Zug (Traktion) behandelt. Durch das „Ziehen“ an einem Gelenk kann die Gelenkflüssigkeit besser verteilt werden. Dies soll Schmerzen lindern und die Beweglichkeit fördern. Die Behandlung kommt beispielsweise bei Wirbelsäulenbeschwerden oder Arthrose infrage.

Mit Zug kann im Liegen auf einem sogenannten Schlingentisch behandelt werden. Dabei werden die zu behandelnden Körperteile in Schlaufen eingehängt, die über der Liege an einem stabilen Drahtgestell befestigt sind. Die Schlaufen werden dann hochgezogen und das Körperteil gestreckt.

Elektrotherapie

Bei der Elektrotherapie wird schwacher elektrischer Strom durch einzelne Körperpartien geleitet. Dazu werden elektrische Kontakte (Elektroden) auf die Haut aufgesetzt, die die Stromreize übertragen.

Die eingesetzten Stromstärken sind vollkommen harmlos und meistens schmerzfrei. Der Stromreiz kann je nach Verfahren als leichtes Muskelzittern spürbar sein. Die Therapie soll unter anderem Schmerzen lindern, die Durchblutung fördern oder Muskelverspannungen lösen.

Spezielle Verfahren, die mit sogenannten Reizströmen arbeiten, werden auch bei der Behandlung von Lähmungserscheinungen eingesetzt. Sie regen die gelähmten oder geschwächten Muskeln an, sich zusammenzuziehen und wieder selbstständig zu arbeiten, damit sie nicht verkümmern.

Balneotherapie

In der Balneotherapie werden Behandlungen mit Bädern, Packungen oder Trinkkuren angeboten. Dabei können Bädern zum Beispiel Salze oder andere mineralische Stoffe zugesetzt sein, Packungen können aus pflanzlichen Stoffen wie Moor bestehen. Trinkkuren mit stark mineralhaltigem Quellwasser werden häufig in Kurbädern angeboten.

Bäder können auch mit Gasen angereichert werden: So badet man etwa bei einem Kohlensäurebad entweder in lauwarmem Wasser, in dem viel Kohlendioxidgas (CO2) gelöst ist. Oder der Körper wird in einer abgeschlossenen Wanne von CO2 umströmt. Das soll zu einer besseren Durchblutung der Haut führen.

Inhalationstherapie

Bei Erkrankungen der Atemwege kann unter Umständen eine Inhalationstherapie verordnet werden. Dazu wird Wasser in ein Inhalationsgerät gefüllt, zum Verdampfen gebracht und der Wasserdampf eingeatmet. Dem Wasser können unter anderem Salze oder ätherische Öle zugesetzt werden. Inhalationen sollen beispielsweise Husten und Entzündungen der Atemwege lindern.

Thermotherapie (Wärme- oder Kältetherapie)

Auch Wärme oder Kältereize werden zum Lindern von Schmerzen, Verspannungen oder Entzündungen eingesetzt.

Wärmebehandlungen nutzen zum Beispiel

  • Heißluft,
  • Wärmepackungen (Kissen mit hitzespeichernder Füllung wie Fango oder Wachs),
  • heiße Tücher, mit denen gezielt Wärmereize gesetzt werden (sogenannte heiße Rollen),
  • Wärmebäder oder
  • Ultraschall.

Kälte wird meist durch Kaltluft, Kältepackungen oder Eisbeutel zugeführt.

Vor allem Wärme kann wohltuend und entspannend wirken. Kälte wird auch zur Behandlung von Durchblutungsstörungen, Nervenreizungen und Entzündungen eingesetzt.

Thermotherapien werden in aller Regel in Verbindung mit anderen physiotherapeutischen Verfahren angewendet, zum Beispiel zur Vorbereitung von Massagen oder Bewegungsübungen.

Wie erhält man eine physikalische Therapie?

In Kliniken gehört eine physikalische Therapie oft zum Behandlungsplan und findet dann im Krankenhaus statt. Für eine ambulante Behandlung in einer Physiotherapie-Praxis braucht man ein ärztliches Rezept. Pro Rezept muss ein Eigenanteil von 10 Euro plus 10 % der Behandlungskosten gezahlt werden, sofern man nicht von der Zuzahlung befreit ist. Die Preise für einzelne Behandlungen sind unterschiedlich. Werden für eine Behandlung zum Beispiel 10 Euro berechnet, beträgt der Eigenanteil bei sechs Behandlungen 16 Euro (10 Euro plus 6 x 1 Euro).

Wurde eine physikalische Therapie ärztlich verordnet, wird sie bis auf den Eigenanteil häufig von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Im Rahmen einer Rehabilitation übernehmen die Unfallkassen oder die Rentenversicherung die Kosten.

Ein erstes Rezept beinhaltet bis zu sechs Einheiten von jeweils 15 bis 20 Minuten. Die Termine werden etwa 1- bis 3-mal pro Woche angeboten, je nach ärztlicher Verordnung. Zwischen den Behandlungsterminen ist ohne Begründung eine höchstens 14-tägige Pause möglich. Eine Pause bis zu 28 Tagen muss begründet werden. Bei einer noch längeren Pause verfallen die noch nicht wahrgenommenen Behandlungstermine.