Operation bei Hallux valgus

Foto von zwei Frauen beim Spaziergang

Verursacht ein Hallux valgus (Ballenzeh) starke Beschwerden, lassen sich diese häufig nur durch eine Operation lindern. Welche OP-Verfahren infrage kommen, hängt unter anderem davon ab, wie ausgeprägt die Fehlstellung ist.

Vielen Menschen bereitet ein Ballenzeh oder Hallux valgus keine oder nur geringe Beschwerden. Bei anderen verformt sich der Fuß immer mehr, schmerzt und erschwert das Gehen. Beschwerden können bei einem Hallux valgus mit konservativen Maßnahmen wie angepassten Schuhen und Schienen behandelt werden. Wie gut konservative Maßnahmen helfen, ist allerdings kaum in guten Studien untersucht. Wenn sich starke Beschwerden nicht bessern, kann eine Operation infrage kommen. Ziele eines Eingriffs sind,

  • die Schmerzen zu lindern,
  • die Belastbarkeit des Fußes zu erhöhen,
  • wieder normales Gehen zu ermöglichen,
  • das Aussehen des Fußes zu verbessern und
  • Arthrose sowie Hammer- und Krallenzehen vorzubeugen.

Wie läuft die Operation ab?

Es gibt verschiedene Methoden, einen Hallux valgus zu operieren. Bei fast allen Operationen werden die Sehnen und die Gelenkkapsel korrigiert, um die Stellung der Großzehe zu korrigieren. Anschließend werden der erste Mittelfußknochen und häufig auch das Grundglied der Großzehe durchtrennt und so verschoben, dass der Zeh wieder gerade steht. Bei starker Ausprägung können weitere Eingriffe notwendig sein. So kann beispielsweise das Großzehen-Grundgelenk oder das erste Mittelfußgelenk versteift werden.

Der Fuß wird meist mit Metallplatten, Schrauben, Drähten oder speziellen Verbänden stabilisiert. Ein Eingriff dauert zwischen 30 und 100 Minuten. Meist wird man im Krankenhaus operiert und bleibt dort für einige Tage. Der Eingriff kann aber auch gemacht werden.

Was passiert nach dem Eingriff?

In den ersten Wochen nach dem Eingriff muss der Fuß stabil gehalten werden. Dazu werden Verbände oder zusätzlich eine Schiene angelegt. Zudem wird ein Spezialschuh getragen, der den Vorfuß entlastet. Man kann den Fuß sofort nach der Operation vorsichtig belasten, sollte in der ersten Woche aber nur wenig laufen und den Fuß regelmäßig hochlagern, um Schwellungen vorzubeugen. Bei stärkeren Schwellungen werden manchmal Lymphdrainagen angeboten. Wie sehr der Fuß belastet werden kann, hängt davon ab, was genau operiert wurde und wie stark die Schmerzen sind. Da man in der ersten Zeit nach der Operation nur eingeschränkt belastbar ist, benötigen manche Menschen zu Hause Unterstützung, etwa bei der Hausarbeit oder beim Einkaufen. Es gibt unter anderem die Möglichkeit, für diese Zeit einen Pflegedienst zu organisieren.

Wenn die Wunde ausreichend verheilt ist, kann mit Zehenübungen begonnen werden. Nach einer Operation dauert es etwa 4 bis 6 Wochen, bis die Knochen stabil genug sind, um den Fuß wieder voll zu belasten. Im ersten Jahr nach dem Eingriff schwillt der Fuß leichter an. Wie genau die Nachbehandlung aussieht, hängt ebenfalls davon ab, wie operiert wurde.

Was spielt bei der Behandlungsentscheidung eine Rolle?

Welches Verfahren infrage kommt und ob überhaupt operiert werden sollte, richtet sich danach,

  • wie ausgeprägt die Beschwerden sind,
  • wie ausgeprägt die Fehlstellung ist,
  • ob sie mit einer Arthrose verbunden ist,
  • welche Aktivitäten beim Sport, im Alltag und Beruf möglich sein sollen,
  • wie belastend ein Verfahren ist und
  • ob Begleiterkrankungen bestehen wie zum Beispiel Gefäßerkrankungen, Diabetes mellitus, Nervenerkrankungen oder Rheuma.

Ärztinnen und Ärzte haben sich oft auf bestimmte Verfahren spezialisiert. Deshalb werden von unterschiedlichen Kliniken häufig auch unterschiedliche Operationen empfohlen. Manchmal kann auch erst während des Eingriffs entschieden werden, wie genau operiert wird.

Wenn sich bereits Hammer- und Krallenzehen entwickelt haben, können sie während des Eingriffs ebenfalls korrigiert werden.

Wie gut hilft eine Operation?

Eine Operation begradigt die Zehen und den Mittelfuß. Dadurch wird die Fehlstellung behoben und die Beschwerden bessern sich oft. Bei vielen ist der Fuß nach der Operation wieder belastbarer und das Laufen fällt leichter. Manche sind dennoch unzufrieden mit dem Operationsergebnis, etwa weil sie weiter Schmerzen haben oder der Fuß unbeweglicher ist als vorher: Meist verringert der Eingriff die Beweglichkeit des Großzehen-Grundgelenks. Der Fuß lässt sich dann beispielsweise nicht mehr richtig abrollen.

Es gibt einige Studien, die die verschiedenen Operationsverfahren miteinander verglichen haben. Ihre Ergebnisse sprechen dafür, dass die gängigen Verfahren ähnlich gut helfen.

Nach einem Eingriff kann sich erneut ein Hallux valgus bilden. Um vorzubeugen, wird empfohlen, auf enge Schuhe zu verzichten.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Es kann bei jedem Eingriff zu Entzündungen, Infektionen sowie Nerven- und Gefäßverletzungen kommen. Bei einer können Folgeoperationen notwendig werden. Eine Nervenverletzung kann zu einer dauerhaft tauben Stelle am Zeh führen. Seltene Komplikationen sind außerdem Arthrose am Mittelfußknochen oder ein Absterben () des Knochengewebes.

Da das Bein nach einem Eingriff nur wenig belastet werden kann, ist das Thromboserisiko in dieser Zeit erhöht. Deshalb können Anti-Thrombose-Spritzen verschrieben werden. In den ersten Tagen und Wochen kann der Fuß noch schmerzen. Das legt sich aber meist. Bis dahin können Schmerzmittel helfen, wie zum Beispiel Paracetamol oder .

Der Fuß ist allgemein recht anfällig für Wundheilungsstörungen, da er nicht so gut durchblutet ist wie andere Körperteile und beim Gehen regelmäßig belastet wird. Bestehen ohnehin schon Durchblutungsstörungen, wie bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit () oder einem diabetischen Fuß, kann es durch eine Operation zu Wundheilungsstörungen oder einer chronischen Wunde kommen. Deshalb raten Ärztinnen und Ärzte bei solchen Erkrankungen manchmal von einer Operation ab.

Auch Rauchen erhöht das Risiko für Wund- und Knochenheilungsstörungen, da es die Durchblutung des Gewebes verringert. Das Risiko dafür lässt sich durch einen Rauchstopp – wenigstens in den Wochen vor und nach dem Eingriff – verringern.

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Aktualisiert am 15. Dezember 2021
Nächste geplante Aktualisierung: 2024

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Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

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